DER OPERNFREUND - 51.Jahrgang
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SONYA YONCHEVA

Es gibt nichts Langweiligeres als Clichèes

Nach gerade mal gut drei Monaten Babypause und gerade mal gut fünf Wochen nach der Geburt von Töchterchen Sophia ist eine der größten Sopranistinnen unserer Zeit, SONYA YONCHEVA, wieder zurück auf der Bühne, zunächst mal mit drei großen Puccini-Abenden rund um den Globus, startend in Hamburg. Nach dem Abend in der Elbphilharmonie schrieb der Kritiker des Hamburger Abendblattes. „Vielleicht hat man seit der Eröffnung dieses Hauses solch wunderschöne Töne noch nicht gehört“! …. Und genau dort, in Hamburg, gab Sonya Yoncheva, Holger Wemhoff, ihr erstes Interview nach der Babypause, und zwar auf ihren eigenen Wunsch, UND mit Töchterchen Sophia im Arm – was unseren Interviewer natürlich sehr gefreut hat.  

 

Holger Wemhoff (HW): Das Wichtigste zuerst: Herzlichen Glückwunsch zur Geburt Deines zweiten, wundervollen, hübschen Babys, Deiner Tochter Sophia!

 

Sonya Yoncheva (SY): Ganz ehrlich. Ich fühle mich gerade im Moment einfach nur komplett! Ich habe jetzt meinen wundervollen, fünfjährigen Jungen und dieses kleine, winzige Mädchen. Und sie bringt nur Freude, mir, ihrem Bruder, meinem Mann (Dirigent Domingo Hindoyan), meiner Familie und Dir ja auch, wie Du gerade feststellen konntest! Bis zum 5. Monat meiner Schwangerschaft waren mein Mann und ich uns zu 100% sicher: Es wird wieder ein Junge! Als dann klar wurde, es wird ein Mädchen. Dachten wir nur: Mein Gott, jetzt ist unser Glück wirklich komplett! Und so ist es auch (strahlt)!

 

HW: Wie war das denn mit Mateo, Deinem kleinen Sohn, während der Schwangerschaft und vor allem jetzt, nachdem Sofia da ist? War er nervös oder sogar etwas eifersüchtig?

 

SY: Ob Du es glaubst oder nicht: Von Anfang an war er nur voll von Liebe. Ich glaube, insgeheim war er sogar froh, dass es eine kleine Schwester und nicht ein zweiter Bruder geworden ist. Heute morgen hatte ich ein wirklich schweres Telefonat mit ihm. Mein Mann dirigiert im Moment die „Traviata“ an der Stockholmer Oper, und Matteo ist die ganze Zeit bei ihm! Er hat mich ZWEI (!) Stunden am Telefon angebettelt: „Mami, bitte! Schick mir bitte ein Flugzeug! Bitte! Ich möchte sofort nach Hamburg. Und ich hab das überprüft, Mami. Der Flug dauert nur eine Stunde! Bitte schick mir jetzt sofort das Flugzeug!“ – Es war wirklich herzzerreißend. Und mein Mann und ich müssen jetzt wirklich die genau richtige Balance finden, mit den Auftritten und mit den Reisen, denn dass wir so viel Zeit wie möglich als Familie zusammen verbringen können, ist das Allerwichtigste! Matteo fragte die ganze Zeit. „Wieso darf Sophia bei Dir sein und nicht ich?“ Und sein Vater rief die ganze Zeit im Hintergrund: „Aber mit mir ist es doch auch toll!!“ (lacht). Aber Gott sei Dank, in weniger als einer Woche sehen wir uns dann in Madrid schon wieder! Aber ich glaube, dann werde ich erstmal was zu hören bekommen. Also, Holger, sprich bitte ein Gebet für mich.

