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 STADTHEATER FÜRTH

(c) Thomas Langer

 

 

 

Eine wunderschöne Operette wird leider unter Wert verkauft

 

DER GRAF VON LUXEMBURG

Premiere Chemnitz 30.05.2015, Besuchte Aufführung in Fürth am 05.07.2017

Donnerndes Orchester überdeckt teilweise sehr gute Sänger

Wieder einmal war ich in einem der schönsten kleineren Theater Deutschlands (und dies schreibe ich mit vollster Überzeugung) und diesmal mit einigen Überraschungen. Ich habe mich sehr auf „Der Graf von Luxemburg“ gefreut, vor allem, da Michael Heim, dem ich immer äußerst gerne lausche, den Grafen geben sollte. Jedenfalls war er auf allen Plakaten, auf allen Vorschauen im Internet und natürlich im Programmheft. Da lag aber dann ein kleiner Zettel drin, in dem nichts anderes zu lesen war, als dass alle vier Hauptpartien von anderen Sängern gesungen werden. War es nur bei der ersten Aufführung so (in der ich war), oder dachte man einfach, dass man in der Provinz nicht mit seinem ersten Ensemble kommen muss. Ich empfand es jedenfalls als eine äußerst unschöne Entscheidung. Zu den sängerischen Leistungen komme ich dann später noch. Schade Michael Heim, Mareike Schröder, Christian Baumgärtel und Franziska Krötenheerdt, dass ihr in Fürth nicht auftreten konntet oder wolltet. Das ist auch der Grund, warum ich nicht ein einziges Foto der vier Hauptakteure habe, denn das gibt es schlicht und ergreifend nicht.

„Der Graf von Luxemburg“ begeistert trotzdem auch diesmal wieder sein Publikum in Fürth, die wenig von den Sängerwechseln wissen. Die Inszenierung von Ulrich Proschka ist tadellos, einfach, schnörkellos und dadurch besonders verständlich und einprägsam. Keine Selbstverwirklichung des Regisseurs, sondern solide handwerkliche und dadurch eindrucksvolle und stimmige Inszenierung. Das Bühnenbild von Christof Cremer, der auch für die einfallsreichen und bunten Kostüme verantwortlich zeichnet, ist ein wandelbares sehr schönes Bühnenbild, auf dem man alles zeigen kann. Es ist für das Auge schön anzusehen und es ist vor allem in vielfacher Weise einsetzbar. Eine wunderschöne Sache, Lob an diesen Aspekt der Aufführung. Die Choreografie stammt von Sabrina Sadowska und diese weiß, was sie auf dieser Bühne zu machen hat. Das Ballett ist in großer berauschender Form, der Kampf an der Drehtür, die Auseinandersetzung mit den Federwischen, all das bringt das Publikum zum Staunen und zum spontanen Applaudieren. Eine feine Leistung. Die Chöre, die ihre Sache ausgezeichnet machen und wie das Ballett oft zum Einsatz kommen, werden von Simone Zimmermann und Nikolaus Müller auf den Punkt eingestimmt, sie erscheinen als eine Einheit, fast möchte man sagen, eine verschworene zusammengeschweißte Einheit und machen dadurch eine sehr gute Figur. Das ganze macht dem Publikum Freude und unterhält es auf der ganzen Linie. Zu erwähnen sind auch noch die Lichtgestaltung von Holger Reinke und die Dramaturgie von Christian Dost, die alles abrunden.

Die Geschichte selbst ist schnell erzählt. Der alternde Fürst Basil Basilowitsch will die schöne und junge Sängerin Angéle Didier heiraten – doch diese ist nicht standesgemäß. Also inszeniert er eine Hochzeit mit dem lebenslustigen verschwenderischen und dadurch verarmten René Graf von Luxemburg. Beide sehen sich nicht, die Hochzeit wird hinter einem Paravent vollzogen. Nach der Scheidung, die nach wenigen Wochen erfolgen soll, kann dann der Fürst seine nunmehr geschiedene Gräfin zur Frau nehmen. Soweit die Theorie. In der Praxis kommt natürlich alles ganz anders, René verliebt sich in Angele, ohne zu wissen, dass diese schon seine Frau ist, alles kommt zum guten Ende und der ausgeschmierte Fürst Basil muss mit der Gräfin Kokozow zufrieden sein, die ihn schon lange in Liebe verfolgt. Daneben tritt noch das unvermeidliche Buffopaar auf, der Freund Renés, der Maler Brissard mit seiner Freundin Juliette. Dies alles kann nur beim Publikum gewinnen, wenn auch die entsprechenden Sänger und Singschauspieler zur Verfügung stehen. Und hier ist auch bei der Auswahl der Protagonisten ein gutes Händchen zu verspüren, leider ist jedoch das reine Vergnügen nicht ganz erreicht.

Dies liegt in allererster Linie an den eigentlich exzellent spielenden Damen und Herren der Robert-Schumann-Philharmonie. Sie geben alles, spielen immer präsent, aufmerksam auf die einzelnen Instrumente achtend und darauf, dass sich alles zusammenfügt und im großen Wohlklang endet. Das alles ist einwandfrei, dann, wenn sie eine Symphonie spielen würden. So aber geht es um eine leichte silbrige Operette und der aus Berlin stammende Dirigent Stefan Politzka (natürlich auch wieder ein „Neuer“, der im alten Programmheft nirgends auftaucht) leitet dieses Orchester gewaltig. So gewaltig, dass die armen Sänger kaum eine Chance haben, sich zu entfalten, da sie gnadenlos von den Wogen der Musik zugedeckt werden. Von Textverständlichkeit keine Rede, teilweise auch kaum von Gesang, da alles übertönt wird. Lieber Herr Politzka, Operette ist ein Florett und kein Krummschwert. Es ist einfach schade zu erleben, wie teilweise sehr schöne und frische Stimmen in keinster Weise zur Entfaltung kommen können. Das haben diese Sänger wirklich nicht verdient.

Graf René von Luxemburg wird an diesem Abend von Reto Raphael Rosin gegeben und er gibt sein Bestes. Er besitzt einen schönen, vollen und geschmeidigen Tenor. Leider vermisst man die knalligen Spitzentöne doch etwas, die Leidenschaft und das Feuer sind an diesem Tag nicht so sein Ding. Auch er tut sich schwer, sich gegen die Klangfluten zu behaupten, auch wenn ihm das trotzdem ganz gut gelingt und er sich vor allem nach der Pause auch noch entsprechend steigern kann.

Seine angebetete Angéle Didier wird von der deutsch-slowenischen Sopranistin Elvira Hasanagic gegeben und sie macht ihre Sache recht gut. Ihr leichter und dennoch kraftvoller warmer Sopran weiß sich zu behaupten, auch wenn sie sich ebenfalls sehr anstrengen muss. Auch in den Duetten mit Reto Rosin weiß sie zu gefallen, das Publikum gibt sehr starken Zwischenapplaus. Eine insgesamt beeindruckende Leistung.

Sehr zu gefallen weiß das junge sympathische Buffopaar, die reizend anzusehende Katharina Boschmann als Juilette Vermont und Hubert Walawski als Armand Brissart. Die aus Baden-Württemberg stammende Katharina Boschmann ist nicht nur nett anzusehen sondern verfügt auch über einen feinen, gutsitzenden beweglichen Sopran, mit welchem sie noch mehr beeindrucken könnte, wenn sie der Dirigent nur lassen würde. So ist die quirlige und spielfreudige Sopranistin teilweise kaum zu verstehen (und ich sitze in der 1. Reihe). Ihr Partner der junge polnische, aus Krakau stammende Tenor Hubert Walawski besitzt einen leuchtenden klaren hohen und stimmschönen Tenor, der zu größten Hoffnungen Anlass gibt, wenn, ja wenn man ihn nur singen lassen würde. Es ist jammerschade, wie sich der junge sympathische Künstler bemüht durch das Orchester zu seinem Publikum durchzudringen.

Hier hat es der erste aus der „normalen Besetzung“ stammende Künstler etwas leichter. Matthias Winter, der den unglücklich verliebten Basil Basilowitsch gibt, ist stimmlich dem Orchester gewachsen. Der gepflegte stimmschöne ausdrucksstarke und durchschlagskräftige Bariton überzeugt in jeder Weise, sowohl stimmlich als auch darstellerisch und hat das Herz des Publikums eigentlich in Windeseile erobert – leider nicht das Herz seiner geliebten Angéle. Dafür bekommt er, ein bisschen gegen seinen Willen, seine langjährige Verfolgerin, die Gräfin Stasa Kokozow, die von der Vollblutschauspielerin Sylvia Schramm-Heilfort gegeben wird, die auch mit rauchiger Stimme und unter großem Applaus ihr Couplet zum Besten gibt. Mit einer sehr guten Leistung sind mir auch noch Jürgen Mutze als Sergei Mentschikoff und Edward Randall als Pawel von Pawlowitsch aufgefallen. Bei den übrigen Mitstreitern gab es keinen Ausfall und dies will auch schon etwas heißen.

Das Publikum war zufrieden, applaudierte lange und leidenschaftlich und ging mit einem glücklichen Gesichtsausdruck nach Hause. Was will man von Operette eigentlich mehr verlangen.

Manfred Drescher 09.07.17  

Bilder von Dieter Wuschanski, Chemnitz

 

DIE HOCHZEIT DES FIGARO  

Das Landestheater Coburg trumpft in Fürth so richtig auf

Aufführung im Stadttheater Fürth am 02. Juli 2017

 

Ich habe schon öfter erwähnt, dass ich leidenschaftlich gerne einen Abstecher in das wunderschöne Stadttheater Fürth mache. Nicht nur das Ambiente ist bezaubernd, auch das feine Händchen, oder soll ich gute Nase sagen, des umtriebigen und mit seinem Hause leidenschaftlich verbundenen Intendanten Werner Müller. Er hat eines der letzten Stücke des scheidenden Intendanten von Coburg hierher geholt und gleichzeitig das Opernregiedebut der erfolgreichen, aus Innsbruck stammenden Schauspielregisseurin Susanne Lietzow dem aufgeschlossenen Fürther Opernpublikum präsentiert. Sie feiert damit einen bemerkenswerten und umjubelnden Einstand auf der Opernbühne. Natürlich ist ihr der Balanceakt zwischen der Musik und den Szenen der Oper eindrucksvoll geglückt. Durch geschickte Lichtprojektionen und Videoausschnitte, die die Seele und Wünsche der Protagonisten wiederspiegeln, bringt sie einen Bereich auf die Bühne, der nicht alltäglich ist und der ob seiner Schlichtheit begeistert. Die Regie von Susanne Lietzow ist sehr intensiv, das Hinabgleiten in die Seelen ihrer Figuren ist beeindruckend. Für die teilweise künstlerischen Videospiele zeichnet Petra Zöpnek verantwortlich und sie tut dies hervorragend. Genauso hervorragend wie das kongeniale Team, welches für die Ausstattung verantwortlich ist. Für die Kostüme ist es Julia Pommer und für Bühne und ebenfalls noch Kostüme Marie-Luise Lichtenthal. Sie alle haben einen hervorragenden Job gemacht, der vom Publikum mit starkem Beifall honoriert wird. Eines kann man auf jeden Fall feststellen, für eine erste Regiearbeit im Bereich der Oper hat Susanne Lietzow eine Reife entwickelt und einen stimmigen Ablauf auf die Bretter, die die Welt bedeuten, gestellt, der für mich ohnegleichen ist. Ein ganz toller Einstieg in die Wunderwelt der Oper.

Julia Da Rio-Felix Rathgeber

Die Handlung, der doch ein bisschen verworrenen Geschichte ist eigentlich relativ einfach erzählt. Im Vordergrund der Oper steht der notorisch fremdgehende Graf Almaviva, der, obwohl er sie selbst abgeschafft hat, auf das Recht der ersten Nacht nicht verzichten will. Diese Nacht möchte er gerne mit Susanne der Kammerzofe seiner Frau, die seinen Diener Figaro heiraten will, verbringen. Seine betrogene Frau, die jedoch selbstbewusst weiß, was er an ihr hat, schmiedet zusammen mit dem Hochzeitspärchen ein Ränkespiel, welches den Grafen am Ende recht alt aussehen lässt. Daneben gibt es noch einen sich für die Frauen verzehrenden jungen Herzensbrecher namens Cherubino, den Pagen des Grafen, der zusätzliche Verwirrung stiftet. Aber die Schlitzohrigkeit Figaros und das sich Wehren der beiden schlauen Frauen lässt am Ende alles gut werden. Und auch der Graf muss einsehen, dass seine Frau für ihn doch die Beste ist.

Die musikalische Leitung an diesem Abend hat der junge Johannes Braun als Gast. Er ist einer der Dirigenten, die sich um die frei werdende Stelle in Coburg bewerben. Und er macht seine Sache recht gut. Er hat das Philharmonische Orchester des Landestheaters Coburg, einem ausgezeichneten Klangkörper, gut im Griff und lässt seinen Mozart strömen und alles mit Wohllaut versehen. Dabei ist er auch sängerdienlich genug, um diese nicht mit Klangwogen zuzudecken, nein, er nimmt Rücksicht und lässt alle zu ihrem Recht kommen. Mozart klingt ausgewogen und fein differenziert in allen seinen Facetten. Eindrucksvoll auch der von Lorenzo Da Rio einstudierte Opernchor des Landestheaters.

