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EIN SOMMERNACHTSTRAUM

Besuchte Vorstellung am 1. April 2014

(Premiere am 29. März 2014)

Schrill

Sung-Keun Park/Christopher Tonkin/William Towers/Jami Reid-Quarrell

Benjamin Brittens äußerst vielschichtiger, heterogener „Sommernachtstraum“ besticht neben der hoch artifiziellen Musik, die die drei Ebenen des Stückes von den Elfen über die Liebeswirren der beiden Menschenpaare bis zu den rüpeligen Handwerkern durch farbenreiche Sphärenmusik miteinander verwebt, auch durch den originalen Shakespeare-Text. Vor diesem hatten Britten und sein Lebensgefährte Peter Pears hohen Respekt, als sie ihn für das Libretto stark verkürzten, aber sonst nahezu unangetastet ließen. So geht es in allen Ebenen sprachlich durchaus drastisch und teilweise derb zu. Diesem Ansatz, die Auseinandersetzungen des Elfenpaars, die Liebeswirren der jungen Leute und die deftigen Sprüche der Arbeiter niemals durch irgendwelche kitschige Märchenromantik zu übertünchen, folgte Michiel Dijkema in der hannoverschen Neuinszenierung konsequent. So musste man sich jedenfalls in den Elfenszenen damit zufriedengeben, dass wenigstens musikalisch zauberhafte Stimmung entstand. Auf der Bühne wurde dies geradezu krampfhaft vermieden, wenn die Kinder und Jugendlichen des Kinderchors der Staatsoper (übrigens in der Einstudierung von Dan Ratiu wunderbar klar singend) statt als zarte Elfen als ziemlich hässliche, grasgrün kostümierte und infolge ihrer Kugelbäuche und übergroßen Schwimmflossen tollpatschige Trolle daherkamen. Zu Beginn brachten sie schmale, sich allmählich in die Höhe windende Buschpflanzen in Töpfen auf die zunächst völlig kahle Bühne, so dass doch so etwas wie ein Wald entstand, in dem die beiden ersten Akte angesiedelt sind, Der wurde allerdings im Laufe der ersten Szenen angefüllt mit mächtigen goldenen Säulen (Theseus‘ Palast) sowie mit vom Bühnenhimmel herab gelassenen oder von den Seiten herein geschobenen überdimensionalen „Gegenständen“, die in Normalgröße die Liebespaare und die Handwerker als Straßen-Bauarbeiter benutzt hatten, wie z.B. Absperrbaken, Hermias Koffer in Barbie-Rosa, Stehlampe und eingerollter Teppich, oder Helenas Lippenstift sowie Gewehr und Taschenlampe des Rockers Demetrius. In dieser teilweise grotesken Umgebung (Bühnenbild: Florian Parbs) wurden  die Aktionen des in quietschbunte Klamotten (Claudia Damm) gesteckten Ensembles immer schriller. Daran konnte man jedoch nun wirklich seinen Spaß haben; denn alle waren mit offensichtlicher Spielfreude am Werk. Nachdem nach der „Aufführung“ der schauspielernden Bauarbeiter die meisten „Gegenstände“ in Brand gesteckt waren, endeten die Traumszenen; Titania und Oberon waren wieder versöhnt und gaben allen ihren Segen, bis der quirlige Puck (hochakrobatisch am Vertikalseil und prononciert sprechend Jami Reid-Quarrell) das Publikum um Vergebung und Beifall bat.

Jami Reid-Quarrell/Hanna Larissa Naujoks/Sung-Keun Park/Christopher Tonkin/Rebecca Davis

Musiziert, gesungen und gespielt wurde in Hochform: Da ist zuerst das gut disponierte Niedersächsische Staatsorchester Hannover zu nennen, das unter der präzisen und immer wieder antreibenden Leitung von Karen Kamensek die sehr unterschiedlichen Stimmungen der instrumental diffizilen Musik in begeisternder Weise entstehen ließ. Das passte mit dem bis in die kleinsten Partien bestens besetzten Opernensemble sehr gut zusammen. Die Elfenwelt ist instrumental und stimmlich den hohen Lagen zugeordnet: Ausnehmend gefielen hier der weiche, klangschöne Countertenor von William Towers als Oberon und der intonationssicher geführte Koloratursopran der blutjungen Heather Engebretson als Titania.

Michael Chacewicz/Michael Dries/Edward Mout/Daniel Eggert/Frank Schneiders 

Ein schauspielerisches Kabinettstückchen lieferte sie gemeinsam mit dem erfahrenen und komödiantischen Frank Schneiders in der Liebesszene mit dem Handwerker Bottom in Eselsgestalt. Mit seinem wandlungsfähigen Bassbariton war er die treibende Kraft in allen Rüpelszenen – meist in den tieferen Lagen der Instrumente und Stimmen; besonders während der nun wirklich urkomischen Theateraufführung der Arbeiter – auch musikalisch eine veritable Opernparodie – gab er mit seinen jeweils typgerecht besetzten Kollegen Quince (Daniel Eggert), Flute (Edward Mout), Snug (Michael Dries), Snout (Michael Chacewicz) und Starveling (Francis Bouyer) dem komödiantischen Affen Zucker.

Ebenso gefiel es, all die Wirren zu erleben, die Puck mit den beiden Liebespaaren Lysander/Hermia (mit tenoraler Leuchtkraft Sung-Keun Park und Hanna Larissa Naujoks mit hellem, charaktervollem Mezzo) sowie Demetrius/Helena (jeweils stimmstark und ausdruckskräftig Christopher Tonkin und Rebecca Davis) anstellt.

Julie-Marie Sundal/Per Bach Nissen/Christopher Tomkin/Rebecca Davis/Seung-Keun Park/Hanna Laurissa Naujoks

Schließlich ergänzten das Ensemble sicher und stimmkräftig Per Bach Nissen als verliebter Theseus sowie Julie-Marie Sundal als seine Braut Hyppolita, die weniger Interesse an ihm als am Champagner hatte.

Lang anhaltender, begeisterter Applaus belohnte alle Mitwirkenden eines anregenden Opernabends.

Gerhard Eckels  2. April 2014

Bilder: Thomas M. Jauk

 

Weitere Vorstellungen: 4./13./26./30.4., 10./23.5., 8./17.6. und 3.7.2014

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