DER OPERNFREUND - 50.Jahrgang
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Zum Zweiten

DIE CSARDASFÜRSTIN

Besuchte Vorstellung: 12.08.2017

Glanzvolle Aufführung der „Csárdásfürstin“ auf der Felsenbühne in Wunsiedel bringt das Publikum zum Kochen – und das trotz der Kälte

 

Beste Aufführung einer „Csárdásfürstin“, an die ich mich erinnern kann.

Mein geschätzter Kollege Frank Piontek hat ja bereits eine ausführliche Rezension (siehe unten!) erstellt, ich kann mich deshalb auf Schwerpunkte beschränken. Ich bin am Nachmittag des gleichen Samstags in Wunsiedel (er am Abend) und habe hier mit vielen meiner Freunde, fast 100 Personen aus Bamberg und Umgebung sind mitgefahren, eine fulminante Aufführung erlebt, mit teilweise anderen Hauptdarstellern.

Die Operettenbühne Wien Heinz Hellberg, ist in diesem Jahr wahrlich nicht vom Wetter begünstigt. Die Premiere für eine lange Zeit unterbrochen, da der Regen die Musik übertönt und die folgenden drei Vorstellungen alle mit größeren und kleineren Unterbrechungen versehen. Hochachtung für eine, ich möchte fast sagen, besessene Truppe, die für wenig Geld alles gibt um ihr Publikum zu erfreuen. Bei solchem Wetter spielen die meistern Freilichtbühnen nicht mehr sondern brechen ab. Ich kann kurz mit Heinz Hellberg sprechen und er sagt mir, „das Publikum hat gezahlt, es pilgert auf die Felsenbühne und will für sein Geld auch etwas sehen. Und da müssen wir alles geben, damit dieses, unser Publikum zufrieden ist. Und auch wenn wir tropfnass sind und mit Erkältungen kämpfen. Wir sind glücklich und stolz, wenn wir den Applaus unseres Publikums für unsere Leistung bekommen.“

Die besuchte Vorstellung am Samstagnachmittag ist die erste, die ohne Unterbrechung durchgespielt werden kann, kein Tröpfchen Regen fällt, der kommt erst wieder am Abend, als mein Kollege in der Vorstellung sitzt. Und was für einen sensationellen Nachmittag erleben wir. Eine so schmissige mitreißend gespielte und gesungene Operette, habe ich schon lange nicht mehr erlebt, meine Mitfahrer schwärmen den ganzen Abend davon, als wir die Erlebnisse bei einem guten Essen noch einmal Revue passieren lassen können. An diesem Nachmittag hat einfach alles gepasst und bei solch grandiosen Aufführungen wird die so oft totgesagte Operette niemals sterben.

Domoszlai-Galambos-Jahrmann-Hojsak

Die Inszenierung ist, wie man es von Hellberg gewohnt ist, so wie sie ursprünglich geschrieben wurde, nichts wird hineingedeutet, niemand, schon gar nicht Heinz Hellberg, will sich selbst verwirklichen, sein Ego über das Werk stellen. Nein, man will einfach nur unterhalten, einige Stunden von den Alltagssorgen ablenken und mitreißende Stimmung verbreiten - und dies ist in jeder Weise gelungen. Hellberg inszeniert die Operette in der authentisch ungarisch-wienerischen Form – und er tut gut daran, manches ist ein kleines bisschen bearbeitet, musikalisch aufgefrischt und den Erfordernissen der wunderschönen Felsenbühne angepasst worden. So bringt Operette pure Freude, so gelangt sie ohne Umwege in die Herzen ihres Publikums. Und obwohl die Operette beharrlich totgeschrieben wird, von den öffentlich-rechtlichen Fernsehanstalten gnadenlos fast total aus dem Fernsehen und auch aus dem Rundfunk äußerst stark vertrieben wurde, lebt sie frischer denn je bei solchen Aufführungen. Der öffentlich - rechtliche Auftrag umfasst für mich auch die verdammte Pflicht und Schuldigkeit dieses Kulturgut zu pflegen und zu hüten. Es muss ja nicht so oft sein, wie in den 60 und 70er Jahren, aber diese Musikgattung ganz totschweigen geht einfach nicht. Und ich vermisse den Aufschrei, auch per Brief, Fax oder Mail, bei den Anstalten, mit der eindeutigen Aufforderung, diese Kunstform nicht der Vergessenheit preiszugeben. Bei einem Gespräch hat mir einmal ein Redakteur gesagt, na diesen alten Blödsinn mag ja eh keiner mehr. Ich hatte heute an diesem Samstagnachmittag einige jugendliche Gäste dabei, die das erste Mal bei einer Operette waren und die hellauf begeistert aus der Luisenburg gezogen sind und mit Sicherheit im nächsten Jahr wieder dabei sein werden. Schreiben wir doch einmal an unsere Fernseh- und Rundfunkanstalten und zeigen wir, dass wir die Operettenliebhaber keine aussterbende Rasse sind. Unsere Jugend wird sich mit Sicherheit auch dafür begeistern, wenn auch in überschaubaren Teilen, man muss es ihr aber auch erst einmal präsentieren. Sie muss die Möglichkeit haben, dies auch in Funk- und Fernsehen zu erleben. Warum kann man nicht die vielen Schätze aus den lange zurückliegenden Jahren einfach wiederholen, oder wie früher im ZDF-Musikkanal oder einem anderen Kanal offerieren. Es wird so viel Geld verschleudert für Sendungen, bei denen man nur den Kopf schütteln kann, da werden doch hier ein paar Silberlinge möglich sein. Ein ganz großes Dankeschön an dieser Stelle an Heinz Hellberg und die vielen anderen Tourneenveranstalter und an die Bühnen unserer Städte, die die Operette noch pflegen und damit auch heute noch ein nicht zu kleines Publikum begeistern können. Doch nun zum Stück.

Jahrmann-Hojsak

Die Kostüme von Lucia Kerschbaumer sind besonders auf der einmaligen Umgebung der Felsenbühne wunderschön anzusehen, prächtig beleben sie das Geschehen auf der riesigen Bühne. Das Bühnenbild, für das Adrian Boboc verantwortlich zeichnet, ist stimmig, mit geringen Mitteln wird hier Optimales erzeugt. Ein großes rotes Sofa, ein geschmackvoller Blumenkübel, Skulpturen, alles passt nahtlos. Der Funken springt über, über auf ein Ensemble, bei welchem es keinen einzigen Ausfall gibt.

Das Orchester der Operettenbühne Wien wird von einem ausgesprochenen Kenner der Operette, nämlich Laszlo Gyükér geleitet. Er, den ich vor kurzem noch in Bad Ischl bei den Lehárfestspielen bewundern konnte, hat auch heute das gut aufgelegte und beschwingt aufspielende Orchester fest im Griff. Auch wenn die Lautsprecheranlage zuweilen etwas Probleme bereitet (zB. kommt Boni von rechts auf die Bühne und links hört man dabei seine Worte, beim Gesang kommt es Gott sei Dank zu keinen solchen Problemen), wird schwungvoll musiziert. Gyükér lässt sein Orchester jubeln und auch lautstark galoppieren um es dann jedoch auch wieder sängerdienlich zurückzunehmen, wenn es erforderlich ist. Er hat im kleinen Finger eine Unmenge Musikalität und ich freue mich immer wieder ihn am Pult zu erleben. Melodienreichtum und Walzerseligkeit lassen das Publikum dahinschmelzen, selbst wenn es wie heute Nachmittag nicht sonderlich warm ist, sondern man im Gegenteil doch etwas frösteln muss und dieses Publikum kann im Walzerrhythmus nur begeistert applaudieren und das tut es ausgiebig. Es ist eine schmissige und schwungvolle Aufführung, an der es nicht das Geringste auszusetzen gibt. Sowohl darstellerisch als auch musikalisch erlebt man Operette aus einem Guss, wie sie leider nur noch ganz selten aufgeführt wird. Und dann kommen wir zu dem Wichtigsten an einer guten Operette, den Sängern und hier an diesem Nachmittag ist ebenfalls ein Glücksfall zu verzeichnen.

