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NIKISHA FOGO

Nikisha Fogo wurde in Stockholm (Schweden) geboren. Sie erhielt ihre Ausbildung an der Kungliga Svenska Balettskolan und der Royal Ballet School in London. 2013 wurde sie Mitglied des Wiener Staatsballetts, 2015 wurde sie zur Halbsolistin ernannt. 2016 erfolgte ihr Avancement zur Solotänzerin, 2018 wurde sie zur Ersten Solotänzerin ernannt.

Zu ihren wichtigsten Rollen zählen Sylvia in Manuel Legris' "Sylvia", Kitris Freundin und Amor in Rudolf Nurejews „Don Quixote“, Gefährtin des Prinzen, Kleiner Schwan und Ungarischer Tanz (Solistin) in Nurejews „Schwanensee“, Solo-Schneeflocke in Nurejews „Der Nussknacker“, Clémence in Nurejews „Raymonda“, Olga in John Crankos „Onegin“, Freundin in Frederick Ashtons „La Fille mal gardée“, Odaliske in Manuel Legris’ „Le Corsaire“, Zigeunerin in Michael Corders „Die Schneekönigin“, George Balanchines Pas de deux „Tarantella“ und „Stars and Stripes“, Schatten der Marie Antoinette in Patrick de Banas „Marie Antoinette“, Ein Bauernpaar in Elena Tschernischovas „Giselle“, Die Frau in Grün und Anitra, Tochter eines Beduinen-Häuptlings, in Edward Clugs „Peer Gynt“ sowie Partien in Balanchines „Allegro Brillante“ und „Thema und Variationen“ (Hauptpaar), William Forsythes „The Second Detail“, Alexander Ekmans „Cacti“, Patrick de Banas „Creatures“, Jiří Bubeníčeks „Le Souffle de l’esprit“, John Neumeiers „Le Sacre“, „Verklungene Feste“ und „Bach Suite III“, Kenneth MacMillans „Concerto“ und Wayne McGregors „EDEN|EDEN“. Rollen kreierte sie in András Lukács’ „Movements to Stravinsky“ (2. Paar) und in Andrey Kaydanovskiys „Der Feuervogel“ (Putzfrau).

Auszeichnungen: Bei den Wettbewerben Stora Daldansen in Falun und beim Ballettwettbewerb in Grasse (Frankreich) erhielt sie 2010 jeweils einen 1. Preis.

Bereits bei den „Jungen Talenten des Wiener Staatsballetts 2“ machte die brillante Nikisha Fogo mit einer hervorragenden Darbietung in George Balanchine's „Tarantella“ auf sich aufmerksam, mit einigen zunächst kleineren solistischen Partien bewährte sie sich stets durch ihre atemberaubende Technik und Spielfreude. Ihr euphorisch gefeiertes Debüt der Haupttänzerin in „Thema und Variationen“ war nur der Vorgeschmack: Mit ihrer ersten abendfüllenden Hauptrolle in der Uraufführung von Manuel Legris' „Sylvia“ erfolgte nach 20-minütiger Standing Ovation des Wiener Publikums die Ernennung zur 1. Solotänzerin auf offener Bühne.

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Mit der frischgebackenen 1. Solotänzerin sprach unsere OPERNFREUND-Ballettkritikerin und Fachfrau Katharina Gebauer:

 

OF: Als allererstes: Ganz herzliche Gratulation zu Ihrem wohlverdienten Avancement zur 1. Solotänzerin.

 

NF: Danke schön.

 

OF: Die klassische Frage: Was war der entscheidende Moment für Sie, mit Ballett zu beginnen?

 

NF: Ich habe schon immer getanzt als Kind, vor allem andere Tanzstile. Der Grund, warum ich mit Ballett begonnen habe, war, weil ich tagsüber noch mehr tanzen wollte. Dann habe ich mich für die Kungliga Svenska Balettskolan beworben, wo ich jeden Tag tanzte, und so hat es sich ergeben, dass ich mehr Ballett tanzte, als die anderen Tanzstile. Ich muss sagen, es war schon immer selbstverständlich für mich zu tanzen.

