DER OPERNFREUND - 51.Jahrgang
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IN MEMORIAM

 

 

Mario Brell war ein Sänger, der in der 80er und 90er Jahren ein musikalisches Doppelleben führte: An der Deutschen Oper am Rhein sang er das jugendliche Tenorfach, am Musiktheater im Revier in Gelsenkirchen war er gleichzeitig der Heldentenor des Hauses, der in jeder Wagner-Premiere die Hauptrolle singen durfte.

Eigentlich hatte der 1936 in Hamburg geborene Mario Brell Maler und Lackierer gelernt und sang bloß in seiner Freizeit im Gesangsverein. Dort wurde er allerdings von seinem Chorleiter entdeckt. Nach einer privaten Gesangausbildung ging es gleich an das Theater Hof.

Nach Gelsenkirchen wurde Brell von Intendant Claus Leininger engagiert: Dort fing Brell aber als lyrischer Tenor an: 1977 sang er den Baron Kronthal in Lortzings „Wildschütz“ und den Danilo in „Die lustige Witwe“. Schnell bewies Brell seine Vielseitigkeit, war in der Saison 1978/79 sowohl der Sou-Chong in „Das Land des Lächelns“ als auch der Eisenstein in „Die Fledermaus“ und der Kaufmann in Wolfgang Rihms „Lenz“ zu hören.

In Gelsenkirchen sang Mario Brell weiterhin Operette, wurde aufgrund seiner darstellerischen und sängerischen Qualitäten, die sich dann in der Zusammenarbeit mit Regisseuren wie Jaroslav Chundela und Dietrich Hilsdorf entwickelten, aber auch zum Spezialisten für moderne und anspruchsvolle Partien: 1980 war in Dessaus „Einstein“ zu erleben und sang zwei Jahre später die Titelrolle in „Die Verurteilung des Lukullus“. Erste heldentenorale Anflüge ließ er als Matteo in „Arabella“ hören.

Der vielseitige Sänger wurde daraufhin von Grischa Barfuss an die Deutsche Oper am Rhein engagiert. Das riesige Repertoire des Hauses und die Tatsache, dass mit Düsseldorf und Duisburg zwei Städte bespielt wurden, gab Brell viele Möglichkeiten: In der Spielzeit 1983/84 war der Tenor in so unterschiedlichen Rollen wie Stewa in „Jenufa“, Eisenstein in „Die Fledermaus“, Hans in „Die verkaufte Braut“ und Aegisth in „Elektra“ zu erleben. 

Während der Intendanz von Barfuss sang Mario Brell an der Rheinoper auch den Alwa in „Lulu“, den Sinowi in „Lady Macbeth von Mzensk“, den Diomedes in „Penthesilea“, die Titelrolle in „Frau Diavolo“ und den Zivny in Janaceks „Schicksal“.

In Gelsenkirchen konnte er sich über die lyrischeren Partien in das Wagner-Fach hineinsingen, in dem er sich mit einem Parsifal in Oldenburg bereits 1985 ausprobiert hatte. Brell war eigentlich ein lyrischer Tenor, der mit der Schönheit, Farbe und Kultiviertheit seiner Stimme überzeugte. Das Heldentenorfach erarbeitete er sich mit seiner klug eingesetzten Technik. 1987 war Mario Brell in Gelsenkirchen der Stolzing in Christof Nels assoziativen „Meistersinger“-Bilderreigen und ein Jahr später der Erik in „Der fliegende Holländer“.

Im Heldentenorfach ging Brell manchmal bis an die Grenzen seiner Stimme und darüber hinaus, wagte sich Ende der 80er Jahre in Saarbrücken sogar an den Siegfried. Ein Stimmprotz war Brell im Heldentenorfach nie, sondern er ging diese Rollen von ihrer lyrischen Seite an. Dabei setzte er seine Stimme stets so intelligent ein, dass sie keinen Schaden nahm. In Gelsenkirchen folgten noch Lohengrin, und in der „Tannhäuser“-Inszenierungen des jungen Christof Loy übernahm er 1995 die Titelrolle. 

Brell bleibt aber auch mit vielen starken Rollenporträts zerrissener und zwiespältiger Figuren im Gedächtnis: In Gelsenkirchen war er der Mephisto in Busonis „Doktor Faust“, sang die Titelrollen in Offenbachs „Blaubart“ und Zemlinskys „Der Zwerg“ sowie den Aschenbach in Brittens „Tod in Venedig“. An der Rheinoper durfte er während der Intendanz von Kurt Horres auch den Paul in „Die tote Stadt“ und Wagners „Lohengrin“ übernehmen. Der Höhepunkt seines Doppellebens zwischen Gelsenkirchen und Rheinoper war 1996 erreicht, als beide Häuser fast gleichzeitig Alban Bergs „Wozzeck“ herausbrachten. In Duisburg war er der Hauptmann, in Gelsenkirchen der Tambourmajor. 

Nach einer Herzoperation musste Brell 1997 seine Karriere beenden. Er schrieb seine Biografie mit dem Titel „Drum sei bedankt“, tauchte dann aber noch sporadisch in kleineren Partien auf den deutschen Bühnen auf: 2002 kehrte er als Gottesnarr nach Gelsenkirchen zurück, 2008 war er in Münster als Arzt in Berios „Un re in ascolto“ zu hören, in Mannheim sang er 2013 den Kaiser Altoum in „Turandot“.

Seine letzten Auftritte hatte 2019 in Gelsenkirchen. Noch einmal sang er in einer Inszenierung Dietrich Hilsdorfs, nämlich den Hauk-Schenkdorf in Janaceks „Die Sache Makropoulos“. Was Mario Brell im Alter von 83 Jahren sängerisch bot, war wirklich erstaunlich. Oft werden in dieser Rolle Sänger eingesetzt, die nur noch über die Ruine eine Stimme verfügen, doch Brell sang den alten Liebhaber der Emilia Marty mit einer jugendlich frischen Tenorstimme, als seien die letzten 40 Opernjahre spurlos an ihm vorbeigegangen.

Mit 85 Jahren ist Mario Brell jetzt in Berlin gestorben. Die Opernfans an Rhein und Ruhr, die ihn auf der Bühne erlebt haben, erinnern sich an viele starke Theaterabende mit einem außergewöhnlichen Sänger und Darsteller.

 

Rudolf Hermes, 19.7.2021

(c) Wiki

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