CD: „Die tote Stadt“, Erich-Wolfgang Korngold

Sie war einer der Höhepunkte der Saison 2010/11 an der Finnisch National Opera: Kaspar Holtens Neuproduktion von Korngolds phänomenaler Oper Die tote Stadt. Nun, nach 12 Jahren, ist ein Audio-Mitschnitt dieser Aufführung von dem Label Opus Arte einem interessierten Publikum auf CD zugänglich gemacht worden. Es ist immer wieder bemerkenswert, was für eine phantastische Musik dem blutjungen Korngold gelungen ist. Den enormen orchestralen Klangwogen dieses Meisterwerkes kann man sich genauso wenig entziehen wie den lyrischen Stellen wie Glück, das mir verblieb oder Mein Sehnen, mein Wähnen.

Der schwelgerisch-imposante, in hohem Maße mitreißende Duktus wird von Dirigent Mikko Franck und dem bestens aufgelegten Orchester der Finnischen Nationaloper aufs Beste herausgearbeitet. Da lodert und funkelt es im Orchester, dass es eine echte Freude ist zuzuhören. Die ungemein dramatischen Stellen werden mit enormer klanglicher Raffinesse vor den Ohren des Zuhörers ausgebreitet, ebenso die herrlichen lyrischen Stellen. Der Dirigent wartet mit einer reichhaltigen Palette spezifischer Coleurs sowie mit einer breitgefächerten dynamischen Skala auf. Insgesamt haben wir es hier mit einem sehr differenzierten und nuancenreichen Klangteppich zu tun, der bei aller zur Schau gestellten Fulminanz insgesamt recht sängerfreundlich ist. Die Vokalsolisten werden an keiner Stelle zugedeckt.

Dass die Aufnahme in gesanglicher Hinsicht Wünsche offenlässt, liegt in erster Linie an Klaus Florian Vogt, der als Paul in keinster Weise zu überzeugen vermag. Hier haben wir es mit einer ungemein dünnen und überhaupt nicht solide im Körper verankerten Stimme zu tun, der für diese Rolle, die enormes dramatisches Potential erfordert, total das Stamina fehlt. Und Dramatik geht Vogts weißer und letztlich ausdrucksloser Stimme gänzlich ab. Nein, ein Heldentenor ist Vogt wirklich nicht. Damit entwertet er etwas eine Einspielung, die insbesondere in den sonstigen Hauptpartien nicht schlecht besetzt ist. Das gilt insbesondere für Camilla Nylund, die in der Doppelrolle von Marietta und Marie mit vorbildlich gestütztem, in jeder Lage gut ansprechendem, ebenmäßig geführtem Sopran für sich einzunehmen weiß. Sowohl die ausufernden dramatischen als auch die lyrisch-liedhaften Passagen werden von ihrem eindrucksvollen Sopran bestens bewältigt. In nichts nach steht ihr Markus Eiche, der mit prachtvollem, hervorragend italienisch fokussiertem und enorme lyrische Eleganz aufweisendem Bariton einen markanten Frank singt und auch mit dem Lied des Pierrot Fritz nachhaltig begeistert. Eine tiefgründig und sehr emotional singende Brigitta ist Sari Nordqvist. Im Ensemble der aus Kaisa Ranta (Juliette), Melis Jaatinen (Lucienne), Per-Hakan Precht (Victorin), Juha Rihimäki (Graf Albert) und Antti Nieminen (Gaston) vernimmt man lediglich mittelmäßige, nicht allzu trefflich fundierte und eher flache Stimmen. Gefällig singen der Chor und Kinderchor der Finnischen Nationaloper.

Ludwig Steinbach, 21. Januar 2023


Opus Arte 2022

Best.Nr.: OACD9050D

2 CDs