OF: Wie alt waren Sie, als Sie in der Kungliga Svenska Balettskolan (Königlichen Schwedischen Ballettschule) begonnen haben?

 

NF: Ich glaube, das war mit 10 oder 11 Jahren.

 

OF: Nachdem Sie 2010 zwei Ballettwettbewerbe gewonnen hatten, sind Sie direkt zur Royal Ballet School in London gegangen, oder war das später?

 

NF: Zuerst habe ich einen Wettbewerb in Schweden gewonnen, dann einen in Frankreich, und von dort kam ich zum Prix de Lausanne, wo man mich einlud, entweder in die Royal Ballet School in London oder nach Kanada zu gehen. London ist nicht nur renommiert, sondern auch näher bei meiner Heimat.

 

OF: Und Sie waren 16 beim Prix de Lausanne?

 

NF: Ja.

 

OF: Seitdem Sie im Wiener Staatsballett tanzen, haben Sie innerhalb von 5 Jahren eine unglaubliche Karriere gemacht – 2 Jahre im Corps de Ballet, dann 1 Jahr Halbsolistin, 1 1/2 Jahre Solistin und nun nach einer umjubelten Premiere 1. Solotänzerin. Haben Sie mit einer so raschen Beförderung gerechnet?

 

NF: Nein, gar nicht. Nachdem es meine erste Hauptrolle in einem abendfüllenden Ballett war, habe ich überhaupt nicht damit gerechnet. Es war eine wunderschöne Überraschung.

OF: Und nun in den Vorbereitungen für Schwanensee?

 

NF: Noch nicht.

 

OF: Das wäre eine ideale Partie für Sie.

 

NF: Ja, da würde ein Traum wahr werden. Aber ich vermute, ich habe noch eine lange Karriere vor mir.

 

OF: Das ist richtig. Welche Rollen wären ansonsten Ihre Traumpartien?

 

NF: Schwanensee, die Kitri in Don Quixote, Julia... es gibt eine Menge Balletts, die ich gerne tanzen würde.

 

OF: Ich drücke Ihnen die Daumen! Welche Choreographien tanzen Sie besonders gerne? Ich habe Sie das erste Mal in „Tarantella“ von George Balanchine gesehen, was Sie phantastisch getanzt haben, und auch in dessen „Stars and Stripes“ und „Thema und Variationen“ waren Sie extrem gut.

 

NF: a, Balanchine ist ein Genuss zu tanzen, und zu dieser schönen Musik. Da fühle ich mich zuhause.

 

OF: Wie geht es Ihnen mit zeitgenössischem Tanz?

 

NF: Das gefällt mir auch sehr. Besonders gerne tanze ich Choreographien von Patrick de Bana, wie z.B. „Creatures“, aber auch „Marie Antoinette“. Mir gefällt seine Art zu choreographieren. Von William Forsythe habe ich „Second Detail“ getanzt, das war auch toll zu tanzen. Wir haben bald eine Premiere mit Choreographien von Forsythe, hoffentlich bin ich dabei.

OF: In dem Dreiteiler „Concerto/EdenEden/Marguerite and Armand“ waren Sie ja eine der Haupttänzerinnen sowohl in MacMillans „Concerto“, als auch in Wayne McGregor „EdenEden“, wo Sie unmittelbar nacheinander zwei komplett verschiedene Tanzstile – und dies hervorragend – zum Besten gaben. Wie gelingt es Ihnen, vom neoklassischen Stil auf den modernen Stil derart schnell umzuschwenken?

 

NF: Ja, das waren in der Tat sehr unterschiedliche Stile. Ich glaube, die Musik hilft einem da sehr, wenn man auf die Bühne kommt, die Musik für das neue Stück hört, bringt die Musik einen bereits in die Stimmung für das jeweilige Stück und der Körper weiss nach so langer Probenzeit, was zu tun ist. Und wenn man einmal begonnen hat, ist man im Stück drin.

