DER OPERNFREUND - 51.Jahrgang
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Gute Serien auf DVD

 

Tötet Buddy Overstreet !

 

Junior: „Heh Dad! Was hat es eigentlich auf sich mit der Geheimsache „Klein Hühnchen“? Big Boss: „Junge, wenn ich Dir das sagen würde, müßte ich Dich auf der Stelle erschießen!“
 
Am 13.Juni 1969 startete die TV-Kult-Serie. „Renn Buddy renn!“ (eine humorvolle Persiflage von „Auf der Flucht“) im ZDF und sicherte sich eine Riesenfan-Gemeinde von der ersten Folge an. Einmal nur wiederholt und dann scheinbar verschollen, hat sich  jetzt die kleine, aber feine Filmproduktionsgesellschaft „Laser Paradise“ der mittlerweile Abertausenden Fans in den diversen Internetforen erbarmt und die Serie ausgegraben; alle synchronisierten 13 Folgen wurden digital bild-bereinigt und mit rauschfreiem DD 2.0 Ton versehen. Eine schöne Geste und ein toffes Sommergeschenk für die Oldtimer-TV-Fans; das ist so lobenswert, daß der begeisterte Film-Kritiker über die ärgerliche Marginalie, daß man hier schlappe 304 Minuten geschäftstüchtig auf 4 DVDs verteilt, diesmal locker hinweg sieht; immerhin sind die einzelnen aufwendigen Hüllen mit netten Bildern und Kurzinhaltsangaben flott aufbereitet. Auch gibt man die Laufzeit pro DVD ehrlich und grob gerundet (3 mal 25 Minuten!) mit 70 Minuten korrekt an. Ach, was werden da für Erinnerungen wach an die „gute alte“ Fernsehzeit, in der es nur unfaßbare zwei Programme gab, die damals seit erst gerade einmal zwei Jahren (>1967) in Farbe sendeten. Erklärt das mal Euren Kindern!
Die Handlung ist so blödsinnig einfach, wie genial lachmuskelreizend: In einem Dampfbad wird Buddy Overstreet unfreiwillig Ohrenzeuge eines Gesprächs zwischen dem Chef des großen Gangster-Syndikats, Mr. D. (Bruce Gordon), und dreien seiner Untergebenen. Es geht um Mordpläne und die streng geheime „Aktion Klein Hühnchen“. Er wird entdeckt, und es beginnt eine Flucht per pedes über Asphaltwege, Staubpisten und sogar unter Wasser, ein unendlicher Marathon, der sein weiteres gehetztes Leben noch in den folgenden 12 Folgen prägen wird. Dummerweise hatte der arme Kerl seine gesamten Papiere zurücklassen müssen, wodurch die Gangster nun seine genaue Identität kennen, und so verlautet es dann jedes Mal am Anfang einer neuen Episode, die er dank der Trotteligkeit seiner Verfolger und trotz wüster Pistolenknallerei jedes Mal unversehrt überlebt: „Tötet Buddy Overstreet!“
Die Serie wurde charmant witzig und unterhaltsam komisch übersetzt. Der Held trägt immerhin die markante Synchronstimme von Wolfgang Draeger (Woody Allen). Man merkt, daß die Übersetzer wirklich Spaß an der Sache hatten. Pars pro toto: Heißt es im Originaltext am Anfang bloß: „Get´em – get´em – get´em!“, wobei das Gesicht des Gangsterbosses Devere (genannt: „Mr. D“) im syndikateigenen TV immer näher rangezoomt wird. Anders tönt es in der deutschen Fassung mit wohlakzentuierten fast Shakespeare-mäßigen Pausen: “Tötet - ! - Buddy - ! – Overstreet !“ Selbst wer den belanglosen Inhalt heute nach 40 Jahren vergessen hat, wird sich immer noch an dieses Bild erinnern.
Daß man die Slapstick-Serie, auf die der heutige Begriff „Sitcom“ eher passen würde, doch tatsächlich mit dem FSK-Vermerk „ab 12 Jahre freigegeben“ versehen hat, ist ein weiterer Beweis für den Schwachsinn und die Überflüssigkeit dieser Pseudo-Behörde. Ich gebe die Reihe „ab 6 Jahren“ frei und das schöne ist, daß neben Dad und Mam (sofern sie denn alt genug sind!) garantiert Oma und Opa auch noch daran Spaß haben werden.
Herrlich auch heute noch die gelungene Szenerie der Running Gags, wie die Bestrafung des stets erfolglosen Killers Wendell, der dann bei fahrendem Auto („nein bitte nicht schon wieder, Mr. D !“) aussteigen oder den leeren Fahrstuhlschacht benutzen bzw. über den Hochhausbalkon (D. „Im zweiten Stock ist eine Markise, versuch sie zu treffen!“) hinauskomplimentiert wird. Und so fängt auch die obligate Gangsterszene in jeder Folge mit der Bemerkung des neunmalklugen und völlig danebengeschlagenen Devere-Sohns „Junior“ an „also, nach meinen Berechnungen müßte er sich jetzt in X aufhalten, worauf das spontan klingelnde Overhead-Telefon uns sofort eines Besseren belehrt „Overstreet in Y gesichtet, Boss!“
 
