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STAATSOPER PRAG

Státní opera Praha

 

 

EIN MASKENBALL

Vorstellung 13.10.2017

Gelungene Neuinszenierung am Narodni Divadlo

Das sowohl außen wie innen wunderschöne Prager Nationaltheater an der Moldau kam im Oktober mit einer Neuinszenierung von Giuseppe Verdis „Maskenball“ heraus. Der Regisseur Dominik Benes schuf mit seinem Bühnen- und Kostümbildner Marek Cpin und dem Lichtdesigner Daniel Tesar eine optisch anspruchsvolle Inszenierung, die mit frischen Farben in einer modernisierenden Ästhetik beeindruckt, die gleichwohl architektonische und kulturhistorische Aspekte der Zeit der Handlung Ende des 17. Jahrhunderts zitiert.

Die Optik des 1. Aktes wird sehr stark durch ein Bodenmuster beherrscht, das an die Scheinarchitektur der ausgehenden Renaissance erinnert. Es handelt sich um ein schwarz-weiß-graues Würfelmuster, das perspektivische Tiefe suggeriert. Diese drei Farben dominieren auch den 1. Akt mit seinen kühlen Marmorwänden und den schwarzen Anzügen des Hofstaats von Gustav III., bis auf Oskar. Er setzt sich in einem modisch interessanten, dem Fussbodenmuster nachempfundenen Kostüm und Zigarette rauchend von allen anderen ab und wird auch dramaturgisch sehr aktiv geführt, immer in der Nähe von Gustav III. Die junge Marie Fajtová gestaltet den Pagen mit einiger Koketterie und insgesamt großer darstellerischer Intensität. Ihr ausdrucksvoller und mühelos in der Höhe sowie stets flexibel geführter Sopran trägt wesentlich zu einem überzeugenden Rollenprofil bei. Gustav III. trägt in der ersten Szene als einziger ein historisches Kostüm, einen royalen Hermelinmantel, und er hat auch einen Reichsapfel. Das hebt ihn als Hauptfigur eindrucksvoll von allen anderen ab. Der Slowake Michal Lehotský singt an diesem Abend als Gast die Titelrolle, die er sehr engagiert gestaltet. Seine Stimme verfügt über eine gute baritonale Grundlage, auf der er einen prägnanten Tenor mit sicherer Tongebung auch der dramatischen Höhen erklingen lässt. Stets passen darstellerischer Ausdruck und stimmliche Leistung bei Lehotský zusammen.

Im 2. Bild des 1. Aktes erfährt dieses Bühnenbild eine optische Akzentuierung nach dunkelrot durch eine bühnenbreiten Vorhang im Hintergrund, und Ulrica tritt in einem schwarzen Federkleid mit großen Flügeln auf, erfährt als Wahrsagerin also eine gewisse mystische Überhöhung – eine gute und zur Figur passende Idee! Veronika Hajnová singt die Ulrica mit einem vollen und klar artikulierenden Mezzo, der auch über eine gute Attacke verfügt. Ihre Bewegungen passen bestens zu der mystischen Überhöhung ihres Kostüms, sodass sie den Charakter der Wahrsagerin nachvollziehbar verkörpern kann. Im 3. Akt wird für die dramatische Szene zwischen René und Amelia eine gewisse Intimität erzeugt, indem die Bühne nach vorn eingeengt wird und das eheliche Schlafzimmer zeigt. So wirkt die dramatische Zuspitzung auf Renés Entscheidung, dass Blut fließen muss, noch überzeugender. Die russische lyrisch-dramatische Sopranistin Veronika Dzhioeva, die neben Auftritten in Westeuropa, den USA und im Fernen Osten regelmäßig in St. Petersburg am Mariinsky-Theater und am Bolschoi-Theater in Moskau singt, verkörpert an diesem Abend als Gast die Amelia und überzeugt immer wieder mit ihrem äußerst klangschönen und leuchtenden Sopran. Sie bringt auch viel Empathie in die Rollengestaltung ein. Die Duette mit Gustav und Renato, aber auch ihre Arien werden zu Höhepunkten der Aufführung.

Ebenfalls als Gast singt Michele Kalmandy den Renato Anckarström und gibt der Rolle enormes darstellerisches Profil. Sein Bariton ist wie geschaffen für den Renato, zumal er weltweit vornehmlich im italienischen Fach zu Hause ist. Kalmandy gibt den Renato mit seinem klangvollen Timbre mit viel Gefühl und Ausdruckskraft. In der Szene mit Amelia im 3. Akt kann er die ganze Tragik, unter der er als ihr Ehemann und Freund Gustavs leidet, überzeugend darstellen – ein sehr vielseitiger Sänger! Jiri Hájek als Matrose Silvano, Roman Vocel als Graf Horn und Pavel Svingr als Graf Ribbing runden das exzellente Ensemble von Sängerdarstellern ab. Der von Pavel Vanek einstudierte Chor des Nationaltheaters singt kraftvoll und ist bestens choreografiert. Die sehr dramatisch inszenierte Schlussszene wird optisch geprägt von großen beleuchteten Lettern „DESIDERO“ und hebt so noch einmal hervor, mit welchen Gefühlen Gustav sich allen verzeihend von der Welt verbschiedet.

