DER OPERNFREUND - 51.Jahrgang
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ZÜRICH THEATER 11

(c) Hannes Henz

 

 

The Book of Mormon

Besprochene Vorstellung vom 15.12.2019

Ein wahrlich einzigartiges Theaterereignis

Wem die amerikanische Animationsserie für Erwachsene «South Park» ein Begriff ist, weiss in etwa, mit was man sich auf der Bühne auseinandersetzen muss, wenn man sich entschliesst «The Book of Mormon» im Zürcher Theater 11 anzuschauen. Nämlich mit einen Riesenspass. Die South Park-Erfinder Trey Parker und Matt Stone nehmen nicht nur organisierte Religion auf die Schippe, sondern auch gleich das ganze Musical-Genre. Das braucht starke Lachmuskeln und das Verständnis für Ironie, weil das Musical nur so von Ironie und Biss strotzt.

Die Handlung ist musicaltypisch sehr simpel. Jedoch ist der Umgang mit sensiblen Themen wie AIDS, Hungersnot in Afrika, Schwulenfeindlichkeit, sexistischen und rassistischen Inhalten etc. so brillant, selbstkritisch und teilweise schon obszön übertrieben gelöst, dass ein Absurdum auf das andere folgt und somit überrascht. Dazu kommen hervorragende Darsteller, welche tänzerisch und gesanglich auf höchstem Niveau zeigen, was sie können. Musikalisch und szenisch ist das Musical ebenfalls ein «Wurf».

Es geht um den beliebten Mormonen Elder Price (Kevin Clay) und den weniger beliebten, eher beleibteren Elder Cunningham (Jacob Yarlett), welche beide zusammen nach Uganda gesandt werden, um dort den Glauben der Mormonen zu verbreiten und so viele neue Mitglieder als möglich zu rekrutieren. Dort treffen sie auf Einheimische, welche alles andere als bereit sind, sich ihrem Glauben anzuschliessen. Auf ihrer Reise beginnen sie selbst an ihrer Religion zu zweifeln und versuchen auf ungewöhnliche Weise die Einheimischen trotzdem bekehren zu können. Die Handlung ist gespickt mit Slapstick. Schon nur die Eröffnungssequenz, welche die Mormonen beim Missionieren an der Türschwelle zeigt, ist schlicht hervorragend. Es folgen steppende Mormonen, wilde Tanzeinlagen, einen Höllentraum, eine absurde Erzählung der Entstehung der Mormonen Religion und Vieles mehr. Die anspruchsvollen Choreografien stammen von Casey Nicholaw und Ben Clare, welche von den Tänzern beeindruckend umgesetzt werden. Inszeniert wurde das Musical von Trey Parker und Leigh Constantine. Die schmissige Musik komponierte Robert Lopez. Die Band-Besetzung in Zürich kann sich definitiv hören lassen und ist dermassen gut abgemischt und verstärkt, als meine man, ein grosses Orchester sitzt im Graben.

Das Bühnenbild von Scott Pasc ist stimmig und flexibel. Prospekte fahren hoch und zur Seite, Objekte fahren mechanisch über die Bühne und bringen die Zuschauer in wenigen Sekunden von einem Ort zum anderen. Das Lichtdesign von Brian Macdevitt unterstützt die Szenerie stimmig und ist hervorragend gelungen. Dazu kommen die witzigen Kostüme von Ann Roth, welche von der Mormonen-Kluft bis hin zum riesigen Dämonen-Teufel alles abdecken, was das Stück noch runder und beeindruckender macht.

Es ist schlichtweg grosses, aufwändiges Theater, welches Themen anspricht, die nicht gerne angesprochen werden - jedoch dringend angesprochen werden müssen. Das Publikum darf Zeuge einer Produktion werden, welche es so noch nie gegeben hat. Durchzogen von grandioser Musik und einem unverwechselbaren Bühnenbild begeistert «The Book of Mormon» auf ganzer Linie. Zurecht reisst das Musical das begeisterte Publikum auf die Füsse und es bleibt dem Theater 11 unter der Leitung vom Freddy Burger Management zu danken, dass sie den Mut besassen, diese Tournee-Produktion nach Zürich zu holen. Wer hat das Musical sehen möchte, hat sich zu beeilen, da viele Tickets schon verkauft sind und die Produktion nur noch bis zum 5. Januar in Zürich gastiert.

