Luzern: „Das Bildnis des Dorian Gray“, Oscar Wilde

Der einzige Roman Das Bildnis des Dorian Gray von Oscar Wilde hat den Ästhetizismus und das Dandytum des ‘Fin de siècle’ zum Thema und stellt einen der ersten Versuche dar, die Homoerotik in den englischen Roman einzuführen. (© Wikipedia). Durch die Darstellung dieses Tabuthemas wurde der einzige Roman Oskar Wildes berühmt und der Verfasser zum Teil gesellschaftlich ausgegrenzt. Zu dieser Zeit (1890) war die Homosexualität in England und vielen anderen Ländern verboten und unter Strafe gesetzt.

(c) Ingo Höhn

Das Luzerner Theater hat den Roman dramatisiert. Es ist grundsätzlich schwierig, Prosawerke für eine Bühne zu erarbeiten. In Luzern ist dies recht gut gelungen. Die Sprechtexte wurden von Melanie Osan bühnengerecht geschrieben, ihre Dramaturgie ist innerhalb dem Regiekonzept angepasst und zielführend.

Das Regiekonzept der Regisseurin Karin Plötner arbeitet mit recht viel Aktivität und auch Hektik, um die Sprechtexte zu unterstützen. Plötner achtet jedoch akribisch darauf, dass die Textverständlichkeit erhalten bleibt. Ihre Personenführung, die Körperarbeit, die Mimik und Gestik der Schauspielerinnen und Schauspieler passen perfekt zu den jeweiligen Textpassagen und Handlungssträngen auf der Bühne. Nach meinem Empfinden fehlen jedoch des Öfteren die Ruhepausen, die ‘Gedankenstriche’!

Sehr ansprechend ist die Bühne, entworfen von Bettina Pommer. Die Regie setzt die vielen Spiegel dramatisch wirksam ein und verstärkt so den visuellen Eindruck, welcher ohne dieses Bühnenbild wesentlich schwächer ausfallen würde.

(c) Ingo Höhn

Dasselbe gilt für das Lichtdesign, für welches Clemens Gorzella verantwortlich zeichnet. Auch seine Lichteffekte werden zielführend und unterstützend eingesetzt. Die Kostümbildnerin Johanna Hlawica beweist viel Fantasie in ihren Kostümen. Vielleicht sind diese Kleidungsstücke etwas zu auffällig und können tendenziell von der Thematik, der heute sehr aktuellen Thematik, ablenken.

Die Musik, sie wurde von Johannes Hofmann zusammengestellt und komponiert, ist der Inszenierung angepasst und gefällt ausserordentlich, ohne aufdringlich oder störend daher zu kommen.

Die Videoeinspielungen, von Rebecca Stauffer gefilmt, sind professionell aufgenommen und verstärken und unterstützen das Konzept von Frau Plötner.

Den Dorian Gray spielt Carina Thurner. Sie interpretiert Gray als androgenen Mann, welcher immer böser wird. Dabei wird nur sein Bildnis verändert, Gray selber bleibt jung und schön. Ihre schauspielerische Leistung, ihre Mimik, Gestik und Körperarbeit sind absolute Spitze. Ihre Diktion ist in jeder Lautstärke absolut klar und verständlich. Diese Qualitäten gelten für das gesamte Bühnenteam: Als den Maler Basil sehen wir Christian Baumbach, Lord Henry wird von Rüdiger Hauffe interpretiert, Als Agathe steht und liegt Tini Prüfer auf der Bühne. Hugo Tiedje singt sich als Sybil kurzzeitig ins Herz von Gray. Ich erlebte Ein Team auf der Bühne, wie ich es mir fürs Schauspiel des Öfteren wünschen würde.

Das zahlreich erschienene Publikum, darunter sehr viele junge Zuschauerinnen und Zuschauer belohnten die Arbeit auf und hinter der Bühne mit lautem, lange anhaltenden Applaus.

Peter Heuberger, 3. Dezember 2022


Luzern „Das Bildnis des Dorian Gray

Premiere: 1. Dezember 2022

Regie: Katrin Plötner

Bühne: Bettina Pommer

Kostüme: Johanna Hlawica

Licht: Clemens Gorzella

Musik: Johannes Hofmann

Video: Rebecca Stauffer

Dramaturgie und Text: Melanie Osan