Galambos-Domoszlai

Als Csárdásfürstin Sylva Varescu die Ungarin Lilla Galambos auf der Bühne. Sie bezaubert in jeder Beziehung. Neben einem lebendigen frischen Spiel steht ihr ein silbriger höhensicherer leuchtender klarer und ausdrucksvoller Sopran zur Verfügung, ihre blitzsauberen Koloraturen reiht sie wie eine Perlenkette aneinander, eine mehr als nur beeindruckende Leistung. Dass sie daneben auch noch bildschön ist, sei auch noch am Rande erwähnt. Bei einer solchen Sylva schmilzt nicht nur das Herz ihres Edwins dahin, nein die Herzen der anwesenden Herren im Publikum schlagen auch wesentlich aufgeregter wie sonst und trotz der Kühle in Wunsiedel wird es ihnen warm um dieses Herz. Heinz Hellberg hat sich hier einen wahren Schatz in sein Ensemble geholt und man freut sich heute schon auf die „Gräfin Mariza“ im nächsten Jahr. Sandor Domoszlai, der ebenfalls aus Ungarn stammende Tenor hat es bei einer solchen Sylva natürlich schwer, aber er setzt seinen kräftigen gutgeführten, alle Höhen der Partie leicht erklimmenden Tenor so gut ein, dass er ihr ebenbürtig ist und die Duette der beiden gehören zu den Glanzlichtern des heutigen Nachmittags. Das Buffopaar knüpft an die Leistungen der beiden Hauptprotagonisten nahtlos an. Die junge, gebürtige Linzerin Elisabeth Jahrmann ist nicht nur ebenfalls ein Hingucker, sondern sie erfindet das Soubrettenfach neu. Nicht nur, dass sie auf der Bühne herumwirbelt, ihrem Boni den Kopf verdreht, nein, sie hat auch einen wunderschönen Sopran, der über die Soubrette hinausgeht. Kraftvoll, stimmschön, warm und mit einer ausgezeichneten Höhe beeindruckt sie nicht nur ihren Boni sondern auch das Publikum, das ihr und Sylva im übertragenen Sinne zu Füssen liegt. So macht Operette einfach nur Spaß. Zusammen mit ihrem Partner auf der Bühne, dem aus Slowenien stammenden David Hojsak als Graf Boni sind sie, neben Sylva und Edwin, die eindeutigen Lieblinge des Publikums. Vom darstellerischen und auch der tänzerischen Seite weiß David Hojsak vollstens zu überzeugen, seine humorvolle Art, sein lausbubenhafter Charme reißt das Publikum mit. Wenn er sich in der Zukunft stimmlich noch etwas steigern kann, momentan ist er mir hier noch etwas zu leichtgewichtig, wird er in seinem Fach zu den ersten Kräften zählen. Ich weiß, dass das Publikum diese kleine Einschränkung an diesem heutigen Nachmittag völlig anders sieht, aber er ist für mich ein tänzerisch, darstellerisch weit überdurchschnittlicher Künstler, wenn er noch ein bisschen an der Stimmgewalt feilt, wird er zu einem der besten Buffos werden und solche brauchen wir dringend. Das Publikum mitreißen kann er schon vorzüglich, sowohl bei seinen Soloauftritten als auch in seinen Duetten mit seiner Stasi. Auf jeden Fall sind beide ein klasse Buffopaar, an welchem man einfach nur seinen Spaß hat.

Einen hervorragenden Bonvivant, einen in den Tag hineinlebenden Schwerenöter, aber auch weisen und mahnenden Feri Bácsi bringt der Ungar Csaba Fazekas auf die Operettenbühne. Sein schöner voller kräftiger Tenor weiß zu überzeugen und füllt jeden Zentimeter seiner Rolle aus. Zu Recht wird auch er gefeiert. Er verkörpert den alternden Schwerenöter auf das trefflichste und man möchte ihn gerne auch einmal in einer größeren Rolle sehen. Gefeiert wird auch das Fürstenpaar, welches von Viktor Schilowsky und Judith Bellai, weit über das normale Maß hinaus ausgelebt wird. Sie sind beide eine Luxusbesetzung für diese kleinen Rollen und füllen sie mit jeder Faser ihres Körpers aus. Judit Bellai zeigt dabei in Spitzenunterwäsche, was sie noch alles so drauf hat und schade, dass man ihr nicht wenigstens ein kleines Couplet gegeben hat. Iavor Radovanov als General Rohnsdorf und Mario Renev als Kiss und als Notar sind in ihren kleinen Rollen ohne Fehl und Tadel und gliedern sich in das exzellente Ensemble nahtlos ein.

Fazekas-Gyükér-Galambos

Fast nicht endend wollender Applaus am Ende eines beschwingten, heiteren, aufregenden, humorvollen sowie erfrischenden Nachmittags, bei welchem die außergewöhnlichen Stimmen der Hauptakteure noch lange im Gedächtnis bleiben. Ich habe schon sehr viele Csárdásfürstinnen gesehen, dies aber war mit Abstand einer der besten, an die ich mich erinnern kann. So macht die Operette unbeschwerten Spaß und ich freue mich heute schon auf nächstes Jahr in Wunsiedel, dann wird Heinz Hellberg „Gräfin Mariza“ mitbringen.

Manfred Drescher    14.08.2017                            

Fotos (c) Der Opernfreund

 

DIE CSÁRDASFÜRSTIN

Besuchte Vorstellung: 12.8. 2017

Kálmán Imre, bei uns besser bekannt unter seinen eingedeutschten Namen „Emmerich Kálmán“, war, wie nicht nur der ungarische Musikwissenschaftler Ferenc Bonis meinte, ein Genie. „Die Csardásfürstin“ gilt bei Kennern nicht nur deshalb als herausragendes Stück, weil sie „so viele schöne Melodien hat“, sondern weil sie, wie kaum ein anderes Werk dieser wunderbaren Gattung, die Zeit wie in einem Brennspiegel eingefangen hat. Kein Wunder, dass Peter Konwitschny dieses Werk bei seiner Dresdner Aufführung unvergesslichen Angedenkens als tieftraurigen, aber auch grotesken Abgesang auf das Vorkriegseuropa inszenieren konnte.

Wer sich eine Inszenierung der Operettenbühne Wien, die nun schon seit 1999 auf der Luisenburg gastiert, im Wald anschaut, erwartet natürlich keine dezidierte Deutung, sondern einfach nur gute Unterhaltung. Man solle, so Heinz Hellberg bei seiner üblichen kleinen Ansprache, „die Alltagssorgen vergessen“. Auf Wikipedia kann man es ja nachlesen: „Die Inszenierungen der Operettenbühne Wien gelten als konventionell und 'werktreu'. Sie orientieren sich dabei an der Erwartungshaltung und den Sehgewohnheiten eines im Allgemeinen älteren Abonnement-Publikums. Die Grundstruktur der Urfassung der jeweiligen Operette bleibt stets erhalten. Die Dialoge werden von Hellberg jedoch teilweise modernisiert, umgeschrieben und den Bedürfnissen einer Tourneeproduktion angepasst.

Die Operetten werden teilweise auch musikalisch leicht bearbeitet und mit modernen Arrangements versehen.“ Damit ist so ziemlich alles über die Art und Weise der Inszenierungen des Intendanten Heinz Hellberg gesagt, der sein Luisenburger Publikum seit bald 20 Jahren erfreut. „Die Csárdasfürstin“ wird hier nicht auf ihren melancholischen Urgrund hin untersucht, sondern auf ihren melodischen und – mit Ausnahmen - eher oberflächlich zelebrierten Charme einer locker angehauchten Tragik reduziert – aber das Stück hält es aus. Die Natur spielt immer mit – selbst dann, wenn es, wie auch an diesem Abend, im kühlen Grün unaufhörlich regnet; man muss alle Sänger einschliesslich des Chors und die Tänzerinnen bewundern, die unter diesen Umständen – und vermutlich für eine sehr kleine Gage – Derartiges leisten, indem sie sich ihre hübschen Rückseiten abfrieren: auch zweimal täglich. Trotzdem bleiben die Bilder, die in dieser traumhaft schönen und herrlich ausgeleuchteten Kulisse geschaffen werden, ein Plus aller Aufführungen. Toll sind ja schon die Auftritte, die hoch oben von Statten gehen. Wenn Csaba Fazekas alias Feri Básci auf dem Felsen steht und als überaus überzeugender Grandseigneur der Vorkriegswelt – früher nannte man das: eine Erscheinung - den zweiten Akt einleitet, wenn die fürstlichen Blumenkübel und die halbnackte Gartenskulptur einer (frierenden?) Steinfrau unmerklich in die Natur übergeht, triumphiert das Bühnenbild (Adrian Boboc) und das Licht über die Unwirtlichkeit der klimatischen Verhältnisse, wie sie Mitte August im tiefen Fichtelgebirge herrschen können. Und ein rotes Sofa macht sich, neben den geschmackvollen weißen Damenkleidern des Mittelakts (Lucya Kerschbaumer), einfach nur gut aus. Im Grunde also lautet die Frage in der Luisenburg immer nur: Wie wurde gesungen?

Die Sylva Varescu der Kerstin Grotrian „basste scho“, wie der Franke als Extremlob sagen würde: nicht überbordendes, aber nobles Temperament, gepaart mit einer eleganten und flexiblen Stimme, die die tückischen Höhen dieser Partie glänzend machte – eine Gestaltung, die niemals fürchten lassen muss, dass die Sängerin an stimmliche Grenzen kommt. Zusammen mit dem erstaunlich tiefliegenden Tenor des Stefan Reichmann, den die Regie leider ziemlich steif im Raum herumstehen und -gehen lässt, bilden sie ein schönes Paar – das doch vokal nur selten wirklich zusammenkommt - aber ihre Duette ergreifen dann doch… Plötzlich denkt der Opernfreund tatsächlich an die berühmten bösen Walzer eines Dimitri Schostakowitsch und Aram Chatchaturian. Ganz großartig, mit einem untrüglichen Bühnensinn gesegnet, spritzig und konzentriert, charmant und stimmlich vollkommen und im besten Sinne soubrettenhaft: das ist die überragende Stasi der Elisabeth Jahrmann. Eine Soubrette muss auf der Operettenbühne auch tanzen können – zusammen mit dem Boni des David Hojsak macht sie das so, dass das Publikum gleichsam ausrastet. Laszlo Gyükér, der das gute, durch die Boxen manchmal etwas verfremdet klingende Orchester dirigiert, hat die Partitur an zwei Stellen durch eine Stepeinlage im Stil der 30er Jahre erweitert: auch das kommt, natürlich, an (und ist erlaubt, weil's gefällt). Die Rolle des Boni aber wurde trotz oder vielleicht: wegen seiner komischen Qualitäten allzu leichtgewichtig besetzt. David Hojsak nimmt man den gestandenen Mann, der plötzlich so etwas wie weise wird, nicht ab. Er schlenkert allzu schlacksig durch die Handlung: operettenmäßig komisch (denn seine Texte sind ja einfach gut und die Schüttel-Nummern ein Klassiker), aber die Rolle nicht ernsthaft ausfüllend.