Julia Da Rio-Salomon Zulic del Canto-Dirk Mestmacher

Die Solisten des Abends sind bis auf die Bank erstklassig, eine kleine Einschränkung muss ich machen. Der Graf Almaviva wird gesungen vom chilenischen Bariton Salomón Zulic del Canto und mit ihm habe ich paar kleine Probleme. Darstellerisch ohne Fehl und Tadel und immer präsent, vermag er für mich den unwiderstehlichen Herzensbrecher stimmlich nur sehr gebremst auf die Bühne zu bringen. Anders ausgedrückt, sein Graf ist mir etwas zu wenig auftrumpfend, nicht mitreißend genug, stimmlich mitunter fast nicht zu hören. Vielleicht liegt am heutigen Abend eine leichte Indisposition vor, dann hätte man das ansagen können oder aber, er ist wirklich ein etwas zu zurückhaltender und nicht unbedingt mit den auftrumpfensten Tönen versehener Graf.

Die aus Belgrad stammende lyrische Sopranistin Ana Cvetkovic-Stjnic ist seine ihn liebende Gattin. Mit leuchtenden flirrenden Tönen versieht sie ihre Rolle mit großer darstellerischer Präsenz, ausdrucksstark und mit einer beeindruckenden Pianokultur. Ihr Timbre ist tragfähig und sie erklimmt mühelos alle Klippen der Partie. Eine beeindruckende Leistung.

Verena Usemann-Julia Da Rio-Ana Cvetkovic-Stojnic

Julia Da Rio, die in Köln geboren wurde, ist eine äußerst quirlige Susanne, die nicht nur zauberhaft anzusehen ist, sondern auch so spielt. Ihr silbrig beweglicher Sopran kostet jeden Ton aus, sie ist ihrem Figaro eine kongeniale Begleiterin und man kann verstehen, warum der Graf bei ihr gerne auf das Recht er ersten Nacht pochen möchte.

Dieser Figaro wird von dem Bass, oder doch mehr Bassbariton Felix Rathgeber gestaltet. Er ist Dreh- und Angelpunkt auf der Bühne mit einem sicheren, geschmeidigen und ausdrucksstarkem Bassbariton. Seine Stimme ist voll, weich und rund und sehr beweglich und somit jeder Situation in dem mozartischen Ränkespiel jederzeit gewachsen.

Die aus Hamburg stammende Mezzosopranistin Verena Usemann ist der liebestolle Cherubino. Ihr steht die Hosenrolle sehr gut und man merkt richtig, wie viel Spaß sie daran hat und sie bis zum letzten auskostet. Äußerst spielfreudig und mit einer klaren und höhensicheren weichen Stimme ausgestattet, vermag sie nicht nur die angebeteten Damen sondern auch das Publikum zu beeindrucken.

 

Salomon Zulic del Canto-Freimut Hamman-Ana Cvetkovic-Stojnic-Julia Da Rio-Felix Rathgeber

In den weiteren kleineren Rollen gibt es praktisch keinen Ausfall, und das ist schon einmal eine ganze Menge. Ob es die Marcellina von Gabriele Künzler, der Bartolo von Michael Lion oder die Barbarina von Francesca Paratore ist, sie machen alle sowohl stimmlich als auch darstellerisch eine gute Figur. Das gilt auch für Dirk Mestmacher, der in der Doppelrolle als Don Basilio und als Don Curzio auftritt und punkten kann als auch für Freimut Hammann als Antonio. Viel Applaus von einem Publikum was sich wieder einmal restlos entspannen kann und mit glücklichem Lächeln nach Hause geht. Und genau das ist es, was für mich Oper und Operette ausmacht. Sie sind dafür da, das Publikum zu unterhalten, sie für einige Stunden aus dem Alltagstrott zu holen und sie glücklich zu machen. Und das ist heute wieder einmal aufs Vortrefflichste gelungen.

Manfred Drescher 07.06.2017          

Bilder Andrea Kremper, Chemnitz

 

 

„Der Zarewitsch“

mit großen Problemen bei der Inszenierung aber musikalisch toll

Aufführung im Stadttheater Fürth am 06.07.2016        

Premiere am 10.10.2014

Die Musik zum Hinschmelzen, die Inszenierung jedoch zum abgewöhnen

Selten bin ich zerrissener aus einer Operette nach Hause gegangen, wie nach dieser Aufführung von „Der Zarewitsch“ am Stadttheater Fürth, aufgeführt von der Staatsoperette Dresden. Ich liebe Fürth und ich liebe die Staatsoperette Dresden, na ja, eine Liebe kann auch einmal einen Dämpfer vertragen, und so war es heute bei mir. Die Geschichte des Weiberfeindes, des Zarewitsch, der durch eine Intrige des Hofes mit einer Frau zusammengebracht wird, in die er sich unsterblich verliebt, die er aber aus Staatsräson wieder verlässt, weil er den russischen Thron besteigen muss, ist schon so oft aufgeführt worden. Ich glaube, dass ich mindestens 10 bis 12 Aufführungen gesehen habe und mindestens so viele durchgeweinte Taschentücher meiner Frau beklagen musste. Die Inszenierung von Robert Lehmeier stellt jedoch alles ein bisschen auf den Kopf. Er geht davon aus, dass jemand, der keine Frauen an sich heranlassen will, natürlich anders gepolt sein muss, kurz ausgedrückt, dass er einfach nur schwul ist. Nun gut, dies kann man noch solange nachvollziehen, bis dieser Zarewitsch auf seine Sonja trifft, diese ihn die Liebe lehrt, wegen dieser Frau er dem Thron entsagen will und für die er zum Schluss sein Leben hergeben würde. Und ab hier ist für mich die Inszenierung von Lehmeier nur noch peinlich. Er zieht das angebliche Schwulsein des Zarewitsch gnadenlos bis zum bitteren Ende durch. Wenn beim Liebesduett des Zarewitsch mit Sonja „Warum hat jeder Frühling auch nur einen der lüsterne Leutnant widerstandslos am Zarewitsch rumfummeln kann und selbst Sonja ihm die Hand streichelt, dann wird das ganze aus meiner Sicht ad absurdum geführt.

Peinlich und völlig deplatziert ist die Figur des schwulen Soldaten der zu einer stummen Hauptrolle wird und mich wirklich ratlos zurücklässt. Das Ganze ergibt keinerlei Sinn und es ist für mich auch in keinster Weise nachvollziehbar, dass diese Inszenierung vom Bayerischen Rundfunk mit dem „Operetten-Frosch“ ausgezeichnet worden war. Dass ein nachgemachter Putin, dessen Bild überall prangt und der als der (alte) Zar einen Monolog zur Lage der Nation sprechen darf bzw. leider muss, für eine Operette völlig unsinnig und für mich auch lächerlich, ist ein weiterer Sargnagel auf der Inszenierung des Zarewitsch. Will der Regisseur hier Putin veralbern, die russische Politik anprangern? So ein Unsinn gehört auch nicht in das modernisierte Bild einer Operette. Lehmeier geht davon aus, dass Zarewitsch und Sonja eben nicht ineinander verliebt sind, und dies ist für mich ein weiterer Trugschluss. Eines aber hat auch dieser Meisterregisseur nicht geschafft, die wundervolle Musik von Franzl Lehár zu verunstalten und diese reißt für mich die Operette wieder nach oben, ich muss halt manchmal die Augen zumachen um so manchen inszenatorischen Unsinn nicht mitverfolgen zu müssen. Ich möchte noch einmal betonen, dass die Idee des Schwulseins durchaus seine Berechtigung hat, in dem Moment aber Makulatur ist, als der Zarewitsch die Liebe zu Sonja erkennt. Ab dann wirkt alles auf mich nur noch lächerlich. Entschuldigung lieber Bayerischer Rundfunk, dafür, dass Du ja in Deinem Programm fast keine (oder gar keine?) Operetten mehr anbietest, hast Du mit dem „Operetten-Frosch“ ganz schön danebengegriffen. Es tut mir leid, dass ich dies so umfassend versuche zu erläutern, aber ich war an diesem Abend wirklich böse, böse darauf, wie man eine - zugegeben etwas zuckriger -Operette zur eigenen Befriedigung verunstaltet und – aus meiner Sicht – der Lächerlichkeit preisgibt.

Doch kommen wir jetzt einmal zu etwas erfreulicherem. Das Bühnenbild, in erster Linie ein großes Spiegelkabinett, welches sich beliebig verändern lässt ist zweckdienlich, leicht umzustellen und gefällt recht gut und die Kostüme von Markus Meyer sind farbenprächtig, schön anzusehen, passen in die Zeit hinein, die Choreographie von Christopher Tölle ist rasant, phantasievoll und stimmig, die Tanzeinlagen ebenfalls ein Pluspunkt, der Chor ein Aktivposten, einstudiert von Thomas Runge. Das Orchester der Staatsoperette Dresden wird an diesem Abend von Peter Christian Feigel geleitet, und er macht dies routiniert, sängerfreundlich und akribisch auf alles eingehend. Er holt die Feinheiten aus dem Orchester heraus und lässt sie vor allem seine Sänger zurückhaltend begleiten, so dass diese nicht versuchen müssen gegen ein wogendes Orchester anzusingen. Nein, alles ist im Lot, dieses fast „kleinopernhaftes“ Werk wird schwungvoll und leidenschaftlich dargeboten.

Kommen wir nun zum gesanglichen Bereich der Operette und hier gibt es – Gott sei Dank – nur positives zu berichten.

Der Zarewitsch wird an diesem Abend von dem jungen tschechischen Tenor Richard Samek gegeben und er gibt ihn sehr überzeugend. Leider muss er sich auch ein bisschen der Regie beugen, singt den Zarewitsch im berühmten „Wolgalied“ anfangs zurückhaltend, fast zärtlich, weich, teilweise mit Kopfstimme. Dann aber kann er sich – jedenfalls teilweise – von der Regie lösen und vor allem in den Duetten trumpft er mit leidenschaftlichem, kraftvollem Ton auf. Strahlend, auch in den Höhen noch metallisch glänzend, kann er als liebender Zarewitsch voll und ganz überzeugen. Seine Sonja ist die junge französische Sopranistin Frédérique Friess und auch sie macht ihre Sache ausgezeichnet.

Spielerisch mit vollem Einsatz, wartet sie auch mit einem frischen klaren höhensicheren silbrig hellem

Sopran auf und kann selbst da überzeugen, wo sie im Liebesduett den albernen schwulen Soldaten streicheln muss. Das Buffopaar, Frank Ernst als Iwan und Jeannette Oswald, macht seine Sache ausgezeichnet. Er mit hellem, sicheren Buffotenor und sie, auch ganz reizend anzusehen, mit weichem silberhellen und warmem Sopran, überzeugen nicht nur gesanglich sondern wirbeln auch in den Tanzeinlagen über die Bühne, das es eine wahre Freude ist. Wie gut aufgestellt die Staatsoperette Dresden ist, zeigt sich auch daran, dass eine ihre wichtigsten Stützen, und vor kurzem erst eine ganz tolle lustige Witwe singend, nämlich Ingeborg Schöpf sich in der Wurzenrolle einer – nur ein paar wenige Worte sprechend – Fürstin einbringt. Es gibt keine Ausfälle im Ensemble, wobei ich auf den „Hauptdarsteller“ Soldat und Putin-Zar gerne hätte verzichten können. Dem Publikum jedenfalls hat es gefallen und es applaudiert lange und ausdauernd. Ein Abend, der neben wunderschönen musikalischen Momenten leider auch einige inszenatorische Probleme hat – aber das ist halt meine ganz subjektive Meinung.

Manfred Drescher 13.07.2016          

Bilder von Kai-Uwe Schulte-Bunert

 

WERTHER

Begeisterung bei den Leiden des jungen „Werther in Fürth

Aufführung im Stadttheater Fürth am 14. Juni 2016

Premiere am 05. Mai 2016 in Ulm

Schlüssigen Inszenierung  mit teilweise prachtvollen Stimmen

Wieder einmal hat Intendant Werner Müller mit der Verpflichtung des Theaters Ulm mit Jules Massenets lyrischer Oper „Werther“ einen Glücksgriff getan. Nicht nur dass die Inszenierung schlüssig ist und kein Spielplatz für wildgewordene Regisseure darstellt, sondern auch die stimmlichen Voraussetzungen sind über dem Durchschnitt. So erlebte ich einen wunderschönen Abend nach Johann Wolfgang von Goethes „Die Leiden des jungen Werthers“, dessen Roman zur damaligen Zeit eine ganze Reihe von Selbstmorden Liebender nach sich gezogen hatte. Massenet vertonte den wahrscheinlich bekanntesten Selbstmord der Weltliteratur als große ausladende französische Oper. Charlotte wird leidenschaftlich von Werther geliebt, diese heiratet jedoch unter Zwängen Albert. Sie hatte auf dem Sterbebett dies ihrer Mutter versprechen müssen und sie kann diesen Schwur nicht brechen. Der innerlich zerrissene und

Rita-Lucia Schneider

leidenschaftlich schwärmende Werther sieht keinen anderen Ausweg, als sich zu erschießen, da die Liebe seines Lebens ihm nicht gehören kann. Während Werther stirbt, gesteht ihm Charlotte endlich, da sie im Angesicht des nahenden Todes Werthers allen Mut zusammennimmt, dass auch sie ihn liebt. Werther bittet Charlotte ihn zu beweinen und stirbt. Eine Oper, die ans Herz geht, den Damen die Taschentücher in die Hände zaubert, oder habe ich dies sogar bei einigen Herren gesehen, eine leidenschaftliche Liebesgeschichte mit tragischem Ausgang in einer opulenten leidenschaftlich, fast sinnlich schönen Musik, ein Klangrausch, der noch lange sein Publikum verfolgt. Gesungen wird in Französisch mit deutschen Übertiteln.

Die Musik von Jules Massenet ist von vielen Sorten von Stimmungen beseelt, sei es im ersten Aufzug die Mondnacht, sei es die weinselige Stimmung beim Fest zur Feier einer goldenen Hochzeit, sei es bei den Passagen des Lesens der Briefe oder sei es das tränenreiche Finale am Ende der Oper. Massenet ist hier mit Sicherheit ein Meisterwerk gelungen, auch wenn kritische Stimmen immer noch von der Verbindung der Oper mit Goethes Werk Probleme haben.

