DER OPERNFREUND - 49.Jahrgang - Europas Nr. 1
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ASCHENPUTTEL

Premiere: 24.09.2016
Besuchte Vorstellung: 28.12.2016

Nicht mehr als ein netter Versuch

Lieber Opernfreund-Freund,

die Kammeroper Köln ist eine privat finanzierte Institution in Köln, in der die Schwestern Esther und Inga Hilsberg seit nunmehr 20 Jahren mit großer Leidenschaft Musiktheater für Groß und Klein anbieten und im Walzwerk in Pulheim neben Musical und Operette auch kindgerechte Bearbeitung „großer“ Werke sowie Eigenkreationen für die Kleinen auf die Bühnen bringen. Dass man in diesem Rahmen als Zuschauer an den qualitativen Ansprüchen drehen muss, ist spätestens seit 2014 widerlegt, als man an der neuen Spielstätte mit der so genialen wie unvergessenen „Max und Moritz“-Version einen vergnüglichen Nachmittag für Jung und Alt auf höchstem musikalischen, gesanglichen und szenischen Niveau präsentierte.

In diesem Jahr hat man mit Maurice Lenhard einen jungen Regisseur verpflichtet, sich der auf ungefähr eine Stunde zusammengestrichenen „Cenerentola“ von Gioachino Rossini anzunehmen. Doch der verhebt sich an der kindgerechten Adaption, beraubt das Werk jeglichen feinen Witzes und setzt stattdessen auf plumpe Komik, die dazu noch selten zündet. Auf der an sich liebevoll gestalteten Einheitsbühne verwirrt es die jungen Zuschauer eher, dass es beim Prinzen genauso aussieht wie bei Aschenputtel zuhause; auch dass die so gar nicht in Asche daher kommt und weder von den Stiefschwestern gepiesackt noch dem Stiefvater unterdrückt wird, ist mehr als unschlüssig. Da gibt es keine ungerechte Welt, der sie entfliehen müsste, und der unfassbar altbackene Hosenanzug, den sie tragen muss (Kostüme: Christina Geiger), kann ja wohl nicht wirklich als Ausdruck der sozialen Herabstufung gemeint sein. Die strukturlose Personenregie Lenhards – beispielsweise in der Gartenszene – macht eher konfus, als die Kinder an die Hand zu nehmen und ihnen zu verdeutlichen, was da gerade passiert. Da ist es kein Wunder, dass selbst der aufgeweckteste und interessierteste Knirps nach spätestens 45 Minuten Faden und Interesse verliert und nervös auf dem Stuhl hin und her rutscht. Klassenziel verfehlt. Schade!

Auch was die musikalische Qualität betrifft, kann die diesjährige Produktion nicht an die positiven Eindrücke der Vorjahre anknüpfen. Julia Nikolajczyk in der Titelrolle ist neben Dominic Kron, der mit klangschönem Bariton einen präsenten Dandini gibt, die einzige, die ich an diesem Nachmittag als professionelle Sängerin wahrnehme. Ihr warmer Mezzo passt gut zur Rolle, sie legt viel Gefühl in ihre Ballade und zeigt eine tolle Geläufigkeit in den Koloraturen der Schlußszene. Wenn sie doch nur ein wenig inspirierter agieren würde… Giancarlo Paola ist ein solider Don Ramiro, verfügt über eine schöne Stimme und zeigt komödiantisches Talent. Jan Schulenburg als zum indifferenten Traumtänzer umgedeuteten Alidoro, Rolf A. Scheider als Vater und Elena Patsalidou als Clorinda erreichen stimmlich allenfalls Mittelmaß, wobei letztgenannte zumindest leidenschaftlich und umwerfend komisch spielt, während Laura Andres die Partie der Tisbe eher spricht als wirklich aussingt. Gabriella Brezózcki ist am Flügel mit dem lobenswerterweise live interpretierten Klavierpart betraut. Sie spielt engagiert, wird aber der ach so vielen Noten, die der Herr Rossini da in die Partitur geschrieben hat, nicht immer Herr.

Alles in allem darf man bei der finanziellen Ausstattung der Kammeroper und der dargebotenen Kinderversion vielleicht keine Bartoli erwarten, man sollte aber auch den Kleinsten zugestehen, dass für sie anständig musiziert wird, damit die Freude an Musik und Musiktheater vermittelt werden kann. Gestern blieb der Eindruck von Musikschul- oder Laientheater – und das ist die Kammeroper ja nun nicht.

Deshalb wünsche ich ihr im nächsten Jahr mehr Glück bei Stückauswahl und Umsetzung und Ihnen, lieber Opernfreund-Freund, einen guten Start ins Neue Jahr!

Ihr Jochen Rüth / 29.12.16

Bilder © Kammeroper Köln / actorsphotography

 

 

 

Mozart - schlimm "reloaded" !