Das Defizit aber wird ausgeglichen durch Czaba Fazekas' Feri Básci, der in der Weltschmerz- und -untergangsnummer „Nimm Zigeuner deine Geige“ (und im Finale des ersten Akts mit seinem melancholischen Zitat der „Mädis“) begreiflich macht, dass die „Csárdasfürstin“ in Blick auf den ersten Weltkrieg – und noch auf die Gegenwart – geschrieben wurde. Dass das Publikum den Rhythmus dieses großartigen und gar nicht lustigen Stücks zum Anlass nimmt, um in einen Klatschmarsch einzustimmen, bei dem man den wichtigen Text – und Fazekas schöne, ausdrucksstarke Stimme – kaum noch hört, ist nicht ihm anzulasten, oder anders: die Arbeit der Solisten ist eben so mitreißend, dass das Publikum gar nicht anders kann als mitzuklatschen. Und wäre Fazekas nicht die Idealbesetzung eines Tassilo in der nächstjährigen „Gräfin Mariza“?

Bleiben Viktor Schilowsky, ein echtes komisches Bühnentier als Fürst von und zu und seine ehemalige „Kupfer-Hilde“. Schade, dass Judit Bellai keine Extranummer bekommen hat, wenn sie sich im letzten Akt an ihre Jugend auf dem Provinz-Brettl erinnert und noch einmal das Tanzbein schwingt: so wie die sechs gelegentlich etwas mechanisch aufschreienden „Mädis vom Chantant“, die sich (und Boni) durch den Abend wirbeln und dabei ewas weniger frieren. Ein starker Extraapplaus des Orpheum-Besuchers für die sechs Tänzerinnen; ich sage nur: die 1. von rechts…

Deswegen gehen die Operettenfreunde ja auch in die Luisenburg.

 

Frank Piontek, 13.8. 2017

Fotos: © Christine Kaufmann (Die Fotos zeigen NICHT die im Text erwähnten Darsteller der Sylva Varescu und der Stasi).

 

 

DER BETTELSTUDENT

Die Operettenbühne Wien feiert ihr 20jähriges Jubiläum auf der Luisenburg und reißt die Menschen mit - Aufführung 13.08.2016  - Tourneebeginn Herbst 2015

Ausgelassene Stimmung auf der Felsenbühne

Trailer

20 Jahre besteht die Operettenbühne Wien unter Heinz Hellberg und ist dieses Jahr zum 17ten mal auf der Luisenburger Felsenbühne mit der Erfolgsoperette „Der Bettelstudent“.

Im letzten Jahr haben die Luisenburg-Festspiele Wunsiedel ihr 125jähriges Jubiläum gefeiert, in diesem Jahr feiert Heinz Hellberg sein 20jähriges Jubiläum mit der Operette „Der Bettelstudent“ von Karl Millöcker. Einen kleinen bitteren Beigeschmack hat die Felsenbühne in diesem Jahr zu verkraften. Ihr Erfolgsintendant Michael Lerchenberg hat zum nächsten Jahr seinen Ausstieg bekanntgegeben. Es ist für mich nicht nachvollziehbar, wie es eine Handvoll, wahrscheinlich vom Theater völlig unbeleckten Pseudopolitikern gelungen ist, dieses Juwel für Wunsiedel zur Aufgabe zu bewegen. Was Lerchenberg für Wunsiedel bedeutet und was er für die Region geschaffen hat, wird wohl erst nach seinem Abgang deutlich werden. Es ist jammerschade, dass dieser Motor und ständige Antreiber der Region durch kleingeistiges Denken und Handeln nicht mehr weitermachen will. Verstehen kann man ihn irgendwie, warum soll er sich so etwas antun. Es ist für Wunsiedel aus meiner Sicht jedoch eine kleine Katastrophe. Im letzten Jahr hatte ich geschrieben: „Der gelernte Schauspieler (unvergessen seine Auftritte in der „Lokalbahn“, „Wittiber“, „Brandner Kaspar“, dem „Bullen von Tölz“, dem unvergessenen Double von Edmund Stoiber und vieles mehr) hat 2004 die Intendanz der Luisenburg-Festspiele Wunsiedel übernommen. Die wunderschöne einzigartige Felsenbühne, die auch vor ihm schon ein Zuschauermagnet war, eilt unter seiner Leitung von Rekord zu Rekord. Er hat ein glückliches Händchen bei der Stückeauswahl und ist der Motor der Felsenbühne. Hoffen wir, dass er den Luisenburg-Festspielen noch lange erhalten bleibt.“ Ja, leider ist es nun anders gekommen und wollen wir hoffen, dass die Festspiele auf der Luisenburg ohne Schaden aus dem Ganzen herauskommen. Eine Provinzposse, die seinesgleichen sucht.

Ein immer wieder gerngesehener Gast auf der Luisenburg ist heuer 17 Jahre in Folge Prof. Heinz Hellberg mit der Operettenbühne Wien. Zwanzig Erfolgsjahre liegen nunmehr hinter der Wiener Bühne und alle treuen und begeisterten Zuschauer hoffen, dass noch ein paar Jubiläen draufgepackt werden können. Zu Beginn kommt er, wie immer, in einem blütenweißen Anzug auf die Bühne und seine ersten Worte sind „Es regnet nicht!“. Dieser Satz ist symptomatisch für die Aufführungen im Felsenrund. Und auch heute haben wir wieder blauen Himmel und strahlendes Wetter. Und dass freut Hellberg sichtlich und so zieht er einen Stuhl auf die Bühne und spielt auf seine unnachahmliche Art einen Theaterbesucher vor. Nicht den, der ins Theater geht um zu sehen, sondern den, der ins Theater geht um gesehen zu werden. Und er bringt mit diesem Kabinettstückerl das Publikum zum Schmunzeln und dann zum befreienden lauten Lachen und zum ersten großen Applaus. Man kann sich seinen Besucher, der wie ein Gockel ins Theater geht um sich selbst zu inszenieren, nicht lange genug anschauen. Und so, wie er auf sein Publikum zugeht, so inszeniert er auch seine Operetten. Gradlinig, schnörkellos, authentisch und er behandelt die Operette ernsthaft und vor allem mit großem Respekt. So macht Operette Spaß und so wird sie – aller Unkenrufe zum Trotz – auch in künftigen Jahrzehnten ihr Publikum begeistern und mitreißen.

Verena te Best, Anton Graner

Die Geschichte des selbstverliebten und arroganten Oberst Ollendorf, der mit einer Ohrfeige durch die schöne Laura tief gekränkt nach Rache dürstet, ist sicherlich wohlbekannt. Laura, eine Tochter der verarmten Gräfin Nowalska, hat ihn für seine Zudringlichkeiten, er hat sie voller Überschwang einfach auf die Schulter geküsst, mit einem Fächerhieb ins Gesicht „bestraft“ und diese Schmach kann er so nicht auf sich sitzen lassen, dies schreit förmlich nach Rache. Und dazu ist ihm jedes Mittel recht. Zwei inhaftierte „junge Lumpen“, kurz als Bettelstudenten bezeichnet, heuert er an, damit sie als Fürst und Adjutant auftreten. Nach der Ehe der schönen Laura mit dem Bettelfürsten, und dass es dazu kommt, davon ist er überzeugt, wird er ihn als armen Bettelstudenten präsentieren, er wird dadurch sie und ihre Familie vorführen, der Lächerlichkeit preisgeben, dadurch seine Rache vollenden und die Schmach tilgen. Da er, durch seine Überheblichkeit, nicht mehr klar sehen und denken kann, wird er durch einen der Bettelstudenten, der eigentlich ein Herzog ist, abgesetzt und er adelt seinen Bettelstudentenpartner. Beide finden in den Töchtern der Gräfin ihr Glück und bei Hellberg bekommt der Oberst Ollendorf zum Schluss noch die Gräfin Nowalska als Gattin. Dies ist eine sehr freie Auslegung des Librettos durch Hellberg, aber stimmig und vor allem erheiternd. Und das soll die Geschichte ja auch jeden Fall sein, sie soll das Publikum erfreuen und erheitern. Und dass tut diese heutige Aufführung mit Bravour. Das es dazu kommt, dazu gehören natürlich noch zwei weitere Dinge, ein inspiriertes, gut aufgelegtes und musikalisch ohne Fehl und Tadel spielendes Orchester mit einem Dirigenten, der ein Meister seines Faches ist und es gehören natürlich ebenso hervorragende Sänger und Schauspieler dazu, die das Publikum begeistern und zufrieden nach Hause gehen lassen.

