CD: „Larmes de Couteau/Comedy on the bridge“ von Bohuslav Martinu (1. Besprechung)

Im Juli 2020 sowie im Juli 2021 fanden auf der Probebühne Nord der Staatsoper Stuttgart die Aufnahmen zu Bohuslav Martinus beiden Kurzopern Larmes de Couteau und Comedy on the Bridge statt. Diese sind jetzt von dem Label Capriccio auf CD veröffentlicht worden. Die Initiative zu diesen Einspielungen dürfte von GMD Cornelius Meister ausgegangen sein, der schon seit jeher ein gutes Gespür für die Musik von Martinu hatte und auch auf der vorliegenden CD zusammen mit dem trefflich disponierten Staatsorchester Stuttgart wieder einmal beweist, dass er mit der vielfältigen Klangsprache dieses Komponisten bestens zurecht kommt. Martinu dürfte heute nicht allen Opernliebhabern mehr ein Begriff sein – zu Unrecht, wie insbesondere die Comedy on the Bridge belegt. Es ist wohl nicht übertrieben zu sagen, dass Martinu zu den wichtigen Komponisten des 20. Jahrhunderts zählt, dessen Partituren Musikkennern eigentlich ein Begriff sein müssten.

Es ist eine recht eigentümliche musikalische Sprache, mit der Martinu bei diesen beiden Kurzopern aufwartet. Larmes de Couteau hat melodiös wenig zu bieten und ist ausgesprochen deklamatorisch gehalten. Oftmals wird hier nur gesprochen. Insgesamt hat die Musik hier wenig eigenständige Funktion und beschränkt sich im Wesentlichen auf die Begleitung der Sänger. Auffallend ist, in welchen schnellen Wechseln Martinu zwischen den einzelnen Musikstilen hin und her springt. Das macht die Sache durchaus interessant trotz des kühlen Charakters der Musik, der von Cornelius Meister hier gepflegt wird. Die vorliegende Aufnahme ist die erste in der französischen Originalsprache, nachdem sogar die Brünner Uraufführung in einer tschechischen Übersetzung erklang. Das ist gut, denn die ursprüngliche Diktion ist vom Stilistischen her immer besser als eine Übersetzung. Die musikalische Ausbeute der Comedy on the Bridge ist dagegen um einiges reichhaltiger. Bei diesem Werk kommt der Musik neben den Singstimmen eine stärkere eigenständige Bedeutung zu. Martinus Tonsprache ist hier um einiges melodiöser und auch viel eindringlicher als in Larmes de Couteau. Es verwundert nicht, dass diese Oper, die der Komponist in den Vereinigten Staaten  von Amerika schrieb, von den New Yorkern  Musikkritikern zur besten Opernpremiere des Jahres 1951 gewählt wurde. Diese Oper hat viel Potential, das von Cornelius Meister aufs Beste herausgearbeitet wird.

Mit der Sängerbesetzung dieser beiden Kurzopern kann man insgesamt zufrieden sein. Bei Larmes de Couteau beeindruckt in erster Linie der über einen vorbildlich gestützten, voluminösen Bass verfügende Adam Palka in der Rolle des Satans. Eine solide Altstimme bringt Maria Riccarda Wesseling in die Partie der Mutter ein. Weniger gefällt die flach und recht maskig klingende Eleonore von Elena Tsallagova. Ohne die erforderliche Körperstütze seines Tenors singt in Comedy on the Bridge auch Michael Smallwood alles andere als gefällig den Schulmeister. Alle anderen Sänger bewegen sich in dieser Oper dagegen auf hohem Niveau. Das beginnt schon bei Esther Dierkes, die einen bestens italienisch geschulten, warmen und geradlinig geführten Sopran für die Josephine mitbringt. Emotional und tiefgründig singt Stine Marie Fischer die Eva. Einen gut  fokussierten und ebenmäßig geführten Bariton nennt Björn Bürger als Johnny sein eigen. Imposantes, profundes Bassmaterial zeichnet Andrew Boogard aus, der einen klangvollen Brauer gibt. Ordentlich sind die verschiedenen kleinen Sprechrollen.

Ludwig Steinbach, 7. November 2022


Erste Besprechung

CD Martinu

Musikalische Leitung:: Cornelius Meister

Staatsoper Stuttgart

Capriccio 2022                                      

Best.Nr.: C5477

Zweite Besprechung