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BUENOS AIRES

(c) Theatro Colon

 

 

PARSIFAL

Premiere am 4. Dezember 2015

Gestern Abend spielte das ehrwürdige Teatro Colón in Buenos Aires sein letztes Werk in der Spielzeit 2015, und der „Parsifal“ von Richard Wagner wurde zu einem Riesenerfolg. Nachdem der neue Intendant Darío Lopérfido, der im Februar das Theater übernommen hatte, Katharina Wagner, die diese Produktion machen sollte, durch den argentinischen Regisseur Marcelo Lombardero ersetzt hatte, war man sehr gespannt, wie das offenbar eng zusammen arbeitende Team Lombardero/Alejo Pérez, Dirigent, dieses letzte Werk des Bayreuther Meisters in Szene und musikalisch umsetzen würde. Das Colón war nahezu ausverkauft und hat immerhin etwa 2.500 Sitzplätze und über 500 Stehplätze.

Schon das erste Bild vom Bühnenbildner Diego Siliano macht einen fast sprachlos. Das Regieteam verortet die Gralsgesellschaft in ein völlig zerstörtes Dorf genannt Epecuen in der Provinz Buenos Aires, welches von einer großen Lagune infolge starker Regenfälle völlig zerstört wurde. Man sieht ein eschatologisches Ambiente mit Elementen der Zerstörung, die den Eindruck einer großen Katastrophe vermitteln. Die Gralsritter bewachen dieses Rückzugsgebiet mit Maschinengewehren und zeigen sich in den Chorszenen äußerst militant. Hier wird bereits eines offenbar: Lombardero vermeidet in seiner Konzeption jedes religiöse Element des Werkes, man sieht nur einen kleinen Altar in einem stehen gebliebenen typisch argentinischen Barbecuegrill, der mit seinen Stierkopfskeletten und Pseudoheiligen synkretistische Assoziationen hervorruft.

Gleichwohl gibt es den erschossenen Schwan und Parsifals Bogen, wie auch andere klassischen Elemente des Stücks im Laufe der Vorstellung. Lombardero stellt das Werk also als ein reales Bildnis dar, mit Hinweisen auf die Zerstörung sowie menschliche Tragödien und Verrohung. Und so könnte man dieses Bild als Metapher für all die Verbrechen nehmen, die im Namen der Religion in der Geschichte begangen wurden. Das gibt der hier gewählten Ästhetik und Mystik eine übergeordnete Bedeutung, die sich bis zum Ende des 1. Aufzugs fortsetzt. Nach einer eindrucksvollen Verwandlung durch die Ruinenlandschaft von Epecuen, die wirklich das Wort von Gurnemanz „Du siehst, mein Sohn, zum Raum wird hier die Zeit“ nachvollziehbar macht, gewahren wir die Gralsritter auf die Enthüllung des Grals wartend in einer Art riesigem Gasometer mit einem stählernen Tor.

Es ist ein Symbol völliger Abschottung – ein atemberaubendes Bild, welches der Lichtdesigner José Luis Fiorruccio mit einer Art Multimedia gestaltet hat, in tristem Grau. Es erweckt klaustrophobe Assoziationen. Hier gibt es natürlich keinen Gral. Stattdessen wird der auf der ganzen Brust mit blutenden Wunder übersäte Amfortas in der Stellung des Gekreuzigten in die Höhe gezogen – ein Ausdruck unmenschlichen Leidens zu Gunsten der nach diesem Moment lechzenden Gralsritter sowie Titurels, der auf einer hinten eingeschobenen dunklen Leinwand als General gezeigt wird. Auch Amfortas trägt eine Uniform. Die Kostümbildnerin Luciana Gutman hat für die diversen Charaktere stets entsprechende Kostüme geschaffen. Die Verrohung dieser Gesellscaft wird offenbar, wenn sie den nach dieser Szene wie tot am Boden liegenden Amfortas den Rücken zukehrt – Mitleid gibt es hier nicht aufs Geringste. Parsifal sieht sich diesen Ritus entsetzt von der Seite an.

Im zweiten Aufzug sehen wir Klingsor im Smoking ganz bürokratisch Kundry zur Verführung Parsifals anrufend. Das sehr karge Bild steht in starkem Kontrast zu den opulenten Bildern des 1. Aufzugs. Die Szenerie konzentriert sich allein auf die Anrufung Kundrys – das Entscheidende in diesem Moment. Sodann jedoch sehen wir einen bläulichen Schleier über der Szenerie, auf der mit großer Intensität flackernde statistische Symbole, Grafiken, eine kreisende Erde und Schwarz-Weiß-Bilder in endloser Folge und flashartig zu sehen sind. Man könnte das als den Versuch Klingsors werten, an den Gral zu kommen – allein all diese Berechnugen gehen bekanntlich nicht auf. Wenn Parsifal und Kundry zusammen kommen, wirkt dieses bläuliche Geflecht wie ein Labyrinth – ein passendes Bild für die Situation Parsifals. Die Blumenmädchen-Szene wartet mit eindrucksvollen blauen Leuchtstreifen auf, die die Figuren der Damen im Dunkel betonen. Mit ihren blauen Perücken sehen alle gleich aus. Die Szene hat mit der beeindruckenden und exakten Choreographie von Ignacio González Cano etwas ganz Besonderes. An Ideenreichtum hat es dem Regieteam wahrlich nicht gefehlt. Es hat ganz besonders auf starke visuelle Eindrücke gesetzt, und dieses Konzept ging auf.