Elektronischer Mozart, Schülertheater und Balletthopserei

Die „Kammeroper Köln“, das sind die Schwestern Esther und Inga Hilsberg; die Sopranistin und die Dirigentin gründeten 1996 das ausschließlich privat finanzierte Projekt im Kölner Süden, um ihr Konzept vom lebendigen Musiktheater zu verwirklichen. Ein mutiges, aber dann doch recht erfolgreiches Vorhaben; 2014 forderte die ständig wachsenden Besucherzahlen größere Räume. Man fand in einer stimmungsvollen Industriehalle, dem ehemaligen Walzwerk in Pulheim, verkehrsgünstig im Kölner Norden gelegen, eine neue Heimat mit knapp 350 Plätzen und einem geräumigen Foyer. Von hier aus werden auch die zahlreichen Tourneen des Theaters in Deutschland und ins deutschsprachige Ausland organisiert. Mit vergangenen schönen Produktionen wie „Cabaret“, „La Cage aux Folles“ oder „My Fair Lady“ konnte das Theater durchaus erfreulich punkten.

Nun sollte auch mal etwas Eigenes auf die Bretter, am besten mit allseits bekannter Musik; so stieß man auf den armen Wolfgang Amadeus Mozart. Über den gab es zwar schon mit „Mozart!“ ein anspruchsvolles Musical (Premiere 1999 im Theater an der Wien, Regie der brühmte Harry Kupfer), welches um die ganze Welt ging und bis heute ständig gespielt wird. Aus zeitlichen Gründen gelang es dem Rezensenten leider nicht, die Premiere von „Mozart Superstar“ (28. Januar 2016) oder eine nachfolgende Aufführung zu besuchen, so musste die nach dem Besetzungszettel 41. Vorstellung herhalten. Zeit genug, um mal die Rezensionen in der Presse und vor allem die zahlreichen Zuschauerkommentare zu checken. Und da passte so einiges nicht zusammen.

Zum einen im Text des Programmhefts. Abgesehen davon, dass hier behauptet wird, „Superstar“ wäre das erste Mozart-Musical überhaupt, werden hier das Stück und Mozarts Musik schwülstig hoch gepriesen: „im Original erhalten, aber reloaded mit den modernen Sounds und Rhythmen der heutigen Musik: Mal rockig hart, mal romantisch, immer mitreißend und berührend“. Und natürlich erfährt man alles aus erster Hand: "intime Gedanken, Ideen, Gefühle eines nie ganz erwachsen gewordenen Musik-Genies“. Mit der Verheißung, dass jeder Zuschauer am Ende des Musicals selbst beantworten könnte, ob Mozart auch heute ein Superstar geworden wäre. Das wiederum lässt auf Großes hoffen.

Die opulenten Kritiken in gefundenen Print-Medien schließen sich den Lobeshymnen des Programms durchweg an. Man schreibt über „farbenprächtige Bühnenbilder als Projektionen graphischer Gestalt“ (was auch immer das sein mag), und „virtuelle opulent möblierte, farbenprächtige Lebenswelten des Rokoko“. Aber: „Aufgrund lizenzrechtlicher Vorgaben konnte leider nicht mit Live-Orchester gespielt werden“, wie der Abendzettel etwas verschämt kundtat. Stattdessen gab es "Mozart-Reloaded": „mit modernem Sound der Popmusik begeisterten Mozarts genialer Musik in diesem Musical: immer mitreißend und berührend!“ Das Musical wird sogar mit dem mehrfach Oscar-prämierten Amadeus-Film von Milos Forman und der Bühnen-Mozart mit dem legendären Tom Hulce wohlwollend gleichgesetzt, Mozart wird mit Pop-Stars wie Michael Jackson, Eminem und Elvis Presley verglichen, das Mozarteum in Salzburg ist ebenbürtig dem Grab von Jim Morrison. Starke Sprüche!

Auf der Seite der Kammeroper gibt es gar einen kurzen Trailer zu der Aufführung (unbedingt anschauen !), der bei genauem Betrachten allerdings dann doch eine sehr deutliche Skepsis aufkommen lässt: http://www.kammeroper-koeln.de/programm-und-tickets/mozart-superstar/

Total gegensätzlich sind allerdings die Shitstorm-ähnliche Kommentare von zahlreichen Besuchern auf den Seiten der Tourveranstalter.

Allein da heißt es in über überwiegend 80 negativen Kommentare z.B.

Mozart Superstar ist einfach nur grauenhaft! Billiges Bühnenbild, unglaublich schlechte Musik, die zudem auch noch so laut ist, dass man die Sänger nicht versteht.

Diese Inszenierung ist noch schlimmer als eine Schulaufführung.

Schlechter geht's nicht !!! Waren maßlos enttäuscht! Musik kam nur vom Band. Unterirdische Akkustik... Mozart würde sich im Grabe umdrehen. Schade ums Geld.

