DER OPERNFREUND - 51.Jahrgang
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Wes Walldorff's Gedenkblätter

SERVUS liebe Mitleser, SERVUS liebe Kollegen! Impresario Peter Bilsing hat netterweise angeregt, daß ich mich bei Euch Opernfreunden bisserl produziere...

 

17.04.1882 - Geburtstag von Artur Schnabel

Zwar mag er die Klaviersonaten Ludwig van Beethovens nicht in dem Sinne erst bekannt gemacht haben wie Pablo Calals die Bach'schen Cellosuiten - zweifellos ist er aber der erste gewesen, der sich wirklich ernsthaft mit ihnen auseinandergesetzt hat. (Noch sein Lehrer Theodor Leschetitzky hatte ihn mit der Ansicht konfrontiert, Beethovensonaten seien 'nutzlos'.) Als ihn der Ullstein - Verlag 1927 mit einer textkritischen Gesamtausgabe beauftragt, arbeitet er ganze fünf Jahre daran, mehr und mehr entdeckend, wie fehlerbehaftet fast sämtliche bisher erhältlichen Noten sind.

 

Dass er sich, seit 1933 im englischen, ab 1939 im amerikanischen Exil, spätestens dort 'aus der Zeit gefallen wähnt' ('lustlos' würde er spielen müssen, käme er den Wünschen der amerikanischen Konzertgänger mehr entgegen; den Geiger Fritz Kreisler nennt er einen 'Charmeautomaten'), muss man den zahllosen Briefen an seine Frau (der Altistin Therese Behr-Schnabel) entnehmen: ebenso wie er auf dem Podium sich einer jeden Selbstdarstellung verweigert, hält er auch sein Privatleben konsequent unter Verschluß - keine Memoiren, keine Anekdoten.

 

Besonderheiten seiner ab 1933 in den legendären Londoner Abbey Road Studios entstandenen Beethovenaufnahmen werden bis hier und heute immer mal wieder herausgestellt, jedenfalls vermutlich häufiger als sämtliche anderen hörenswerten verrauschten Tondokumente von Anno Dazumal. Im Capriccio Forum schreibt user Erzherzog, 'nie' habe er die 'Appassionata' - Sonate 'spannender und verstörender' gehört, user Zwielicht konstatiert (die späten Sonaten betreffend) 'wunderbare Nuancierungen im p-Bereich' und (der ehemalige ARD - Preisträger) Christian Köhn rühmt Artur Schnabels 'breite Palette an Klangfarben' - und dass sein 'kraftvolles Forte' niemals in 'Härte' umschlage... 

 

Doch genug der Einleitung, hier die (verknappten) Ergebnisse von drei kurzen Hörvergleichen, wie ich sie (gestern) vor zwei Jahren für das Capriccio Forum niedergeschrieben habe: 

 

Sonate op.31,2 - 3.Satz: AS (London, Apr. 1934) vs. Murray Perrahia (N.Y., 1986); Spieldauer: 5'40'' vs. 6'46''  

 

Während des ersten Durchgangs bei MP auf einmal der Gedanke (derart figurativ, wie er manche Phrasen gestaltet) Das ist Mozarts Geist aus … CPE Bachs Händen! Mit Verve drängt er dann freilich - übrigens genauer das vorgebene Allegretto beachtend als der eher Allegro moderato spielende AS - solche Reminiszenen wieder beiseite - um es in der linken Hand mitunter derart krachen zu lassen, dass Gedanken an Schubert (und beinahe noch Brahms) nicht mehr sehr fern sind. Es wird mir nach einigen Minuten ein bisschen zuviel MP und zuwenig der ihm vorliegende Notentext, während AS sich zu sagen scheint Letzterer ist wahrlich Eigensinn genug - wozu da den meinen noch hinzugeben...

