DER OPERNFREUND - 51.Jahrgang
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„ Rätselhafte Regie und interessante neue Sänger“

(Naxos Music / Dynamic, 1DVD/Blu-ray, Parma/Zagreb, 2019)

 

Den Chor „Va pensiero…“ kennen wohl auch solche, die noch nie ein Opernhaus betreten haben oder den Namen „Verdi“ nur der bekannten Gewerkschaft zuordnen können. Und genau dieser Chor war es, der Verdi zur Vertonung dieses Monstrums von einem Libretto erst verlockte. Die krause Handlung hatte nämlich vorher schon den Komponisten Otto Nicolai zurückschrecken lassen. Ihm, dem damals berühmteren, hatte man es als Ersten angeboten. Dann erst kam Verdi als Ersatzmann ins Gespräch. Doch auch er zögerte. Aber der Chor reizte ihn dann doch. Und so wurde der damals fast unbekannte Verdi über Nacht berühmt. Ja der Chor schaffte es sogar zu einer Art Nationalhymne in Italien. Sicher auch deshalb ist diese Oper heute noch immer eine der meistgespielten. Die Regisseure stellt das vor fast unlösbare Aufgaben. Müssen sie doch die verworrene Bibelstory einem heutigen Publikum plausibel zu machen. In der neuesten von schon sehr sehr vielen Einspielungen, auch auf DVD/Blu-ray, verlegt Stefano Ricci die verworrene Story ins Jahr 2046 auf ein Militärschiff. Das fährt unter Leitung eines größenwahnsinnigen Kapitäns, der Gott sein will. Na ja, die Handlung wird dadurch auch nicht verständlicher. Denn ob die Hebräer aus dem Alten Testament nun auf einer neuen modernen Arche ohne Elefanten und Zebras herumfahren, oder ob sie moderne Flüchtlinge sind, oder deportierte Juden, das gibt bis zum Schluss viel zu grübeln. Man sieht, wie spannend modernes Regietheater sein kann! Unklar blieb mir aber auch, wen denn die sterbende Abigail zum Schluss völlig unpassend zu den ätherischen Klängen der Musik da noch schnell aufhängen lässt! Das kann man noch nicht einmal vermuten. Denn die ungeliebte Stiefschwester Fenena ist es jedenfalls nicht, die sitzt ja an der Rampe ebenso ratlos herum wie das Publikum im Saal. Aber was soll`s, nehmen wir halt auch diese Inszenierung als gut gemeinten Versuch, dieses herrliche Opernmonstrum für ein modernes Publikum akzeptabel   zu machen. Wegen der großartigen Musik ist es das allemal wert. Und musikalisch ist ja auch alles bestens gelungen. Gleich zwei großartige und fast noch neue Stimmen gibt es da zu entdecken. Und auf die Stimmen kommt es bei Verdis frühen Werken ja besonders an. Da wäre an erster Stelle die über alle Massen großartige Abigail der jungen Spanierin Saioa Hernandez zu nennen. Sie hatte in Mailand 2018 ein grandioses Debut als Odabella und braucht auch als Abigail keine Konkurrenz fürchten. Wenn mich nicht meine jahrzehntelange Erfahrung täuscht, dann müsste sich da eine Weltkarriere ersten Ranges anbahnen. Gleiches wäre über den Nabucco des mongolischen Baritons mit dem unaussprechlichen Namen Amartuvishin Enkhbat zu sagen. Denn seine mächtige und gut geführte Stimme ist äußerst vielversprechend. Der bekannte Bass Michele Pertusi orgelt die dankbare Rolle des Zacharia so großartig, wie man sich das wünscht. Nur, warum er als katholischer Pfarrer verkleidet ist, will mir nicht in den Sinn. Dieses Trio allein wäre ja nun schon Grund genug, sich die Neueinspielung anzuschaffen, selbst wenn man den Nabucco bereits im Regal hat. Der dynamische Dirigent Francesco Ivan Ciampa aber ist noch ein weiterer. Da meint man, vieles noch nie so gehört zu haben. Das Liebespaar Fenena und Ismaele (Ivan Magri und Annalisa Stroppa) kann bei den oben genannten Superlativen stimmlich zwar nicht so ganz mithalten, überzeugt aber durch gekonntes Spiel

Fazit: Wer die Rätsel dieser Regie nicht scheut oder sie sogar zu entschlüsseln vermag, was mir nicht gelang, der kann sich über eine musikalisch voll überzeugende Einspielung freuen, die durch neue und hervorragende Sänger wirklich spannend wird.

