Freiburg: „Marnie“, Nico Muhli

Zuerst gab es 1962 den Roman „Marnie“ von Winston Graham, dann 1964 kam der Film von Alfred Hitchcock und zu guter Letzt 2017 diese Oper von Nico Muhli, eine Auftragsarbeit für die Metropolitan Opera New York – eine interessante Entstehungsgeschichte. Am Theater Freiburg kargte der regieführende Intendat Peter Carp nicht mit Personal. Der Aufmarsch der Solisten, zwanzig an der Zahl, sowie der Opern- und Extrachor des Theater Freiburg und die Statisterie des Hauses waren bemerkenswert. Die Präzision und Logistik der Massenauftritte war beeindruckend. Es war klar zu sehen: Carp ist ein Regisseur, welcher sein Handwerk von Grund auf beherrscht.

© Britt Schilling

Dasselbe gilt für den musikalischen Leiter André de Ridder, GMD des Theaters und des Philharmonischen Orchesters Freiburg. Sein Einfühlungsvermögen in die Wichtigkeit der kleinen musikalischen Cluster, in die psychologische Situation der Solistinnen auf der Bühne war imposant. De Ridders Stabführung ist makellos, er hat sein Orchester fest im Griff. Wobei das Orchester von seinem Chef gerne im Griff gehalten wird, dies ist mit jedem Ton zu spüren. Sie spielen nicht was in den Noten geschrieben ist, sondern was André de Ridder als Dirigent hören möchte.

Die Arbeit des Opernchors und des Extrachores Theater Freiburg, Einstudierung Norbert Kleinschmidt und Johannes Opfermann, darf als optimal bezeichnet werden. Die Musikalität und die Diktion gefielen mir gut.

Die Personenführung der Solisten, das sorgfältige Herausarbeiten von Körpersprache, Mimik und Gestik kann nur als exzeptionell bezeichnet werden. Dies war vor allem bei Marnie, hervorragend interpretiert durch Inga Schäfer, nicht einfach, ist doch die Personalität dieser Figur extrem vielschichtig und ändert sich im Laufe der Geschichte mit fast jeder Szene. Marnies Mutter wurde von der Mezzosopranistin Anja Jung interpretiert, Michael Borth spielte einen überzeugenden Mark Rutland und sein Antagonist, Christopher Ainslie als Terry Rutland sang einen sehr guten Advocatus Diaboli.

© Britt Schilling

Es würde zu weit führen die Rollen aller Solistinnen und Solisten zu beschreiben, daher hier die Namen dieses Teams: Katherine Manley, Lila Chrisp, Katharina Ruckgaber, Lorenz Kauffer, Roberto Gionfriddo, Irina Jae-Eun Park, Jin Seok Lee, Hyunhan Hwang, Manuel Habermann, Janina Staub, Bonnie Frauenthal, Daniela Meinig, Alina Kirchgässner, Melissa Serluco, Charis Peden, Kyoung-Eun Lee, Felicitas Frische. Eine groartige Gesamtleistung.

Das Bühnenbild, entworfen von Kaspar Zwimpfer, ist stimmig konzipiert und könnte auch als Filmdekoration dienen. Die Szenenwechsel werden nahtlos in das Geschehen eingefügt und unterstreichen die Handlung, zusammen mit dem klugen Lichtdesign von Diego Leetz. Die Kostüme, gezeichnet von Su Bühler, sind eher unauffällig, jedoch hervorragend an die Story angepasst.

Der Pausenapplaus war sehr verhalten, der Schlussapplaus langanhaltend und stürmisch. Das Freiburger Premierenpublikum feierte diese Produktion ausgiebig und belohnte so das künstlerische Team des Hauses.

Peter Heuberger, 17. Januar 2023


„Marnie“ Nico Muhli

Theater Freibug

Besuchte Premiere: 14. Januar 2023 Deutsche Erstaufführung

Inszenierung: Peter Carp

Musikalische Leitung: André de Ridder

Philharmonisches Orchester Freiburg