 

Ein Viertelstündchen später - und ich finde, dass Beethoven für die ersten knapp hundert (der insgesamt fast 400) Takte nicht eilen, für deren Wiederholung geradezu ein träumerisch hätte notieren müssen, so wie MP diese vorträgt. Höchst mißtrauisch gegen jede Art von Beinamen, ist mir inzwischen doch eingefallen, dass ja auch diese Sonate mit einen solchen (''Der Sturm'') versehen ist. Und stürmisch scheint AS in der Tat als Vortragsbezeichnung zumindest im Hinterkopf zu haben, so wie er erstens diverse Phrasen in der linken Hand verwischt – und zweitens sein Allegro moderato erst nahezu in ein Allegro con fuoco verwandelt, um letztendlich mit dem von Beethoven notierten Allegretto zu schließen. Kaum einmal 50 Takte lang dürfte er in ein- und demselben Tempo verbleiben: Beethovens Energie und Eigensinn sprechen zu lassen scheint ihm erheblich wichtiger zu sein als das genaue Befolgen von Tempoangaben

 

3. Klav.konzert op.37 - 2.Satz, Takt 1-12 (Klaviersolo): AS (London, 1933) vs. Svjatoslav Richter (Prag, 21.06.1962); 1'26'' vs. 1'14''

 

AS dürfte sich in etwa an das vorgeschriebene Largo halten, während ich bei SR eher ein Molto Adagio höre. 1962 in Prag klingen die wenigen Takte tatsächlich nur wie eine Einleitung - während AS daraus geradezu eine kleine Szene baut, indem er nicht nur die Phrase in den Takten 9 und 10, sondern auch die Zweiunddreißigstel-Triolen des Schlußtaktes (hier ein von Beethoven gar nicht notiertes Ritartando einfügend) als Miniatur-Ariosi gestaltet. Letztere sind bei SR lediglich der lange Auftakt zu den beiden (dann allerdings berückend von ihm hingetupften) Schlussakorden. 

 

Sonate op.53 - 2.Satz: AS (London, Apr./Mai 1934) vs. Maurizio Pollini (Wien, Febr. 1997); 5'10'' vs. 3'54''

 

Hier befolgt MaP das vorgegebene Molto Adagio, während AS, Beethoven'sches Erschauern geradezu zelebrierend, nehezu ins Largo gerät. Einen Tag vor der damaligen Hörsitzung (gestern vor zwei Jahren) ist Notre Dame in Paris nahezu ausgebrannt gewesen - und die schauerlichen Nachrichtenbilder einschließlich eines leichenblassen französischen Premierministers steckten einem noch gehörig in den Knochen. Und während ich dann (AS lauschend) das Gefühl hatte Hier gruselt es jemanden - nach Wochen die Kirche wieder betreten dürfend - im Angesicht des Ausmaßes der Zerstörungen, hörte ich bei MaP eher nur die Betroffenheit eines Zuhörers, der sich von einem Augenzeugen entsprechendes schildern lässt.

 

Auch mag ich MaP einen gewissen 'Pädagogen-Gestus' einfach nicht absprechen. Innerhalb dieser gerade einmal 29 Takten (die eigentlich ja nur eine Introduzione in das abschließende Rondo sind) scheint er uns demonstrieren zu wollen, wovon Beethoven u. a. inspiriert worden ist: Gluck'sche Arien, Mozart'sche Fantasien, Wohltemperiertes Klavier. Demgegenüber gestaltet AS die pure pianistische Schönheit und Erhabenheit, dabei durchaus ureigende Akzente setzend: im aus vier Akkorden bestehenden Takt 8 spielt er zwei dort gar nicht notierte Bindebögen - und vier Takte später zwar das dort notierte Sforzato, allerdings an anderer Stelle als von Beethoven vorgegeben. Die stockende Überleitung in die wenigen Schlusstakte schließlich (von MaP lediglich als solche gestaltet) läßt AS geradezu verdämmern - um dann den aufmerksamen Hörer mit letzteren förmlich zu überfallen!