 

Peter Klier, 30. 3. 2020

 

 

DVD     -     RICHARD WAGNER: DIE WALKÜRE

Covent Garden 2018       M.L.: Antonio Pappano, I.: Keith Warner

Opus Arte    Best.Nr.: OA1308D       2 DVDs

In hohem Maße anschaffenswert ist die neue DVD von Wagners Walküre, die jetzt bei dem Label Opus Arte erschienen ist. Aufgenommen wurde eine Aufführung der Londoner Covent Garden Opera vom Oktober 2018. Hier weiß man wahrlich nicht, wo man mit dem Schwärmen anfangen soll. Am besten bei der Inszenierung von Keith Warner in dem Bühnenbild von Stefanos Lazaridis und den Kostümen von Marie-Jeanne Lecca. Bemerkenswert ist bereits das Bühnenbild der ersten beiden Aufzüge. Der Hintergrund wird von riesigen Eisengittern eingenommen. Das Ganze stellt ein Gefängnis dar, in dem die Handlungsträger allesamt gefangen sind. So schmachtet Sieglinde in ihrer Ehehölle mit Hunding. Wotan ist Gefangener seiner Verträge, an die er gebunden ist. Diese sind in einem riesigen Bücherhaufen festgehalten, der im zweiten Aufzug mitten auf der Bühne liegt. Ferner wird das Bühnenbild des ersten und des zweiten Aufzuges von metallenen Ringen geprägt. Die Tafel Hundings, eine Leiter sowie ein widderartiges Sofa ziehen sich durch beide Aufzüge. Der Esstisch ist im zweiten Aufzug nicht abgeräumt. Ritualartig verletzt sich Hunding im ersten Aufzug selbst und wischt seine blutigen Hände an den Widderhörnern ab. Sein Entschluss, Siegmund zu töten, steht fest. In dem Augenblick, in dem Wotan das Ende der Götter heraufbeschwört, fällt das rote Nornenseil zu Boden. Eine treffliche Symbolik. Später stürzt der Göttervater voller Unmut das Sofa um. Hinter diesem versteckt sich in der folgenden Szene das Wälsungenpaar. Auf ihm wird ferner im dritten Aufzug Brünnhilde von Wotan in den Schlaf versenkt. Dieser Akt wird von einer riesigen weißen Wand geprägt, auf die während des Walkürenrittes Filme von Helden und dahinjagenden Rössern projiziert werden. Die Walküren schwingen die Skelette von Pferdeköpfen. Sie sind genauso mit blutigen Schorfen versehen wie Brünnhilde - eine treffliche Versinnbildlichung der vielen Kämpfe, durch die sie gegangen sind. Zentrales Element des ersten Aufzuges ist weiterhin ein Theater auf dem Theater, in dem sich Sieglinde zu Beginn ihrer großen Verzweiflung hingibt und auf das während der Winterstürme ein anmutiger Blütenregen niedergeht. Hier wird von Warner nachhaltig Bertolt Brecht gehuldigt. Auch mit Tschechow’schen Elementen wartet der Regisseur häufig auf. Am Ende des zweiten Aufzuges gönnt er der in ein elegantes rotes Abendkleid gekleideten Fricka noch einmal einen Auftritt. Brünnhilde beobachtet nach Wotans zornentbranntem Abgang die Szene zwischen den Zwillingen. Wenn die von Alpträumen geplagte Sieglinde ihren Vater herbeiwünscht, erscheint Wotan und beobachtet sie mitleidig. Zudem treten bereits zu Beginn des zweiten Aufzuges einige Walküren auf. Mit Tschechow kann Warner hervorragend umgehen. Das muss man sagen. Und auch an seiner Personenregie ist nicht das Geringste auszusetzen. Hier haben wir es mit einer spannungsgeladenen, stringenten Inszenierung zu tun, die sehr beeindruckend ist.

Ebenfalls eine überzeugende Leistung erbringt Antonio Pappano am Pult. Zusammen mit dem bestens disponierten Orchestra of the Royal Opera House erzeugt er einen intensiven, aufregenden und schwelgerischen Klangteppich, der sich zudem durch große Emotionalität und eine vorbildliche Transparenz auszeichnet.

