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Theater Münster

gesendet am 5. Juni 2016

Wieder fehlerbehaftet und mit falschen Akzenten versehen

Ungefähr zweihundert Opernhäuser gibt es weltweit, davon allein fünfzehn im von der britischen Besatzungsmacht nach dem II. Weltkrieg aus dem nördlichen Teil der preussischen Provinz Rheinland, der preussischen Provinz Westfalen und dem Land Lippe gebildeten Nordrhein-Westfalen, alle ausser Detmold   in Trägerschaft der Kommunen. Letztere setzten dann auch mit spektakulären Neubauten wie - in zeitlicher Reihenfolge - Münster, Gelsenkirchen, Dortmund und Essen starke moderne architektonische Akzente, die deren Stadtbild bis heute mitprägen. Alle diese Opernhäuser werden bespielt – dafür wurden sie gebaut - und vom örtlichen Publikum in grosser Zahl besucht. Dies ist mit einem Opernhaus je 1,16 Millionen Einwohnern genau gleich wie Berlin mit seinen drei Opernhäusern

Da gebührt Dank dem WDR-Fernsehen, das in einer mehrteiligen Sendereihe jeweils am Sonntag-Morgen dieses Opernland Nordrhein-Westfalen und die Geschichte der einzelnen Häuser vorstellt unter dem Motto der Anfangsworte des „Rosenkavalier“ „Wie du warst! Wie du bist“ Manchem Kommunalpolitiker, der nur selten im örtlichen Theater zu sehen ist, sollte dies auch zum Nachdenken darüber anregen, wie weltweit einmalig diese Struktur ist und daß er darauf stolz sein kann und es nicht nur als wenig Widerspruch erregendes Einsparpotential betrachten sollte.

Am letzten Sonntag wurde dann zu Beginn der Sendung über Münster und sein Theater berichtet. Vielleicht zukunftsweisend aber heute noch kaum vorstellbar ist die Tatsache, daß im 19.Jahrhundert die Theater von Münster, Osnabrück und Detmold, später bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts. Münster und Essen, zeitweise auch Essen und Dortmund unter gemeinsamer Leitung standen

„Wie du warst! Wie du bist“ - diese Worte kamen dem Verfasser in den Sinn, als er mit einem Ausschnitt aus der Eröffnungsvorstellung des Theaters Münster, der „Zauberflöte“, an seinen ersten Opernbesuch erinnert wurde.

Allerdings kamen auch Irrtümer oder Unterlassungen vor, wie Opernfreund-Herausgeber Peter Bilsing schon für die rheinischen Opernhäuser festgestellt hat. So hätte man für die bahnbrechenden Händel-Bearbeitungen in Münster in den 1920er Jahren gern die Namen GMD Schulz-Dornburg, Regisseur Hans Niedecken-Gebhard, Bühnenbildner Hein Heckroth und insbesondere Choreograph Kurt Jooss gehört. Für die Aufführung von Benjamin Brittens „Gloriana“ mit Martha Mödl (auf Deutsch) ganz kurz nach der Uraufführung zur Krönung der immer noch regierenden Elisabeth II und auch seines „War Requiem“ muß der damalige GMD Reinhard Peters gelobt werden. Von 1992 bis 2004 war Will Humburg GMD in Münster und ihm sind Höhepunkte bei Opern- und Konzertaufführungen zu verdanken. Intendanten, und damit ebenfalls für die Höhepunkte im Musiktheater verantwortlich waren bis 1996 Achim Thorwald – nach Münster Intendant in Wiesbaden und Karlsruhe – sowie 1996 bis 2004 Thomas Bockelmann – bis heute Intendant des Staatstheaters Kassel. Auch hat nach allen mir vorliegenden Unterlagen Will Humburg die „Traviata“ im Jahre 1994 wohl dirigiert, aber nicht selbst inszeniert, die Regie führte vielmehr Dominik Neuner.

Ausschnitte aus „Joseph Süss“ von Detlev Glanert – einer der gelungensten Opernaufführungen der letzten Jahre – und „La Bohéme“ zeigten abschliessend, daß Münster mit dem Bariton Gregor Dalal und dem Tenor Adrian Xhema – und vielen anderen - im Opernensemble über grosse Stimmen verfügt, die hoffentlich auch weiter dazugehören werden.