Interessantes:
Regie führte übrigens kein geringerer als der berühmte B-Movie-Regisseur Jack Arnold (u.v.a. Gefahr aus dem Weltall/1953, Der Schrecken vom Amazonas/1954, Tarantula/1955, Die Maus die brüllte/1959, Kopfüber in die Nacht/1984) Arnold war auch in und mit anderen TV-Serien erfolgreich, wie u.a. „Gilligans Insel/1964“ – „Ihr Auftritt, Al Mundy/1968“ – Ein Sheriff in New York/1970“ oder „Ein Colt für alle Fälle/1981“
Der sympathische Hauptdarsteller Jack Sheldon (geb. 1931) war neben seiner Schauspielerei auch ein durchaus bekannter Jazz-Sänger und –Trompeter mit eigenem Plattenlabel (Concorde Records/Butterfly Label). Im Alter klingt er fast wie eine Mischung aus Sinatra und Satchmo. Ein perfektes Trompetensolo von ihm ist z.B. im bezaubernden Coppola-Film „One from the Heart“ zu hören. 2008 entstand der Dokumentarfilm „Trying to get good – the Jazz Odyssey of Jack Sheldon“ von Doug McIntyre und Penny Peyser – eine Hommage an den Musiker mit Interviews von Clint Eastwood, Billy Crystal, Johnny Mandel, Dom DeLuise, Terry Gibbs u.v.a. Sheldon ist auch heute noch als Musiker aktiv. Bei „Youtube“ gibt es  ein paar sehr schöne und hörenswerte Filmdokumente.

Renn Buddy renn!
TV-Serie - 4 DVDs -Gesamt-Spieldauer: 304 Minuten
 
Darsteller: Jack Sheldon, Nick Georgiade, Bruce Gordon, Jim Connell
Sprache: Deutsch (Dolby Digital 2.0)
FSK: Freigegeben ab 12 Jahren
Studio: Laser Paradise/DVD
Erscheinungstermin: 9. Juli 2009
Produktionsjahr: 1966
 
Paeterr Bilsing, recycled 12.5.2020
 
 

Hauptsache die Vorderzähne haltens aus...

 

 

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Alle Folgen der Kultserie „Die Zwei“
in neuer Special Collectors Edition
Ein Muß für Sammler und Fans
20 Stunden Film -
mit Liebe von Koch-Media aufbereitet
 
Lord Brett Sinclair (Roger Moore) ist adeliger Abstammung, er liebt Sport, schnelle Autos, Frauen und gute Drinks zu jeder Zeit. Danny Wilde (Tony Curtis) wuchs in den Slums auf und arbeitete sich an die Spitze der Hochfinanz. Zusammen geraten sie ständig in die unglaublichsten Fälle, die sie jedes Mal mit Einfallsreichtum, harten Fäusten und jeder Menge cooler Sprüche lösen können.
 
"Arschibald Pusterwitz - ich bin Ungar. Sie können mich Arschi nennen...!
"Darum schieß mit einem Püsterich, auf keine alten Leute nicht..."
"Den kenn ich doch aus meiner Kindheit! - Das muss aber der Bruder von Methusalem sein!"
"Der wahre Mann kämpft mit der Faust, bis du ihm auf die Schnauze haust..."
"Gestatten: Headstone - Kopfstein, mein Großvater hat das Pflaster erfunden."
"Lümmel, ich hau dir den Dübel aus der Halskrause. Gleich gibt's was auf die Lauscher!"
"Nehmen sie mal 'nen Schluck Schampus in den Mund, sonst stauben sie so beim Sprechen"
"Er war knorrig wie eine alte Eiche ... und jetzt ist er platt wie eine Flunder."
 