Leider kann man keine Minus-Sterne verteilen. Es war viel schlechter als die schlechtesten Bewertungen. Sehr sehr viele Gäste sind nach 1 Stunde gegangen.

Hauptdarsteller infantil und peinlich, keine Stimme, Musik aus der Retorte, blödsinnig verfremdet und versucht zu modernisieren. So etwas im Gewandhaus zu Leipzig zu spielen ....

Was sollte das bitte für eine Handlung gewesen sein? Unterste Schublade wirklich, einfach nur peinlich!!! Nicht umsonst sind einige bereits in der Halbzeit nach Hause gegangen. Die guten Kritiken hier können nur gekauft sein, ganz ehrlich. Hat nicht mal einen Stern verdient das Ganze....

Nun, nach diesem Kontrast sollte das Stück nun doch endlich von einem Opernfreund-Kritiker und erklärtem Mozart-Freund live angeschaut werden.

Der Aufwand mit professionellem Life-Orchester und großer Bühnenausstattung ist für die Kammeroper natürlich nicht zu stemmen, zumal das Equipment wegen der zahlreichen Gastspiele auch reisefähig sein musste. So verfiel man auf die Idee, die Kulissen über einen Beamer zu projizieren, sehr praktisch für schnellen Szenenwechsel. Dazu kamen ein paar Stühle für eine Art „Reise-nach-Jerusalem-Spiel“, ein Tisch, eine große Kiste und ein kleiner leerer und leicht zu transportierender Flügel, dem Mozart elektronische Klaviertöne entlockte und der auch als Billardtisch diente. Die „farbenprächtigen Neo-Rokoko-Kostüme“ schienen im Karnevals-Laden gekauft, ebenso die Perücken. Auch das schwarz gekleidete Ballett hopste zwar gleichmäßig, aber ohne rechte Inspiration von rechts nach links und umgekehrt und diente auch als Bühnenarbeiter. Showdown mit der phänomenalen Don-Giovanni-Ouvertüre: Brrrrr.

Mozarts geniale Musik ist grauenhaft elektronisch verfremdet, und vor allem durchgängig mit kräftigem Beat unterlegt. Dazu so laut, schrill  und schlecht ausgesteuert, dass man die life und über Microports verstärkten Sänger kaum verstehen, geschweige denn ein Urteil über ihre Gesangskunst abgeben konnte; ihre Namen seien daher hier schamhaft verschwiegen. Die Stimmen waren schon professionell ausgebildet, die Königin der Nacht schaffte auch ihre Koloraturen einigermaßen - aber die jungen Leute, welche diesen Job vielleicht während oder nach dem Studium und aus wirtschaftlicher Not heraus angenommen haben, konnten einem schon richtig leid tun. Zumal auch die schauspielerische Leistung sich auf dem Niveau von Schüleraufführungen oder schlechten Stücke im Privatfernsehen heranreichte - es fehlten nur noch die Werbepausen zum Musicalglück. Der absolute Höhepunkt war dann Mozarts Sterben, hingegossen auf dem Flügel zur Musik seines Requiems und vermischt mit „der Hölle Rache“ aus der Zauberflöte. Zum Weinen schön ....

Mozarts Sterbeszene

Angedacht für dieses „Musical“ ist die musikalische Erzählung der Lebensgeschichte von Mozart, aus der natürlich einige bekannte Episoden und die „üblichen Verdächtigen“ wie Schikaneder, Constanze, Papa Mozart oder Da Ponte dargestellt werden, die allerdings ohne inneren Zusammenhang präsentiert werden. Ob das Opus diesen Anspruch tatsächlich erfüllt, ist sehr zweifelhaft. Das eher ältere Publikum, dem Vernehmen nach überwiegend aus dem Erftkreis und der Eifel, klatschte trotzdem ordentlich und ganz ohne Buhs. Spannend war es für einen Mozart-Kenner,  ohne Programm in der Hand und trotz des Schlagzeug-Lärms zu versuchen, die einzelnen Musik-Nummern zu identifizieren. Nicht ganz einfach.

Es mag ja durchaus sein, dass die gesehene 41. Vorstellung im Anschluss an eine große Tournee deutliche Verschleißerscheinungen gezeigt hat. Man muss allerdings auch fragen, ob die lobenden Kritiker wirklich die Aufführung mit wachem Auge gesehen haben; kleine Zweifel an ihre Objektivität seien gestattet. Und den vielen enttäuschten Zuschauern kann man nur raten, sich möglichst vor jedem Kartenkauf im Internet zu informieren. Hat ja heute eigentlich jeder.

Wenn Sie also belastbar sind, dann mögen Sie sich dieses Stück gerne selber anschauen; aber bitte dann keine Meckerei - wir haben Sie gewarnt!

Michael Cramer 28.4.16

Bilder (c) Kammeroper Köln.de / www.highlight-concerts.com

Karikatur (c) Peter Klier

DER OPERNFREUND  | DerOpernfreund@gmx.de