Albert (Kwang-Keun Lee) und Charlottw (Rita-Lucia Schneider)

Diese Probleme gibt es heute Abend nicht, heute lassen wir uns berauschen von der Klangfülle und Schönheit der Musik. Die Inszenierung von Antje Schupp ist zu Beginn sehr sachlich, sie vermeidet es, zu gefühlsbetont die ganze Oper durch zu begleiten. Alles ein bisschen wie bei einem Filmset, mit blutroter Farbe beschriftete Transparente geben Botschaften weiter. Werthers Schreibwut wird auf die Leinwand projiziert, eine Folie nach der anderen wird fast wie im Fieberwahn beschrieben, Traumbilder kommen hinzu. Der riesige übergroße Berg, ja ein Papierstapel wirkt sehr eindringlich und überzeugend. Alles spannend und dem Publikum verständig dargeboten. Das Philharmonische Orchester der Stadt Ulm unter Leitung von Joongbae Jee gibt sein Bestes. Dramatische Passagen, wie auch die leisen berührenden werden ohne Fehl und Tadel harmonisch dargeboten. Jee nimmt auch die Klangwogen des Orchesters dann zurück, wenn die Textverständlichkeit der Sänger bedroht ist, sehr sängerfreundlich leitet er mit sicherer, aber auch zupackender Hand das gut gelaunte Orchester. Man merkt, dass es den Musikern Spaß macht – was leider nicht immer der Fall ist – und das überträgt sich auch auf das Publikum, welches gebannt mitgeht und sich über einen Abend freut, der sicher noch lange nachdauern dürfte. Das Bühnenbild und die Kostüme stammen von Mona Hapke und auch sie hat ganze Arbeit geleistet. Nachvollziehbare Kulissen, alles mit einfachen Mittel verwirklicht und teilweise bunte, aber auch düstere Kostüme, den jeweiligen Stimmungen angepasst wissen zu überzeugen.

Werther – Philippe Do

Philippe Do singt am heutigen Abend den liebenden, glücklichen, zerrissenen und den mit letztlicher Todessehnsucht ausgestatteten Werther. Und er tut dies imposant. Seine Stimme hat ein warmes angenehmes Timbre, besitzt eine hohe Durchschlagskraft, auch bei den Spitzentönen, die er brillant strahlen lässt. Eine schöne lyrische nie ermüdende Stimme, die der junge in Frankreich geborene Künstler sein eigen nennt. Rita-Lucia Schneider ist Charlotte und auch sie kann voll überzeugen. Ihr warmer, ausdruckstarker voller Mezzosopran ist zur jeder Sekunde präsent, dazu kommt eine ausgesprochen darstellerische Begabung, die sie voll ausspielen kann. Ihre Soli sind wunderbar anzuhören, wie auch im Duett mit ihrem Partner. Als Albert weiß Kwang-Keun Lee in jeder Sekunde zu überzeugen. Der junge koreanische Bariton besitzt einen warmen, leuchtenden und sonoren gepflegten Bariton. Er ist durchschlagskräftig und auch mit einer tollen schauspielerischen Leistung ausgestattet. Von diesem jungen Mann wird man sicher noch viel hören können. Eine beeindruckende Leistung, die er am heutigen Abend auf die Bretter, die die Welt bedeuten, bringt. Als Sophie weiß Helen Willis mit klarem, flirrendem, feinem Sopran voll zu überzeugen, wie auch Michael-Burow-Geier als Le Bailli, der vor allem im Zusammenspiel mit einigen Kindern der St.-Georgs-Chorknaben überzeugte. Viel Beifall auch für die Chorknaben und am Ende für eine tolle Aufführung, die einen noch lange begleiten dürfte.

Manfred Drescher 26.06.2016

Bilder 1/2 (c) Jochen Klenk

 

 

HOFFMANNS ERZÄHLUNGEN

Verwirrte Liebesgeschichten fast wie im Fieberwahn erfreuen

5. Mai 2016

Die tschechische Oper Prag bringt eine stimmige Hoffmann-Aufführung, bei der fast alles stimmt

Ich freue mich immer wieder, wenn ich einen Abstecher in das wunderschöne Stadttheater Fürth machen kann und dank dem guten Händchen von Intendant Werner Müller, hat es auch nur ganz selten Aufführungen gegeben, die mich nicht überzeugt haben. Und auch diesmal steht ein stimmiger Ritt durch die Seelenqualen des Dichters E.T.A. Hoffmann bevor, den ich als Bamberger sehr gut nachvollziehen kann, denn in unserer Stadt gibt es an jeder Ecke Erinnerungen an den skurrilen Dichter. Der Dichter E.T.A. Hoffmann durchlebt schon mehr als eigenartige Frauengeschichten, die ihm teilweise der Fieberwahn vorgaukelt. Die Puppe Olympia, die ihm solange den Kopf verdrehen kann, bis er merkt, dass er einen Automaten lieben wollte, ist die erste der drei Frauen. Die Kurtisane Olympia verrät ihn für schnödes Geschmeide und auch hier kann er seinen Liebestraum nicht vollenden. Ebenso wenig bei der dritten seiner Frauengestalten, der Sängerin Antonia. Zwar steht ihm mit ihr die ewige Liebe bevor, doch eine ererbte Krankheit, durch Dr. Mirakel zum Höhepunkt gebracht, stürzt sie vor der Vereinigung in den Tod. Die wahnhafte Erinnerung an diese drei von ihm geliebten Frauen, die er alle drei in der Operndiva Stella vereint sieht, wird ihm auch hier wieder entrissen. Im Alkoholrausch sinkt er, ergriffen von den Geschichten seiner drei Geliebten zu Boden und Stella verlässt ihn an der Hand des Stadtrates Lindorf. Seine Muse, der selbstlose Freund Niklaus gibt ihm am Schluss Gift zu trinken und bringt sich gleich selbst mit um. Dieses Ende ist zwar schon öfter gebracht worden, jedoch für mich nicht sonderlich stimmig. Der Dichter, der sich wieder in den Rausch stürzt und an den Frauen zu zerbrechen droht, ist mir persönlich der stimmigere Schluss. Da Jacques Offenbach das Werk nie vollenden konnte, gibt es ja eine ganze Reihe von unterschiedlichen Bearbeitungen, die, bei der Hoffmann allein zurückbleibt und von seiner Muse wieder zur Kunst zurückgeführt wird, für die er ja eigentlich lebt und sein Leben verschrieben hat, ist für mich persönlich die am besten passende, aber auch das ist natürlich Geschmackssache. Gesungen wird in Französisch mit deutschen Übertiteln.

Hoffmann – Tomás Cerny, Giuletta – Lucie Hajkova, Niklaus – Alzbeta Vomackova 

Die Musik von Jacques Offenbach ist sehr gefühlsbestimmt, in vielen Passagen aufbrausend dramatisch und nimmt das Publikum, welches dem mit aller Leidenschaft folgt, mit auf den Weg durch die seelischen Qualen des Dichterfürsten. Die Tschechische Oper bringt das Werk in Zusammenarbeit mit dem Opernhaus Liberec auf die Bühne und sie macht dies gekonnt und leidenschaftlich. Das Orchester ist unter seinem Dirigenten Martin Doubravský in jeder Sekunde auf dem Punkt bei dem dramatischen Werk. Feurig, leidenschaftlich, aber auch zurückhaltend und zart in den entsprechenden Passagen ist es mehr als eine klangvolle Begleitung. Es überdeckt nie die Sänger und ist stets präsent. Eine schwungvolle, präzise und überzeugende Leistung, ebenso wie der gutaufgelegte und auftrumpfende Chor unter Tvrtko Karlovic. Die Inszenierung und das Bühnenbild stammen von Martin Otava und er hat ganze Arbeit geleistet. Er hat eine traditionelle Version der leidenschaftlichen Geschichte auf die Bretter gebracht und damit hat er mir – der ich überhaupt kein Freund von Regisseuren bin, die sich selbst zu verwirklichen suchen – eine große Freude gemacht. Die Kostüme von Ales Valasek sind in dunkel und grau gehalten und werden mit jedem Akt etwas farbiger. Eine stimmige Auffassung, der man folgen kann und die gut zu dem düsteren Bild der Bühne passt. Die zerrissene Seele Hoffmanns wird auch hierdurch zum Ausdruck gebracht und das Verständnis für seine Seelenqualen nimmt beim Publikum zu.

Tomás Cerny verkörpert den zerrissenen Dichterfürsten mit nie ermüdendem Material. Sein kräftiger robuster Tenor lotet jeden Winkel der vielschichtigen Rolle auf das vortrefflichste aus. Er ist eine exzellente Verkörperung des Hin- und Hergerissenen, auch vom schauspielerischen kann er viele Akzente setzen, insgesamt gesehen eine überdurchschnittliche Verkörperung des Hoffmann, einer Rolle, die von unseren Supertenören gar nicht so gerne gesungen wird, weil sie schwerer zu verkörpern ist, als man vielleicht landläufig so denkt. Seine Muse, das Koksen passt mir nicht so ganz dazu, aber ist auch in dieser Auffassung zu tolerieren wird von Alzbeta Vomackova verkörpert. Und sie ist gesanglich voll auf der Höhe und passt in jeder Lage gut auf ihren Dichterfürsten auf. Sie begleitet Hoffmann und reicht ihm – na ja und da kann man jetzt unterschiedlichere Auffassung sein – am Endes das Gift, was für mich nicht so nachvollziehbar ist, ebenso wie ihr eigener Tod, der jedoch in dieser Interpretation des Endes wieder stimmig erscheint. 

Die Krone der drei Frauen hat für mich Olga Jeliknova als überdurchschnittlich gute Olympia. Mit silbrigem Timbre, die teilweise schwindelnden Höhen ganz einfach meisternd, als wenn das gar nichts wäre, jede noch so problematische Koloratur auskostend und dabei noch ein hervorragendes Spiel. Sie verkörpert die mechanische Puppe so, dass man fast daran glauben könnte, dass dies wirklich ein Automat und zwar ein menschlicher ist. Für mich die beste Leistung des gesamten Abends, ohne die anderen Mitwirkenden in ihren Darbietungen schmälern zu wollen. Im Gegenteil. Lucie Hajkova, kann mit einem vollen ausdrucksstarken Timbre glänzen, laszive räkelt sie sich in einer Mondsichel und stellt die Verführerin sehr plastisch und auch recht üppig auf die Bühne des Fürther Theaters. Die Barcarole wird zu einem weiteren Höhepunkt der Aufführung. Als Antonia bringt Vera Polachova einen zarten aber dennoch durchschlagenden Sopran mit, der leidenschaftlich ihren lyrischen Part unterstreicht. Eine gleichwertige Gestaltung der dritten Frauenpartie.

Pavel Vancura gibt die vier finsteren Gesellen, die Hoffmann das Leben schwermachen. Als Lindorf, Coppelius, Dapertutto und Dr. Mirakel weiß er mit kräftigem, wohlklingendem, aber auch diabolisch gefärbtem Bass zu punkten und drückt jeder der verschiedenen Rollen seinen Stempel auf. Als Andreas, Cochenille, Pitichinacchio und vor allem als Frantz weiß Marian Micjar voll zu überzeugen. Seine „große“ Arie als Frantz macht er zu einem wahren Kabinettstückchen, viel Humor, Witz und überschäumende Spiellaune bringen ihm den Beifall auf offener Bühne dafür ein. Dass er auch darstellerisch allen vier Rollen mehr als gewachsen war, sei hier nur am Rande erwähnt.

In den weiteren Rollen gibt es keinen einzigen Ausfall, alle machen ihre Sache sehr gut, sei es Blanka Cerna als Antonias Mutter, als auch Dusan Ruzicka als Spalanzani und Schlemihl, Jaroslav Patocka als Luther und Crespel und schließlich Hanna Postranecka als Stella.

Ein aufregender beeindruckender Abend in Fürth, der aber auch aufzeigt, wie viel musikalisches Potential in der einzigen Oper von Jacques Offenbach schlummert. So macht Oper einfach Spaß – und so soll es auch sein.

Manfred Drescher 16.05.2016          

Bilder Art & Artist Tschernig

 

 

NORMA

Liebe im Belcanto Taumel erfreut das Fürther Publikum

Aufführung am 6.11.2015

Premiere 19.09.2015

Bellini´s Musik ist wunderschön und unsterblich – daran ändert keine Inszenierung etwas

Ein weiteres Mal im wunderschönen Stadttheater Fürth und ein weiteres Mal begeistert nach Hause gefahren. Der Intendant von Fürth, Werner Müller, hat sich diesmal einen Belcantokracher allererster Güte geholt und dies vom doch recht kleinen Theater Coburg. Und es ist toll, welche Stimmen in der so oft verspotteten Provinz zu Hause sind. Da könnte sich manches große Theater eine dicke Scheibe abschneiden, auch was das Herzblut angeht, mit welchem man solche schwer zu singenden Stücke angeht und sie mit Bravour besteht. Zwar werden auch bei den kleineren Theatern die Regiesünden, die bei den Großen ja schon fast schon an der Tagesordnung sind, begangen, aber alles passt dennoch immer in den großen Rahmen. Den Regisseur, der sich gnadenlos und selbstverliebt in den Vordergrund spielt, egal wie es dem Publikum gefällt, egal, wie die Sänger eingespannt werden und in den irrwitzigsten Posen singen müssen, egal ob eine Handlung teilweise ad absurdum geführt wird, den Regisseur gibt es – Gott sei Dank – bei den kleinen Bühnen in der Form nicht und auch Coburg macht hier keine Ausnahme. Die Buhrufe, die man noch bei der Premiere in Coburg für die Inszenierung hatte, sind hier in Fürth verstummt. Hier erfreut man sich am Wohlklang der Stimmen und an einem Belcantofeuerwerk sondergleichen. So macht Oper trotz aller Probleme Spaß und so bleibt sie auch im Gedächtnis haften.