Halli, hallo verehrte Leser! Erinnern Sie sich an diese kernigen Sprüche!? Manche waren wirklich so platt, daß es wehtat, aber Rainer Brand kannte keine Gnade. Einmal Blut gerochen, legte er aus anscheinend unermüdlich sprudelnder Phantasie-Quelle nach:
 
"Das Schwein trügt" oder "Ganz im Gegentum!" bzw. "Hier bin ich Pferd, hier darf ich sein" -
"Ich schäme mich! - Du Schämiker!" - " Kleidsamer Fußsack, selbst gehäkelt?" - "Momentino!"
 
Gerne schreibe ich etwas über die absolute Kultserie meiner späten Jugend und freue mich auch heute noch an den Brand-Sprüchen. Aber was soll man über eine Kultserie schreiben, für die bei Amazon sagenhafte 74 Kundenrezensionen mit 5 Sternen (!) vorliegen? Alles Filmfreaks, die auch heute noch von den beiden Stars Curtis & Moore (+ Rainer Brand) so begeistert sind, wie ich. Das ist echter Kult - vielleicht gerade noch mit "Schirm, Charme und Melone" vergleichbar. Und wer diese wunderbar und mit Liebe restaurierten 24 Folgen jetzt auf neun DVDs anschaut, wird verblüfft sein über die Ton- wie auch famose Bildqualität einer Serie aus den Anfängen der Siebziger. Das hat fast HD-Kinoqualität! Vor allem die wirklich tolle Titelmusik erstrahlt noch besser als auf meiner alten Single von 1972, die ich immer noch hege, pflege und nur naß abspiele. John Barry (Bondfilme) schrieb hier eine seiner vielleicht besten und anspruchsvollsten Filmmusiken.
Natürlich haben alle Folgen die ursprüngliche Originallänge von 50 Minuten und man muß sich nicht über die Kürzungen ärgern; das ZDF hatte später die Folgen um fünf Minuten verkürzt, damit sie besser ins Programmschema paßten. Auch schienen dem Sender nur 15 Folgen moralisch tragbar, was man immerhin später bei der Zweitausstrahlung korrigierte.
Als Bonus in dieser einzigartigen Sammlerbox gibt es u.a. diverse Infos zur Serie, eine Fotogalerie mit vielen Bildern, diverse Trailer und quasi als Krönchen ein halbstündiges Interview mit Rainer Brand über seine sprachwitzige Synchronisation. Allein das wunderbar gemachte 24-seitige Booklet ist schon einiges wert für Sammler und Oldie-TV-Serienfans. Wahrscheinlich wird der Preis der Box in den nächsten Jahren noch mächtig steigen.
Skurril: Im Originalton, der rein quantitativ gemessen ungefähr höchstens ein Drittel der Textmenge ausmacht, welche die deutsche Synchronisation von Rainer Brand (der natürlich Tony Curtis selber spricht) umfaßt, ist die Serie wirklich stinklangweilig und nimmt sich bierernst. Endlich kann jeder diesen Umstand auf den DVDs in der Originalsprache nachprüfen. Wunderbar gemacht ist auch das Menü; bei jedem Anklick startet die Titelmusik neu und eine Art Mini-Trailer läuft im Kleinbildformat ab. Klasse! Hier macht "digitally remastered" wirklich Sinn.
Nachdem die Serie von 1970-72 in England lief, wurde sie in 80 Länder verkauft. Da sie in den USA ein Totaldebakel war (weshalb auch keine weiteren Folgen mehr gedreht wurden), wurde sie im Ursprungsland, in Australien und auf dem europäischen Festland ein relativer Erfolg. In Deutschland wurde sie aufgrund der Brandschen Texte zum Straßenfeger.
Witzig: So kauften etwa die Franzosen die deutschen Dialogbücher, übersetzten sie, und gestalteten die eigene Synchronisation gleichermaßen humorvoll. Das kam dem französischen Mutterwitz des Kinos a la Luis de Funes oder Pierre Richard und Co. sehr entgegen, und so erlangte die Serie dort einen ähnlichen Beliebtheitsgrad wie bei uns. Andere Länder folgten dem Beispiel. Das führte dazu, daß Tony Curtis sogar Rainer Brand als Drehbuchschreiber für weitere Folgen engagieren wollte. Schade, daß es darüber zum Streit mir Roger Moore kam und so blieb es beim Ende nach der 24. Folge. Wahrscheinlich hatte Moore schon seinen ersten Bondfilm (Live and let die - 1973) im Blick. Vielleicht lag es auch am Geld, denn Moore war seit der ebenfalls heute zum Kult zählenden Detektivreihe "Simon Templar“ (1962) einer der bestbezahlten englischen Schauspieler.
Bemerkenswert ist immer wieder der Vorspann, wo man mit genialer Schnittfolge und auf historisch restaurierten und manipulierten Bildern die Lebensläufe der beiden im damals schon hochmodernen Split-Screen-Verfahren zeigt. Im Autoland Deutschland erregten natürlich auch die extravaganten Sportwagen (Aston Martin & Dino-Ferrari) großes Aufsehen. Dagegen war Simon Templar zehn Jahre früher mit seinem "Schneewittchensarg" alias Volvo P 1800 geradezu preiswert unterwegs gewesen
Mit dieser Box ist Koch-Media ein Meisterwerk gelungen - ach würden viele andere DVD-Produzenten auch so verantwortungs- und liebevoll mit den Silberscheiben und ihren Inhalten umgehen. Schon allein das ist ein Grund diese Sammlung zu kaufen und somit den Produzenten zu sagen: Gut gemacht! Dankeschön. So möchten wir alle DVDs gestaltet sehen.
Natürlich sind die Sprüche nicht mehr zeitgemäß, aber ich stelle fest, daß auch meine Kinder Spaß an diesem herrlichen Blödsinn haben. Mir persönlich gefiel immer schon die respektlose Anrede und Sprachenvielfalt mit der Curtis/Wilde seinen adeligen Freund bedachte:
 
