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(c) Hannes Henz

 

 

 

MISS SAIGON

Premiere: 28. November 2018     

besuchte Vorstellung 9.12.2018

 

 

Das Musical „Miss Saigon“ feierte 1989 im Londoner West-End Premiere und überraschte die Musicalszene damals mit einem ernsten, sowie tragischen Stoff, welcher das Publikum auf eine intensive und mitreissende Reise nimmt. Die Produktion wurde mit zahlreichen Theaterpreisen ausgezeichnet, kam ein paar Jahre nach der Uraufführung an den New Yorker Broadway und bald folgten jegliche internationale Produktionen auf der ganzen Welt. 2014 lancierte der Produzent der originalen Produktion Cameron Mackintosh ein „Revival“ des Stoffes, welches ebenfalls in London Premiere feierte. Genau diese Produktion startete im Juli 2017 eine internationale Tournee nach Grossbritannien, Deutschland und erstmals auch in die Schweiz.

Das Musical spielt in Saigon gegen Ende des Vietnamkrieges. Die USA realisiert, dass sie den Krieg verloren hat und beginnt, die Truppen abzuziehen, welche sich abends in den Nachtclubs von Saigon die Zeit vertreiben. Einer dieser Soldaten ist Chris, welcher in einer solchen Bar die 17 jährige Kim kennenlernt. Diese fand zuvor Zuflucht beim Nachtclubbetreiber Engineer, da ihre Familie bei einem Überfall der Vietcong ums Leben kam. Zwischen ihnen entwickelt sich eine Liebebeziehung und Chris verspricht ihr, sie mit in die USA zu nehmen. Die Geschichte verläuft jedoch nicht linear, sondern wird durch Zeitsprünge in die Zukunft und Vergangenheit spannend und abwechslungsreich erzählt. Der Zuschauer erfährt deswegen erst im zweiten Akt, weshalb Kim nicht in die USA kam und warum die beiden Liebenden getrennt wurden. Zudem sind die Dialoge und Szenen in den Nachtclubs sehr drastisch, was die Atmosphäre umso beklemmender macht. Ebenfalls nicht gerade zimperlich sind die zahlreichen Gewaltszenen, welche sehr genau choreographiert wurden und deswegen einen sehr realistischen Eindruck machen. Die Lyrics stammen von Alain Boublil und Richard Maltby Jr. Als Chris drei Jahre nachdem er Kim kennengelernt hatte, nach Bangkok reist um Kim und seinen Sohn zu suchen, von dem er von seinem damaligen Kriegskameraden John erfuhr, spitzt sich die Tragik der Handlung allmählich zu, da man als Zuschauer realisiert, dass diese Beiden nicht mehr zusammen kommen können, obwohl man es sich für Kim sehr wünscht. Alle Akteure agieren sehr glaubhaft, da eine beeindruckende Personenregie von Regisseur Laurence Conner vorliegt.

Die Bilder der Produktion sind sehr stark und eindringlich. Das Lichtdesign von Bruno Poet ist zusammen mit dem Bühnenbild von Totie Driver und Matt Kinley, sowie den Projektionen von Luke Halls fantastisch gelungen. Die zahlreichen Verwandlungen gelingen fehlerfrei und lautlos.

Das Herzstück des Musicals ist jedoch die Musik von Claude-Michel Schönberg. Diese besteht aus kraftvollen Balladen, leidenschaftlich gesungenen Duette, grossen Ensemble-Szenen und hauptsächlich viel Dramatik und Emotionen, welche zu Tränen rühren. Die Orchestration von William David Brohn, sowie die hervorragende Soundtechnik, lassen den Anschein erwecken, als sässe ein grosses Sinfonieorchester im Orchestergraben. Die kraftvolle und komplexe Musik wird von 15 Musikerinnen und Musikern unter der Leitung von Matthew J. Loughran zügig und transparent wiedergegeben.

Gesanglich ist die Produktion ebenfalls ein Erfolg. Am meisten stechen Sooha Kim in der Rolle von Kim und Ashley Gilmour in der Rolle von Chris heraus. Diese passen stimmlich hervorragend zusammen und meistern die hohen dramatischen Passagen mühelos. Leo Tavarro Valdez gibt einen charismatischen Engineer, welcher die Dramatik des Abends mit einer tollen Körpersprache und viel Witz auflockert. Elena Martin singt und spielt die verzweifelte Frau von Chris namens Ellen, welche nun zwischen Kim und ihrem Mann steht. Es ist sicherlich die undankbarste Rolle des Abends, da man als Zuschauer Ellen gegenüber gewisse Vorbehalte hat, weil sie ein erneutes Zusammenkommen von Kim und Chris unmöglich macht. Daher wirkt die Rolle eher unsympathisch. Auch der Rest des insgesamt 30-köpfigen Tanz-und Gesangsensembles überzeugt und hat grossen Anteil an einem eindrücklichen und einmaligen Musicalerlebnis. Die Choreographie stammt von Bob Avian.

Man kann die Verantwortlichen nur loben, dass sie das Wagnis eingegangen sind und diese immense Produktion nach Zürich geholt haben. Selten sieht man ein gerührteres und begeistertes Publikum am Ende einer Vorstellung, welches dem gesamten Team vor und hinter der Bühne mit einer Standing Ovation und tosendem Applaus dankt.

 

Philipp Borghesi 13.12.2018

(c) Johann Passen / Cameron Mackintosh

 

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