Die Priesterin Norma, ist die heimliche Geliebte des Römers Pollione, sie hat mit ihm zwei Kinder und er ist der Anlass, dass sie ihr Land verrät. Pollione hat sich längst in die Novizin Adalgisa verliebt und will mit ihr das Land verlassen. Bei einem aufeinandertreffen wird dies alles offenkundig und Norma schwört Rache. Die Mutterliebe siegt vor der grausamen Überlegung ihre beiden Kinder in den Tod zu schicken. Sie will Adalgisa mit ihren Kindern und Pollione nach Rom schicken, doch Adalgisa möchte mehr die ehemals Verliebten wieder zusammenführen, was Pollione jedoch barsch ablehnt. Norma gibt nun das Zeichen zum Kampf gegen die Römer und man nimmt einen Römer gefangen, der das Heiligtum entehrt hat, es ist Pollione.

Celeste Siciliano, Milen Bozhkov

Er will nicht von Adalgisa lassen, auch wenn der Tod seiner Kinder und der Tod seiner neuen Geliebten auf dem Scheiterhaufen drohen. Norma lässt nun einen Scheiterhaufen errichten, für eine Priesterin, die gegen die Keuschheit verstoßen hat und nennt ihren eigenen Namen als Schuldige. Sie geht dem Tod gefasst entgegen, weiß sie doch ihre Kinder in der Obhut ihres Vaters Orovesus. Pollione, der ergriffen ist, auch von neu aufflammender Liebe gepackt, folgt ihr in den Tod.

Die Inszenierung von Konstanze Lauterbach,  die auch für die Kostüme verantwortlich zeichnet, versetzt alles in die Gegenwart, in einen nicht näher erläuterten Krieg. In einem Bettkasten werden ihre mit Schande gezeugten Kinder versteckt, Ölbohrtürme bestimmen die Bühne, der Scheiterhaufen besteht aus unzähligen schwarzen Müllsäcken, ein Hubschrauber schwebt bei den Schlusstakten über die Szenerie. Karen Simon, die für das Bühnenbild verantwortlich ist, hat alles getreu der Regisseurin aufgebaut. Mich hat es nicht sonderlich gestört, warum sollte man nicht auch solche Schauplätze zeigen. Wesentlich interessanter ist, dass in die Oper die überaus wirkungsvolle Arie Norma il predisse, o Druidi eingearbeitet wurde. Diese Arie wurde von Richard Wagner in Paris im Jahr 1839 komponiert. Orovesos Bravourarie, die dem Fluss der Bellinischen Musik folgt und in sie übergeht, ist eine flammende Ballade eines unerbittlichen Kämpfers und Anführers und sie stört keineswegs, nein fast könnte man meinen, sie ist von Bellini selbst komponiert worden. Die Choreinstudierung von Lorenzo da Rio ist eigentlich wie immer ausgezeichnet und der Chor ist auf den Punkt vorbereitet.

Das Orchester wird von Generalmusikdirektor Roland Kluttig mit zupackender Hand, nervig und gefühlvoll geführt und geht problemlos diesen Weg mit. Die Musik Bellinis wird vortrefflich herausgearbeitet, die Sänger werden behutsam begleitet und ihnen wird Raum gegeben, sich entsprechend zu entfalten. Die unterschiedlichen Klangfarben webt Kluttig zu einem beeindruckenden Klangteppich und lässt das Orchester groß aufspielen.

Eine Oper, die mit so herrlicher Musik versehen ist, verlangt aber auch Spitzensänger, weil die Partie mehr als nur geläufige Kehlen erfordert. Die Norma war eine der großen Partien von Maria Callas, die sie sehr oft und mit großem Erfolg gesungen hat. Coburg hat mit Celeste Siciliano eine außergewöhnliche Sopranistin für diese Rolle. Ihr dramatischer Sopran besitzt eine gewaltige Stimmkraft, ist aber auch zu anrührend zarten Tönen fähig. Die Koloraturen der Partie meistert sie brillant mit innigem Ausdruck und einer kraftvollen Höhe, die dennoch schwebend über allem steht. Auf diese Sopranisten wären viele große Opernhäuser zu Recht sehr stolz. Hoffen wir, dass sie noch lange in Coburg auftritt. Pollione wird von dem bulgarischen Tenor Milen Bozhkov brillant verkörpert. Dieser Don Juan für Arme hat strahlende durchsetzungsfähige Töne bis hin zu den glasklaren Spitzentönen. Ein weiches Timbre mit traumhaft leichtem Piano aber ebenso einem kraftvollen Fortissimo zeichnet diesen Tenor aus, bei dem die Frauenherzen sicherlich dahinschmelzen (selbst wenn er in dieser Partie nicht unbedingt zu den Sympathieträgern zählt). Michael Lions setzt als Oroveso seinen profunden kräftigen und stimmschönen Bass ein. Ausdrucksstark und stimmgewaltig weiß er in dieser Rolle voll zu überzeugen. Darstellerisch ist er, wie die beiden vorherigen Sänger, ebenfalls eine Ausnahmeerscheinung, auch wenn er dies in dieser Partie nicht so herüberbringen kann. Als Adalgisa setzt Ana Cvetkovic-Stojnic ihren zarten lyrischen Sopran ein, der auch zu dramatischen Ausbrüchen fähig ist. Sie ist eine ebenbürtige Partnerin und weiß stimmlich anrührend zu überzeugen. Als Flavio kann David Zimmer seinen vollen, klaren und ebenso höhensicheren Tenor voll einsetzen und ebenso voll überzeugen. Heidi Peters als Clotilde ergänzt das Ensemble ohne Fehl und Tadel. Eine Aufführung, die stimmlich weit über dem Üblichen steht und bei der man die Inszenierung wohlwollend „mitnehmen kann“.

David Zimmer, Mihael Lion, Milen Bozhkov, Celeste Siciliano, Ana Cvetkovic-Stojnic

Insgesamt gesehen ein Abend, der sich gelohnt hat und der auch Coburg als ein kleines aber vorzügliches Theater in Fürth vorstellen kann.

Manfred Drescher 23.11.2015          

Bilder 1 und 2 Andrea Kremper      Bild 3 Eigenaufnahme

 

 

DER TROUBADOUR

Aufführung am 03.07.2015

Premiere am 21.02.2015

Verdis wirres Meisterwerk begeistert das Fürther Publikum wobei die Regieder herrlichen Musik wenig anhaben kann – und das ist gut so

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Wieder einmal war ich im wunderschönen Stadttheater Fürth und wieder einmal habe ich es nicht bereut. Der Intendant von Fürth, Werner Müller, hat - wie schon so oft - wieder einmal ein gutes Händchen bei der Auswahl seiner musikalischen Gastspiele bewiesen. Die leidenschaftliche Oper „Der Troubadour“ mit der leicht verworrenen Handlung passt wieder so wunderschön in das trotz Klimaanlage durch die draußen wabernde Hitze doch etwas aufgeheizte Theater hinein. Hier und heute hat man gerne wieder ein paar Schweißtropfen verloren, denn man wird durch die Musik und deren Interpretation entschädigt.

Die Handlung, die schon im Original sehr schwer zu verstehen ist. Zigeunerin wirft versehentlich ihr eigenes Kind in den Scheiterhaufen, zieht den Bruder des Tyrannen Luna als Sohn auf, der sich – wie Luna – in die gleiche Frau, nämlich Leonora verliebt. Leonora stirbt einen Liebestod und Luna ermordet seinen eigenen Bruder, was ihm aber erst nach der Bluttat durch die Zigeunerin Azucena vermittelt wird. Diese hat nun ihre Rache für die damalige mörderische Verwechslungstat. Wenn die Musik nicht so herrlich wäre, würde man an dem Inhalt der Oper etwas zweifeln können. Die Neuinszenierung von Rudi Gaul & Heiko Voss können diese wirre Handlung kaum verbessern, sie zeigen sie halt in einer anderen Kulisse. Die beiden debütieren als Opernregisseure, der eine ist von Haus aus Filmemacher und der andere Dramaturg. Die Neubearbeitung enthält also viele Filmszenen, es wird viel auf die Leinwand projiziert, die Drehbühne wird zum Mittelpunkt, grelle Kostüme, überzeichnete Figuren sollen alles etwas moderner machen. Nun gut, es war alles ganz schön anzuschauen, auch durch die Kostüme von Olga Motta, dem Inhalt des Stückes kam man auf diese Art und Weise aber auch nicht viel näher, aber was solls. Die musikalische Seite überzeugte, mit kleinen Einschränkungen, dafür auf der ganzen Linie und das Publikum war sehr angetan, was sich im langanhaltenden Applaus zeigte.

Das Orchester wird von Gerhard Markson mit großer Erfahrung und ebenso großer Leidenschaft geleitet. Am Anfang finden Dirigent und Orchester nicht ganz zusammen, dies ändert sich aber schnell und die Klangwogen der leidenschaftlichen Oper laufen völlig synchron weiter ab. Markson ist – bei aller Leidenschaft – auch auf seine Solisten bedacht und überdeckt sie nicht ständig mit den Klangwogen, die so typisch für diese Oper sind. Man merkt, dass Orchester und deren Leiter Spaß an der Musik haben und dies zeigen sie auch eindrucksvoll. Der Chor, welcher von Bernhard Moncado sicher eingestimmt ist, wirkt in jeder Sekunde überzeugend. Dies zeugt auch von einer akribischen Detailarbeit, die man auch zu hören bekommt.

Der große Enrico Caruso soll einmal gesagt haben, dass man für diese Oper die vier besten Sänger der Welt braucht, und da ist viel Wahres dran. Nun gut, die vier besten sind es nicht, die hier in Fürth auf der Bühne stehen, aber sie kommen schon recht gut daran. Im Focus des Interesses stehen die beiden Frauenfiguren, Leonora und Azucena. Diese beiden sind es auch, die das Publikum am meisten und das völlig zu Recht, hinreißen können. Als Leonora glänzt Christina Vasileva und sie zeigt ein stimmiges und überzeugendes Bild der leidenschaftlichen Frau. Mit leuchtendem farbigem und den letzten Winkel des Saales füllenden Sopran, und mit Spitzentönen, die wie hingemeißelt stehen, leuchtend und feurig,  holt sie sich den wohlverdienten Applaus. Ihr in keinster Sekunde nachstehend, die Azucena der Anja Jung. Sie lebt diese Rolle und füllt sie leidenschaftlich aus. Ihre Auftritte sind mit die Höhepunkte der heutigen Aufführung. Ihre Stimme ist wandlungsfähig und von einer überwältigenden Geschmeidigkeit. Die beiden Frauen erobern sich an diesem Abend die gesangliche Krone. Als Graf Luna gibt Juan Orozco eine sehr gute Leistung. Sein voller runder Bariton ist in jeder Sekunde präsent, wenn auch die leidenschaftliche Gestaltung noch etwas ausgeprägter hätte sein können. Nicht desto weniger ist sein raumfüllender Bariton beeindruckend. Zwiespältig leider der Eindruck des Manricos von James Lee. Nach leichten anfänglichen Eintrübungen singt er sich frei, sein strahlender hoher Tenor kann voll überzeugen. Leider nicht über den ganzen Abend hinweg. Gerade bei der berühmt-berüchtigten Stretta muss er dem hohen Anspruch der Partie seinen Obolus zollen. Die Stimme kippt am Schluss, die Stretta wird im Prinzip am Ende praktisch nur markiert. Schade, denn gerade darauf hatte man sich doch auch besonders gefreut.

Insgesamt eine flotte, gesanglich, darstellerisch und von der Inszenierung her für sich einnehmende Inszenierung, die vom Publikum mit langandauerndem Applaus verabschiedet wurde.

Manfred Drescher 15.07.2015          

Bilder von Rainer Muranyi

 

Ausgesuchter OPERNFREUND Plattentipp

 

 

GIUDITTA

am 08.07.2015         

Premiere am 21.06.2013

Leichte Inszenierungsprobleme und ein etwas zu lautes Orchester trüben den insgesamt positiven Gesamteindruck

Ja, am 22.06.2013 berichtete ich bereits über die Zweitpremiere der „Giuditta“ aus der Staatsoperette in Dresden. Als sie nun zum Spielzeitende in Fürth angeboten wurde, wollte ich sehen, wie sich die Inszenierung geändert hatte. Außerdem waren die Protagonisten andere als vor zwei Jahren. Ja und an der Inszenierung hat sich nicht sehr viel geändert und ich kann hier meine Einstellung von 2013 fast wiederholen.

Wie wir alle wissen, hatte Franz Lehár ja einen gewissen Drang zur Oper und mit seinem Spätwerk „Giuditta“ ist er diesem Traum von der Oper ein ganzes Stück näher gekommen. Viele durchkomponierte Stellen und kein Happy End, alles etwas

operettenuntypisch. Die „Regieeinfälle“ von Regisseur Robert Lehmeier sind nicht besser geworden und berührten mich weiterhin nicht sonderlich. Man konnte sie, da sie doch etwas versteckt im Hintergrund spielten, mit etwas gutem Wille auch übersehen. Mir persönlich erschloss sich der Sinn des älteren jüdischen Paares nicht, welches durch alle Akte schlurft und sich am Ende mitten im Finale von Octavio und Guiditta vergiftet. Ebenso für mich nicht nachvollziehbar, dass sich Lord Barrymore, endlich am Ziel seiner Träume, also bei Giuditta, angelangt erschießt. Kranke Soldaten, die dann wieder putzmunter aufspringen werden durch selbstlos sie „bedienende“ Schwestern aufgepäppelt – das alles passt nicht so recht in den Rahmen einer sonst recht flott inszenierten Operette. Man mischt Unterhaltung mit Betroffenheit, für mich ist dies nicht sinnvoll, lenkt von der wunderschönen Musik und dem Geschehen auf der Bühne ab und schadet der Operette mehr als es ihr nützt. In meiner damaligen Rezension schrieb ich, dass für mich, auch heute noch, Operette unbeschwerte Unterhaltung ist, auch wenn es einmal kein Happy End gibt. Für Vergangenheitsbewältigung sollte man aber die herrlichen Melodien nicht hernehmen. Daran hat sich bis heute nichts geändert. Wenn man diesen ganzen Inszenierungsbereich übergeht, bleibt eine recht ordentlich in Szene gesetzte Operette übrig, die auch musikalisch und gesanglich einiges zu bieten hat und das Publikum zufrieden stellt. Und das ist doch heutzutage auch schon etwas.