Judit Bellai, Viktor Schilowsky

Das Orchester der Operettenbühne Wien wird von László Gyükér geleitet, Und der ungarische Dirigent hat unheimlich viel Operettenerfahrung bis in den kleinsten Finger. Erst vor kurzem hat er bei den Franz Lehár Festspielen in Bad Ischl begeistert, die er bereits einige Jahre betreut und bei denen er nächstes Jahr die „Lustige Witwe“ dirigiert, neben vielen anderen Standorten. Er führt das Orchester mit ungarischem Feuer, er lässt es atmen, es sich zurücknehmen um im nächsten Augenblick es voll zu fordern und das Orchester der Operettenbühne Wien folgt ihm in allem. So leidenschaftlich er die Wogen des Orchesters über das Publikum hereinbrechen lässt, so rücksichtsvoll und zurückhaltend lässt er es bei den Solis den Sängern folgen und sie unterstützen. Man soll das Orchester hören und das ist manches Mal gewaltig, man soll aber auch den leisesten Hauch der Sängerdarsteller mitbekommen. Diesen Spagat meistert er tadellos und es macht einfach Freunde zuzuhören. Ein passendes und stimmungsvolles Bühnenbild, etwas umfangreicher als bei den normalen Tourneen, da die Bühne ja relativ gewaltig ist, wird von Adrian Boboc aufgebaut und dem Publikum der Felsenbühne nahegebracht. Ebenso eine eindrucksvolle Arbeit wird durch Lucya Kerschbauer geleistet, die für die farbenprächtigen stimmungsvollen Kostüme die Verantwortung trägt. Das ist natürlich auch etwas für die Augen des Publikums, welches mit Beifall nicht geizt. Auch der Chor und das Ballett der Operettenbühne überzeugen voll, gerade weil beim Bettelstudenten die Dialoge nicht so umfangreich ausfallen, wie in anderen Operetten, und deswegen kommt dieser Teil natürlich noch effektiver zum Tragen.

Stefan Reichmann gibt den Studenten Symon Rymanowicz, den Bettelstudenten. Er sieht natürlich als junger blondgelockter österreichischer Tenor blendend aus, die Damen im Publikum schmelzen so richtig dahin. Er besitzt einen hohen hellen und klaren Tenor, der eigentlich keine Höhenschwierigkeiten kennt, der mir aber an diesem Nachmittag etwas zu unausgeglichen ist. Neben glanzvoll gesungenen Stücken wie „Ich hab kein Geld bin vogelfrei“ stehen andere Arien, bei denen es nicht ganz so mühelos zu gehen scheint. Wollen wir aber nicht beckmesserisch sein sondern uns freuen, dass es wieder einmal einen blutjungen, blendend aussehenden und mit einer klaren, freien hellen Tenorstimme ausgestatteten Sängerschauspieler gibt. Mit kräftigem robustem, klarem und kernigem Tenor gibt Anton Graner seinen studentischen Freund Jan Janicki und überzeugt voll. Auch in den Duetten macht er eine gute Figur, er hat aber auch eine Partnerin, bei der ich wieder einmal ins Schwärmen komme, und die auch heute in Wunsiedel mit Sicherheit dafür gesorgt hat, dass der Blutdruck nicht nur der älteren männlichen Besucher stark angestiegen ist. Verena te Best aus Wels in Oberösterreich als Bronislawa, einer der Töchter der Gräfin Nowalska, ist ihm eine exzellente Partnerin. Mit glockenreinem, klarem, warmem und leuchtendem Sopran weiß sie in allen Belangen zu überzeugen. Dass sie ein reizender Hingucker auf der Bühne ist, habe ich schon erwähnt, aber es kommt etwas Weiteres hinzu, was leider heutzutage nicht mehr so viele Künstler haben. Ein überschäumendes Temperament, ein sich in die Rolle hineinversetzen wie kaum ein anderer und immer mit einem strahlenden ungekünstelten Lächeln. Ihre Spielfreude ist ihr in jeder Sekunde anzusehen und sie wirft sich mit einer Leidenschaft in die Rolle, die es nicht mehr so oft gibt. Für mich eine der besten Leistungen – und es gibt nicht einen einzigen Ausfall – des heutigen Nachmittags.

Susanne Hellberg

Die Wienerin Ella Tyran setzt als zweite Tochter Laura einen strahlenden, in keinem Moment scharfen, schönen vollmundigen und sicheren Sopran ein. Im darstellerischen Bereich ist sie etwas sehr zurückhaltend, zu unnahbar, aber vielleicht ist dies auch ein bisschen der Regie geschuldet. Sonst aber auch bei ihr eine untadelige Leistung. Judit Bellai bringt eine alles beherrschende, in den wenigen Gesangspassagen mit leuchtend warmem Sopran beschenkte Palmartica Gräfin Nowalska auf die Bühne. Der aus Budapest stammenden Künstlerin wäre eine größere Rolle zu wünschen gewesen, hier ist sie einfach eine Luxusbesetzung. Der Bariton Viktor Schilowsky hat mit dem Oberst Ollendorf eine weitere Rolle, die ihm auf den Leib geschneidert erscheint. Seine Verkörperung dieser Rolle ist mehr als rollendeckend. Ein Erzkomödiant, der mit warmem, einfühlsamem, gefühlvollem und durchschlagskräftigem Bariton seine Marken auf der Bühne setzen kann. Dass dazu noch eine Erarbeitung der Rolle hinzukommt, die man so nicht allzu oft sehen kann, ist ein weiteres Highlight. Er präsentiert, mit großem Beifall versehen, den Gouverneur von Krakau, der in seiner Aufgeblasenheit glaubt sich alles herausnehmen zu können, der verschlagen und intrigant seine Rolle nicht abliefert sondern verkörpert. Ihm macht es immer Spaß zuzusehen und zuzuhören. Und dann wollen wir auch die Stütze des Ensembles, die Vollblutkünstlerin Susanne Hellberg in der winzigen Rolle des Offiziers Richthofen nicht vergessen. Was sie aus dieser kleinen Rolle herausholt, ist einfach toll. Ich kann nur hoffen, dass wir sie bald wieder in einer etwas größeren Rolle erleben können und dass sie mehr als nur eine kleine Strophe im Couplet singen kann. Vielleicht sollte sie einmal mit dem Regisseur sprechen, das Publikum würde sich sicher freuen. Urs Mühlenthaler gibt den Enterich, als sächselnder Gefängniswärter macht er eine kleine Paraderolle und überzeugt in erster Line in schauspielerischer Hinsicht. Auch ihm merkt man die Freude an seiner Rolle an.

Verena te Best, Lazlo Gyükér, Ella Tyran, Stefan Reichmann

Das alles führt dazu, dass die Operettenbühne Wien mit Sicherheit auch nach ihrem 20jährigen Jubiläum weiterhin die Felsenbastie der Luisenburg unsicher machen wird. Wir freuen uns darauf, im nächsten Jahr mit der „Csárdásfürstin“.

Manfred Drescher, 19.08.2016  

Fotos (c) Luisenburg Festspiele / Eigenaufnahmen

 

MASKE IN BLAU

Aufführung im Felsentheater Wunsiedel 22.08.2015

Heitere Operette, die fast als Musical durchgehen kann verzaubert  

Die Operettenbühne Wien unter Heinz Hellberg gastiert zum 16 Mal in der Felsenbühne Wunsiedel und bringt die Revueoperette „Maske in Blau“ zum Jubiläumsjahr. Die Luisenburg-Festspiele Wunsiedel feiern in diesem Jahr ihr 125jähriges Jubiläum. Zu Beginn der musikalischen Stücke waren bereits über 130.000 Besucher nach Wunsiedel geströmt – wieder einmal ein Rekord. Mit Rekorden kennt sich der Intendant der Felsenbühne Michael Lerchenberg aus. Der gelernte Schauspieler (unvergessen seine Auftritte in der „Lokalbahn“, „Wittiber“, „Brandner Kaspar“, dem „Bullen von Tölz“, dem unvergessenen Double von Edmund Stoiber und vieles vieles mehr) hat 2004 die Intendanz der Luisenburg-Festspiele Wunsiedel übernommen und die wunderschöne einzigartige Felsenbühne, die auch vor ihm schon ein Zuschauermagnet war, eilt unter seiner Leitung von Rekord zu Rekord. Er hat ein glückliches Händchen bei der Stückeauswahl und ist der Motor der Felsenbühne. Hoffen wir, dass er den Luisenburg-Festspielen noch lange erhalten bleibt.