Überhaupt führte die räumliche Dichte der Opernhäuser zu einer entsprechend grossen Anzahl von Bewerbungen für freiwerdende Stellen von Orchestermusikern und Sängern aus aller Welt, was das Niveau der Aufführungen in den letzten Jahrzehnten deutlich erhöhte.

Sigi Brockmann 6. Juni 2016

 

 

 

Düsseldorf/Duisburg & Krefeld/Mönchengladbach

Sendetermin: Sonntag 22. Mai 2016 - 10 50 h

Hurra, Hurra, Hurra - der WDR nimmt seine wunderbare Theaterlandschaft endlich wahr

"Es gibt rund 200 Opernhäuser in der ganzen Welt." heißt es im Auftakt; ich denke daß es ein halbes tausend gibt - will aber kein Besserwisser sein. 100 alleine stehen in Deutschland - das stimmt, wie unsere Homepage beweist, denn wir führen sie alle auf und berichten drüber. Davon gibt es sagenhafte 15 in NRW. Platz 2 belegt Bayern mit neun Häusern, Platz 3 Baden Württemberg mit sieben Musik-Theatern. Dabei ist die Versorgungs-Dichte in Berlin (Drei Häuser) mit 1,6 Millionen Einwohnern pro Haus genauso groß, wie in ganz NRW. All das erfahren Nichtwissende am Anfang der WDR-Dokumentation für die Georg Quander verantwortlich zeichnet.

"Das bevölkerungsreichste Bundesland bewahrt ein Weltkulturerbe, das es noch zu entdecken gilt",

tönt es vielversprechend. Nun denn. Eine Million Besucher pro Jahr bei eintausend Opernvorstellungen, davon rund 100 Premieren - wow! Ja, das ist toll und der Rezensent ist stolz hier in NRW zu wohnen und dieses üppige einmalige Angebot nun schon über 50 Jahre nutzen zu können, zu dürfen. Ich liebe dieses Land und wenn Sie, liebe Nicht-NRW-ler, einmal mehr über unser Land erfahren wollen, dann empfehle ich diesen sehr gelungenen Film mit traumhaften Luftaufnahmen und

 

historischen Bildern - ein Juwel, eine preiswürdige Produktion. Da hat unser WDR wirklich etwas ganz Faszinierendes produziert. Aber zurück zu den Opernproduktionen. Es waren über 1000 Aufführungen per annum. Ich finde diese Zahl eher sogar etwas zu niedrig angesetzt.

 

Ketzerische Anmerkung: Und nun raten Sie, verehrte Opernfreunde einmal, wie viele von den tausend Opern-Abenden im WDR Regionalfernsehen übertragen werden bzw. je übertragen wurden? Die richtige Antwort ist: Null!

Dreemal null blevt null, iss null  heißt es im Karnevalslied der Höhner. Nächste Frage: Wie viel Karnevalsveranstaltungen werden vom "WDR-Regionalkraken" übertragen? Ehrlich: Ich hab es nicht im Kopf, aber es sind eine große Menge ;-).

Doch wollen wir nicht meckern, mittlerweile haben die WDR Kulturverantwortlichen erkannt, daß es diese vielen Opernhäuser überhaupt gibt - also das Land NRW doch keine Scheibe ist - und man hat sich, angesichts des vielen Archivmaterials (welches natürlich kein Mensch für teures Geld kauft, wie die Bonner Oper gerade schmerzlich feststellen musste - siehe meinen Kommentar), nun entschlossen, doch endlich der Verantwortung für dieses gigantische "Weltkulturerbe" zu widmen und eine Doku-Reihe erstellt. Das ist schön. Das ist wunderwunderschön... Es gibt also doch noch eine alternative Welt neben Koch-, Rate, Spielshows und Zoosendungen.

Die erste Folge beginnt mit den schon legendären Opern-Ehen der vieldiskutierten und oft vor der Scheidung gestanden habenden Häuser von Düsseldorf/Duisburg (Rheinoper) und Krefeld Mönchengladbach.

