Bücherecke

Buchkritik: „Almanach 2026 – Jahrbuch der Gesellschaft der Freunde von Bayreuth“

Ist Kunst nicht potenziertes Handwerk? Oder anders: Gibt es eine Kunst, die nicht auf Handwerk basiert? – Liest man das Gespräch, das Antonia Goldhammer mit Christian Thielemann geführt hat, erfährt man von Neuem, dass ein Orchester – noch dazu in so etwas Kompliziertem wie dem Festspielhaus – zu dirigieren in erster Linie bedeutet, die Materie aus dem Effeff, oder, wie Wolfgang . . .

Buchkritik: „Von Bayreuth nach Auschwitz. Oper-Politik-Gewalt“, Anno Mungen

Anno Mungen ist in Thurnaus bei Bayreuth seit 2006 Nachfolger von Sieghart Döhring als Leiter des Forschungsinstitut für Musiktheater. Neben vielen anderen Forschungsprojekten hat sich einen Namen gemacht mit seinen Forschungen zum Thema „Oper im Nationalsozialismus“, die in der Ausstellung „Hitler.Macht.Oper“ 2018 gipfelten, die in Kooperation mit dem Staatstheater Nürnberg und dem . . .

Bücherecke: „Mythische Sinnlichkeit“, Stefanie Spindler (Zweite Besprechung)

Es gibt solche Bücher: über Werke und Themen, die, von einem Punkt aus betrachtet, unversehens Bedeutungszuwächse erhalten, die vordem selbst jenen Beobachtern verborgen blieben, die sich „an sich“ mit den Werken und Themen gut auskennen – denn hat man nicht schön längst das Gebiet der sinnlichen Wahrnehmungen in den Werken Richard Wagners genügend abgehandelt? Zeigen nicht all jene . . .

Buchkritik: „Mythische Sinnlichkeit. Zur Funktion der Wahrnehmung in Richard Wagners Dramen“, Stefanie Spindler

Zu kurz greifende, einseitig verzerrte, ja verzichtbare Studie über Wagners Sinnlichkeit – Wagner ohne Ende. Schon wieder ist eine jener eitlen Dissertationen erschienen, die zwar durchaus interessant sind, aber nicht unbedingt nötig bzw. anschaffenswert, zumal bei dem geforderten Ladenpreis. Wohl nur Bibliotheken und Seminare werden sich das – zugegeben schön gebundene, . . .

Buchkritik: „Gustav Mahler: Vom Elend eines Genies“, Franz Willnauer (Hrsg.)

Es sind Fundstücke, die Franz Willnauer „aus unterschiedlichsten Quellen in jahrzehntelanger Beschäftigung mit dem Komponisten zusammengetragen“ hat, „ohne zunächst eine Veröffentlichung zu beabsichtigen.“ Nun aber hat er diese Fundstücke doch publiziert, als facetten- und perspektivenreiche Dokumentation. „Es sind Dokumente, Erinnerungen und Briefe von und über Mahler“, oft . . .

Buchkritik: „Aufgehobene Revolution. Annäherungen an Richard Wagners Ring“, Laurenz Lütteken (zweite Besprechung)

Schon das Foto auf dem Cover zeigt, wo es hingeht. Da sieht man, ausgeschnitten aus einer Inszenierung von 2020, die drei Nornen auf dem Felsen das Seil schwingen. Wir wissen: Mit dem Wissen hat es ein Ende – doch das Drama fängt danach, nach dem Vorspiel, erst an. – Es ist dies eine jener Wagnerschen Paradoxien: dass ein Drama dort behauptet wird, wo es in Wahrheit Epos ist und auf . . .

Buchkritik: „Aufgehobene Revolution. Annäherungen an Richard Wagners ‚Ring'“, Laurenz Lütteken

Der Ring des Nibelungen von Richard Wagner ist auch 150 Jahre nach der Uraufführung des gesamten Zyklus eine Herausforderung. In acht Essays nähert sich der deutsch-schweizerische Musikwissenschaftler Laurenz Lütteken vor allem Wagners Chef d'Œu­v­re. Sein Grundgedanke und roter Faden der vier Texte, die er für die Ring-Inszenierung am Theater LaMonnaie/De Munt in Brüssel 2023/2024 . . .