Bereits seit 1999, also nunmehr 16 Jahren kommt Heinz Hellberg mit der Operettenbühne Wien nach Wunsiedel und auch mit der heutigen Vorstellung beweist er wieder, warum er Jahr für Jahr eingeladen wird und vor praktisch ausverkauftem Haus spielen kann. Er lebt die Operette und bringt sie farbenprächtig, ausgelassen mit exzellenten Singschauspielern auf die Bühne, die die Welt bedeuten. Er modernisiert die Operette nicht um dem Zeitgeist zu folgen, er passt höchstens das musikalische Arrangement der jeweiligen Operette an. Gerade bei „Maske in Blau“ die ja sehr viele Melodien enthält, die man auch den Anfängen des Musicals zuschreiben kann, ist dies von besonderer Bedeutung. Er selbst schreibt in seinem Programmheft: „Ich schreibe Operette in Anführungszeichen, da für mich die Musik von Fred Raymond der Vorläufer zum heutigen Musical ist. Ein Mix aus klassischen Liedern, heißen Rhythmen und schlagerähnlichen Melodien. Deshalb habe ich auch das Orchestermaterial neu arrangieren lassen, um den Sound der Musik der heutigen Zeit anzupassen.“ Ein schönes Bühnenbild, die Erfordernisse der Felsenbühne ausschöpfend und mit wenigen Umbauten versehen, dafür mit einer Unzahl von blauen Masken, im Rund der Bühne verteilt. Adrian Boboc hat hier das Beste aus der Möglichkeit der Bühne geschaffen und die Kostüme von Lucya Kerschbauer sind verschwenderisch, stimmig und farbenprächtig. Allein die Juliska muss vier oder fünf Kostümwechsel - vielleicht sind es auch mehr gewesen - durchstehen und eines ihrer Kostüme ist schöner als das andere. All dies macht dem Auge Freude und bringt manchen spontanen Applaus in die Aufführung. Es wird auch insgesamt nicht mit Applaus gegeizt, auch daran kann man ersehen, wie sehr es dem Publikum gefallen hat, wie sehr es mitgeht und wie die Melodien einfach ins Blut gehen. Das Orchester unter László Gyükér ist erstmals in einem groß dimensionierten Orchesterhüttchen, oder wie immer man das nennen soll, untergebracht. Natürlich ist dies bei Regen für die Musiker – und auch die Instrumente – viel besser, aber ich hatte das Gefühl, dass der Klang dadurch etwas gedämpft zum Publikum durchdringt und nicht mehr so frei und ungebunden wie in den zurückliegenden 36 Jahren, die ich bereits die musikalischen Auftritte in Wunsiedel besuche. Trotzdem hat er das Orchester im Griff, lässt auch gerne einmal die Pferde galoppieren um sich bei den Gesangsauftritten doch wohltuend und sängerfreundlich zurückzunehmen. Hellberg hat das Orchestermaterial neu arrangieren lassen, dadurch klingt alles etwas frischer, schmissiger, voller Pep, vielleicht ein ganz kleines bisschen zu jazzlastig. Aber da stehe ich mit meiner Meinung praktisch allein da, das Publikum jedenfalls geht begeistert mit und applaudiert voller Begeisterung. Wenn man es so sagen möchte, hat Hellberg versucht die Grenzen zwischen klassischer Operette und Musical zu verwischen bzw. anzugleichen. Der Chor und vor allem auch das sehr stark geforderte Ballett sind ausgezeichnet und überzeugen voll. Für die vorzügliche Choreographie zeichnet Enrico Juriano verantwortlich, bei der Maske muss man Mioara Dumitrescu lobend erwähnen.

Evelyn Valera, die schöne Plantagenbesitzern wird von Judit Bellai gesungen und gespielt. Und beides macht sie hervorragend. Mit schönem, leicht ansprechendem, in der Höhe leuchtendem Sopran verzaubert Judit Bellai nicht nur Armando sondern auch das Publikum. Als Armando Cellini kann der Tenor Thomas Markus brillieren. Sein durchschlagskräftiger, vollmundiger, strahlender und vor allen Dingen auch höhensicherer Tenor beeindruckt das Publikum und Signora Valera. Bei seinem Tenorschlager „Schau einer schönen Frau nicht zu tief in die Augen“, welches er Gott sei Dank nicht nur einmal singen muss, werden etliche Damen im Publikum schwach und würden sich selbst gerne von Thomas Markus nicht nur in die Augen schauen lassen. Beide exzellenten Singschauspieler harmonieren auch in ihren Duetten auf das vortrefflichste, was man gerade bei dem „Schlager“ „In dir hab ich mein Glück gefunden“ sehen und hören kann. Operettenseligkeit in Vollendung bei diesen beiden Ausnahmekünstlern. Ja und dann ist ja auch noch die Stütze der Operettenbühne. „Ja, das Temperament, ja, das Temperament, das liegt mir so im Blut“, dies scheint das Lebensmotto der Juliska in der Interpretation von Susanne Hellberg zu sein. Es ist nicht zu fassen, wie Susanne in immer wieder neuen und farbenprächtigeren Kostümen über die Bühne wirbelt. Gesanglich besticht sie mit Leidenschaft und Feuer und es ist fast nicht zu glauben, dass diese Ausnahmekünstlerin schon seit so vielen Jahren als Aushängeschild und Stütze der Wiener Operettenbühne agiert und all dies ohne scheinbar auch nur ein bisschen zu altern. Mit Alexander M. Helmer hat sie einen Partner, den man gerne einmal in größeren Rollen (auch im Bereich der Oper) sehen und hören möchte. Sie mit ungarischem Paprika, er mit spitzbübischem und leidenschaftlichem Feuer, dessen weicher und warmer Bariton aufhorchen lässt und dies auch schon seit geraumer Zeit bei dieser Bühne. Als Franz Kilian tritt David Hojsak auf, er bringt die Zuschauer mit seinem fröhlichen frischen Spiel auf seine Seite, vom gesanglichen her müsste er meiner Meinung nach noch etwas zulegen, da ist die Stimme momentan noch etwas zu klein. Der ergebene treusorgende Diener von Evelyn Valera wird überzeugend von Urs Mühlenthaler dargestellt. Präsent ist auch der Chef der Wiener Operettenbühne Heinz Hellberg, der den durchtriebenen und schmierigen Pedro dal Vargas darstellt. Er hat sich ein kleines Couplet in die „Maske in Blau“ geschmuggelt, bei welchem die Frauen der Schöpfung nicht so gut wegkommen. Tosender Applaus zeigt, dass auch dies gut ankommt, wenn es nur entsprechend vorgetragen wird. Mario Penev vervollständigt als Marchese Cavalotti das Ensemble.

Die Wiener Operettenbühne hat das Publikum wieder einmal über zwei Stunden begeistert, sie die Alltagssorgen vergessen lassen und sie mitgerissen. Die Operette wird, trotz aller Unkenrufe, nicht untergehen, solange es solche Aufführungen gibt und so freue ich mich schon heute auf das nächste Jahr in Wunsiedel, wenn „Der Bettelstudent“ auf dem Programm steht.

Kritik und Bilder von Manfred Drescher, 29.08.2015 

 

MASKE IN BLAU

Premiere: 20.8. 2015. Besuchte Vorstellung: 23.8. 2015

Operette ist keine Altersfrage – oder doch?

Otto Schneidereit, einer der großen Operettenkenner des 20. Jahrhunderts, dem wir einige wichtige Handbücher und Biographien ausgewählter Operettenkomponisten verdanken, merkte 1958 in seinem Operettenbuch an: „An jenem Tage, an dem der britische Botschafter in Berlin, Neville Henderson, die Worte niederschrieb: 'Die deutsche Luftwaffe wächst weiterhin mit beunruhigender Schnelligkeit, und zur Zeit ist kein Ende dieses Wachstums abzusehen' […] - an jenem Tage, an dem im spanischen Bürgerkrieg Tausende von Freiheitskämpfern ihr Leben lassen mussten – an jenem Tage, dem 27. September 1937, brachte das Berliner Metropol-Theater eine Uraufführung heraus. Mit diesem Werk gelang es“, so Schneidereit, „der 'Fratze in Braun' sich eine 'Maske in Blau' vorzubinden. Dieses Werk verband in raffinierter Weise den eleganten Kitsch einer lebensfremden Handlung derart mit modernen, schmissigen, sogar mitreißenden Rhythmen, dass die Musik auch heute noch unentwegt im Rundfunk erklingt und allerorts bekannt und beliebt ist.“ Fred Raymonds, Heinz Hentschkes und Günther Schwenns Werk sei „die deutlichste Ausprägung jenes Zweiges der Operette, der das Bild des Menschen entmenschlichte und verzerrte.“ Verzerrung? Beruht, mag der Laie denken, nicht jede Operette auf (freundlichen) Verzerrungen? Schneidereit entdeckte hier ein neues Element: einen „faulen Zauber“, der die Menschen „mit ihren Freuden und Leiden, mit der Vielgestaltigkeit ihrer Empfindungen nur als Schablonen inmitten einer Kitschpostkartenwelt“ darstelle. Und weiter: „Plumpe Erotik wurde dem Publikum als Beispiel echten Gefühlslebens suggeriert, der törichte Ablauf der Handlung als 'farbiger Abglanz des Lebens'“. Mit anderen Worten: die Operette ist ein Machwerk mit einer Musik, der man, wenn auch widerwillig, gewisse Qualitäten nicht absprechen kann. Das Stück aber bleibt, so die strenge Meinung des Kritikers, ein schlimmer Unsinn.