Zur Begeisterung geben auch die gesanglichen Leistungen Anlass. Das beginnt schon bei Nina Stemme, die sich mit gut sitzendem, warmem und recht gefühlvoll geführtem dramatischem Sopran sowie perfekten Spitzentönen als Idealbesetzung für die Brünnhilde erweist. Neben ihr bewährt sich in der Rolle des Wotan mit voluminösem, kraftvollem und ebenmäßig dahinfließendem Heldenbariton bester italienischer Schulung John Lundgren. Mit hellem, tadellos fokussiertem und differenziert eingesetztem Tenor singt Stuart Skelton einen guten Siegmund. Prachtvoll sind insbesondere die von ihm sehr lang ausgehaltenen Wälse-Rufe im ersten Aufzug. Die über tiefgründiges Sopranmaterial verfügende Emily Magee legt sich als Sieglinde mächtig ins Zeug. Sowohl die fulminanten Jubelausbrüche der menschlichen Wotanstochter als auch die emotionalen Passagen liegen ihr gleichermaßen gut in der Kehle. Sarah Connolly argumentiert in der Partie der Fricka Wotan gekonnt in Grund und Boden und vermag mit ihrem aparten, solide fundierten Mezzosopran auch vokal gut zu gefallen. Ain Anger singt einen ordentlichen Hunding. Nichts auszusetzen gibt es an dem aus Alwyn Mellor (Gerhilde), Lise Davidsen (Ortlinde), Kai Rüütel (Waltraute), Claudia Huckle (Schwertleite), Maida Hundeling (Helmwige), Catherine Carby (Siegrune), Monika-Evelyn Liv (Grimgerde) und Emma Carrington (Rossweise) bestehenden Ensemble der kleinen Walküren.

 

Ludwig Steinbach, 29.3.2020

 

 

 

DVD     -       JACQUES OFFENBACH: LES CONTES D’ HOFFMANN

Amsterdam 2018    M.L.: Carlo Rizzi, I: Tobias Kratzer

Best.Nr.: 752808            2 DVDs

 

 

Bei dem Label C major ist ein im Jahre 2018 an der Dutch National Opera in Amsterdam aufgenommener Live-Mitschnitt von Offenbachs Les contes d’ Hoffmann erschienen. Rein szenisch haben wir es hier mit einem wahren Fest zu tun. Was Regisseur Tobias Kratzer zusammen mit seinem Bühnen- und Kostümbildner Rainer Sellmaier hier geleistet hat, ist phantastisch. Es ist wohl nicht übertrieben zu sagen, dass Kratzer zu den besten Regisseuren der Gegenwart zählt. Dieser durch und durch modern interpretierte Hoffmann ist jedenfalls die beste Realisierung von Offenbachs Oper, die ich kenne. Die szenische Konzeption mutet vollauf überzeugend an. Hier haben wir es mit erstklassigem Musiktheater zu tun, das begeistert.

Im Zentrum der Bühne steht das mit Bett, Lampe, Tisch und Klavier ausgestattete Zimmer Hoffmanns. Auf einer Leine hängen zahlreiche Photos von Stella, die im Laufe der Aufführung verschwinden. Hier stattet eine Reihe von Zechkumpanen dem Dichter einen Besuch ab und bringt Pizza mit. Auch der in dieser Produktion noch relativ junge, von der Regie nicht gerade unsympathisch gezeichnete Agent Lindorf kommt vorbei. Dem von ihm vertretenen Künstler Hoffmann ist er indes nicht gerade wohlgesonnen.  Auch er bekommt eine Pizza. Im Folgenden öffnen sich um dieses zentrale Zimmer immer mehr Räume, in dem sich die folgenden Akte abspielen. Auf einem schäbigen Dachboden hat der Physiker Spalanzani gleich drei Puppen hergestellt. Coppélius’ magische Augen reichen indes nicht für alle aus. Schließlich bekommt Olympia die künstlichen Sehgeräte. Den Gästen Spalanzanis präsentiert sie ihre Arie auf einem Theater auf dem Theater. Bertolt Brecht lässt grüßen. Auch mit Tschechow`schen Elementen kann der Regisseur trefflich umgehen. Erwähnenswert ist, dass Olympia hier mit Hoffmann im Bett landet und mit ihm Sex hat. Das war eine vollauf gelungene Deutung des ersten Aktes. Bemerkenswert ist auch der München-Akt gelungen. Grandios ist die Idee Kratzers, die Stimme der Mutter von einem alten Grammophon kommen zu lassen. Die alte, auf ihm liegende Schellackplatte wird schließlich von Antonia zerbrochen. Ein Stück davon verwendet sie zum Selbstmord. Diese Deutung geht unter die Haut. Der Venedig-Akt wird vom Regieteam im Keller angesiedelt. Eine irgendwie geartete Gondelromantik findet hier nicht statt. Giulietta wird als Nixe dargestellt. Das ist als Hinweis des Regieteams darauf zu verstehen, dass die den Akt einleitende Barcarole ursprünglich aus Offenbachs wenig bekannten Rheinnixen stammt. Der Abstieg in den Keller ist als Gang in das Unterbewusste zu deuten. Hier spielt Sigmund Freud eine zentrale Rolle. Als einzige der drei Geliebten darf Giulietta das Zimmer des Dichters betreten. Schlemihl frönt ausgiebig dem Kokain. Da ist er aber nicht der einzige. Auch Hoffmann ist dem Rauschgift nicht abgeneigt. Diese Sucht führt letzten Endes so weit, dass sich seine Freunde von ihm abwenden und den Raum verlassen. Bei Kratzer liebt die Muse Hoffmann und unternimmt etliche Versuche, ihn für sich zu gewinnen. So zieht sie sich auch mal bis auf die Unterwäsche aus. Schließlich gibt sie ihr Unterfangen auf. Nachdem Hoffman sie im letzten Akt endlich mal geküsst hat, verlässt auch sie ihn. Das wirkt alles wie aus einem Guss und wird von Kratzer mit Hilfe einer ausgefeilten, spannungsgeladenen Personenregie auch hervorragend umgesetzt. Diese überaus packende Inszenierung geht sicher in die Annalen der Dutch National Opera ein.