Am Dirigat von Christian Garbosnik hat sich leider seit damals nichts geändert. Einerseits führt er das Orchester mit straffer Hand, lässt es schwellen und schwelgen und aufblühen. Andererseits lässt er leider die orchestralen Wogen teilweise zu sehr fließen, so dass sich die Sänger doch recht schwer taten, sich gegen diese Klangfluten zu behaupten und teilweise doch sehr stark zugedeckt wurden. Eine Bekannt sagte zu mir in der Pause: „Also sonst verstehe ich in der Operette meist jedes Wort, heute habe ich fast gar nichts verstanden, weil das Orchester zu sehr „gedröhnt“ hat. Schade, denn damit tut man den Sängern und auch den Zuhörern keinen Gefallen. Gott sei Dank wurde es nach der Pause etwas besser. Nun blühte Lehárs Musik auf und verzauberte die Zuhörer. Und genau das ist die Aufgabe der Operette und genau deswegen wird sie, wenn man richtig und behutsam mit ihr umgeht, noch lange auf den Spielplänen der Theater stehen. Doch zurück zu den Protagonisten.

Der Chor war hervorragend aufgelegt und akribisch von Thomas Runge eistudiert worden. Bei den Solisten gab es kaum Abstriche zu machen. Eigentlich nur etwas bei der an und für sich  höhensicheren und ausdrucksstarken Giuditta von Ingeborg Schöpf. Sie ist eine Dresdener Institution und halt nicht mehr ganz so sinnlich und betörend, wie sie es in früheren Zeiten gewesen ist. Dennoch ist sie eine Bank in Dresden und bot vor allem auch darstellerisch eine reife Leistung. Ihr zur Seite der Octavio von Artjom Korotkov. Er konnte bereits mit seinem Auftrittslied „Freunde das Leben ist lebenswert“ punkten und bot einen höhensicheren, teilweise mit strahlenden Spitzentönen versehenen Octavio an. Gestalterisch gab es nichts an ihm auszusetzen.

Nett anzuschauen, spielfreudig und auch gesanglich tadellos und voll auf der Höhe war das Buffopaar mit Andreas Sauerzapf als Pierrino und Isabell Schmitt als Anita. Sie wirbelten über die Bühne, dass es eine wahre Pracht war und konnten beide nicht nur gesanglich, sondern auch darstellerisch voll überzeugen. Leider musste – vermutlich wieder ein genialer Regieeinfall – Andreas Sauerzapf, der eine vielversprechende Stimme sein eigen nennt, etwas zu albern agieren, was der Rolle aus meiner Sicht nicht so gut tat.

Frank Blees mit gepflegtem ausdrucksstarkem Bariton gab in seiner etwas ungünstigen Clownmaskerade, die wohl an Canio aus dem Bajazzo erinnern sollte, einen überzeugenden Manuele, den verlassenen Ehemann Guidittas und Christian Grygas als Lord Barrymore  und dem Wirt Sebastiano überzeugte ebenso wie Hans Jürgen Wiese als Herzog und Dietrich Seydlitz als Ibrahim, dem Besitzer des „Alcazar“. Herbert Graedtke als Kellner und Sprecher, Vladislav Vlasov als Jonny, ein Schwarzer und Erika Burghardt und Bernd Oppermann in der stummen Rolle des jüdischen Paares vervollständigten die Darstellerriege. Die Sänger, aber auch das Orchester, ließen den Abend zu einem gelungenen Abend werden, und obwohl meine Frau die „Giuditta“ schon mehrmals gesehen hat, musste sie auch heute wieder einige Tränen verdrücken. Nicht weil der Abend so furchtbar gewesen ist, im Gegenteil, aber halt, weil die Operette aus Sicht meiner Gattin so furchtbar traurig endet und der arme Octavio sein Leben allein als Barpianist verbringen muss. Insgesamt ein schöner Abschluss der Operettenaufführungen in dieser Spielzeit. Ich bin überzeugt, dass Fürth in der nächsten Spielzeit wieder punkten kann und freue mich heute schon auf die angekündigten Aufführungen von „Norma“ aus dem Landetheater Coburg, „Don Giovanni“ aus dem Landestheater Salzburg, „Hoffmanns Erzählungen“ von der Tschechischen Oper Prag,  „Werther“ vom Theater Ulm und zum Abschluss wieder aus der Staatsoperette Dresden „Der Zarewitsch“. Ich freue mich auf die nächste Saison und auf hoffentlich viele schöne und entspannte Abende, in welchen wir uns von der schönsten Nebensächlichkeit der Welt, der Musik, verzaubern lassen können.

Obige Produktionsbilder von Stephan Floß

Manfred Drescher 16.07.2015    

 

Ausgesuchter OPERNFREUND Plattentipp

 

 

 

              

                                                                             

Ella Milch-Sheriff (1954*)

BARUCHS SCHWEIGEN

13.6. Premiere                          

Beklemmende Shoa-Oper                                   

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Die in Haifa geborene israelische Komponistin und Mezzosopranistin Ella Milch-Sheriff ist die Tochter osteuropäischer Überlebender des nationalsozialistischen Völkermordes an den Juden. Ihr aus dem polnischen Ostgalizien (Podhajce) stammender Vater, der Gynäkologe Baruch Milch, schwieg über diese Gräuel der Vergangenheit. Als sie schließlich die Tagebuchaufzeichnungen ihres Vaters aus den Jahren 1943-44 nach dessen Tod entdeckte, begriff sie mit einem Mal das bedrückende Verhältnis zu ihm und komponierte zunächst unter dem Titel „Ist der Himmel leer?“ eine Kantate. Der Intendant des Staatstheaters Braunschweig kommissionierte daraufhin eine Kammeroper über diesen Stoff. Die österreichisch-israelische Theaterregisseurin Yael Ronen (1976*) verdichtete das Tagebuch des Vaters samt den Erinnerungen seiner beiden Töchter, Shosh Avigal (1943-2003) und (Shmu)Ella, zu einem Libretto, das die Grundlage der Oper bildete, die am 25. Februar 2010 im Kleinen Haus des Braunschweiger Staatstheaters uraufgeführt wurde.

 

In zehn Bildern breitet die Komponistin das Leben dieses Vaters, sein dunkles Geheimnis aus der Vergangenheit, seinen Verlust von Gattin und Sohn, seine Flucht, die Ermordung seines Neffen, der, ob seines ungestümen Benehmens, die bei einem ukrainischen Bauern Untergetauchten, zu verraten drohte, durch den eigenen Bruder. Der Vater hatte aber als sein Bruder ihn fragte, ob er aufhören solle, den Knaben zu würgen, einfach geschwiegen! Und dieses unheilvolle Schweigen hatte Dr. Baruch ein Leben lang verfolgt, verhärtet und verschlossen gemacht. Dieses Geheimnis nahm er mit in sein Grab und es konnte erst nach Auffindung seiner Tagebücher gelöst werden.

Bruno Berger-Gorski unterlegte dieser Kammeroper als Konzept einen therapeutischen Ansatz aus der Psychotherapie, die sogenannte Familienaufstellung. Und so spielen nun die handelnden Personen der Oper das bewegte Leben von Dr. Baruch Milch und seiner Flucht mit allen grauenvollen Ereignissen nach. Ein wahrlich tragischer Opernstoff, der erschüttert, hätte ihn die Komponistin auf eine allgemeinere und höhere Metaebene gesetzt.

 

Indem sie aber ihre eigene Vita, ihre Reflexionen, ihren „Generationskonflikt“ in Form von „Geistererscheinungen“ ihres toten Vaters und Großvaters als „Seelen-Striptease“ mit in ihre Kammeroper hineinverpackte, verpuffte die starke Wirkung, die von dem Stoff hätte ausgehen können. Hätte sie „nur“ die tragische Geschichte ihres Vaters, als ein Beispiel für so viele andere, erzählt, hätte es – dramaturgisch betrachtet - der ganz große Wurf werden können…

Was im Übrigen den Topos der „Geistererscheinungen“ in der Oper betrifft, befindet sich die Komponistin in bester Gesellschaft mit Verdis „Macbeth“, Tschaikowskis „Pique Dame“ und Brittens „The Turn of the Screw“, um hier nur willkürlich drei Beispiele zu nennen.

Musikalisch gesehen ist Ella Milch-Sheriff einer moderaten Moderne verpflichtet und bewegt sich fast ausschließlich auf einer tonalen Grundlage. Eine Nähe zu Kurt Weill, aber auch Alban Berg und Arnold Schönberg lässt sich nicht verleugnen und ein diskretes Zitat aus Carmen, sowie Tango- und Marschmusik dürfen da auch nicht fehlen. Das Ganze ist aber so gut mit jiddischer Klezmer Musik aufbereitet, das es ein großes Vergnügen bereitet, ihrer Musik zuzuhören. Die Oper wird größtenteils deutsch gesungen, mit kurzen Einsprengsel in Hebräisch (bei der Bestattung des Vaters), Jiddisch (als Wiegenlied), Polnisch und Ukrainisch. In den deutschen Text hat sich leider auch unbemerkt ein schwerer Grammatikfehler (!) eingeschlichen. Es muss in Bild 3 natürlich richtig heißen „Am Freitag, dem (und nicht: den) ersten September“.

Uta Christina Georg gestaltete mit ihrem tiefen Mezzosopran besonders eindringlich die Tochter, in der man unschwer die Komponistin wiedererkennt. Als hartherziger Vater überzeugt Till von Orlowski mit durchdringendem Bariton. Eva Resch sang die Mutter mit etwas herberem Sopran ausgestattet. Einat Aronstein, Lorin Wey, Shira Karmon und Karl Huml wirkten noch als Geisterchor und solistisch als Großmutter, erste Frau, Mädchen B und Frau B, Bruder, russischer Soldat und russischer Offizier, sowie als Herr B., rollengerecht und gesanglich bestens disponiert mit.

Zwei Mitgliedern des jungen Chors der Musikschule Nürnberg, Philipp Pätzold und Carl Schreiber, waren noch die gesanglich und darstellerisch besonders anspruchsvollen Rollen des verstorbenen Sohnes von Baruch, Elias-Lunek,  und dessen Neffen, sowie zweier Geistererscheinung anvertraut, die sie beide mit Bravour meisterten.

Walter Kobéra, viel verdienter musikalischer Leiter und Intendant der Neuen Oper Wien und unumstrittener Experte in Sachen Neuer Musik, leitete sachverständig das mit großem Engagement spielende Orchester des Stadttheaters Fürth.

Wie wohl man es vor kurzem (11.4.2015) so eine therapeutische Sitzung bereits als Grundlage der Inszenierung von „Le Nozze di Figaro“ im Theater an der Wien von Felix Breisach sehen konnte, passt ein solches Konzept, für das sich der Regisseur Bruno Berger-Gorski auch psychotherapeutische Beratung von Christine Egger-Peitler eingeholt hatte, besser zu dem Stoff von „Baruchs Schweigen“, wird doch darin ein Vater-Tochter-Konflikt wie mit einem Skalpell seziert.

Thomas Dörfler stellte einen weißen Guckkasten gleichsam als Therapieraum auf die Bühne, dessen in Quadrate unterteilte Wände umgeklappt werden können. Das offene Fernster gibt den Blick frei auf Haifa, die Geburtsstadt der Komponistin. Die Alltagskostüme des Ensembles wirken etwas uninspiriert und sind der Gegenwart verpflichtet, wobei die bunte Hose der Mutter Erinnerungen an das glamouröse Popzeitalter heraufbeschwört.

Florian Reichart lockerte die szenische Tristesse eines Therapiezimmers gekonnt Videoeinspielungen auf. Sie stellen einen jüdischen Friedhof, eine Landstraße und dann wieder einen dunklen Wald dar. Einmal sieht man auch die Hand der Komponistin einige hebräische Buchstaben aufschreiben. Das Ganze ist dann noch durch die sensible Lichtregie von Sebastian Carol ausgeleuchtet.