"Oh Leuchte des Adels!" - "Euer Lordschuft!" - "Euer Merkwürden!" - "Eure Lochschaft!" - "Eure Durchschlaucht!" - "Euer Lordschiff!" - "Lord Brettschaft!" - "Lordilein!" - "Lord Segeldurchlocher" - "Ritter vom Hosenbandorden."
 
Auch den Ganoven drohten Verbalblüten a la:
 
"Dem aufmerksamen Lauscher klingt das wie eine Drohung! - "Du guckst ja wie 'n ausgeschlafener Mörder!" - "Siehst aus wie ne Fledermaus nach der Wurmkur." - "Hier kömmt der Gesichtsschuster!" - "Gleich gibt es was auf die Lauscher mein Freund!" - "Ich hau Dir gleich ein paar hinter die Kiemen!" - "Nun stellen Sie mal die Antenne auf Empfang!" - "Spitz mal die Horchlöffel!" -  "Was will er mit der Zimmerflak?" - "Was ist passiert? Wir haben ihn geopfert - er hat schlecht gekocht!"
 
Und noch eines: Die Handlung ist völlig nebensächlich. Als Drehorte waren Cannes, Nizza, Monte Carlo und London gerade aufwendig genug. Der Etat war so groß, daß man wirklich klotzen konnte. Kaufen! Kaufen! Kaufen! Der Preis steigt ständig.

Die 2 - Special Collector's Edition (9 DVDs) - erstmals mit umfangreichem Bonusmaterial ausgestattete Special Edition zum DVD-Dauerbrenner.
 
Features:
Der DVD-Dauerbrenner mit Roger Moore und Tony Curtis als Lord Sinclair und Danny Wilde
Special Edition erstmals mit umfangreichem Bonusmaterial zur Kultserie
Die komplette Serie mit Bonusmaterial auf neun DVDs
 
Bonusmaterial:
Dokumentation über die Dreharbeiten mit Roger Moore, Audiokommentare zu zwei Folgen, 24-seitiges Booklet, Interview mit Synchronlegende Rainer Brandt
(24 Episoden und Bonusmaterial auf 9 DVDs)

Koch Media präsentiert die komplette Kultserie erstmals in einer Special Edition inklusive einer brandneuen Dokumentation über die Dreharbeiten mit Tony Curtis und Roger Moore sowie weiteren Extras.
Weitere Informationen unter:  www.kochmedia.de
 