Heinz Hellberg, der Direktor der Wiener Operettenbühne, die zum wiederholten Mal auf der Luisenburg gastiert und bei der Maske in Blau auch Regie geführt hat, sieht es vielleicht ähnlich, formuliert es aber – gegenüber dem ausverkauften Nachmittagshaus, in dem sich fast ausschließlich die Generation der Kriegskinder zusammengefunden hat – ausgesprochen positiv: Die Operette sei ein modernes Märchen. Man kann's bekanntlich auch anders sehen – aber wer auf die Luisenburg kommt, erwartet keine kritischen Deutungen und keine „Regiekonzepte“. Er erwartet „tolle Sänger“, ein „hohes“ und ein „niedriges“ Paar, ein schönes Tanzensemble (fesche Madln und Jünglinge aus Wien), hübsche Kostüme, ein paar Witze, ein paar mehr oder weniger gewichtige Konflikte, einen Schuss Exotismus und „schöne Musik“. Die wird ihm auch in diesem Jahr – obwohl Raymonds Werk längst nicht die musikalische und humoristische Qualität der letztjährigen Zirkusprinzessin besitzt – auch geboten. Die Schlager heißen Maske in Blau, Die Juliska, die Juliska – und (die große Nummer für den Tenor) Schau einer schönen Frau nicht zu tief in die Augen. Man tanzt den Frühling in San Remo und besingt das Temprament - und der Schluss ist eine große Shownummer mit allen Beteiligten, denn Raymonds Operette ist eine „Ausstattungs-Operette“ in 8 bzw. (so legen es die Aufführungsmaterialien fest) 6 Bildern, aus denen man vier gemacht hat, denn es reicht völlig aus, dass die Grauen dreimal auf die Bühne schwirren.

Man spielt das Stück, weil es schöne sentimentale Nummern für Sopran und Tenor hat und in den „komischen“ wie schnellen Nummern Foxtrott und Machiche, Csárdás und Swingfox ins Stück bringt. Karl-Heinz Siebert, der Werkartikelautor, spricht in Pipers Enzyklopädie des Musiktheaters von einer „farbenreichen Partitur“, von „Spannungsfeldern“, die „aus der Polarität von melodramatischer Großflächigkeit und origineller Schlagermelodik und -rhythmik heraus entstehen.“ Nun ist das gewiss nicht originell, denn – da muss man nur ins letzte Luisenburgjahr schauen – auch die ältere Zirkusprinzessin weist ja diese „Spannungsfelder“ auf: zwischen 20er-Jahre-Tänzen und sentimentalen Liedern und Duetten. Kein Wunder, dass auch Siebert angesichts der Dramaturgie, die nur allzu vertraut ist, und die im „tragischen“ Finale des 3. Bildes nur mehr einen Abklatsch eines älteren Modells bildet, der sich einer rechten Banalität verdankt (da wird ein Verlobungsring vom störenden und eifersüchtigen Dritten absichtlich vertauscht und dem Liebhaber zurückgegeben) – kein Wunder, dass der Artikelschreiber nicht verhehlen kann, dass es „nicht gelang, das Libretto einer gewissen Klischeehaftigkeit der Konflikte zu entziehen.“

Nun spielt man die Operette gewiss nicht aufgrund ihres Librettos – und die Schauwerte, die da beschworen werden, erhalten in der Ausstattung auf der Luisenburg keine besondere Nahrung. 10 über die Felsen drapierte blaue Masken, ein paar Versatzstücke und zweidimensionale Kakteen, zwei Eingänge links und rechts, ein schlichtes „Maleratelier“ mit ein paar mehr oder weniger geschmacksfreien „Kunstwerken“ - das ist es dann schon. Aber die 1700 Besucher kommen ja wegen der Musik, dem Tenor, dem Sopran, dem komischen Paar und den Ballettmäusen. Immerhin hier werden sie gut bedient. Wer die langen, relativ pointenfreien Dialoge überstanden hat – sie werden übrigens vom guten, dankbaren Publikum ebenso honoriert wie die Musiknummern -, bekommt ein paar schöne Nummern serviert, die von den Profis des Operettentheaters kredenzt werden. Was schert einen die schlichte Geschichte um den Maler Armando Cellini und seine Muse Evelyne Valera, um die billige Intrige des chauvinistischen Pedra dal Vegas', dem es kurz gelingt, das Paar, das sich da – o Operettenwunder! - in Liebe gefunden hat, auseinanderzubringen? Was kümmert einen die durchschaubare Dramaturgie, wenn man Sängerpersönlichkeiten wie Csaba Fazekas und dem Operetten-Vollweib Elena Schreiber bei der Arbeit zuschauen und -hören darf?

Fazekas ist der vollkommene, aber nicht abgeschmackte Operettentenor: schlank, gut aussehend, beweglich, auratisch – und mit einer spannungsvollen Höhe und Stärke gesegnet, die aus seiner „großen Nummer“ Schau einer schönen Frau mehr macht als eine banale Operettenweisheit. Man muss nicht gleich von „realistischem Musiktheater“ reden, wenn man derartige Lieder in derartig stilsicheren wie ernsthaften Interpretationen hört. Unversehens wird klar, dass selbst im „Kitsch“ der Liedtexte einer nicht sonderlich avancierten Operette, die gerade mit den (ideologisch problematischen) Revuefilmen der Nazizeit konkurriert, tiefe Wahrheiten stecken: selbst im Zeitalter der sog. Emanzipation, der Beziehungsberater und -gestörten. Dazu passt, dass auch Elena Schreiber als Plantagenbesitzerin Evelyne Valera den modischen und durchaus nicht tiefsinnigen Typus der Grand Dame stimmlich überzeugend verkörpert: ohne Exaltiertheit, aber mit schönem Ansatz und vitaler Höhe.

Was wissen die 1700 Kriegskinder von diesen Wahrheiten? Vermutlich mehr als ein jüngeres Publikum. Schön ist ja schon der Beifall (Beifall!), den sie dem Paar, das sich da endlich in der Umarmung gefunden hat, deutlich zollen, wenn die Beiden sich küssen. Applaus für einen Bühnenkuss – eigentlich ist das doch wunderbar...

Applaus erhält natürlich auch wieder das Lustige Paar, auch der Intrigant. Der Prinzipal Heinz Hellberg spielt ihn selbst: mit wunderbarer ironischer Verve eines echten Macho, der die gewiss nicht ernstgemeinten Unmutsbekundungen des weiblichen Publikums mit lässiger Geste scheinbar mürrisch von sich weist. Das ist lustiger als alle Witze, die David Hojsak als Petrijünger Franz Kilian von sich geben muss (doch ist der junge Mann sympathisch genug, um die blöden Witze fast vergessen zu machen). Alexander M. Helmer, ein sehr guter Bariton, mimt den eher derben Lebemann „Seppl“, zu dem die leicht präpotente Juliska Varady in Gestalt der quicken Soubrette Susanne Hellberg trefflich passt. Charleston-Stimmung!

Bleibt der Majordomus Gonzala, der mit Urs Mühlenthaler eine – nun ja: leicht bizarre Erscheinung gefunden hat, die freilich vom Publikum geliebt wird. Aber was für eine monströse Bauchbinde...

Also Schwamm drüber über die Kostümgestaltung Lucya Kerschbaumers, die sich nicht entscheiden kann, ob sie das Stück in den 20ern, zur Entstehungszeit 1937 oder in irgendeinem Fernsehballettzeitalter spielen lassen möchte. Dass Csaba Fazekas im letzten, südamerikanischen Bild das Oberteil trägt, das Placido Domingo als Lohengrin an der Wiener Staatsoper trug: es ist zum einen bewegend, zum anderen typisch für die Bedingungen, unter denen die ästhetische Gestaltung vor sich ging: mit ausgemusterten Teilen, die sichtbar nicht zusammenpassen.

Dafür bietet das schneidig aufspielende Orchester unter der Leitung László Gyükérs eine höchst gelungene Big-Band-Melange aus Alt und Neu: die Bläser röhren, das Schlagzeug blecht, die Streicher singen – und das von Enrico Juriano choreographierte, zehnköpfige Ballett-Ensemble (von dem man jedes einzelne Mitglied nennen müsste) bietet eine hübsche Show, die weder zu primitiv noch zu ausgefallen ist. Es erfreut die Augen aller Besucher: der weiblichen und der männlichen.

Vielleicht ist Operette ja doch keine Altersfrage – zumindest keine Senioren-Angelegenheit, für die sie, bisweilen leider mit nachvollziehbaren Gründen, genommen wird.

Frank Piontek, 24.8. 2015

Fotos: Luisenburg-Festspiele / © Stefanie Althoff und Frank Piontek

 

 

DIE HOCHZEIT DEWS FIGARO

Gastspiel der Landesbühne Sachsen.

Premiere: 22.8. 2014

Feingewirkte Musikdramatik

Schon die Landschaft eignet sich für den Garten-Akt. Tatsächlich erreicht ein Sänger, der oben auf dem Felsen steht, der wie ein Krokodilfelsen aussieht, mit normaler Stimme das ganze Auditorium. Es liegt gewiss nicht daran, dass man hier die Oper auf deutsch gibt. In diesem Fall steht Cherubino im Wald der Luisenburg: ein junger Mann mit Lackledercorsage.