 

OF: Haben Sie während den Proben für diese Premiere parallel geprobt, oder ein Stück nach dem anderen einstudiert?

 

NF: Zuerst, wenn ich mich richtig erinnere, kam der Gastcoach für die Choreographie von MacMillan, und studierte das ganze Stück mit uns ein, anschliessend kam McGregor, somit war der Lernprozess nicht zur gleichen Zeit, aber in der Endprobenphase liefen die Proben parallel.

 

OF: Würde eine Einstudierung von zwei unterschiedlichen Stücken zur gleichen Zeit funktionieren?

 

NF: Es ist möglich, aber ziemlich ermüdend, weil das Hirn mit unterschiedlichen Dingen beschäftigt ist.

 

OF: Die 1. Solotänzerinnen des Staatsballetts sind alle sehr unterschiedlich, z.B. Olga Esina wird gleich mit Schwanensee in Verbindung gebracht, Ketevan Papava ist eine dramatische Ballerina, Liudmila Konovalova wird aufgrund ihrer makellosen Technik sehr gelobt, auch die Entwicklung von Maria Yakovleva von dem „süssen kleinen Mädchen“ zu einer charakterstarken jungen Frau war für das Publikum sehr spannend mitzuverfolgen. Wo sehen Sie sich selbst?

NF: Ich würde sagen, ich bin die temperamentvolle Ballerina. Aber ich muss auch sagen, ich muss mich erst noch daran gewöhnen, 1. Solotänzerin zu sein, es ist eine neue Beschreibung, und ich glaube, mit der Erfahrung und der Entwicklung meiner Karriere werde ich erst herausfinden, welche Art 1. Solotänzerin ich bin. Gut, ich denke, mir liegt auch die Vielseitigkeit, verschiedene Stile zu tanzen, sowohl klassisch, als auch modern, und sowohl sanfte, als auch starke Charaktere mag ich.

 

OF: Wie hat es sich ergeben, dass Sie für die 1. Besetzung der Sylvia ausgesucht wurden?

 

NF: Eigentlich war das nach meinem Debüt von „Thema und Variationen“, Manuel (Legris) war sehr zufrieden damit und er teilte mir mit, dass er mich für die 1. Besetzung vorgesehen hatte. Es war auch eine Überraschung, weil ich mir damals die Rippe verletzt hatte und als ich etwa 1 Woche zurück vom Krankenstand kam, konnte ich beim Training noch nicht so arbeiten, wie ich wollte. Da wurde die Besetzung an der Pinnwand veröffentlicht, und einige Kollegen kamen zu mir, um mir zu gratulieren. Ich hatte es noch nicht gesehen und als ich es realisierte, hatte ich zunächst gemischte Gefühle. Natürlich war ich sehr glücklich darüber, aber andererseits war ich zu diesem Zeitpunkt eine Solistin und vor mir gab es einige 1. Solotänzerinnen, vor deren Können ich grossen Respekt habe. Es ist für mich 2 Wochen nach der Beförderung immer noch wie ein Traum.

 

OF: Und wann haben die Proben für „Sylvia“ begonnen?

 

NF: Bereits vergangene Saison im Juni habe ich begonnen, meine Soli zu lernen. Es war eine lange Probenphase.

 

OF: Und im Sommer war Pause?

 

NF: Ja, da waren nur Ferien.

 

OF: Wie beschreiben Sie die Choreographie von Manuel Legris?

 

NF: Aus einem Guss, würde ich sagen, für Tänzer sehr natürlich, sehr musikalisch und auch bei der Interpretation achtet er sehr auf Glaubwürdigkeit. Schon allein durch die Schrittfolge versteht man, was er dem Publikum vermitteln möchte, was ich sehr schätze. Vor allem jetzt bei der Arbeit an „Sylvia“ hat er mir wirklich sehr geholfen, eine authentische Interpretation zu finden, wie ich die Geschichte, die Emotionen ausdrücke.