Die Oper hinterließ, trotz der aufgezeigten dramaturgischen Schwächen, beim Premierenpublikum einen großen Eindruck und alle Mitwirkenden, sowie das Regieteam und die vor den Vorhang gebetene Komponistin Ella Milch-Sheriff, erhielten verdienten und lang andauernden Beifall, dem sich der Rezensent gerne und überzeigt anschloss.                                                                                    

Harald Lacina, 14.6.15                                                                               

Fotocredits: Thomas Langer

 

 

 

 

 

Langanhaltender Beifall für einen tollen

DON PASQUALE

Gastspiel-Aufführung im Stadttheater Fürth am 17.03.2015         

Premiere am 25.10.2012

Das GP München erfreut mit einer heiteren komischen Oper

Die komische Oper „Don Pasquale“ in der Regie von Brigitte Fassbaender bekommen wir heute im Stadttheater Fürth zu sehen und zu hören. Von der ursprünglichen Besetzung ist praktisch nicht mehr viel übriggeblieben, die Inszenierung kommt nunmehr nach der Premiere am 25. Oktober 2012 und der Wiederaufnahme am 29. März 2014 in Fürth zum 30ten auf die Bühne. In München fast immer ausverkauft, bleibt auch in Fürth bei der heutigen Vorstellung kaum ein Platz frei. Die ehemals weltberühmte Mezzosopranistin Brigitte Fassbaender hat die unterhaltsame Komödie mit viel Gespür für ihre Sänger inszeniert. Man merkt in jedem Augenblick, dass sie selbst viele Jahrzehnte auf der Bühne gestanden war und dadurch natürlich viele Fehler verhindern kann, die sie selbst früher erleben oder auch ertragen musste. Sie will unterhalten, tiefgründige psychologische Deutung ist nicht ihr Ding – und dies ist auch gut so. Ihre Personenführung ist locker und geht nicht in die Tiefe, sie will unterhalten und dies gelingt ihr in jedem Fall.

Das Publikum geht mit, lehnt sich zurück, entspannt und lässt sich von der Musik gefangen nehmen – sicher kein schlechter Ansatz für eine komische Oper. Das mit recht einfachen Mitteln gefertigte Bühnenbild von Bettina Munzer, die auch für die recht unterhaltsamen bunten Kostüme zuständig ist, ist zwar kein großer Wurf, lenkt aber auch nicht von der Handlung und der Musik ab. Ein hoher Raum, ein von der Decke herabschwebender Amor, alles in Blau gehalten und mit einfachen Mitteln erstellt. Und hier kann sich die Geschichte des alten, nach Liebe schmachtenden, im Endeffekt recht tragischen Don Pasquale entwickeln. Dr. Malatesta zieht die Fäden und gaukelt dem armen Don Pasquale, ja manches Mal bekommt man schon Mitleid mit ihm, ein zartes keusches Wesen in Person von Norina vor, die sich unmittelbar nach der Verbindung mit Don Pasquale, jedenfalls glaubt er dies, als verschwenderisches, selbstsüchtiges Persönchen herausstellt. Sie erreicht dadurch, dass Don Pasquale, nur um sie endlich wieder loszuwerden, seinem Neffen Ernesto zu seiner geliebten Norina, die auch ihm von Herzen zugetan ist, verhilft. Am Ende sind (fast) alle zufrieden und Don Pasquale sieht ein, dass die große Liebe nicht in sein kleinkariertes spießbürgerliches Leben hineinpasst und das es besser für ihn ist, wenn er auch weiterhin alleine bleibt.

Das Orchester des Staatstheaters am Gärtnerplatz wird von Oleg Ptashnikov geleitet, und er macht seine Sache ausgesprochen gut. Das Orchester spielt ohne Fehl und Tadel und der Dirigent ist sehr sängerfreundlich, das heißt, er deckt diese nicht mit üppigen Klangwogen zu, sondern lässt die Stimmen erblühen und er erreicht dadurch, dass sie eben durch diese Zurücknahme des Orchesters auch entsprechend zur Geltung kommen können. Der Chor, der von Jörn Hinnerk Andresen gut einstudiert ist, ist stets präsent und wartete insgesamt gesehen mit einer ausgezeichneten Leistung auf.

Der Don Pasquale wird von Noé Colin gegeben und bei ihm schwanke ich in der Beurteilung ein wenig hin und her. Er hat einen schönen noblen weichen, fast zurückhaltenden Bass, dem mir aber für die Rolle die Schwärze und vor allem auch die Wucht fehlen. Darstellerisch bietet er eine überragende Leistung, in jeder Geste, in jeder Mimik verkörpert er die tragisch komische Gestalt des Don Pasquale ungeheuer glaubwürdig. Er beherrscht, wann immer er auftritt, die Bühne und ist stets präsent. So gesehen sicher eine sehr gute Leistung, die vom Publikum teilweise auch am Ende mit frenetischem Beifall gewürdigt wird. Vittorio Prato bringt den verschlagenen gewitzten Dr. Malatesta auf die Bühne und er macht dies stimmlich und darstellerisch ausgezeichnet. Sein voller runder Bariton weiß sich durchzusetzen und die Szene mit zu beherrschen. Er bringt auch dieses Wechselspiel zwischen Freundschaft und Verschlagenheit auf den Punkt. Als Norina weiß Anna Virovlansky zu überzeugen. Ihr klarer, sauberer in allen Lagen gut geführter Sopran gefällt ebenso wie ihr Spiel, vor allem der Wechsel von der schüchternen, zurückhaltenden, frommen und sparsamen sowie strebsamen jungen Frau hin zur verschwenderischen und alle Dinge des Lebens bis zur Neige auskostenden Lebedame ist exzellent gelungen. Auch hier ein Publikum, welches nicht mit dem entsprechenden Beifall geizt. Als Ihr Geliebter Ernesto kann man Jesús Àlvarez mit klangvollem, hellen, hohen und tonschönem Tenor erleben, eine schöne Leistung, wenn er mir auch ab und zu einmal mir etwas gebremstem Schaum auftritt. Christa Schneider passt sich mit einer guten Leistung als ein Notar dem insgesamt überzeugenden Ensemble an. Entspannt geht man aus der Oper nach Hause, man hat ein paar Stunden den Alltagssorgen entfliehen können und sich entspannt köstlich unterhalten - und das ist schon sehr viel.

Manfred Drescher, 26.03.2015  

Fotos: Eigenaufnahme MDr / Thomas Dashuber

 

DIE VERKAUFTE BRAUT

Begeistertes Publikum erfreut sich an Smetana

Aufführung im Stadttheater Fürth am 08.11.2014 

Gastspiel Tschechische Oper Prag

Die musikalischen Aufführungen beginnen in Fürth mit Bedrichs (Friedrich) Smetanas „Die verkaufte Braut“ und das wunderschöne Stadttheater Fürth hat wieder „aufgerüstet“. Die teilweise schon unschön knarrenden Sitze sind alle ausgetauscht worden und man kann sich richtig gemütlich zurücksinken lassen und auf die herrliche Musik Smetanas warten. Seine Oper „Die verkaufte Braut“ wurde in Prag, im Jahr 1868 aufgeführt, ging um die ganze Welt und gilt praktisch als die tschechische Nationaloper. Daneben geht etwas unter, dass Smetana noch sechs weitere Opern nach seinem Welterfolg geschrieben hat, insgesamt 8 Stücke, die für ihn musikalisch teilweise vor der „Verkauften Braut“ standen, aber ihr Bekanntheitsgrad tendiert auf 0 zu. Smetana ging in die Opernwelt praktisch nur mit dem einen Werk, seiner „Verkauften Braut“ ein. Erst acht Jahre nach seinem Tod eroberte die Oper dann von Wien aus die ganze Welt und ist heute aus dem Spielplan der großen Häuser nicht wegzudenken.

Heute wird die „Nationaloper“ von der tschechischen Oper Prag in Ko-Produktion mit dem Opernhaus F.S. Saldy Liberec aufgeführt. Das Ganze in tschechischer Originalsprache mit deutschen Übertiteln, damit natürlich authentisch. Und dies ist ein (ganz) kleines Manko. Die tschechische Sprache wirkt auf uns sehr hart, sehr trocken, dadurch verliert die herrliche Musik ein ganz kleines bisschen. Das Orchester wird von Frantisek Babický geleitet. Und dies ist schon einer der ersten großen Pluspunkte. Die Musik Smetanas ist flott, leidenschaftlich, das Tempo enorm und hier gehört eine leitende Hand hin, die sowohl kräftig und gewaltig das Orchester erbeben lässt, aber es gleichzeitig dort zurücknimmt, wo den Sängern der Raum eingeräumt werden muss um entsprechend zu brillieren. Und Babický gelingt es gekonnt, die leidenschaftlichen Klänge, alles überwogend und gewaltig daher donnernd zu bändigen und gleichzeitig dieses fulminante Orchester zurückzunehmen und entsprechend sängerfreundlich agieren zu lassen. Die leidenschaftliche Musik Smetanas holt immer dann ein bisschen Luft, wenn es die Sänger mit ihren Arien und Duetten umschmeichelt. Die Inszenierung von Vaclav Veznik ist zurückhaltend, der damaligen Zeit entsprechend, unauffällig aber gleichzeitig beeindruckend. Farbenfroh und bunt, einfach und dennoch einfach gefällig das Bühnenbild von Jan Vancura, welches von den farbenprächtigen Kostümen von Lidmila Svarcova eindrucksvoll unterstrichen wird. Einen großen Einfluss auf das Gelingen dieser Oper haben auch der Chor und die Tanzdarbietungen, die einen großen Teil der Oper einnehmen, in kaum einer anderen Oper hat man es mit mehr Tänzen zu tun wie hier. Und hier kann man Rudolf Karhanek als Choreographen und Martin Veselý als Chorleiter nur eine ausgezeichnete Arbeit attestieren. Ein buntes farbenprächtiges Bild läuft in den 2 ½ Stunden, die viel zu rasch vergehen, vor dem begeisterten Publikum ab, und dies nicht nur in den Zirkusszenen, welches nicht mit Szenenapplaus aber vor allem nicht mit einem großen langanhaltenden Schlussapplaus zeigt, wie sehr ihr diese Aufführung gefallen hat. Die ganze Aufführung ist leicht und locker dargeboten und macht deshalb besonders Spaß.

Der Inhalt der „Die verkaufte Braut“ dürfte jedem Musikliebhaber hinlänglich bekannt sein, so dass ich es mir erlauben kann, sie nur in ein paar ganz kurzen und wenigen Sequenzen aufzuzeigen. Die Geschichte der beiden Brüder Hans und Wenzel, die getrennt wurden und erst später zusammenfinden bzw. erkennen, dass sie Brüder sind. Die Liebe von Hans zu Marie, der Tochter des Bauern Kruschina und der Verkauf seiner Braut an den schlitzohrigen Heiratsvermittler Kezal. Dieser weiß natürlich nicht, dass Hans als auch Wenzel die Söhne des Grundbesitzers Micha sind – und der so von Hans aufs Kreuz gelegt wird und sich am Ende alles zum Guten wendet, dürfte jeder Opernfreund kennen. Deshalb nun gleich zu den Hauptakteuren, den Sängerdarstellern in der Oper.

Und hier möchte ich gleich mit einer vollkommen rollendeckenden Darstellung beginnen. Pavel Vancura gibt den verschlagenen, bauernschlauen, alle Feinheiten kennenden und am Ende doch betrogenen Heiratsvermittler Kezal. Und er identifiziert sich vollkommen mit der Rolle. Sowohl vom darstellerischen als auch vom gesanglichen kann er vollstens überzeugen. Sein kräftiger profunder Bass, der leicht anspricht und in jeder Lage den Raum füllt überzeugt, exzellent auch im Duett mit Hans, eine mehr als rollendeckende ausgezeichnete Leistung. Rollendeckend und das heißt eine gute Leistung von Jaroslav Patocka als Grundbesitzer Micha und Blanka Cerna als Agnes seine Frau. Ihre beiden Söhne sind jeder auf seine Art nicht nur rollendeckend sondern ausgezeichnet besetzt. Da ist einmal Martin Srejma als Hans, Michas Sohn aus erster Ehe. Mit schönem vollem und weichem Tenor, der auch in den Spitzentönen keine Probleme zu fürchten braucht, kann er brillieren und das Publikum für sich einnehmen, ebenso wie Milos Guth als etwas zurückgebliebener aber dennoch liebenswerter Sohn Wenzel, der aus seiner Rolle ein Paradestückchen macht. Sein heller, leicht ansprechender Tenor ist jeder Situation gewachsen und seine darstellerischen Qualitäten sind ausgezeichnet. Seine Darstellung ist besonders herauszuheben, weil gerade in dieser Rolle die Gefahr nahe liegt zu überzeichnen und ins Lächerliche abzurutschen. Dies ist bei Srejma in keiner Sekunde zu verspüren, er macht die Rolle des Wenzels mit zu einer tragenden Hauptrolle und Wenzel selbst zu einer tragisch-komischen Figur, dem jedoch die Zuneigung des Publikums sicher ist.

Ebenfalls rollendeckend Jiri Kubik als Bauer Kruschina und Gabriela Kopperova als seine Frau Ludmilla. Sie füllen ihre Rollen ohne Probleme aus. Ihre Tochter Marie wird von Vera Polachova verkörpert. Ihr zarter, dennoch durchschlagkräftiger Sopran weiß für sich einzunehmen, auch vom darstellerischen und optischen ist sie eine mehr als gute Verkörperung der umworbenen Bauerntochter. Der Zirkusdirektor wird bemüht von Jiri David verkörpert. Über seinen Gesang möchte ich den Mantel des Schweigens breiten, die Reste seiner Stimme entziehen sich einer entsprechenden Kritik. Darstellerisch ist er sehr bemüht, diese kleine, aber mit Sicherheit wichtige Rolle auszufüllen. Die Tänzerin Esmeralda wird von Michaela Katrakova liebenswert verkörpert. Mit sicherem leuchtendem Sopran und einem überzeugendem Spiel kann sie für sich einnehmen. Anatolij Orel vervollständigt als in keinster abfallender, sondern ebenfalls rollendeckender Weise als Indianer.

Insgesamt eine flotte, gesanglich, darstellerisch und von der Inszenierung her für sich einnehmende Inszenierung, die vom Publikum mit langandauerndem Applaus verabschiedet wurde.