Mozarts „Hochzeit des Figaro“ ist, wie Joachim Kaiser einmal gesagt hat, „einer der spirituellen Höhepunkte der Musikgeschichte“ - also muss man die Meisteroper auch auf der Luisenburg spielen. Die Natur trifft auf die Zivilisation, die latente Zeitlosigkeit von Wald und Fels auf jene der Inszenierung. Die Landesbühne Sachsen, die ansonsten in der Felsenbühne Rathen spielt, und die Regisseurin Anja Sünermann, die mit scheinbar leichter Hand die detailreiche Handlung inszenierte, behaupten nicht, dass die Komödie des ausgehenden Ancien Régime heute spielt. Sie würden auch nicht darauf beharren, dass sie kurz vor 1789 angesiedelt ist; die Kostüme zeigen uns eine fantastische Welt zwischen Gestern und Heute, in die der Schwarze Graf, der am Ende trotz ergreifendster Verzeihungsgeste stolz bleibt, ebenso hineinpasst wie die Frauen mit den Polyesterröcken und Pseudo-Rokoko-Oberteilen. Steil und „geil“ sind hier nicht nur die erigierten Frisuren der sehr komisch agierenden Marcellina und des Don Bartolo, steil ist vor allem der Graf, auf den Susanna erotisch stärker reagiert, als es sich Mozart und Da Ponte vorgestellt haben. Ansonsten triumphiert hier nicht das sog. Regietheater: eine Fernbedienung, mit der man auch Türen sprengen kann, ist neben vier zusammenschiebbaren Kunststofftischen, der Hälfte einer metallenen „Half pipe“ und einem Quicky das einzige modernistische Requisit. Man zeigt hier vor allem, wie schon zuvor in der „Zirkusprinzessin“, ein sehr bewegliches, gelegentlich bewegendes Spiel.

 

Bewegend ist vor allem eine Stimme: Stephanie Krone (nomen est omen) ist eine Gräfin, deren dynamisch volle, reizvoll tremolierende Stimme die melancholischen Gefühle der Contessa ideal transportiert. Nur ganz weit oben rutscht sie manchmal allzu schnell in die Höhe. Keiner der Sänger – mit Ausnahme Miriam Sabbas, die eine entzückend lustige wie traurige Susanna gibt - hat eine Stimme, die an diesem Abend alle Ansprüche eines Stimmfetischisten befriedigt, aber jede vermag zu zeigen, dass auf sächsischen und fränkischen Felsenbühnen gute Oper gemacht wird. Kazuhisa Karumadas Graf, Paul Gukhoe Songs Figaro, Silke Richter Marcellina und Hagen Erkraths Basilio müssen keine Wettbewerbe gewinnen, um das Publikum davon zu überzeugen, dass „Figaros Hochzeit“ auf der Luisenburg nicht weniger stark wirken mag als in der Wiener Staatsoper - und das Orchester agiert unter Jan Michael Horstmann so erstklassig, wie es Mozarts feingewirkte Musikdramatik verlangt.

Frank Piontek, 23.8. 2014

Foto: Robert Jentzsch

 

 

DER ZIGEUNERBARON

besuchte Aufführung am 10.08.2013

„Ja, das schreiben und das Lesen“ wird einem in Wunsiedel beigebracht

Professor Heinz Hellberg und die Wiener Operettenbühne haben ein Gespür, mit welchen Operetten man die Besucher begeistert und von den Sitzen reißt. Ja, auch wenn die Operette immer wieder totgeschrieben wird, hat sie nichts von ihrem Zauber verloren und zeigt es seinen Kritikern immer wieder aufs Neue. Vor allem, wenn der Regisseur Heinz Hellberg auf altbewährtem vertraut und gerade dies macht den Reiz und den grandiosen Erfolg der Wiener Operettenbühne aus.

Ja und ein Johann Strauss begeistert halt die Besucher im ausverkauften Rund der wunderschönen Naturbühne, die nach der gelungenen Renovierung noch ansprechender und einladender geworden ist, auf der Luisenburg in Wunsiedel immer wieder. Nach „Die Fledermaus“ vor 2 Jahren und „Der Vogelhändler“ im letzten Jahr, hatte man sich diesmal mit „Der Zigeunerbaron“ einiges vorgenommen. Gerade dieses Stück verlangt erstklassige Sänger, aber gleichzeitig auch erstklassige Schauspieler – und leider passt dies oft nicht zusammen. Bei Heinz Hellberg muss man hier keine Sorgen haben. Ein neues Ensemble konnte auf den Erfolgen der letzten Jahre aufbauen und diese sogar noch toppen, obwohl das schon sehr schwer ist. Und wie so oft in den letzten Jahren sah man auf dem Nachhauseweg nur fröhliche Gesichter und was kann man Schöneres über eine Operettenaufführung sagen.

Und wieder macht es Freunde, diesen „Zigeunerbaron“ zu erleben. Altmeister Heinz Hellberg, der diesmal neben der Regie die Besucher begrüßte und dann den Taktstock an Dorian Molhov weitergab, inszeniert Operette so, wie sie der Liebhaber dieser Musikgattung erleben möchte. Tolle Kostüme von Lucya Kerschbaumer und ein tolles Bühnenbild von Adrian Boboc, die so herrlich auf eine der schönsten Naturbühnen Europas, der Luisenburg passen. Aufführungen in diesem Ambiente zu erleben, ist für mich immer ein besonderes Erlebnis, was ich nicht mehr missen möchte. Man verzeihe mir, dass ich die altbekannte Handlung nicht erzähle, sie dürfte jedem geläufig sein, jedenfalls jedem, der die Operette liebt. Und Heinz Hellberg lässt leicht und locker spielen und agieren und setzt die Pointen an die richtigen Stellen. Gelacht wird auch in diesem Jahr viel auf der Luisenburg.

Auch in diesem Jahr hat Heinz Hellberg mit seiner Operettenbühne Wien erneut das Glück scheinbar gepachtet, denn es fällt kein Tropfen Regen und die Aufführung läuft bei schönem Wetter ab. Da macht das Ganze natürlich noch einmal so viel Spaß.

Das Orchester ist gut aufgelegt und ein kongenialer Begleiter der Sängerdarsteller. Daniel Molhov führt es mit straffer, teilweise harter Hand, lässt aber den Sängern den notwendigen Freiraum und sie nicht von Orchesterwogen überdecken. Gesang und Musik verschmelzen zu einer stimmigen Einheit. Und natürlich ist „Der Zigeunerbaron“ ein wahres Eldorado für herrliche Soli, aber auch wunderschön ins Ohr gehende Duette und durchkomponierte Passagen. Wie man weiß, wollte Strauss ja die große Oper erobern. Dies ist ihm zwar nicht ganz gelungen, aber die musikalischen Reize des sehr stark durchkomponierten „Zigeunerbarons“ gehen schon sehr nahe an die Spieloper heran. Für all das braucht man natürlich auch hervorragende Singschauspieler, die von beiden das optimale verkörpern können. Und auch hier hat Hellberg wieder ein glückliches Händchen. Die Sänger sind durch die Bank sehr gut und können auch darstellerisch voll überzeugen. Der Chor, der wieder mit etlichen Solisten aus der Gegend aufgestockt worden ist und das Ballett der Operettenbühne Wien sind wie immer toll eingestimmt und machen es dem Publikum leicht, lautstark zu applaudieren – und dies tun sie zur Genüge und mit voller Berechtigung.

Giorgio Valenta gibt den Sandor Barinkay mit kräftigem, durchschlagskräftigen Tenor, dem die anspruchsvolle Partie gut „in der Gurgel“ liegt. Darstellerisch kommt er etwas steif über die Rampe, hier sollte er in Zukunft noch ein bisschen nachlegen, insgesamt aber ein sehr guter Gutsbesitzer. Seine Saffi ist Judit Bellai. Mit großem, voll erblühtem Sopran gibt sie eine vorzügliche Saffi, kann sowohl in den Soli, als auch besonders in den Duetten mit Giorio Valenta voll überzeugen. Mit weichem, vollem, klangschönem Alt gibt Elena Suvorva eine recht jugendliche Czipra. Großen Applaus erhält auch während der Szenen der schweinezüchtende Zsupan von Viktor Schilowsky. Er scheint hier eine Traumrolle gefunden zu haben, überzeugt stimmlich in allen Belangen und legt auch einen wunderbar verschlagenen Schweinezüchter auf die Bretter, die die Welt bedeuten. Eine ausgewogene überzeugende Leistung, sowohl stimmlich als auch darstellerisch. Viel Szenenapplaus ist ihm sicher. Seine Tochter Arsena wird von Angela Wandraschek verkörpert. Mit schlankem, zartem, dennoch durchschlagendem Sopran kann sie auch mit intensivem Spiel aus der kleinen Rolle eine große Rolle machen. Kirlianit Cortes gibt ihren Liebhaber Ottokar mit kleinem, etwas unbeweglichem Tenor. Der junge Sänger hat sicher noch Zeit, seine zu Hoffnungen zeugende Stimme noch weiter zu bilden. Mirabella wird von Elfie Gubitzer gegeben. Sie fällt nicht aus dem Ensemble ab und vervollständigt den guten Eindruck. Eine Klasse für sich ist der junge Thomas Weinhappel als Graf Peter Homonay. Mit einem stimmschönen, durchschlagskräftigen, weichen und vollem Bariton setzt er ein Zeichen. Ihn möchte man gerne einmal in einer größeren Rolle erleben. Zu Recht starker Beifall für ihn und seine Rollengestaltung.