RHEINOPER

Das man nun ausgerechnet mit einem Auszug aus der aktuellen Zauberflöte startet ist etwas befremdlich für mich, ist doch diese Koskie-Produktion eigentlich nur eine Zweitverwertung aus Berlin und nicht gerade die originäre Inszenierung, mit der ich, als lokaler Intendant für die Originalität und Qualität meines Haus werben würde - aber das ist wohl Ansichtssache; wahrscheinlich dachte man, daß man mit dem FEURIGEN ENGEL (dem wir sogar den Opernfreund-Stern verliehen haben ;-) zuviel unbedarftes Publikum verschrecken würde. Aber da gibt es doch alternative Beispiele, Herr Quander oder nicht? Ich denke da z.B. an die bald 50 Jahre alte, herrliche Kinder-Bilderbuch-Hänsel-und-Gretel, an eine bemerkenswerte Tosca (Hilsdorf Meisterregiewerk), Hoffmanns Erzählungen (Loys großartige sogar die Räumlichkeiten der Rheinoper zitierende tolle Produktion), den wunderbaren Werther oder Il Trittico; alles ureigene Inszenierungen der Rheinoper!

So sehen wir (drei Minuten verschenkte kostbare Sendezeit!) diesen an die Ästhetik von Musik-Videos bzw. Mangas erinnernden Einspieler der Berliner Zauberflöte. Hallo Teens und Twens, so geil sind die anderen aktuellen Opern-Produktionen der Rheinoper nicht - das Haus ist keine Disko ;-)!

Doch weiter im Text des Beitrags. Nun ab hier wird es wirklich interessant, es geht um das Stichwort

EXISTENZGEFÄHRDUNG

NRW kennt keine Staatstheater - alles wird von den Kommunen finanziert; rund 350 Millionen Euro. Viele viele Steuergroschen, an denen sich das Land leider nur mit schlappen 45 Millionen beteiligt. Das sind rund 9 Prozent. Der mit Abstand niedrigste Anteil aller Bundesländer an ihren Häusern - so der Beitrag. Bayern bzw. Baden Württemberg beteiligen sich wie verlautet mit 43 bzw. 64 % an den Kosten. Na wenn das korrekt ist, könnte man neidisch werden bei uns...

Ob allerdings hierin mit ein Grund für die "Instabilität" der NRW-Bühnen liegt - wie es erklärt wird - möchte ich doch ganz erheblich in Frage stellen. Der Vorwurf der "mangelnden Ausstrahlungskraft" ist schon eine dreiste Frechheit" zur Erklärung der finanziellen Misere, denn oft hapert es den kleinen Häusern ja am Etat für Marketing und Werbung. Und würde ein mit gigantischen Zwangssteuern automatisch finanzierter Gigant, der heuer vor Geld kaum gehen kann, wie der WDR, etwas mehr über sie berichten, statt überall nur Werbeflyer auszulegen, dann wäre schon viel geholfen.

Ganz großartig allerdings ist die historische Beleuchtung der Entstehungs-Geschichte der Düsseldorfer Oper, denn die geht auf Jan Wellem bis ins Jahr 1650 zurück. Immerhin war das Gebäude an der Mühlenstraße eine der ersten Opernbühnen Europas. Für die Geschichte der "Rhein"-Oper nahm man sich nicht nur toller zeitgeschichtlicher Dokumente an, sondern der TV-Zuschauer wird auch relativ umfassend aufbereitet informiert. Der Beitrag ist also ab der 8.Minute wirklich sehenswert und vermittelt auch den alteingesessenen Düsseldorfer Opernfans noch viel Wissenswertes. Also noch einmal:

Großes Lob für die Auswahl des Archivmaterials und die perfekte Aufarbeitung.

Das ist diesmal jeden Euro wert und entspricht auch dem Qualitätsniveau, welches man von einem so großen Sender-Produzenten erwarten kann - Fazit: vorbildlich gemacht. Die Erwähnung der Giganten (u.v.a. George Szell, Carlos Kleiber), die in Düsseldorf tätig waren, müssen Herz und Seelen der Chefs neuzeitlicher Weltbühnen neidvoll erblassen lassen. Düsseldorf war absolute Weltklasse - einst...