 

Philipp Borghesi, 20.12.2019

Foto © The Book Of Mormon 2019 / Paul Coltas

 

 

Cats

Premiere: 12.02.2019

Eines der erfolgreichsten Musicals aller Zeiten gastiert im Theater 11 in Zürich und zeigt sich in einer leicht gekürzten, jedoch nicht weniger ansprechenden Produktion. Das beinahe 40 Jahre alte Musical scheint auch heute noch auf grosses Interesse beim Publikum zu stossen, weshalb es nicht überrascht, dass die Premiere ausverkauft ist. Ausserdem sind viele Kinder im Publikum, da das Werk im Allgemeinen als Einstiegsmusical für viele junge Musical-Interessierte gilt. Dies stimmt zum einen auf Grund der zahlreichen Tanzeinlagen und zum anderen wegen des kinderfreundlichen „Settings“, jedoch steckt hinter dem Musical weit mehr als nur fantastisch tanzende Fellknäuel.

Die Geschichte des Musicals basiert auf dem von T.S. Eliot geschriebenen und 1939 in England veröffentlichtem Buch „Old Possum’s Book of Practical Cats“. Das Buch ist eine Sammlung von Gedichten über verschiedene Katzen. Eine Zusammenhängende Geschichte liegt im Buch nicht vor. Der Komponist Andrew Lloyd Webber begann in den 70er Jahren diese Gedichte zu vertonen, wobei die Idee für das Musical entstand. Für das Musical musste jedoch eine Fassung geschrieben werden, welche kleine Handlungselemente aufweist. Dies übernahm der englische Regisseur Trevor Nunn.

Einmal im Jahr findet auf einer grossen Müllhalde der „Jellicle Ball“ statt, bei dem sich die unterschiedlichsten Katzen und Kater mit den verschiedensten Talenten treffen, um von sich selber zu erzählen und am Ende von „Old Deuteronomy“ zur Wiedergeburt auserwählt zu werden. Die Katzen werden dabei hin und wieder von „Macavity“ gestört, welcher im Stück den Antagonisten darstellt. Der einzige rote Faden trägt die ehemalige Glamour-Katze „Grizzabella“, welche zuerst ausgestossen, am Ende jedoch für die Wiedergeburt auserwählt wird. Ansonsten existiert keine Handlung im klassischen Ansatz, was zu Beginn gewöhnungsbedürftig sein kann.

Das Herz der Produktion sind eindeutig die verschiedenen Katzen in ihren charakteristischen Kostümen von John Napier, welche tanzend und singend den „Jellicle Ball“ bestreiten. Dies tut das fast 30- köpfige Ensemble mit grosser Leidenschaft und hervorragendem tänzerischen Können. Die komplexe Choreographie von Gillian Lynne ist eine Mischung aus Jazz, klassischem und modernem Ballett, was die Leichtfüssigkeit der Tiere besonders hervorhebt. Die Musik von Andrew Lloyd Webber ist höchst interessant, da sie an manchen Stellen atonal komponiert ist, was in Musicals eher selten Verwendung findet.

Zudem sind zahlreich andere Musikrichtungen enthalten wie: Jazz, Gospel, Volkslied und klassischer Rock. Schade ist nur, dass bei dieser Tournee-Produktion beim Orchester gespart wurde. Die für grosses Orchester konzipierte Musik, kommt ein wenig zu Schaden, da die Streicher elektronisch per Synthesizer wiedergegeben werden. Ansonsten ist das Orchester gut abgemischt und die Sänger sind stets deutlich zu hören.

Die Qualität des Gesangs ist bei den Solisten recht hoch, wobei leider auch Niemand gänzlich hervorsticht. Dies liegt grösstenteils daran, dass viele Solisten lediglich eine Gesangspartie haben und sich stimmlich somit nur noch in weiteren Chorsequenzen profilieren können. Allerdings ist dies auch nicht weiter schlimm, da die Körpersprache der verschiedensten Katzen dermassen eindringlich ist, dass man nach kurzer Zeit die Menschen auf der Bühne vergisst und nur noch Katzen umhertollen sieht. Zudem befindet sich alles auf einem hohen tänzerischen und musikalisch ansprechenden Niveau, wofür das Publikum den Verantwortlichen mit tosendem Schlussapplaus dankt.

Wer Cats noch nicht gesehen hat, sollte dies jedoch unbedingt tun, da die Produktion nur noch bis zum 24.02.2019 in Zürich zu sehen sein wird.

 

Bilder (c) Freddy Burger Manegement

Philipp Borghesi 14.2.2019

 

 

MISS SAIGON

Premiere: 28. November 2018     

besuchte Vorstellung 9.12.2018

 

 

Das Musical „Miss Saigon“ feierte 1989 im Londoner West-End Premiere und überraschte die Musicalszene damals mit einem ernsten, sowie tragischen Stoff, welcher das Publikum auf eine intensive und mitreissende Reise nimmt. Die Produktion wurde mit zahlreichen Theaterpreisen ausgezeichnet, kam ein paar Jahre nach der Uraufführung an den New Yorker Broadway und bald folgten jegliche internationale Produktionen auf der ganzen Welt. 2014 lancierte der Produzent der originalen Produktion Cameron Mackintosh ein „Revival“ des Stoffes, welches ebenfalls in London Premiere feierte. Genau diese Produktion startete im Juli 2017 eine internationale Tournee nach Grossbritannien, Deutschland und erstmals auch in die Schweiz.