 

OF: Wie bereiten Sie sich auf Rollen in Handlungsballetten vor?

 

NF: Was Rollen in Handlungsballetten betrifft, so habe ich bis jetzt noch nicht wirklich viel getanzt. Meine erste Partie diesbezüglich war die Olga in John Crankos „Onegin“, und jetzt die „Sylvia“. Natürlich lese ich die Handlung und versuche einen Weg zu finden, wie ist die jeweilige Person, wie sieht z.B. Sylvia diverse Dinge? Wenn es ein stärkerer Charakter ist, würde man anders auf Ereignisse reagieren, als wenn man ein sanfter Charakter ist. Generell ist Sylvia ein starker Charakter, ich erkenne durchaus auch Parallelen zu mir persönlich, aber vor allem war es mir ein Anliegen, die Rolle glaubhaft darzustellen. Ein weiterer, wichtiger Teil meiner Vorbereitung auf eine Rolle ist auch, den Kollegen zuzusehen, wie andere Besetzungen die Rolle gestalten. Ich schaue auch Aufnahmen im Internet an, andere Ballerinas, in deren Schauspiel, selbst wenn es nicht dasselbe Ballett ist, lernt man eine Menge vom Zuschauen.

 

OF: Sylvia war ja schliesslich auch eine choreographische Uraufführung.

 

NF: Genau. Ich habe auch Versionen von anderen „Sylvia“-Produktionen angeschaut, z.B. aus Paris, oder auch Ausschnitte aus „Sylvia“ vom Royal Ballet mit Marianela Nunez.

 

OF: Welche Ballerina ist Ihr Vorbild?

 

NF: Marianela Nunez auf jeden Fall! Sie ist nicht nur eine grossartige Künstlerin, sondern auch eine herzliche Person, sehr bescheiden und freundlich und wenn man sie tanzen sieht, sei es in der Probe oder in der Vorstellung, merkt man, dass sie ihren Beruf wirklich mit viel Herz ausübt. Ich schätze sie enorm.

 

OF: Haben Sie sie bereits kennengelernt, als Sie in der Royal Ballet School waren?

 

NF: Ich kannte sie damals noch nicht persönlich, aber fand sie schon immer grossartig.

 

OF: Ich erinnere mich gerne an Nunez' phantastische Darbietung in der Nurejew Gala als Marguerite in Ashtons „Marguerite and Armand“. Welche Charaktere verkörpern Sie am liebsten?

 

NF: Ich würde sagen, die energievollen und die starken, und auch die fröhlichen. Das kommt auf natürliche Art, auch im Training lächle ich gerne. Ich muss aber auch sagen, seit kurzem beginne ich, die sanfteren Charaktere zu schätzen, natürlich muss ich noch daran arbeiten, aber es ist erfüllend, wenn es mir gelingt, dies authentisch zu vermitteln.

OF: Geben Sie öfters Gastspiele?

 

NF: Bis jetzt noch nicht sooft. Vor 2 Jahren waren einige Tänzer vom Wiener Staatsballett gemeinsam mit Manuel (Legris) in Japan für eine Gala, und ich habe auch bei Roberto Bolle & friends gastiert, weil Davide Dato eingeladen war und mit mir den „Tarantella“ Pas de deux getanzt hatte.

 

OF: Was ist vor einer Vorstellung wichtig für Sie?

 

NF: Für mich ist wichtig, mich zu sammeln, auf der Bühne nochmal ein paar Schritte durchzugehen, mich auf die Vorstellung zu konzentrieren, und vor allem positiv zu sein. Es ist so wichtig, dass man Freude am Tanzen hat, und ich bin dankbar, meinen Traumjob zu leben.

 

OF: Was den Traumjob betrifft, herrscht eine starke Konkurrenz in der Company?