 

  

12.04.1814 – Todestag von Charles Burney

Vorweg etwas zu meiner Biografie:

So begehe ch begehe demnächst meinen 60. - bereits einige Jahre in Frührente. Und nach gut 20 Jahren im Ruhrgebiet wieder in meiner unterfränkischen Heimat gelandet. Bin großer Jazzfan (Pseudonym ist eine 'Collage' aus drei Jazzmusikern). Seite meinem 12.Lebensjahr erklärter Opernfan. Schlüsselerlebnis für meine Musiktheater-Karriere war die Oper Bluthochzeit von Fortner - Inszenierung von Kurt Horres Ende der 80er an der Rheinoper gewesen; geleitet vom damaligen GMD Hans Wallat mit keiner geringerem als Martha Mödl. Und wer sich betrachten mag, wie die Mödl wenige Jahre später die Pique Dame in Wien gestaltet hat, wird dieses wohl nachvollziehen können... 

 

Mein Tinnitus, der mich schon Jahrzehnte begleitet, hat in den letzten Jahren noch mal um einiges zugelegt. Kreativ – auch schreibend – ist mir nicht mehr viel möglich; aber z.B. kann ich manches nach-schöpfen, also etwa interessante Rundfunkfeatures nacherzählen oder ausgreifende literarische Texte ebenso couragiert wie  respektvoll zusammen-kürzen! Seiten wie zeno.org oder archive.org (und ein paar andere) sind schließlich nicht weniger anregende und spannende Fundgruben als you Tube!!

 

Die hiesigen Gedenkblätte werden nicht selten – mal mehr, mal weniger – revidierte Beiträge sein, die bereits mal für das Kulturforum Capriccio verfasst worden sind. Es dürfte aber auch mal die eine/andere Premiere geben. Zunächst ein paar erste zusammengeklaubte und fleissig durchgeschüttelte Passagen aus den – bereits 1772/3 erstmals deutsch übersetzten Reisetagebücher des englischen Historikers Charles Burney, lt. Perlentaucher.de eine wesentliche Quelle zum Musikleben um 1770.

 

Hamburg besitzt gegenwärtig ausser dem Herrn Kapellmeister, Carl Philip Emanuel Bach, keinen hervorragenden Tonkünstler, dagegen aber gilt dieser auch für eineLegion! Seineeleganten und original Kompositionen hatten ein so heftiges Verlangen in mir gezeugt, ihn zusehen und zu hören, daß es keiner andern musikalischen Versuchung brauchte, mich nach dieser Stadt zu locken.

 

Man kommt (nach Hamburg) ohne examiniert zu werden. Der Reisende wird an dem Thore bloß um seinen Namen und Stand befragt. Aus den Mienen und Betragen der Einwohner leuchtet eine Geschäftigkeit und Zufriedenheit hervor, die man an andern Orten Deutschlands nicht häufig zu sehn bekömmt.

 

(Diese Stadt) ist lange wegen ihrer Opern berühmt gewesen, und aus dem Verzeichnisse, das Mattheson in seinem musikalischen Patrioten davon anführt, erhellet, daß die Anzahl derer, welche zu Ende des vorigen und zu Anfange des gegenwärtigen Jahrhunderts aufgeführt worden, grösser ist, als die in irgend einer andern Stadt im deutschen Reiche. Eben in (Hamburg) wars auch, daß Händel seine Laufbahn als Komponist antrat, ob er gleich anfangs mit der Stelle eines zweyten Violinisten im Orchester vorlieb nehmen mußte. Dadurch daß er fleissig Opern gehört, gesteht Mattheson, habe (er) seinen Styl – er hielt sich fünf bis sechs Jahre (hier) auf – um ein merkliches gebessert.