Am Pult zeigt sich Carlo Rizzi zusammen mit dem Rotterdam Philharmonic Orchestra in guter Form. Was da aus dem Orchestergraben tönt, ist voller Leidenschaft und ausgeprägtem Elan. Und auch die Sänger/innen sind größtenteils überzeugend. In der Titelpartie des Hoffmann vermag mit hellem, gut gestütztem und farbenreichem Tenor John Osborne nachhaltig für sich einzunehmen. Einen wunderbaren, voll tönenden und emotional angehauchten Mezzosopran bringt Irene Roberts für die Muse mit. Mit brillanter Koloraturgewandheit, prächtigen Spitzentönen und vorbildlicher Fokussierung ihres Soprans singt Nina Minasyan eine hervorragende Olympia. Mit voller, runder Stimme und viel lyrischem Wohllaut stattet Ermonela Jaho die Antonia aus. Gut gefällt auch die perfekt singende Giulietta von Christine Rice. Erwin Schrott hat sich Kratzers Lesart des Lindorf voll zu eigen gemacht und setzt sie mit enormer darstellerischer Brillanz um. Auch als Coppélius, Dr. Mirakel und Dapertutto spielt er vorbildlich. Gesanglich begeistert er mit seinem bestens italienisch geschulten, differenzierungsfähigen und warmen Pracht-Bass. Nicht zu gefallen vermag der ausgesprochen dünn singende Sunnyboy Dladla in den Dienerrollen von Andrès, Cochenille, Frantz und Pitichinaccio. Flach und überhaupt nicht im Körper singt auch Rodolphe Briand den Spalanzani. Ein vokal recht sonorer Crespel ist Paul Gay. Sehr gefühlvoll gibt Eva Kroon die Stimme der Mutter. Lediglich einen mittelmäßigen Eindruck hinterlassen die kleinen Rollen.

 

Ludwig Steinbach 28.3.2020

 

 

 

RICHARD STRAUSS: ARIADNE AUF NAXOS

 

ARTHAUS                                         

M.L.: Christian Thielemann, I: Sven-Eric Bechtolf

Wiener Staatsoper 2014   Best.Nr.: 109397    2 DVDs

 

 