 

Manfred Drescher 20.11.2014                                 Bilder von Petr Zbranek

 

 

GASPARONE

Gastspiel der Staatsoperette Dreden; Besuchte Vorstellung 03.07.2014

Premiere 26.12.2012  in  Dresden

Die Staatsoperette begeisterte in Fürth mit der Räubermär „Gasparone“

Schön, dass ich wieder einmal in das wunderschöne Stadttheater nach Fürth fahren konnte, denn es stand „Gasparone“ von Carl Millöcker auf dem Spielplan. Diese Operette enthält eine Fülle herrlicher Melodien, und es ist nicht ganz nachvollziehbar, warum sie an den Bühnen so stiefmütterlich behandelt wird. Die Aufführung der Staatsoperette Dresden jedenfalls belegt eindrucksvoll, dass es ein Fehler ist, sie so selten aufzuführen. Schwungvoll und schmissig wird hier musiziert und gespielt. Die Inszenierung von Matthias Oldag ist ausgezeichnet, bringt italienisches Flair nach Franken und ist wunderschön konventionell angelegt. Er versteht es Witz und Schwung in die grausliche Räuberpistole zu bringen und die herrlich bunten, ausladenden und einfach schön anzusehenden Kostüme von Barbara Blaschke tun ein übriges um gute Laune nicht nur auf der Bühne herbeizuzaubern sondern auch im Zuschauerraum. Der Chor, der stets präsent ist und mit viel Beifall bedacht wird, ist von Thomas Runge stimmig eingestellt worden – und er macht seine Sache ausgezeichnet.  Dem Orchester der Staatsoperette ist unter der immer präsenten Leitung von Christian Garbosnik anzumerken, dass es an der einfühlsamen Musik von Carl Millöcker Gefallen gefunden hat. Garbosnik führt das Orchester mit harter, aber dennoch zarter und zurückhaltender Hand. Er lässt auch den Sängern die Freiräume, die sie brauchen, um entsprechende Leistung auf die Bühne zu bringen. 

Wie schon einmal betont, versucht man – mit Erfolg – die italienische Lebensart auf die Bühne zu stellen und man fühlt sich zuweilen in die sizilianische Welt hineinversetzt. Die schmissige Musik von Millöcker tut ein Übriges und heizt die Stimmung auf der Bühne richtig ein. Die teilweise etwas verworrene Handlung will ich hier nicht erörtern, denn sie dient ja in erster Linie auch nur dazu, um die teilweise wunderschönen Melodien miteinander zu verbinden. Deshalb gleich zu den – und ich nehme es schon einmal vorweg - sehr guten Leistungen der Solisten. 

Beeindruckend mit schöner, klarer, reiner Stimme, die auch in den Höhen keine Ermüdungserscheinungen zeigt und warm und ausdrucksvoll ist, die Charlotta von Jana Büchner, eine runde Leistung. Christian Grygas ist Conte Erminio und ich muss bekennen, dass ich mir in dieser Partie einfach lieber einen strahlenden Tenor gewünscht hätte. So viele schöne Arien und Duette, in welchen man glänzen kann. Der vollmundige, klare, runde und gefällige Bariton von Grygas konnte jedoch auch beeindrucken und er machte seine Sache sehr gut. Vor allem hatte er auch ein Auftreten, welches nicht nur Charlotta, sondern auch die anwesenden Damen im Publikum dahinschmelzen ließ. Seine dunkelroten Rosen hätte sich manche von ihm überreicht gewünscht. Als Nasoni, dem es partout nicht gelingen will, den verruchten Räuberhauptmann Gasparone, den es, wie der geschätzte Operettenkenner weiß ja gar nicht gibt, gelingt Frank Blees mehr als eine Rollendeckung auf die Bühne zu stellen. Ja, dies ist sein Metier, hier kann er glänzen und hier setzt er mit seinem profunden Bariton, der auch zu Basstönen fähig ist, eine Marke, die man erst einmal übertreffen muss. Auch darstellerisch kann er voll überzeugen, wie übrigens auch Jana Büchner und Christian Grygas. Sehr gut auch Inka Lange als Zenobia, der Vertrauten der Gräfin Charlotta. „Es gibt ja keine Männer mehr“ bringt sie gekonnt und ausdruckstark auf die Bühne und fast könnte man ihr diese Worte glauben, aber Gott sei Dank sind sie nur ein ausdrucksstarker Operettentitel. Temperamentvoll, voller stimmlichem Feuer, aber auch mit einer darstellerischer exzellenten Leistung Frank Ernst als Benozzo, dem Wirt und Chef der Schmugglerband und Jeannette Oswald als seine Frau Sora. Jeanette Oswald ist eine quirlige, flinke und gefällige Soubrette, die auch koloratursicher und stimmschön ihren Part abliefert. Frank Ernst hat einen ausdrucksstarken, sehr hellen Tenor, der gut zu seiner Rolle passt und der zusammen mit seiner Sora das Publikum zu Lach- aber auch zu Beifallsstürmen hinreißt. Als etwas zurückgebliebenen tollpatschigen, von Beruf Sohn spielenden Sindulfo, dem Sohn Nasonis kann sich Jannik Harneit in Szene setzen. Das Publikum erfreut sich an dem Gezeigten, vor allem aber auch am Gehörten. Und wieder einmal verlassen sie mit einem Lächeln auf dem Gesicht das Theater. Und wie schon öfter kann ich auch hier nur wiederholen, dass dies das Schönste ist, was eine Operette dem Zuschauer bieten kann. Das sich hineinfallen lassen in den Zauber, der hier auf der Bühne abgeht, einen Zauber, der die Alltagssorgen vergessen lässt und uns ein paar unbeschwerte und fröhliche Stunden schenkt. Und davon kann man eigentlich nie genug bekommen.  

Insgesamt also eine stimmige Aufführung, die einen die nächste Operette erwarten lässt und dies auch mit einer großen Freude verbunden. Und solange es solche Aufführungen, solche Sänger und ein so toll mitgehendes Publikum gibt, ist es mir um die Zukunft der Gattung „Operette“ nicht bange. Und gerade für die Staatsoperette Dresden freut es mich, dass hier in Kürze eine neue Spielstätte eröffnet wird, eine Novität, gerade in Bezug auf die vielgescholtene, aber von uns heißgeliebte Operette. 

Manfred Drescher 24.07.14                           Bilder  Kai-Uwe Schulte-Bunert

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Ein Märchen für alle Sinne / Gastspiel des des Theaters Ulm

HÄNSEL & GRETEL

Aufführung 18.02.2014                  (Premiere 07.11.13)

Zauber und Märchen, in Fürth gab es keine gespaltene Meinung

Mein Kollege Ludwig Steinbach war in der Premiere von „Hänsel und Gretel“ in Ulm und hatte als Fazit in seiner Rezension angemerkt, dass es eine gelungene Oper für die ganze Familie gewesen und ein Besuch dieser Aufführung aus diesem Grund durchaus zu empfehlen sei. Das Märchen – auch für Kinder - aus Ulm machte nun Station in Fürth und ich war sehr gespannt, wie das Publikum im fränkischen Fürth reagiert. Auf der einen Seite war die Gesangsbesetzung eine teilweise total andere als in Ulm, zum anderen reizte es mich zu sehen und zu hören, ob die teilweise konträren Kritiken der Aufführung in Ulm zutreffen würden. Und zum anderen freue ich mich natürlich immer wieder, wenn ich das wunderschöne Fürther Theater besuchen darf.

Im Gegensatz zur Premiere in Ulm waren in Fürth relativ viele Kinder ins ausverkaufte Haus mitgekommen und auch ihnen hat es sehr gut gefallen. Man konnte dies in den Pausengesprächen und an den aufgeregten roten Bäckchen ablesen. Für einige – noch sehr kleine Kinder – war natürlich die „Hexenverbrennung“ ein bisschen problematisch und man kann nur hoffen, dass die Eltern sich mit ihren Sprösslingen nach der Aufführung ausführlich darüber unterhalten und auseinandergesetzt haben. Das Bühnenbild von Mona Hapke verstand es vorzüglich neuzeitliches mit märchenhaftem traditionellem zu verbinden um damit eine gelungene Synopse beider zu erhalten. Gelungen auch die Inszenierung von Benjamin Künzel, der versuchte fast jeden Bereich zu bedienen und so auf den Publikumsgeschmack in all seinen Facetten einging, dort natürlich nur, wo es möglich war.

Einen umfassenden und äußerst zutreffenden Abriss zur Handlung und den auch sozialkritischen Aspekten hat mein Kollege Steinbach ausgezeichnet bei seinem Premierenbericht gegeben. Dies zu wiederholen wäre unsinnig, sein Bericht ist unter Ulm abzurufen und auf jeden Fall sehr empfehlenswert. Ich möchte auf jeden Fall vor allem auf die musikalische Seite der Märchenoper eingehen, da sie sich ja, wie ich bereits erwähnte, von der Premierenbesetzung zum Teil erheblich unterschied.

Das Philharmonische Orchester der Stadt Ulm ist an diesem Tag hervorragend aufgelegt und wird von Daniel Montané, der für das Theater Ulm ein wahrhafter Glücksfall zu sein scheint, mit leidenschaftlichem Atem geleitet. Er bringt die wunderschöne Musik Humperdincks zum Erblühen, romantisch, weich, zart, trotzdem auch straff und lodernd, wo es erforderlich ist. Die Musik ist auch das große Plus der gesamten Märchenoper mit warmen, an die Herzen gehenden einschmeichelnden Melodien, die jedoch, wenn es nötig wird auch großer sinfonischer Klangesfülle werden können. In einem Märchen wird auch gezaubert, diese Musik verzaubert in jedem Fall. Erwähnt sei auch der von Hendrik Haas eindrucksvoll einstudierte Opernchor des Stadttheaters Ulm, der seine Sache ausgezeichnet machte. Bei den Sängern, denen man praktisch allen die Freude ansah, in einer einmal etwas anderen Oper aufzutreten, gab es praktisch keinen einzigen Ausfall. Von der Premierenbesetzung blieb einmal Hans-Günther Dotzauer als Hexe. Er hatte das Publikum auf seiner Seite und bot einen schauspielerisch sicherlich über dem Durchschnitt liegenden Part. Fast eine Stunde muss der Arme vor der Aufführung in die Maske und über eine halbe Stunde dauert das Abschminken. Doch jede Minute lohnt den Aufwand, so grausig, verschlagen sieht man selten so eine Hexe. Stimmlich fehlen ihm mitunter die leidenschaftlichen Ausbrüche, dennoch kann er mit seinem ansprechenden Tenor auch hier überzeugen. Genauso überzeugen wie Maria Rosendorfsky als müllmannspielendes Sand- und Taumännchen. Über die Kostümierung kann man sicherlich lange streiten und diskutieren, über ihren sauberen, hellen und zarten, aber dennoch durchdringenden Sopran gibt es jedoch keine Einschränkungen anzubringen, hier kann sie voll überzeugen. Der Besenbinder war auch in Fürth Tomasz Kaluzny, der mit durchschlagskräftigem, stimmschönem Bariton aufhorchen ließ und in Eleonora Halbert eine adäquate Partnerin hatte. Die beiden Rollen sind ja nicht sehr groß, müssen aber auch entsprechend angelegt sein und dies waren sie an diesem Abend. Katarzyna Jagiello konnte als liebreizende Gretel voll überzeugen. Ihr leuchtender, frischer, jugendlicher erblühender Sopran passte hervorragend in die Rolle und auch an der schauspielerischen Gestaltung gab es nichts auszusetzen. Zu Recht wurde sie mit viel Applaus bedacht. Ein ebensolcher Applaus für ihren Hänsel, der von Frauke Willimczik (die in der Premiere die Mutter sang) rollendeckend verkörpert wurde. Ihr kräftiger Mezzo verband sich in idealer Weise mit dem Sopran ihrer Gretel. Beide boten auch eine überaus sympathische Verkörperung ihrer Rollen.  

Die Aufführung in Fürth hat beeindruckt, die Musik Humperdincks tut es ohnehin. Ich habe kaum eine kritische Stimme beim Nachhausgehen gehört. Eine Oper der etwas anderen Art, die man ab und zu mit immer größerer Lust wieder hört und sieht. Der Abend war gelungen, das Publikum war zufrieden – und das ist schon mehr als man heutzutage über manche Opernaufführung sagen kann.

Manfred Drescher, 16.03.2014  

Fotos 1 und 2  = Martin Kaufhold, 3 = Eigenaufnahme

 

 

 

DIE ZIRKUSPRINZESSIN

29.12.2013                 

(Premiere Tourneetheater Herbst 2013)

Leise zieht das Glück vorüber – hält aber im Stadttheater Fürth inne

Die Operettenbühne Wien unter Heinz Hellberg bringt mit „Der Zirkusprinzessin“ die Manage ins Stadttheater Fürth. In diesem Sommer gastiert die Wiener Operettenbühne, die von Heinz Hellberg souverän und mit viel Gespür für den Publikumsgeschmack geführt wird, in Wunsiedel. In diesem Jahr kommt bei mir Bad Ischl dazwischen, deswegen war ich sehr erfreut, die Aufführung im wunderschönen neubarocken Theater in Fürth erleben zu dürfen. Und um es vorwegzunehmen, es war wieder ein Erlebnis. Heinz Hellberg weiß, wie man Operette inszeniert und wie man damit dann auch sein Publikum begeistert. Er will sich nicht selbst verwirklichen mit Inszenierungen, bei denen man keine Handlung mehr nachvollziehen kann, sondern er will nur eins, unterhalten. Und das gelingt ihm seit vielen Jahren immer wieder ausgezeichnet, so auch heute in Fürth. Er hat eine Reihe neuer Sänger um sich geschart, die auch wieder frischen Wind in die Aufführungen bringen und er hat mit seiner Frau, Susanne Hellberg (früher Susanne Fugger) ein Vollbluttheaterpferd an seiner Seite. Ich bitte Sie auch gleich um Verzeihung für die despektierliche Anrede, aber sie lebt die Operette und das spürt man bei jeder Note von ihr und bei jedem Tanzschritt. Man merkt ganz einfach, dass Sie das Theater liebt – und das Publikum liebt sie. Aber erst einmal schön der Reihe nach.