Peter Bilsing - recycled 4.5.2020

 

Inspektor gibt´s kan - Dienst ist Krieg

 

„Geh, scholtens des Blaulicht aus – der fangt ja an zum kochen“

Die unereichte Kultserie „Kottan ermittelt“ (1976 – 83) vom legendären Duo Helmut Zenker (Drehbuch) und Peter Patzak (Regie) gibt es jetzt endlich nach jahrelangen kindischen dummen Streitereien zwischen ZDF und ORF auf DVD. Das ist Wiener Schmäh vom Feinsten. Allerbeste Fernsehunterhaltung, begnadete Charaktere und unvergeßliche Gesichter und vor allem echte Schauspieler, von denen viele leider schon verstorben sind. Jetzt wieder auf DVD zu erleben.

„Verzeihung, i geh in mich! – Am besten bleibens a dort.“

Da kamen Marx Brothers und Monty Python zusammen, hinreißende österreichische Schauspieleroriginale, wie die unvergessene Maria Englstorfer, Luise Prasser, Bibiana Zeller, Gusti Wolf, Christiane Rücker, Carlo Böhm, Ernst Konarek, Leo Askin u.v.a. erstrahlen in altem Glanz. Was für ein Geschenk für alle TV-Freunde. Was waren das für Zeiten in den 70ern und 80ern, wo Fernsehen mehrheitlich noch richtig Spaß machen konnte!

„Na sieht`s dass`d 45 bist!“ – „Wiaso?“ – „Da Kopf wachst dir durch de Hoar.“

Ein Jammer, daß der große Charakterdarsteller Peter Vogel (Selbstmord, 1978) nur die beiden ersten Folgen bestreiten konnte; aber auch sein Nachfolger Franz Buchrieser schlüpfte bestechend gut und überzeugend in die Rolle des unverwechselbaren Major Kottan. Ein großer Fehler, wie er später bekannte, war sein Ausstieg nach der 5. Folge. Er wollte nicht auf diese Rolle allzu sehr festgelegt werden.

„Is´fett?“ – „sehr fett!“ – Entzückend!“

Später spielte er noch einmal den Kottan im 1980-er Kottan-Kinofilm „Den Tüchtigen gehört die Welt“. Eine sehr dichte und ernste Verfilmung ohne allzu viel Klamauk. Danach und für die restlichen 14 Folgen gab sich dann, der auch bei uns mehr bekannte Lukas Resetarits die Ehre. Schade, daß nach Folge sieben, die noch in richtiger Spielfilmlänge war, die nun folgenden Episoden auf 60 Minuten gekürzt werden mußten, damit sie (Kooperation mit dem ZDF) ins Sendeschema der Mainzer Derrick-Streifchen paßten.

„Schmeckt`s?“ – „I hob scho a bessere Gulasch gessen.“ – „Aber bei mir ned.“

Mit Resetarits wurde auch vielleicht die Geburtsstunde der europäischen Karaoke gelegt, denn brillanter als er imitierte niemals wieder jemand Gene Kelly, Elvis Presley, Paul, Anka, Harry Belafonte, Neil Sedaka…etc. Lippensynchron ist noch untertrieben!

„Tätest mi umbringen, wann i fremdgehn würde?“ – „Iss ja verboten!“

Wie überhaupt die Musik ein absolutes Highlight war; kaum ein Super-Oldie der 50er und 60er Jahre blieb ungespielt, wurde als Szenenkommentar eingesetzt, karaokt oder einfach als Hintergrundmusik eingespielt. Die Auswahl war stets vom Feinsten. Von anfangs gerade mal sechs Titeln steigerte sich die Anzahl in den späteren Folgen auf bald 25. Nicht nur uns Grufties der alt-68er Generation sollte bei dieser tollen Musik noch richtig warm ums Herz werden. Allein schon unter diesem Aspekt - jüngere Oldie-Fans aufgemerkt ! - ist diese DVD Kollektion ein Muß.