 

Von Mattheson seh' ich mich genöthigt, etwas umständlicher zu seyn, weil er lange in dem dreyfachen Charakter, als Sänger, Komponist und Schriftsteller Figur gemacht hat. Er machte sich einen Ruhm daraus, daß er eben so viel Bücher über die Musik geschrieben habe, als er Jahre alt geworden, und daß er eine gleiche Anzahl zum Gebrauche für die Nachwelt hinterlassen würde. Nicht allein war (er) spitzfindig und scharf, sondern er zankte sich auch beständig mit seinen Lesern herum. Indessen war er fleissig, Thatsachen aufzusuchen und setzte sie genau ins Licht.

 

Von Händel sagt Mattheson, daß er auf der Orgel im Fugen und Contrapunctstyle noch stärker gewesen, als der berühmte Kuhnau zu Leipzig, der damals als ein Wunder angesehen ward. Als 1703 in Lübeck (Mattheson war zwey und zwanzig Jahr alt und Händel neunzehn) eine Organistenstelle besetzt werden sollte – man wollte Buxtehude einen Nachfolger aussuchen -, reiseten sie zusammen dahin, und komponirten auf dem Wagen viele Doppelfugen. Von dem Vorhaben, sich um diese Stelle zu melden, traten (beide) ab, wegen einer dabey verknüpften Nebenbedingung, welche keine andre war, als daß das Amt und eine Braut zugleich empfangen werden sollte. Also reiseten sie geschwind wieder nach Hamburg zurück.

 

Herr Bach empfing mich sehr gütig, sagte aber, daß er sich schämte, wenn er daran dächte, wie wenig mir meine Mühe belohnt werden würde. Funfzig Jahre früher, sagte er, da hätten sie kommen sollen!' Er bespielte ein neues Fortepiano, und mit einer Art, als ob er kaum ans Spielen dächte, warf er seine Gedanken und solche Sachen hin, worauf sich ein jeder andrer hätte etwas zu gute thun können. Seinen Ruhm möchte ich auf seine Arbeiten für sein eignes Instrument, das Clavier und Fortepiano, gründen; denn hier steht er ohne einen Nebenbuhler. Unser Gespräch lenkte auf die gelehrte Musik. Er sprach mit wenig Ehrerbietung von Canons, und sagte, es wäre elendes, pedantisches Zeug, das ein jeder machen könnte, der seine Zeit damit verderben wollte.

 

Des Abends war Herr Magister Ebeling – Vorsteher einer 1768 errichteten Handlungs-Academie – so gütig, so viel hamburgische Musiker und Liebhaber zusammen zu bringen, als ihm möglich gewesen, um mich mit einem Concert zu tracktiren. Herr Bach hat ein deutsches Passionsoratorium in Musik gesetzt, und (daraus) wurden einige Stellen gemacht. Besonders ward ich von einem Chor entzückt, welches in Ansehung der Modulation, der Ausarbeitung und der Wirkung, es wenigstens dem besten Chore in Händels unsterblichen Messias gleich that. Eine Adagioarie, da Paulus innig weint, als ihn der Hahn zur Reue weckt, war so innig rührend, daß fast alle Zuhörer den Jünger mit ihren Thränen begleiteten.

 

Post Scriptum

((CPE Bach war seit 1768 als Nachfolger seines Paten G.P.Telemann Hamburgs ''städtischer Musikdirektor''. Beim der erwähnten Passionsmusik handelt es sich entweder um das Lukas- oder das Johannesoratorium – die Vertonungen nach Matthäus und Markus entstanden erst später! // Johann Kuhnau war seit 1701 JSBs unmittelbarer Vorgänger als Leipziger Thomaskantor! /// Christoph Daniel Ebeling übersetzte den ersten Teil von Burney's (insgesamt dreiteiligem) Reissetagebuch schon bald nach Erscheinen des Originals, wird 1784 (gleichfalls in Hamburg) Professor für Geschichte und griechische Sprache – und später ein enger Vertrauter von Friedrich Klopstock. /// ...u. auf Joh.Mattheson werde ich sicher noch einmal zurückkommen!))

 

13.4.2021

 

DER OPERNFREUND  | opera@e.mail.de