 

HW: Die letzte Frage zu Deinen letzten Monaten, Sonya. Die Babypause war ja wieder extrem kurz. Im Juli habe ich Dich noch in Deinem Scala-Auftritt neben Domingo und Florez gesehen. Das Kleid, war wunderschön! Aber ganz ehrlich, Du warst so hochschwanger, dass…

 

SY: Dass Du dachtest, mein Baby kommt live auf der Bühne! (beide lachen). Nein, ich hab tatsächlich zwei Wochen später noch einen Liederabend in Madrid gegeben, und dann habe ich entschieden: Jetzt reicht es. Gar nicht unbedingt , weil die Geburt schon kurz bevorstand, die war ja erst im Oktober, sondern vielmehr wegen dieser unmenschlichen Hitze! Nichtsdestoweniger hast Du Recht, es war eine insgesamt kurze Pause, denn jetzt haben wir noch nicht mal Mitte November, und es geht wieder los! Bevor wir aber über Auftritte reden: Gerade seitdem ich zweifache Mutter bin, sehe ich es als meine Verantwortung gegenüber dem Publikum an, ihn klarzumachen: Als Eltern und Erzieher habt ihr die Aufgabe und die Pflicht, Euren Kindern die Welt der Musik nahezubringen. Nutzt diese wertvolle Aufgabe und verwandelt sie in einen Chance! Singt mit Euren Kindern, singt für Eure ungeborenen Kinder im Mutterleib, macht Musik mit Ihnen!

 

HW: Bevor Du in wenigen Wochen als Imogene in Bellinis „Il Pirata“ auf die Opernbühne zurückkehrst, hast Du Dich erstmal für drei Arienkonzerte entschieden, in Moskau, Deiner Heimat Bulgarien, und eben hier, in der Hamburger Elbphilharmonie.

 

SY: Ja, ich dachte mir, wenn es Dir entsprechend gut geht, komm mit Deinem Publikum wieder in einem kleineren, intimeren Rahmen zusammen und wähle für diese drei Abende einen Komponisten, der Dir am Herzen liegt. Puccini nämlich mit seiner wunderbar warmen, italienischen Art! Und Hamburg jetzt zu Beginn liegt mir sowieso ganz besonders am Herzen. Ich habe hier schon häufig gesungen, früher, auch in ganz jungen Jahren. Das Publikum ist hier so empfänglich, so aufgeschlossen, dazu so gebildet und trotzdem musikbesessen! Das ist sowieso ein Phänomen des deutschen Publikums, dieses extreme Musikverbundenheit. Jeder meiner Kollegen tritt hier gerne auf. Bei mir bringt diese Begeisterung auf jeden Fall mein Herz zum Schmelzen! Und dann kommt natürlich dazu, dass das mein Debüt in der Elbphilharmonie ist. – Nun, was soll ich Dir sagen, ich habe VIELES über diesen Konzertsaal gehört. Gute und schlechte. Und viele Kollegen haben mir gesagt: Du musst den richtigen Punkt finden, WO Du stehst, damit Deine Stimme voll zur Geltung kommt. Aber ganz ehrlich, das ist doch an der Scala in Mailand genauso: Da gibt es den berühmten „Punto Callas“! Aber auch den „Punto Caballé“! Und keiner weiß, wo diese Punkte wirklich genau sind. Ein Mysterium eben! Und deswegen: Ich werde gar nichts kalkulieren, ich werde umhergehen, wie mir gerade danach ist. Ich werde ich sein, natürlich, unverstellt, so wie Brot mit Butter, einfach ehrlich!

 

HW: Und danach geht es dann Ende November mit Bellinis „Il Pirata“ zurück auf die große Bühne!

 

SY: Oh mein Gott, wie ich diese Oper liebe! Die großen Komponisten haben natürlich immer wunderbare Musik geschrieben, aber manchmal ist vom Himmel direkt ein Licht auf sie gefallen und sie sind nochmal über sich hinausgewachsen. Und so ein Meisterwerk ist für mich diese frühe Bellini-Oper! Dazu noch diese herzzerreißende Geschichte dieser unglücklichen Frau, die am Ende ihrer unerfüllten Liebe zu einem Freibeuter wahnsinnig wird und stirbt. Eine unmögliche Liebe, die einfach in keine Konvention gepasst hätte! Sie stirbt und zerbricht an dieser Unmöglichkeit! Ich habe die Imogene schon siebenmal an der Scala in einer Neuproduktion gesungen. Da habe ich zwar die Musik auch geliebt, aber die italienischen Journalisten haben es mir wirklich nicht einfach gemacht. Immer wieder die gleiche Frage. „Wie fühlt es sich an, die erste nach der großen Callas zu sein, diese Rolle wieder an der Scala zu singen? Ist das nicht eine (zu) große Verantwortung?“ Aber erstens hat es nach Callas noch eine weitere große Imogene gegeben, nämlich Caballé, und zweitens habe ich von ihr auch die strichlose Fassung übernommen, die ich singe, ohne eine Note unter den Tisch fallen zu lassen, das habe ich an der Scala gemacht, und das mache ich auch am Teatro Real jetzt so. 20 Minuten zum Schluss dieser Oper, die ich zu singen habe. Nicht einfach, wie Du mir glauben kannst, aber ein Muss für mich!