Und angesichts der Bilddokumente stellt sich nicht nur mir die Frage, warum man nicht (wie z.B. annähernd in Duisburg gelungen) den alten Düsseldorfer Prachtbau wieder aufbaute und stattdessen 1956 ein Haus mit schlechtester Sicht und miserabler Akustik realisierte. Opernfreunde, die in Düsseldorf je in den Seitenrängen sich den Hals verrenkten oder unter den überhängenden Rangdächern akustisch versauerten, werden das bestätigen können. Daß es auch anders, publikumsfreundlicher, ging zeigte z.B. der Ruhnau Bau in Gelsenkirchen oder die Riphahn Oper in Köln; vom grandiosen 5-Sterne-Aalto-Theater Essen möchte ich lieber gar nicht erst reden.

Die neuere Geschichte ist gut dargestellt, immerhin sangen die weltbesten Künstler einst in Düsseldorf (danach erst in Bayreuth ;-) - sehen wir mal von dem Fehler ab, daß die TROJANER nicht vom Intendanten Richter, sondern von Christoph Loy inszeniert wurden. Sehr gute Kurzhistorie; auch die Erwähnung der genialen plastischen Projektion (damals ein Meilenstein) von Heinrich Wendel. Hier hat man mit Liebe und Akribie gearbeitet und typische Szenen zusammen gestellt. Besonders die Erinnerungen an den großen Intendanten Kurt Horres, sind sehr sehenswert.

KREFELD MÖNCHENGLADBACH

Leider bleiben am Ende nur noch knapp 20 Minuten für die Darstellung von Krefeld & Mönchengladbach. Und das ist nicht nur traurig, sondern eine Schande, denn diese schönen Häuser werden nun im Schnellverfahren abgehandelt. Das haben sie nun wahrlich nicht verdient.

Die stilprägende langjährige Ära Joachim Fontheims könnte etwas umfassender erwähnt werden; zwei Sätze zum großen Eike Gramms, der die Häuser mit einem begnadeten Programmangebot überregional in ganz Deutschland ins Feuilleton brachte. Und die letzten Intendanten Jens Pesel und Michael Grosse werden gerade einmal in einem Nebensatz am Rande erwähnt. Den Namen von Wolfgang Gropper (Intendant von 91 bis 96) hörte ich gar nicht. Na immerhin wird Josef Goebbels ausgiebig gewürdigt...

Hallo Freunde vom WDR! Schämt euch - was ist denn das für eine schwache Arbeit. Note: mangelhaft! Oder sollte Herr Quander die vielseitige Geschichte dieser Häuser und ihrer rührigen Chefs im Großstadtwahn nicht wahrgenommen haben? Ich bin gespannt wie viel Stunden lang dann der Beitrag über die Kölner Oper wird...

Fazit: Insgesamt unbedingt sehenswert. Bitte mehr und demnächst etwas länger. Nur noch eine letzte Frage stellt sich dem Zuschauer: Warum hat man nicht wenigstens die aktuellen Intendanten (Christoph Meyer / Michael Grosse) mit einem kurzen Statement zu Worte kommen lassen? Oder wollten die nicht?

Wir freuen uns auf die zweite Sendung am 29.Mai über Gelsenkirchen, Dortmund, Essen und Hagen ;-))))

Peter Bilsing DER OPERNFREUND - 22.5.16

P.S.

Zum Nachschauen, wer es verpasst hat, auf der VIDEOTHEK vom WDR.

 

Wichtiger NACHTRAG:

In der Doku gab es noch mehr Fehler betr. Rheinoper

- Meyer ist nicht erst 2011 Intendant, sondern seit 2009.
- Den Paisello-Barbier inszenierte nicht Horres, sondern Thomas Schulte-Michels,
- Diese "Carmen" von Peter Brook ist an der Rheinoper nie gelaufen.
- Aus Sophie Witte hat man "Witter" gemacht.
- Es gab in den 80ern die Inszenierung von del Monaco, danach erst wieder die von Savary.
 
Man fragt sich ernsthaft. Woher kommt diese Fehlinformation? Für einen Opernkenner wie Quander fand ich diese Fehler peinlich.
Die Rheinoper sollte mal eine DVD mit Archivmaterial rausbringen. So eine Inszenierung wie "Moses und Aron" muss doch ein Meilenstein der Rezeptionsgeschichte gewesen sein.
 
schreibt unser Opernfreund-Redaktuer und guter Düssedorf-Kenner
 
Rudolf Hermes / 23.516

 

 

 

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