„…des is a Ballade – von Fontane – Dichter“ – „Angenehm – Kottan – Polizeiinspektor.“

Das Team blieb mit dem großartigen Walter Davy (Schremser), dem unvergleichlichen Curth Anatol Tichy (Schrammel) und als Polizeichef Pilch Harald von Koeppelle (1.-6.) bzw. Kurt Weinzierl (7.-19.) weitestgehend dasselbe. Bibiana Zeller spielte in praktisch allen Folgen Kottans Gattin. So konnten auch die köstlichen Running Gags beibehalten werden.

„Wir könnten in a Diskothek goan.“ – „da finden`s den Mörder?“ – „Kaum…aber mir ham jetzt scho die 6. Folge und war`n no nie in a Diskothek.“

Bis zu 1500 Beschwerden pro Film hagelte es in den ersten ORF-Folgen, so daß der Fortbestand der Serie stets gefährdet war, was allerdings das Regie-Team nicht daran hinderte beim nächsten Mal noch einen drauf zu legen.

„In drei Wochen is Ostern!“ – „Mir egal, I geh net hin.“

Oft wurden auch aus prominenten Befürwortern plötzlich Gegner, denn Zenker veränderte das Drehbuch beständig bis letztlich hin zur kompletten Farce in den letzten Folgen. Ein jeder bekam sein sprichwörtliches Fett weg. Die Serie stieg auf zu einer der meistgesehnen Sendungen im ORF und da wurde dann der Protest schon eher tolerabel.

„Das Messer is aus Taiwan!“ – „Willst a Dienstreise dorthin machen.“

Einen Riesenaufstand gab es in einer der ersten ZDF-Folgen, wo minutenlang im Untertext eingeblendet wurde: „Eilmeldung! Ufos in der Nähe von Duisburg gelandet. Näheres in den folgenden Nachrichten!“ Nie wieder hatten die ZDF-Nachrichten eine solche Einschaltquote und nie wieder war der Frust der Fernsehzuschauer ärger und wurde die ZDF-Redaktion derartig massiv beschimpft.

 „I hob weiter ein Aug auf Sie, Kottan!“ – „Sinnlos, Bin lesbisch.“

Interessant ist noch, daß die ganze Serie eigentlich einem Hörspiel von 1974 entsprang, welches vom SWF und dem ORF-Landestudio unter dem Titel „Hartlgasse 16“ produziert worden war. Insbesondere die Polizeigewerkschaft bestritt heftigst, daß dies Polizeialltag sei. Später bestritten lokale Wiener Polizeigrößen dies bei den Fernsehfolgen nochmals ausdrücklich und wiederholt.

„Sie hom ka Alibi Zeit von sieben bis hoalbe neun gestern! – „Des haben vül net. Kanni jetzt gehen?“ – „Bleimma no`a wengerl sitzen“ – „Wenn´s mi so höflich bitten, von mir aus.“

Das schöne an der Serie ist, daß sie sich selbst nicht nur nicht ernst nimmt, sondern auch ständig ad absurdum führt. Zenker & Patzak karikieren Sehgewohnheiten tradierter TV-Unterhaltung, den Polizeiapparat als große Schnarchtüte des Beamtentums, bekannte und beliebte Fernsehserien und machen aus allem einen bösartigen, teilweise recht schwarzen Schabernack, der mit absoluten Top-Schauspielern praktisch zeitlos unterhält. Das ist wahre TV-Kultur - mittlerweile Kult!

„Wos mach´ns da?“ – „Wir verhaften Prostituierte!“ – „Naja a paar Hurn wern scho dabei sein.“

1983 wurde die Reihe, obwohl noch 6 Drehbücher in der Schublade lagen, eingestellt. Das Verlangen nach unverdächtiger Fernsehunterhaltung war bei den mächtigen Programmchefs doch zu groß und Mut zur Lücke gab es nicht mehr. Dallas und Abende der Volksmusik waren ab jetzt als Standardprogramm angesagt. Und seien wir ehrlich – Hand aufs Herz - Seitdem hat sich das Abendprogramm eigentlich nur noch marginal geändert, oder? Deshalb muß Kottan sein!! Dank an Eurovideo und all die fleißigen Seelen, die bei der Überarbeitung mit gemacht haben.