Das Musical spielt in Saigon gegen Ende des Vietnamkrieges. Die USA realisiert, dass sie den Krieg verloren hat und beginnt, die Truppen abzuziehen, welche sich abends in den Nachtclubs von Saigon die Zeit vertreiben. Einer dieser Soldaten ist Chris, welcher in einer solchen Bar die 17 jährige Kim kennenlernt. Diese fand zuvor Zuflucht beim Nachtclubbetreiber Engineer, da ihre Familie bei einem Überfall der Vietcong ums Leben kam. Zwischen ihnen entwickelt sich eine Liebebeziehung und Chris verspricht ihr, sie mit in die USA zu nehmen. Die Geschichte verläuft jedoch nicht linear, sondern wird durch Zeitsprünge in die Zukunft und Vergangenheit spannend und abwechslungsreich erzählt. Der Zuschauer erfährt deswegen erst im zweiten Akt, weshalb Kim nicht in die USA kam und warum die beiden Liebenden getrennt wurden. Zudem sind die Dialoge und Szenen in den Nachtclubs sehr drastisch, was die Atmosphäre umso beklemmender macht. Ebenfalls nicht gerade zimperlich sind die zahlreichen Gewaltszenen, welche sehr genau choreographiert wurden und deswegen einen sehr realistischen Eindruck machen. Die Lyrics stammen von Alain Boublil und Richard Maltby Jr. Als Chris drei Jahre nachdem er Kim kennengelernt hatte, nach Bangkok reist um Kim und seinen Sohn zu suchen, von dem er von seinem damaligen Kriegskameraden John erfuhr, spitzt sich die Tragik der Handlung allmählich zu, da man als Zuschauer realisiert, dass diese Beiden nicht mehr zusammen kommen können, obwohl man es sich für Kim sehr wünscht. Alle Akteure agieren sehr glaubhaft, da eine beeindruckende Personenregie von Regisseur Laurence Conner vorliegt.

Die Bilder der Produktion sind sehr stark und eindringlich. Das Lichtdesign von Bruno Poet ist zusammen mit dem Bühnenbild von Totie Driver und Matt Kinley, sowie den Projektionen von Luke Halls fantastisch gelungen. Die zahlreichen Verwandlungen gelingen fehlerfrei und lautlos.

Das Herzstück des Musicals ist jedoch die Musik von Claude-Michel Schönberg. Diese besteht aus kraftvollen Balladen, leidenschaftlich gesungenen Duette, grossen Ensemble-Szenen und hauptsächlich viel Dramatik und Emotionen, welche zu Tränen rühren. Die Orchestration von William David Brohn, sowie die hervorragende Soundtechnik, lassen den Anschein erwecken, als sässe ein grosses Sinfonieorchester im Orchestergraben. Die kraftvolle und komplexe Musik wird von 15 Musikerinnen und Musikern unter der Leitung von Matthew J. Loughran zügig und transparent wiedergegeben.

Gesanglich ist die Produktion ebenfalls ein Erfolg. Am meisten stechen Sooha Kim in der Rolle von Kim und Ashley Gilmour in der Rolle von Chris heraus. Diese passen stimmlich hervorragend zusammen und meistern die hohen dramatischen Passagen mühelos. Leo Tavarro Valdez gibt einen charismatischen Engineer, welcher die Dramatik des Abends mit einer tollen Körpersprache und viel Witz auflockert. Elena Martin singt und spielt die verzweifelte Frau von Chris namens Ellen, welche nun zwischen Kim und ihrem Mann steht. Es ist sicherlich die undankbarste Rolle des Abends, da man als Zuschauer Ellen gegenüber gewisse Vorbehalte hat, weil sie ein erneutes Zusammenkommen von Kim und Chris unmöglich macht. Daher wirkt die Rolle eher unsympathisch. Auch der Rest des insgesamt 30-köpfigen Tanz-und Gesangsensembles überzeugt und hat grossen Anteil an einem eindrücklichen und einmaligen Musicalerlebnis. Die Choreographie stammt von Bob Avian.

Man kann die Verantwortlichen nur loben, dass sie das Wagnis eingegangen sind und diese immense Produktion nach Zürich geholt haben. Selten sieht man ein gerührteres und begeistertes Publikum am Ende einer Vorstellung, welches dem gesamten Team vor und hinter der Bühne mit einer Standing Ovation und tosendem Applaus dankt.

 

Philipp Borghesi 13.12.2018

(c) Johann Passen / Cameron Mackintosh

 

DER OPERNFREUND  | opera@e.mail.de