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DER MIKADO

von Arthur Sullivan

am 21.01.2017

Noch immer führt die Gattung der Operette in der Schweiz ein Mauerblümchendasein, konnte den Ruf des bieder-betulichen Miefs der 50er Jahre kaum ablegen. Während z.B. in Berlin die Aufführungen von FRAU LUNA im Tipi am Kanzleramt oder die Entdeckungen, welche Barrie Kosky in der Komischen Oper präsentiert (DIE PERLEN DER CLEOPATRA, EINE FRAU DIE WEISS WAS SIE WILL, CLIVIA u.a.m.) ständig für ausverkaufte Häuser sorgen, tun sich die Theaterdirektoren hierzulande eher schwer damit, dieser Art des Musiktheaters mit erfrischenden Produktionen zu neuer Popularität zu verhelfen. Deshalb muss man der Leitung des Theaters St.Gallen und insbesondere dem Operndirektor Peter Heilker dankbar sein, dass nun mit DER MIKADO die bekannteste comic opera des englischen Erfolgsduos Gilbert & Sullivan auf die Bühne gebracht wird. Die Aufführungen sind zwar als halbszenisch angekündigt, doch keine Angst, es erwartet einen kein oratorienhaftes Konzert in Frack und Abendkleid und etwas befremdlicher Pseudogestik, nein dieser MIKADO wird mit einfachsten Mitteln beinahe zu einer vollwertigen, quicklebendigen und äusserst unterhaltsamen Produktion (Szenische Einrichtung: Ansgar Weigner).

Das Orchester sitzt mitten auf der Bühne, der Graben ist zugedeckt und dient als Spielfläche, im Hintergrund sorgen Farbprojektionen für Stimmung, drei Bäume im Niwaki-Schnitt, eine Rikscha, eine Sänfte für den Kaiser und ein paar Stühle aus dem Fundus, sowie Kostüme, die man eventuell noch von einer BUTTERFLY Inszenierung übrig hatte, reichen völlig aus, um die Szene zu verorten (Ausstattung: Markus Karner). Man spielt Gilbert & Sullivans Operette in einer deutschen Übersetzung, ein Erzähler führt augenzwinkernd und charmant durch den kurzweiligen Abend (kein Geringerer als der Operndirektor Peter Heilker persönlich). Kenner des Werks mögen zwar durch die Übersetzung und vor allem durch die deutsch gesungenen Hits (und eigentlich ist bei Sullivan jede Nummer ein Hit) etwas irritiert sein, denn irgendwie wirkt die deutsche Sprache nicht leichtfüssig und sublim genug, um den Songs gerecht zu werden. Der Vorteil jedoch ist, dass auf Übertitel verzichtet werden kann, denn die Sängerinnen und Sänger (auch die, welche nicht deutscher Muttersprache sind) glänzen mit vorzüglicher Diktion. Allen voran Nik Kevin Koch als Nanki-Poo. Ihm sitzen der Schalk und das Lausbübische nicht nur im Auge, nein sie strömen ihm praktisch aus jeder Pore und vor allem aus den Stimmbändern. Auch wenn seine angebetet Yum-Yum ihm nicht glauben mag, dass er ein Musiker ist, Nik Kevin Koch gestaltet die Partie mit überaus sauber und schlank geführtem und einnehmend timbriertem Tenor und herzerfrischender Komik. Umwerfend komisch ist auch Kismara Pessatti als Nanki-Poos Verlobte Katisha: Nur schon ihr überraschender Auftritt auf dem Fahrrad zum Finale I und dann erst recht ihre erheiternden Szenen im zweiten Akt sind ganz grosses „Kino“. Wie sie da nach dem Scheitern ihrer Verlobung mit Naki-Poo ihre Wut und Verzweiflung mit Wodka ertränkt, ja gar an einer Wodka-Infusion hängt, das ist zum Schreien lustig.

Dazu gesellt sich natürlich noch das luxuriös fliessende und über satte Farben verfügende Timbre ihres ausdrucksstarken Mezzosoprans. Herrlich! Wunderschön auch der helle, reine Sopran von Tatjana Schneider als Yum-Yum, die zusammen mit ihren Freundinnen Pitti-Sing (Theresa Holzhauser) und Peep-Bo (Sheida Damghani) für quirliges Amüsement sorgt. Für weitere Highlights sorgt Alexander Mildner, der als hasenfüssiger Scharfrichter Ko-Ko kein Blut sehen kann ... . Er macht den schmalzigen Hit „Tit-Willow“ durch seine subtil-ironische Interpretation zu einem regelrechten Showstopper, unterstützt von Kismara Pessattis köstlicher Reaktion auf den unsinnigen Text des suizidalen Vogels. Für Ko-Kos berühmten „List“-Song (alle, die hingerichtet gehören) hat man - sich wie es die Tradition verlangt - aktuelle Bezüge einfallen lassen (Menschen, die Oper nur noch im Kino sehen wollen, VW-Bosse, die üblichen Banker und Broker). Immerhin einige Sätze in der gepflegten Sprache der Queen bekommt man dann doch noch zu hören, nämlich durch David Maze als raffgieriger Ämter Kumulierer Pooh-Bah, der seine Dialoge im reinsten Oxford-Englisch vorträgt. Tomislav Lucic rundet als sehr jugendlicher Mikado das ausserordentlich spielfreudig agierende Ensemble mit seinem prächtigen Bassbariton bestens ab. Klangschön und gestisch witzig auch der Chor des Theaters St.Gallen (Einstudierung: Michael Vogel). Herrlich der Einfall des Regisseurs Ansgar Weigner, die marionettenhaften japanischen Edlen zu Beginn mit den Händen die typische Donald-Trump-Gestik ausführen zu lassen.

Ein Genuss ist es auch, dem Sinfonieorchester St.Gallen (besonders während der Potpourri-Ouvertüre) beim Musizieren zusehen und natürlich zuhören zu dürfen. Michael Brandstätter leitet das wunderbar spielende Orchester mit subtilem Schmiss und legt ein beredtes Plädoyer für Sullivans reizvolle, witzige und überaus einfallsreiche melodischen Zauberkunst ein. Achtung: Nur noch zwei Vorstellungen – also hingehen und einen überaus unterhaltsamen Abend geniessen.

Beim (kostenlosen und sehr dünnen) Programmheft hat man allerdings sehr gespart und eine Schriftgrösse gewählt, welche nur für Adleraugen lesbar ist. Manch einer im doch überwiegend etwas bejahrten Publikum wird sich dann das Mikado-ABC zu Hause mit der Lupe zu Gemüte führen müssen .... .

Kaspar Sannemann 2.2.2017

Bilder (c) Theater St. Gallen / Wobring

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