 

NF: Nicht so sehr. Glücklicherweise habe ich ein paar sehr enge Freunde und Freundinnen, wir unterstützen einander, das ist wirklich sehr schön. Natürlich kann es manchmal auch hart sein, wir sind alle Kollegen

manchmal bekommt man nicht die Rolle, die man gerne hätte, aber es tut gut, wahre Freunde zu haben, wofür ich sehr dankbar bin. Ich muss sagen, ich habe in dieser Beziehung auch Glück, es gibt durchaus auch Kompagnien, wo der Konkurrenzdruck viel stärker ist.

 

OF: Wie viele Stunden wird täglich geprobt? Oder anders gefragt, wie sieht ein „gewöhnlicher Tagesablauf“ bei Ihnen aus?

 

NF: Es kommt ganz darauf an, welche Stücke in der Probenphase sind. Normalerweise beginnt das Training um 10h und wir proben bis 17:30. Wenn wir Vorstellung am Abend haben, sind wir um 14h fertig mit der Probe. Momentan habe ich keine Sylvia-Proben mehr, aber die anderen Besetzungen proben noch für „Sylvia“, also habe ich in dieser Zeitspanne frei.

OF: Und wie gestalten Sie Ihre Pausen?

 

NF: Manchmal gehe ich zur Physio, oder zur Massage, und gegen ein Mittagessen ist ja auch nichts einzuwenden.

 

OF: Die Physio ist auch vorbeugend gegen Verletzungen?

 

NF: Wenn ich die Möglichkeit habe. Jeder möchte gerne zur Physio gehen, und es herrscht jeden Freitag ein Gerangel um die freien Plätze, wenn die Liste ausgehängt wird.

 

OF: Also wird mehr um die Physioplätze, als um die Hauptrollen gerangelt. (lachen) Was war für Sie der bedeutendste oder verrückteste Moment, wo Sie getanzt haben?

 

NF: Ich muss sagen, der Schlussapplaus bei Sylvia ist ein Ereignis, welches ich nie vergessen werden. Diese zahlreichen Vorhänge, nochmals verneigen, das jubelnde Publikum, unglaublich! Aber ich hatte auch „lustige“ Momente auf der Bühne, z.B. wenn man hinfällt, oder einem Fehler passieren – es ist wichtig, dass man diese Momente auch mit Humor nehmen kann und weitertanzt, und nicht den Rest der Vorstellung darüber frustriert ist. Aber eben, der unvergesslichste Moment ist definitiv das Avancement zur 1. Solotänzerin.

 

OF: Sie sind ja nicht nur eine begnadete Tänzerin, sondern auch ideenreich. Für den Ballettclub der Wiener Staatsoper und Volksoper haben Sie für die Veranstaltung „Junge Choreographen“ eine eigene Choreographie kreiert, die von Sveva Gargiulo interpretiert wurde. War dies die erste Choreographie, die von Ihnen aufgeführt wurde? Und können Sie sich vorstellen, weitere Werke zu choreographieren?

NF: Ja, es war meine erste Choreographie. Natürlich haben wir in der Ballettschule auch manchmal ein paar Sequenzen selbst kreiert, aber es war nicht in dem Rahmen mit einer grossen Aufführung und dass ich für eine andere Tänzerin etwas kreiere. Als Kind habe ich mit meiner Schwester, die heute professionelle Popsängerin ist, auch ein paar Choreographien gemeinsam gemacht, aber die „Jungen Choreographen“ waren mein erstes professionelles Projekt, auch für eine Kollegin ein Werk zu kreieren. Es hat mir sehr viel Freude bereitet.

 

OF: Ich habe unlängst auf Facebook Ihr Video gesehen, wo Sie Ihre eigene Choreographie in Japan selbst getanzt haben, und realisiert, dass auch Kostüm und Lichtgestaltung von Ihnen war, wirklich sehr beeindruckend!

 

NF: Danke schön.

 

OF: Frau Fogo, vielen Dank für das Gespräch!

 

 

 

Bilder (c) Staatsballett / Volksoper

Katharina Gwbauer / 20.12.2018

 

 

DER OPERNFREUND  | opera@e.mail.de