Im 3. Aufzug kommen wir wieder in das zerstörte Epecuen, in dem Gurnemanz Kundry aus einem Schutthaufen erweckt. Parsifal kommt in schwarzer Rittermontur mit dem Speer, seine Wiedererkennung durch Gurnemanz wird ein Höhepunkt dieses Aufzugs, wie überhaupt die Personenregie ein großes Plus der Inszenierung ist. Die Bilder sind ständig in Bewegung, alles ist wie im Fluss. Das Finale gelingt eindrucksvoll und schlüssig. Die Gralsritter sind nun ohne ihre Sturmgewehre zu sehen. Nachdem Parsifal Amfortas mit dem Speer geheilt hat, geht ein Vorhang herunter, und man gewahrt einen kleinen Jungen im Parkett, der den nun ausschliesslich sichtbaren Gralsrittern zuwinkt – hier findet also der direkte Kontakt mit dem Publikum statt. Schließlich sehen wir Parsifal über allen wie eine Statue auf einer Rampe stehen, und die Gralsritter gehen in eine gleißend hell erleuchtete Zukunft – der Ritus der Gralsenthüllung ist beendet. Unklar bleibt nur, wo Gurnemanz und Kundry geblieben sind…

Das Teatro Colón hatte für diese Inszenierung ein ausgezeichnetes internationales Sängerteam engagiert. Christopher Ventris ist sicher zu den besten Vertretern des Parsifal weltweit zu sehen. Er begeisterte durch sein emphatisches Siel und seinen höhensicheren stählernen Tenor, der alle Klippen der Partie mühelos meisterte. Stephen Milling ist als Gurnemanz ebenfalls eine Autorität, er überzeugte mit seinem wohlklingenden und mit viel Variation eingesetzten Bass. Auch darstellerisch gestaltete er die Rolle sehr engagiert und lebhaft. Ryan McKinny war ein beeindruckender Amfortas, der seine besten Momente im Finale des 3. Aufzugs hatte. Er stellte das Leiden der Figur äußerst überzeugend dar und ließ einen ausdrucksfähigen Bariton hören. Nadja Michael sang und spielte mit beeindruckender Empathie die Kundry. Ihr voller Mezzo bestach immer wieder durch seinen Wohlklang, seine gute Tiefe und große Ausdrucksfähigkeit.

Deshalb und aufgrund ihres überzeugenden Spiels fielen eine paar grelle Spitzentöne kaum ins Gewicht. Héctor Guedes gab einen etwas unauffälligen Klingsor. Einige gute Stimmen waren unter den Gralsrittern und Knappen zu hören. Insbesondere überzeugen konnten die beiden Gralsritter Iván Meier und Norberto Marcos. Die Blumenmächen sangen ebenfalls auf hohem Niveau. Als Stimme aus der Höhe beeindruckte klangvoll Alejandra Malvino. Die Chöre sorgten für immer neue Höhepunkte. Sowohl der von Miguel Martinez bestens einstudierte Chor des Teatro Colón wie der von César Bustamante geleitete Kinderchor des Teatro Colón sangen exzellent und mit großer Transparenz. Betörend war der Damenchor im Finale „aus höchster Höhe“: Er war über dem großen Deckenleuchter platziert und hob sich somit wirkungsvoll und magisch von der Bühne ab.

Alejo Perez dirigierte das Orchester des Teatro Colón mit großer Hingabe und Liebe zum Detail. Schon das Vorspiel zum 1. Aufzug zelebrierte er in allen seinen Details und machte lange Pausen. So schien ihm das Pathos der Parsifal-Musik besonders am Herzen zu liegen, und das passte auch generell zum Bühnengeschehen. Die großen Zwischenspiele gelangen ebenfalls beeindruckend, immer wieder machte sich die exzellente Akustik des Teatro Colón unterstützend bemerkbar. Zudem ging Perez sehr einfühlsam auf die Sänger ein. Die Koordination zwischen Graben und Bühne war perfekt. Man merkte klar, dass hier viel geprobt wurde, was ja ein Vorteil bei einem Stagione-Theater wie dem Colón ist.

Um 20 Uhr begann die Vorstellung, wie alle am Colón. Das hieß, dass dieser „Parsifal“ um 1:15 Uhr morgens endete. Auch wenn schon eine signifikante Zahl von Besuchern das Theater nach dem 2. Aufzug verlassen hatte, war eindrucksvoll, wie viele bis zum Schluss durchhielten und wie begeistert der Applaus dann noch war, allen voran für Stephen Milling und Christopher Ventris und Alejo Perez. Auch das Regieteam bekam ausnahmslos starken Applaus – das Publikum zeigte sich dieser ganz neuen und ungewohnten Lesart des Parsifal gegenüber aufgeschlossen. Ein großer Abend am Teatro Colón! (Fotos in der Bildergalerie).

Klaus Billand  6.12.15   

Bilder Theatro Colon

       

 

 

 

 

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