 

HW: Du bist ja sowieso ein Arbeitstier! Vor einen Jahren hast Du gleich FÜNF(!) Rollendebüts in einem Jahr gegeben!

 

SY: Das war zwar so nicht geplant, aber genauso war es. Mit meinen 37 Jahren bin ich jetzt sicherlich etwas reifer geworden, aber vor einigen Jahren war ich auch für Versuchungen noch empfänglicher, heißt: Wunderbare Häuser, Dirigenten oder Regisseure boten mir wunderbare neue Rollen an und ich konnte nicht NEIN sagen, ich wollte sie ALLE singen!! Wie konnte ich zu Bellinis „Imogene“ NEIN sagen, zur Elisabeth in Verdis „Don Carlo“? Ok, vielleicht hätte ich die „Tosca“ noch nicht singen sollen, etwas später vielleicht. Aber jetzt kenn ich sie, sing sie vielleicht noch in drei, vier Produktionen, und dann gebe ich sie wieder her, weil für mich ist sie die am wenigsten interessante von allen Frauenrollen, die ich singe. Übrigens: Zu Verdis „Luisa Miller“ konnte ich am wenigsten Nein sagen. Wie hätte ich zu dieser herrlichen Musik, dieser Rarität Nein sagen können? Übrigens die für mich schwerste Rolle, die ich je gesungen habe! Sie startet mit Koloratur, dann wird es hochdramatisch und zum Schluss gibt es wieder Koloraturen! Das ist so schwierig!

 

HW: Apropos schwierig. Journalisten beißen sich ja gerne mal die Zähne an Dir aus, weil Du eben in keine Schublade passt. Nicht in die der Verismo Diva, der Verdi Diva, der Mozart Diva, der Barock Diva. Weil: Du singt sie ALLE! Wie geht das?

 

SY: Das geht deswegen, weil ich mich nicht in erster Linie als SÄNGERIN oder SOPRANISTIN verstehe, sondern als KÜNSTLER(IN) allgemein. Die Faszination und die Inspiration, all diese Heldinnen zu singen, kamen nicht in erster Linie über die Musik, sondern über den Charakter, den ich da zu verkörpern habe. Die Medea, die Poppea, die Imogene! All das sind so extrem starke und auch ambivalente Frauenpersönlichkeiten – ich MUSS sie einfach auf der Bühne alle singen! Und warum soll ich denn genau das singen, was man vielleicht gerade von mir erwartet? Holger! Wir sind uns da doch zu 100 Prozent einig: Es gibt nichts Langweiligeres als Klischees!

 

HW: Deswegen kommt ja demnächst noch eine große Frau dazu: Die „Fedora“ von Giordano!

 

SY: Weil diese Frau mir auch etwas zu sagen hat. Auch sie ist eine verzweifelt Liebende. Aber sie hat eine ganz andere Art zu lieben, eine besondere, eine russische, die einer russischen Adeligen! Und die entscheidet sich grundlegend von der italienischen! Ich werde an der Scala mit der Fedora debütieren, an der Seite von Roberto Alagna. Aber nur um sie danach an hoffentlich vielen weiteren Häusern zu singen. Und bei einer dieser Vorstellungen bist Du bitte unbedingt dabei!! ….

(Nach Mailand sind noch weitere FEDORA-Produktionen an einigen anderen Häusern geplant-auch in 2020. …Anm.d.Red.)

 

Holger Wemhoff, 16.11.2019

Besonderer Dank an unseren Kooperationspartner DAS OPERNMAGAZIN

(c) Das Opernmagazin

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