„Is der echt? Ka Urlaubsvertretung?“ – „Naa – den gibt`s länger wie mich.“

Die Bildqualität ist entsprechend dem TV-Standard der 70er Jahre je nach Sichtweise heimelig nostalgisch bis unterirdisch. Die Tonqualität (mono) ist absolut rauschfrei in Dolby digital überarbeitet. Das 45-minütige Extra „Kottans Kapelle“ ist einmalig und schon fast den Gesamtpreis wert. Alktuell für 17 Euro bei Amazon ein Geheimtipp für viele tolle coronafreie Abende vor dem Heimbildschirm.

 

Peter Bilsing, recycled 28.2.2020

 

 

 

Brutale Realität ziemlich fern von BONANZA - ein Sodom und Gomorrha – so war der Wilde Westen wirklich

Eine der wahrscheinlich besten, weil realistisch detailgetreueste Western-Serie, die je gedreht wurde, fristet in Deutschland ein absolutes Understatement-Dasein. Sicherlich auch deswegen, weil sie bisher leider nur bei Premiere zu empfangen war. Das spricht für das Qualitätsmanagement dieses Privat-Senders und beweist mal wieder, daß unsere öffentlich Rechtlichen im Tiefschlaf seichten Dummbrösel-Fernsehens weiterhin großes Kino verschnarchen. Größeren DVD-Verkaufszahlen in Deutschland steht wahrscheinlich entgegen, daß die Serie (zu Recht) erst ab 16 Jahren zugelassen ist und kaum hierzulande bekannte Schauspielgesichter zeigt.

Deadwood ist kein Action-Kino, sondern gute Schauspielkunst; die kruden Sexszenen und teilweise brutale Sequenzen kommen nie voyeuristisch oder als Selbstzweck daher, sondern wirken einfach nur handlungsstringent und logisch; zynisch kalt, wie in einer Dokumentation. Das ist kein Bonanza! Es gibt keine Helden à la John Wayne oder Gary Cooper, aber auch keine Antihelden, wie in Clint Eastwoods „Unforgiven“ bzw. Sam Peckinpah „The wild Bunch“. Die Bösen sind nicht nur schablonenhaft, rauh, hinterhältig und gemein, sondern werden vom genialen Regisseur David Milch (NYPD Blue) psychologisch feinsinnig ausgeleuchtet. Die Guten, im klassischen Sinne, gibt es nicht. Jeder ist einzig auf seinen Vorteil bedacht, auf Ausplünderung und Ausbeutung der anderen und Gewinnmaximierung. Dabei geht praktisch jeder ungerührt über Leichen, egal ob selbst-, oder fremdverursacht. Gemeinheit, Raffgier und Rücksichtslosigkeit beherrschen die Welt dieses anfänglichen Zeltdorfes – ein eiskaltes Mahagonny der Dollars, Guns and Roses. Der Zyniker erkennt hier durchaus ein Spiegelbild unserer Welt von 2008.

Das Regieteam zeichnet mit einer fantastischen Kameraführung Bilder von unglaublicher Präsenz. Wenn immer es möglich ist, fährt die Kamera gnadenlos nah ran, rückt den Protagonisten fast intim auf den Pelz, auf die Haut und zeigt Gesichter, wie man sie in kaum einem Film je so beeindruckend sah. Jede kleinste Narbe, jede Hautfalte, jeder Pickel, jede Schweißperle und jeder Blutspritzer werden erbarmungslos realistisch gezeigt. Es ist Kameraqualität eines Sergio Leone oder Michael Ballhaus. Hinzu kommt ein kaltes, leicht sepiafarbenes, stellenweise scharfzeichnend graues Doku-Licht, fern aller Wärme und bar aller Farbigkeit, die wenn überhaupt, sich nur im roten Blut manch brutaler Nahaufnahmen spiegelt. Da ist Film wirklich großes Kunstwerk, von der Kamera gezeichnete Gemälde im Stellenwert historisch großformatiger schwarz-weiß-Fotos; ungeheure Bilder, die teilweise auch durchaus schmerzlich in Erinnerung bleiben. Genial ist allein schon die sich in jeder Folge wiederholende Eröffnungssequenz – ein atemberaubender cineastischer Geniestreich an sich.