Regie führt Heinz Hellberg, der auch für die Bühnenfassung der leider nur sehr selten gespielten Operette von 1926 zuständig ist. Wunderschön anzusehen auch die farbigen und farbenfrohen Kostüme von Lucya Kerschbaumer und die Choreographie von Enrico Juriano kann ebenfalls voll überzeugen. Die Handlung ist mit ein paar Worten umrissen. Mister X (Thomas Markus) ist der Neffe des russischen Fürsten Palinsky. Er hatte sich unsterblich in Fedora (Judit Bellai) verliebt, die jedoch seinen Onkel geheiratet hat und er musste das zuhause verlassen. Voll Gram tritt er seitdem mit einer schwarzen Maske als Zirkusreiter Mister X auf, dessen Todessprung die Menge jeden Tag begeistert, seinen Seelenfrieden findet er jedoch nicht. In diesem Zirkus trifft er wieder auf Fedora, inzwischen die Witwe seines Onkels. Die alte Liebe flammt bei ihm wieder auf, er gibt sich jedoch nicht zu erkennen. Fedora hat inzwischen dem russischen Prinzen Vladimir (Viktor Schilkowsky) wiederholt einen Korb gegeben und ihm höhnisch zugerufen, dass sie eher einen Zirkusreiter als ihn heiraten würde. Der in seiner Ehre tief verletzte Prinz will sich rächen. Er engagiert Mister X, in den sich (ohne Maske) Fedora unsterblich verliebt und schließlich in der Manege heiratet. Nach der Hochzeit lüftet der Prinz das Geheimnis von Mister X, der sich nun aber auch als Fürst Pedja Palinsky zu erkennen gibt. Fedora, zutiefst enttäuscht ob der Intrige, will aber nun von ihm auch als Fürst nichts mehr wissen und er verlässt sie tief gekränkt und wütend. Doch wir befinden uns in einer Operette, man trifft sich in Wien wieder, versöhnt sich und einem Happy End steht nichts mehr entgegen. Selbstverständlich, und auch das ist typisch für die Operette gibt es noch ein zweites sogenanntes Buffopaar, welches für die überwiegend heiteren Seiten des Lebens zuständig ist. Der leichtlebige Hotelerbe Toni Schlumberger (Michael Weiland) wird von Prinz Vladimir für den Sohn seines Freundes Erzherzog Karl gehalten (dabei ist er nur der Sohn der Besitzerin des Hotels Erzherzog Karl (Sylvia Denk) und verliebt sich in die vermeidliche amerikanische Zirkusreiterin Miss Mabel (Susanne Hellberg), die in Wahrheit auch eine echte Wienerin ist. Beide heiraten gleich mit Fedora und Mister X in der Zirkusmanege. Nach einigen Kämpfen mit Mutter Schlumberger und der Hilfe des liebenswerten Oberkellners Pelikan (Peter Erdelyi) gibt es auch hier ein Happy End, Alle sind zufrieden, nur der Prinz Sergius bleibt allein zurück.

Das Orchester spielt sicher und souverän und ist überwiegend ein kongenialer Begleiter der Sängerdarsteller. Heinz Hellberg führt es mit lockerer, aber teilweise auch etwas härterer Hand, lässt aber seinen Sängern überwiegend den notwendigen Spielraum und lässt nicht die Orchesterwogen über ihnen zusammenschlagen.

Gesungen und gespielt wird größtenteils ausgezeichnet. An der Spitze Thomas Markus als Mister X, dessen Tenor kräftig, durchschlagsfähig, aber auch sanft und gefühlvoll ist. Er hat mit den hohen Tönen keinerlei Probleme und seine „Zwei Märchenaugen“ geben zu spontanem Beifall Anlass. Judit Bellai als Fürstin Fedora ist ihm eine fast ebenbürtige Partnerin. Vor allem in den Duetten kann sie bravourös bestehen. In ihren Solis ist sie mir manchmal etwas zu steif und unnahbar.

Über das Buffopaar gibt es kaum etwas zu klagen. Susanne Hellberg, gewohnt souverän, witzig und gut gelaunt und ebenso gut bei Stimme, ist eine voll und ganz überzeugende Zirkusreiterin Mabel aus Wien und Michael Weiland gibt als Toni Schlumberger eine gute tänzerische Leistung und kann auch mit seinem Spiel voll überzeugen, sympathisch und engagiert. Stimmlich ist er mir an diesem Abend etwas zu zurückhaltend, fast könnte man sagen „gebremster Schaum“. Zusammen geben aber beide eine rollendeckende Vorstellung.

Viktor Schilowsky gibt mit warmen, einfühlsamen Bariton eine überzeugende Darstellung des am Ende unglücklichen Prinz Sergius ab und Teresa Honzek als Piccolo Maxl sowie Mario Penev als Pinelli ergänzen die Riege der Sängerdarsteller ohne im geringsten abzufallen. Besonders erwähnen möchte ich noch Peter Erdelyi als Oberkellner Pelikan, der aus dieser Rolle alles herausholt und darstellerisch seine Pointen exzellent zu setzen versteht. Ihm ebenbürtig die resolute Sylvia Denk als Clara Schlumberger, die Besitzerin des Hotels „Erzherzog Karl“. Beide haben das Theaterblut verinnerlicht und bringen das Publikum mehr als einmal zum herzhaften Lachen.

Ich muss zugeben, dass ich sehr zufrieden, heiter und die „Zwei Märchenaugen“ vor mich hin pfeifend das Theater verließ. Was kann man von einem Operettenabend mehr verlangen, den man als voll gelungen bezeichnen kann. Ich freue mich schon auf die nächste Ausführung der Wiener Operettenbühne, die dann mit „Das Dreimäderlhaus“ und „Maske in Blau“ gastieren. Ich werde auf jeden Fall wieder als Besucher dabei sein.

Manfred Drescher, 30.01.2014           Fotos Theater Fürth / Claudius Schuttee

 

 

 

 

Eine Aufführung von „Rigoletto“ im schönen Stadttheater Fürth / Gastspiel des Theaters Meiningen

RIGOLETTO

21.12.2013 (Premiere in Meiningen am 18.10.13)

Oft gehört und wieder einmal beeindruckend dargeboten

Vor wenigen Wochen war ich in einer aufsehenerregenden Aufführung von „Il Puritani“ in Meiningen und die gleichen Sänger gaben nun „Rigoletto“. Im Juni wollte ich mit meinen Freunden nach Meiningen, um ihn mir anzuhören, aber da das Südthüringische Staatstheater Meiningen im Dezember mit „Rigoletto“ in Fürth gastierte, musste ich natürlich unbedingt dort hin, zu groß war die Vorfreude auf die musikalischen Genüsse. Das Stadttheater Fürth, mitten in der Innenstadt gelegen, wurde in den Jahren 1901 und 1902 im neubarocken Stil erbaut. Die Inneneinrichtung folgt dem Stil des Neurokoko und ich muss zugeben, dass ich dieses kleine, aber wunderschöne Theater liebe. Die Fassaden schmücken sechs Repräsentanten aus dem Bereich der Musik und des Schauspiels in Form von Bildnismedaillons oder Büsten über den Fenstern. Das Theatergebäude ist zu einem Denkmal der deutschen Sprach- und Musikkunst geworden. Die Atmosphäre ist einfach einzigartig, dies kann man auch von der Akustik sagen. Leider sind im Stadttheater Fürth nur musikalische Gastspiele zu hören und zu sehen, da das Haus selbst kein eigenes Musikensemble beschäftigt. Seit 1990 leitet Werner Müller als Intendant das Stadttheater und entwickelte das sogenannte Drei-Stufen-Modell, welches das Theater vom Gastspielbetrieb über Koproduktionen bis hin zu regelmäßigen Eigenproduktionen führte. Pro Jahr werden ca. 250 Vorstellungen in den Spielstätten des Stadttheaters für weit über 100.000 Zuschauer realisiert. Es lohnt mit Sicherheit einen Besuch, wozu ich nur herzlich auffordern kann.

Gekommen war ich um Dae-Hee Shin als Rigoletto zu erleben und mich vor allem von der wunderbaren Elif Ayetkin als Gilda und dem exzellenten Tenor Xu Chang als Herzog verzaubern zu lassen. Ich wollte einfach nur das Traumerlebnis der „Puritaner“ in „Rigoletto“ wiederauferstehen lassen. Mit diesen hohen Erwartungen fuhr ich nach Fürth und war - jedenfalls am Anfang - maßlos enttäuscht. Aus gesundheitlichen Gründen hatte Elif Aytekin absagen müssen und auch der von mir hochverehrte Xu Chang sang nicht an diesem Abend, sondern die zweite Besetzung Rodrigo Porras Garulo übernahm den Part des Herzogs. Diesen hatte ich in relativ schlechter Erinnerung aus der schwachen Darbietung des Edwin aus der Aufführung der „Csárdásfürstin“ in Meiningen. Ich konnte mich nur dadurch trösten, dass ich wusste, dass ich im Juni „Rigoletto“ wieder in Meiningen erleben würde – und dann hoffentlich in der „richtigen Besetzung“. Ja, es ist schon schön, wenn man voreingenommen ist, genauso schön ist es aber auch, wenn man dies einsieht und insgesamt eine ausgezeichnete Aufführung des „Rigoletto“ erleben durfte. Doch alles der Reihe nach.

Wollen wir erst einmal über die Inszenierung von Ansgar Haag den Mantel des Vergessens breiten. Er verlegt die Handlung nach Sizilien, in das Jahr 1962, er lässt Rigoletto bei einem Unfall einen Arm verlieren und der Arme hat nun keinen Buckel, muss sich aber mit einem kaschierten Arm herumschlagen. Für mich ergibt das Ganze keinen Sinn, weil nichts stimmig ist. Ein ausschweifender Weiberheld in den 70er Jahren ist nicht unbedingt wahrscheinlich, ein einziges Bühnenbild und ein kleiner Container, der einmal als Wohnung von Gilda dient, einmal als Schlafzimmer des Frauenverführers und einmal als Kneipe Sparafuciles reißt mich nicht vom Hocker. Dieses Einheitsbühnenbild von Kerstin Jakobssen passt vielleicht noch in den 3. Akt, in die Spelunke, aber mit Sicherheit nicht in den Palast des draufgängerischen Herzogs. Ach, wie schön wäre es, wenn nicht die Selbstverwirklichung manch abstruser Ideen im Vordergrund stehen würde, sondern die stimmige inszenatorische Begleitung einer herrlichen Musik – und auch einer tollen Handlung im Original. Sei es, wie es sei, Gott sei Dank hat Meiningen Sänger, die auch in Fürth alles aus dem Feuer reißen.

Generalmusikdirektor Philippe Bach hat, wie so oft, auch wieder einen ausgezeichneten Tag und es gelingt ihm mit straffer, aber gleichzeitig einfühlsamer Hand aus der Meininger Hofkapelle alles aus der zündenden Musik von Verdi herauszulocken. Und noch etwas gelingt dem gut aufgelegten Orchester, dass es nämlich die Stimmen der Protagonisten nicht mit riesigen Klangwogen zudeckt. Insgesamt eine ausgezeichnete Leistung des Orchesters und seines Dirigenten.

Beginnen wir mit dem einzigen aus der sensationellen Aufführung von „Il Puritani“ verbliebenen Sänger und zwar dem – trotz seines einbandagierten Armes – kraftvoll, ausdrucksstark, heldenbaritonal singenden Dae-Hee Shin. Er hat einen langen Atem, eine durchschlagskräftige Höhe, aber auch die Möglichkeit zarte lyrische Passagen über die Rampe zu bringen. Ihm, der ja zu einer der Säulen in Meiningen gehört, gebührte zu Recht langanhaltender Beifall. Als Gilda war Gaseul Son für die erkrankte Elif Aytekin eingesprungen und sie war mehr als eine Einspringerin. Zerbrechlich und zierlich stand sie auf der Bühne, umso erstaunlicher wie sie von zarten berührenden lyrischen Passagen bis zu dramatischer Gestaltungskraft auftrumpfen konnte. Der Herzog wurde von Rodrigo Porras Garulo verkörpert – und er verkörperte ihn exzellent. Schon vom Erscheinungsbild der „geborene Verführer“ wartete er auch mit einem schmetternden Tenor auf, sowohl in den lyrischen Teilen, aber noch mehr im auftrumpfenden Forte mit glasklar gesetzten Spitzentönen konnte er voll überzeugen. Den Halsabschneider Sparafucile gab Ernst Garstenauer mit raumfüllender Bassorgel. Seine Schwester Maddalena wurde von Carolina Krogius verführerisch in Szene gesetzt, ihre körperlichen Reize bewusst ausspielend, konnte sie auch mit ihrer angenehmen dunkelgefärbten Altstimme überzeugen. Stephanos Tsirakoglou als Monterone, Kuksung Han als Ceprano, Camila Ribero-Souza als seine Frau, Marian Krejcik als Marullo, Stan Meus als Borsa, Ute Dähne als Giovanna und Dimitar Sterev als Kommissar vervollständigten das eindrucksvolle Ensemble, bei welchem kein Ausfall zu verzeichnen war.

Ich muss zugeben, dass ich trotz der hervorragenden Vorstellung gespannt bin auf den Juni, wenn ich in Meiningen die Alternativbesetzung erleben werde. Dieser „Rigoletto“ in dem wunderschönen Fürther Theater jedoch konnte mich bereits schon voll überzeugen.

Manfred Drescher, 14.01.2014  

Fotos 1+2 = foto-ed Meiningen, 3 = Eigenaufnahme

 

 

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