Wien: „Hänsel und Gretel“, Engelbert Humperdinck

Um 12.00 mittags begann diese Vorstellung für Schüler, eine Produktion der MDW (Universität für Musik und darstellende Kunst), Institut für Gesang und Musiktheater. In einer Zeit wo den immer mehr werdenden jungen Menschen, die nach einem Beruf beim Musiktheater streben, an den Instituten sowohl im Gesangsbereich, aber noch weit mehr im „Szenisch – Regielichen“, war es eine Freude eine rundum gelungene Interpretation von Humperdincks „Weihnachtsoper“ – sie taucht vermehrt um diese Zeit auf den Spielplänen der Theater auf – zu erleben. Gott sei Dank werden die Studenten von Robert Simma, der die Inszenierung und auch die – genau richtig zusammengekürzte – Kinderfassung erstellt hatte, von einem charismatischen Mann mit wahrem Theaterblut und großem handwerklichen Können gelehrt und keinem sich selbst  darstellenden Phantasten – wie ja leider immer häufiger in den Theatern zu erleben.

(c) Michael Tanzler

Farbenfrohe, bunte Bühnenbilder (Dekorationsgestaltung: Martin Christ) und passende, farbenfrohe Kostüme von Julia Münster und Anita Spanring trugen zu im besten Sinne „märchenhaften“ Optik bei. Darin entwickelte sich ein munteres Spiel, getragen in erster Linie von dem perfekt zueinander passenden Geschwisterpaar, die darstellerisch und gesanglich – etwa im berührenden Abendsegen – bestens harmonierten. Die aus der Slowakei stammmende Zuzana Polakova punktete mit einem angenehmen, richtig aufblühendem Sopran und einer herzlichen, liebreizenden Darstellung der Gretel – eine ideale Mischung. Als richtiges „Springinkerl“ zeichnete mit großer Bühnenpräsenz Sarah Mair den Hänsel, der die Fäden zieht und die richtige Balance zwischen unbedarften Jüngling und beschützendem Bruder schafft. Der silbrig getönte, gut geführte Mezzo der aus Bayern stammenden Künstlerin ließ schon zukünftige Rollen aus der Feder ihres „Landsmannes“ erahnen: Komponist oder Octavian. Eine köstliche Hexe bot der Tenor Luis Hernandez-Luque, eigentlich gar nicht soo böse, aber sehr humorvoll und agil im Spiel. Aufhorchen ließ das Sandmännchen, das Tanja Jannelli mit besonders schönen Phrasen ihres ansprechenden Soprans gestaltete. Die Mutter – der Vater fiel dem Rotstift zum Opfer – war bei der resoluten Constantina Nicolaou mit einem höhensicheren Sopran in guten Händen und als Taumännchen gefiel Olena Herneha. Lorena Jankovic und Jamie Petutschnig waren als „Gnome“ aktiv und der Hexe dienlich.

Das große Orchester schrumpfte hier zur 15 köpfigen „Webern-Sinfonietta“ die erstaunliches leistete! Sie produzierten einen satten Wohlklang und man vergaß bald, dass es sich um einen stark reduzierten Klangkörper handelte. Hartmut Keil war der souveräne Leiter, der die Musiker unglaublich anspornte und ein hervorragender Begleiter der Bühne war.

Eine höchst erfreuliche Mittagsstunde, die mich nostalgisch verzaubert hat – für deren Qualität aber auch die Mucks Mäuschen stillen Kinder Zeugnis ablegten, die sehr begeistert waren – wohl das schönste Kompliment.  Abseits der Weihnachtshektik, mit Kindern sowieso – aber auch ohne! – einen Besuch wert.     

Michael Tanzler, 21. Dezember 2022

Mit besonderem Dank an unseren Kooperationspartner MERKER-online (Wien)


Wien / Schönbrunner Schlosstheater

„Hänsel und Gretel“ Fassung für Kinder

13. Dezember 2022

Produktion der Universität für Musik und darstellende Kunst

Institut für Gesang und Musiktheater

Regie: Robert Simma

Dirigat: Hartmut Keil

Webern-Sinfonietta