Deadwood spielt kurz nach der Schlacht am Little Big Horn im Jahre 1876. Der Ort ist zu dieser Zeit noch kein richtiges Western-Kaff im traditionellen Sinn, sondern eher ein ständig wachsendes improvisiertes Goldgräber-Lager, Treffpunkt von Gesindel und Abenteurern, wo Tag für Tag neue Gebäude und Verkaufsbuden gezimmert werden. Praktisch alle Charaktere gehen auf historischen Figuren zurück (die bekanntesten: Calamity Jane, Wild Bill Hickok, Wyatt Earp…etc), wobei die Handlung fiktiv bleibt. Täglich kommen neue, darunter sehr skurrile Gestalten an. Gezeigt wird die teilweise zumindest kalendarisch kurze Lebenswelt von real existierenden Mördern, Prostituierten und Goldgräbern.

Brillant häßlicher wurde seit „Westwärts zieht der Wind“ und „Unforgiven“ selten ein Szenario gebaut. Die Wege von Deadwood bestehen aus einer einzigen Schmutz- und Jauchegrube, Saloon, Bordell und Spielhalle gehen ebenso hautnah ineinander über, wie der Straßendreck in den Schweinestall und die Schweinehälften-Lagerhalle des örtlichen - natürlich chinesischen! – Metzgers, dessen wohlgenährte Tiere manch preiswert zu handelndes Mord-Opfer relativ spurlos und zynisch allzeit zu entsorgen bereit sind. Hier herrscht die Pest, regiert ein Heer Gesetzloser, an deren Spitze der schmierige bösartige Saloonbesitzer Al Swearengen (begnadet: Ian MacShane!) die Weichen gerade einmal soweit stellt, daß nicht alles im totalen Chaos versinkt.

Natürlich ist der Film stellenweise frauenfeindlich, rassistisch und bösartig; weil er historische Realität, ohne alle Glättungen, mit allen ihren menschlichen Gemeinheiten widerspiegelt. Es gelingt dem Regieteam auch bei seinen sogenannten „Helden“ in die Tiefe zu gehen. Die Charaktere werden ausgeleuchtet, geradezu seziert und psychologisch auseinander genommen, wie in keiner anderen Serie. In jeder Folge der von mir gesehenen 1. Staffel entwickeln sich die Hauptakteure weiter, werden neue Abgründe ausgeleuchtet und es treten überraschende Wendungen auf. Selten hatte eine Fernsehproduktion das Format solch ganz großen Kinos – Reaktion und Zeitgeist auf das mittlerweile gähnende Hollywood-Niveau und die langweilige Ausgelaugtheit des immergleichen Flachsinns und der immergleichen faden Gesichter.

Bild- und soundtechnisch (trotz deutschem Dolby Surround / Original in 5.1. dolby digital) so in etwa das Beste, was bisher auf DVD gepreßt wurde. Selbst bei einem 1,50er Plasma in nicht HDTV-Auflösung ist das Bild noch durchgängig so scharf, wie bei einem alten legendären 15-DIN Dia. Ein Beamer mittlerer Leuchtkraft läßt sich locker auf 3 Meter aufzoomen, ohne das Gefühl des Kontrastverlustes zu haben. Das ist technische Referenz-DVD erster Kategorie und Güte; leider hat die 1. Staffel der Serie keinerlei Zusatzmaterial. Welch eine Schande!

Deadwood wurde mit hochwertigen Film-Preisen geradezu überschüttet: sieben Emmys und ein Golden Globe. Bei der Golden-Globe-Verleihung 2005 wurde die Fortsetzung in der Kategorie "Beste Serie - Drama" nominiert und Ian McShane als bester Darsteller einer Fernsehserie ausgezeichnet. Weitere Auszeichnungen kamen von der Cinema Audio Society, der Directors Guild of America und der Vereinigung American Cinema Editors.

Bisher wurden 3 Staffeln à 12 Folgen mit jeweils knapp einer Stunde Spieldauer produziert. Die dritte Staffel läuft ab 24. August bei Premiere. Gesamtausgaben aller 36 Folgen gibt es ab rund 75 Euro bei Amazon. Die Staffeln sind auch einzeln erhältlich. Für einen kritischen Westernfan absolut unverzichtbar! Ein Meilenstein in der Geschichte des Westerns. Darstellerisch, filmisch und künstlerisch ein mehr als Oscar-reifes Episoden-Meisterwerk ab 16 Jahre.
 
P.S.
Wird zur Zeit nur bei SKY gestreamt, aber die erste Staffel (zum Reinschauen) kostet aktuell bei Amazon keine 10 Euro
 
Peter Bilsing, 8.4.2020

 

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