Bei dem Label ARTHAUS ist ein Live-Mitschnitt von Strauss` Ariadne auf Naxos auf DVD erschienen. Aufgenommen wurde eine Aufführung der Wiener Staatsoper aus dem Jahr 2014. Wenn im Booklet und im Abspann der DVD zu lesen ist, dass es sich hierbei um eine Koproduktion mit den Salzburger Festspielen handelt, ist das nur halb richtig. In Salzburg wurde im Jahre 2012 die Urfassung des Werkes von 1912 mit dem Bürger als Edelmann gegeben. Das Vorspiel hat damals gefehlt. Dieses kam erstmalig im Jahre 1916 in Wien zur Aufführung. In dieser Form gelangte das bei seiner Stuttgarter Uraufführung durchgefallene Werk zu Weltruhm. Auf vorliegender DVD wird die gängige Wiener Fassung mit dem Vorspiel gegeben. Regisseur Sven-Eric Bechtolf hat es für die Wiener Staatsoper in dem Bühnenbild von Rolf Glittenberg und den Kostümen von Marianne Glittenberg neu inszeniert. Das hatte seinen Grund. Die Urform des Werkes, wie sie in Salzburg zur Aufführung kam, ist aufgrund der vielen benötigten Schauspieler für eine normale Opernbühne ungeeignet. Deshalb griff man 2014 in Wien auf die traditionelle Fassung mit dem Vorspiel zurück. Der zweite Teil, die eigentliche Oper, hält sich dagegen eng an die Salzburger Aufführung. Auffällig ist indes, dass Bacchus hier nicht den Leopardenanzug trägt, in dem er in Salzburg auftrat.

Das Regieteam hat das Werk gekonnt in seine Entstehungszeit verlegt. Das Ganze spielt sich in einer in ästhetisches Blau gehüllten Villa ab, dem Haus des reichsten Mannes von Wien. Im Hintergrund erschließt sich dem Blick ein anmutiger Garten. Später werden einige Schminktische für die Künstler hereingeschoben. Im Zentrum von Bechtolfs gelungener Interpretation steht der Komponist, der bereits zu Beginn auf der Bühne ist. Die Liebe zwischen ihm und Zerbinetta wird von der Regie gut herausgearbeitet. Am Schluss der Oper küssen sie sich. Der Komponist erscheint bei Bechtolf auch in der eigentlichen Oper, in der er eigentlich gar keinen Auftritt mehr hat, auf der Bühne und begleitet Zerbinetta bei ihrer großen Arie am Klavier. Hier haben wir es mit einer trefflichen Anwendung eines Tschechow’schen Elementes zu tun. Und wenn der Regisseur die Ariadne-Oper in einem Theater auf dem Theater spielen lässt, huldigt er dabei in verstärktem Maße Bertolt Brecht. Die wüste Insel wird durch einen umgestürzten Flügel symbolisiert. Die Personenregie ist flüssig und ausgefeilt. Insgesamt kann man mit Bechtolfs Regiearbeit recht zufrieden sein.

Auch Christian Thielemann am Pult vermag mit dem bestens disponierten Orchester der Wiener Staatsoper hervorragende Akzente zu setzen. Phantastisch, wie er in der Oper die aufblühenden Lyrismen herausarbeitet und obendrein mit einer vorbildlichen Transparenz und vielen Klangarben aufwartet. Im Vorspiel setzt er im Gegensatz zu manch anderen Dirigenten nicht auf spritzige Leichtigkeit, sondern verleiht dem Ganzen einen etwas schwereren, bedeutsam anmutenden Anklang, was sich indes nicht als Fehler erweist. Wieder einmal präsentiert sich Thielemann in großer Form.

Nicht durchweg überzeugend sind die gesanglichen Leistungen. Das beginnt schon bei der Ariadne und Primadonna von Soile Isokoski, die mit ihrem alles andere als vorbildlich italienisch geschultem Sopran nicht zu gefallen vermag. Nicht mein Favorit ist auch die stark in die Maske singende Daniella Fally als Zerbinetta. Mit wunderbarer vokaler Leuchtkraft und bestens fokussiertem, tiefgründigem  Mezzosopran begeistert hingegen Sophie Koch in der Rolle des Komponisten. Johan Botha gibt einen vokal kraftvollen und markanten Bacchus und Tenor. Solide schneidet Jochen Schmeckenbechers Musiklehrer ab. Adam Plachetka ist ein sonor singender Harlekin, während es Benjamin Bruns als Brighella an der nötigen Körperstütze seines Tenors mangelt. Ordentlich entledigen sich Carlos Osuna (Scaramuccio) und Jongmin Park (Truffaldin) ihrer Aufgaben. Die tadellos singenden Nymphen Valentina Nafornitá (Najade), Rachel Frenkel (Dryade) und Olga Bezsmertna (Echo) bilden einen homogenen Gesamtklang. Von Norbert Ernsts Tanzmeister hätte man gerne mehr gehört. Etwas mehr Snobismus könnte Peter Matics Haushofmeister an den Tag legen. Trefflich sind die kleinen Partien besetzt.

 

Ludwig Steinbach, 20.3.2020

 

 

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