Jaroslav Kyzlink dirigiert das Orchester des Nationaltheaters mit viel Feingefühl und sängerfreundlich. Schon das Vorspiel wird sehr klar und fein ausmusiziert, und den ganzen Abend über findet der Dirigent die optimale Balance zwischen Dramatik und Kontemplation. Eine nicht nur szenisch, sondern auch musikalisch gelungene Neuinszenierung am Nationaltheater Prag!

Fotos: Patrik Borecký             

Klaus Billand, 2.11.2017

 

 

 

 

MEFISTOFELE

am 29.5.2015

Einer der wichtigsten Beiträge Arrigo Boitos zum Opernuniversum ist neben den genialen Libretti für Verdi zweifellos seine “Faust”-Oper, für die er natürlich auch das Libretto selbst verfasste. Er hat aus dem Goethe-Drama sowohl Szenen aus dem 1. wie aus dem 2. Teil verarbeitet und daraus ein kompaktes 3-stündiges Werk gemacht. Die Prager Aufführung hat einen Aspekt, der diese “Faust”-Version auszeichnet, besonders deutlich zur Geltung gebracht: Faust ist hier weniger der lebensmüde Denker als der Idealist, der die Welt verbessern will – mit Gottes Hilfe. Nicht umsonst besingt der Chor der Engel zu Beginn und am Ende der Oper im “spazio immenso” Gottes “supremo amor” – vom Chor der Staatsoper Prag (Leitung: Martin Buchta, Adolf Melichar) incl. Kinderchor (Zdena Součková) mit voller Überzeugunskraft dargeboten. Bis der Teufel sich zu Wort meldet…Der Idealismus des einen ebenso wie die Zerstörungssucht des anderen fesselten an diesem Abend dank hervorragender Sänger. Warum ich mit Kollegin Habermann gerade diese Aufführung besuchte? Die beiden männlichen Hauptrollen waren mit zwei Sängern besetzt, die wir auch schon im Merker-Kunstsalon zu Gast hatten und deren Karriere wir seither mit besonderem Interesse verfolgen.

Der großartige Mefistofele dieses Abends hat es seit seinem Auftritt bei uns im Jahre 2001   als Schüler von Jewgeni Nesterenko, die damals zusammen die Szene König Philipp-Großinquisitor gestalteten, bis an die Met, die Mailänder Scala und Wiener Staatsoper (Philipp, Komtur, Banco, Raimondo) grabracht. Und unser Tenor (demnächst wieder bei den Weikersdorfer Schlosskonzerten in Baden zu hören) singt ein breites Repertoire vom großen italienischen Fach bis zum Lohengrin und trat u.a. an der Deutschen Oper Berlin als Aeneas in den “Trojanern” auf. Der slowakische Bassist Štefan Kocán hat die Titelrollenehren mehr als gerechtfertigt. Groß, schlank und fesch, konnte er – ohne viel Maske –allein durch seine Erscheinung den Verführer glaubhaft machen. Wie er sich mit schwungvoller Eleganz den goldenen Mantel um die Schultern wirft, wie er den weißen Luftballon, der die Welt darstellen soll, mit einer langen Nadel ansticht – “Ecco il mondo!” – oder sein diabolisch-zufriedenes Grinsen, wenn er den verzweifelten Faust auf einem Seziertisch wie eine Leiche abserviert – das war echt teuflisch. Von aggressiver Härte bis zu verschlagenen, gehauchten Bosheiten brachte seine schwarze, aber auch geschmeidige Stimme alle Nuancen zum Ausdruck. Der aus Rumänien gebürtige Daniel Magdal mit seinem nicht nur kraftvollen und höhensicheren, sondern auch interessant timbrierten Tenor vermochte die weitgespannten Visionen und Intentionen des Faust ebenso Klang warden zu lassen wie Liebe und Verzweiflung. Sein vielsagender Gesichtsausdruck trägt zu einem überzeugenden Rollenporträt bei. Auch Alžbĕta Poláčková sang mit ihrem schönen lyrischen Sopran eine berührende Margherita. Traumhaft schön ihr Duett mit Faust “Lontano, lontano…” in einem bereits von der irdischen Welt abgehobenen Piano. Eine auffallend schöne Simme hörten wir vom jungen Tenor Martin Šrejma als Wagner und Nereo. Solide die Ensemblemitglieder Jana Sykorová als Marta, Jitka Svobodová Sylva Čmugrová als Panthalis.

Einen großartigen Dirigenten lernten wir in Marco Guidarini kennen. Mit derart klarer Zeichengebung kann nur ein optimales Resultat erzielt warden. Mit viel Energie und Feingefühl gibt der italienischehe Maestro nicht nur Einsätze, sondern deutliche Vorgaben, wie die Musik zu klingen hat bzw. was sie zum Ausdruck bringt. Die Übereinstimmung von Graben und Bühne versteht sich von selbst. Mit Totaleinsatz dankte ihm das Orchestr Státni opery. Über die Inszenierung wurde bereits im “Merker” 4/2015 berichtet.  

Sieglinde Pabigan 1.6.15 (Merker-online)

Bilder: Staatsoper Prag

 

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