Das Publikum geht die knapp zwei Stunden (in Wunsiedel gibt es ja kein Pausen) voll mit, spart nicht mit langanhaltendem Zwischenapplaus und einem langanhaltenden Schlussapplaus. Wieder einmal hat die totgesagt Operette gesiegt und die Menschen verzaubert. Wenn Heinz Hellberg auch in Zukunft seiner Linie treu bleibt, Operette so zu inszenieren, wird auf der Luisenburg noch viele Jahre die Operette eine tragende Rolle spielen. Im nächsten Jahr freue ich mich auf eine selten gespielte Operette, und zwar „Die Zirkusprinzessin“ von Emmerich Kálmán.

Manfred Drescher                                         Bilder: Manfred Drescher

 

DER VOGELHÄNDLER

wandert über die Luisenburg in Wunsiedel

Carl Zeller bei der Wiener Operettenbühne

Besuchte Aufführung: 11.08.2012

Eine ganz tolle „Fledermaus“ stellte die Wiener Operettenbühne unter Professor Heinz Hellberg im letzten Jahre auf die wunderschöne Felsen- bühne in Wunsiedel. Und dieses Jahr freute ich mich auf den „Vogelhänd- ler“. Vor allem, weil diese Operette ganz hervorragend auf diese gerade frisch und ganz hervorragend renovierte Naturbühne passt – und wenn dann noch alles weitere stimmt, ist der Erfolg vorprogrammiert. Und es war kein Erfolg, es war ein rauschender Erfolg. Froh und beschwingt tänzelte man (na ja nicht alle, aber fast alle) von der Felsenbühne hinunter zu den Parkplätzen und war sich sicher, wieder eine einmalige Darbietung der an Spitzenaufführungen reichen Wiener Operettenbühne miterlebt zu haben.

Es macht immer wieder Spaß eine Aufführung der Wiener Operettenbühne erleben zu dürfen. Spaß deshalb, weil der „Altmeister“ Heinz Hellberg die Operette nicht „verschandelt“. Er behandelt sie vorsichtig und er inszeniert sie so, wie man Operette inszenieren sollte. Er nimmt sie ernst, er behandelt sie nicht wie die uneheliche Tochter der Oper. Er weiß, dass man Könner in der Operette einsetzen muss und er weiß, dass die musikalischen Anforde-rungen der Operette sehr hoch sind. Und so inszeniert er nach acht Jahren erneut den „Vogelhändler“ in Wunsiedel. Damals war Susanne Fugger seine Briefchristel (welche in dieser Saison mit Verena te Best in der Rolle alter-niert), heute ist Verena te Best die reizende Postangestellte, doch dazu gleich mehr. Man möge mir verzeihen, dass ich jetzt noch etwas nachhole. Susanne Fugger heißt seit September Susanne Hellberg. Sie und Heinz Hellberg haben sich im Herbst das Ja-Wort gegeben, und ich darf mir

erlauben den Beiden die allerherzlichsten Glückwünsche zu übermitteln und Ihnen alles erdenklich Gute für die gemeinsame Zukunft zu wünschen.

Aber zurück zum “Vogelhändler“. Auch 2012 hat Heinz Hellberg mit seiner Operettenbühne Wien erneut das Glück des Tüchtigen. Die Aufführung, die natürlich bei schönem Wetter nochmal so viel Spaß macht, geht ohne einen Tropfen Regen zu Ende, jedenfalls in der von mir am 11.08. besuchten Nachmittagsvorstellung.

Das Orchester ist hervorragend disponiert und den Sängern ein zupak-kender, schmissiger Begleiter sich in den Soli aber zurückhaltend und die Sänger nicht übertönend oder gar zudeckend. Mit energischer, zupackender Hand, gleichzeitig aber auch zu zarten Tönen fähig, führt Daniel Molhov die Musiker durch das packende Geschehen. Ja, und der „Vogelhändler“ ist natürlich eine Fundgrube von wunderschönen, einschmeichelnden Arien und Duetten. Und diese werden durch ein Riege von erstklassigen Sängern, die sich auch darstellerisch nicht zu verstecken brauchen dargeboten. Chor und Ballett der Operettenbühne Wien sind wie immer hervorragend eingestimmt, sie verstehen es das Publikum zu begeistern.

An erster Stelle zu nennen die liebreizende Verena te Best, bei der man versteht, warum sich der Vogelhändler in sie verguckt. Sie ist jedoch nicht nur ein „Hingucker“ sondern hat auch einen zarten, jedoch durchschlags-kräftigen, klaren, frischen und leuchtenden Sopran. Eine ganz tolle Leistung. Ihr Adam ist am heutigen Nachmittag Anton Graner und er versteht es mit kräftigem, durchschlagskräftigen Tenor zu bestehen. Beim „Ahnerl-Lied“ ist er jedoch auch zu zarter Zurückhaltung fähig und erhält zu Recht viel Beifall. Dieser gilt auch für die mit warmem, kräftigem und leuchtenden Sopran versehene Elena Schreiber als Kurfürstin. Der Bassbariton Andreas Jankowitsch gibt einen verschlagenen und immer am Ball seienden Baron Webs und überzeugt mit seiner voluminösen kräftigen und schönen Stimme. Thomas Marcus als sein Neffe Stanislaus bringt einen hellen, hohen und sehr durchschlagskräftigen Tenor mit und gibt nicht nur mit dem Onkel ein gutes Paar ab. Linde Rupp hat als alternde Baronin Adelaide die Lacher auf ihrer Seite, auch wenn ihr am Schluss nicht so unbedingt zum Lachen ist. Auch stimmlich kann sie voll und ganz überzeugen, ebenso wie die beiden ihrem Gaul Zucker gebenden Prüfungskommissionsvor- ständen Professor Würmchen und Professor Süffle. Sie werden von Urs Mühlethaler und Peter Erelyi (der auch einen sehr guten Dorfschulzen Schneck darstellt) kongenial verkörpert.

Das Publikum geht von der ersten bis zur letzten Minute mit, lässt sich von den zauberhaften Melodien verzaubern und erfreut sich an einer vollständig stimmigen und humorvollen Operettenaufführung. Heinz Hellberg wird mit dieser Art Operette zu zelebrieren sicherlich auch in den nächsten Jahren ein gerngesehener Gast auf der Luisenburg sein. Im nächsten Jahr steht übrigens wieder einmal ein Strauss auf der Bühne und zwar „Der Zigeuner-baron“. Die Vorfreude ist bei mir jedenfalls schon wieder sehr groß.

Manfred Drescher                           Bilder: Wiener Operettenbühne

 

 

 

DIE FLEDERMAUS

flatterte über die Luisenburg in Wunsiedel

Besuchte Aufführung: 13.08.2011

Im letzten Jahr hatte es in Wunsiedel eine wunderschöne Aufführung von „Wiener Blut“ gegeben – und da man mit Strauss die Häuser voll bekommt, stand diesmal wieder ein Strauss auf der Bühne – und zwar die „Königin der Operette“, die unverwüstliche „Fledermaus“. Und um es auch jetzt gleich vorwegzunehmen, diese Aufführung war gelungen, gelungen in jeder Weise – in erster Linie musika-lisch, sowohl von den Solisten als auch vom Orchester unter der schwungvollen Leitung des „Alt-meisters“ Heinz Hellbergs. Gelungen auch im Bühnenbild, welches sich in die wundervolle Felsen-landschaft hervorragend einfügte. Zurzeit wird die Felsenbühne umgebaut und im nächsten Jahr war-ten wir gespannt auf den nächsten Hellbergschen Flügelschlag, dem unverwüstlichen „Vogelhändler“.

Aber zurück zur “Fledermaus“. Auch in diesem Jahr hatte Heinz Hellberg mit seiner Operettenbühne Wien wieder das Glück gepachtet. Denn so richtig Spaß machen die Aufführungen auf der wunder-schönen Bühne natürlich erst, wenn auch das Wetter passt – und auch hier hatten die Besucher (jeden-falls bei der von mir am 13. August besuchten Aufführung) das notwendige Glück, es blieb bis zum letzten Klang trocken und schön.

Hellberg ist ein Garant dafür, dass Operette richtig schön altmodisch inszeniert wird – und dies ist ganz und gar positiv gemeint. Ich kann die Alfreds in Naziunform, die Adeles mit entblößtem Ober-körper und ähnliches nicht mehr sehen und freue mich umso mehr, wenn ich mich hier bei der Wiener Operettenbühne entspannen und auf die herrliche Strauss’sche Musik konzentrieren kann. Die Inszenierung von Hellberg möchte, dass der Zuschauer und –hörer sich unterhält und viel lacht. Und dies kann er hier zur Genüge. Beste Unterhaltung im wahrsten Sinne des Wortes bietet die Auf-führung, auch wenn man vielleicht ab und zu dem Pferd ein bisschen zu viel Zucker gibt, unterhalt-sam ist es in jedem Fall. Und was will man eigentlich mehr – mehr als sich köstlich zu unterhalten. Von dem blendend aufgelegten Ensemble springt der Funke schnell auf das Publikum über, einen Ausfall gibt es nicht zu verzeichnen. Es gibt viel Applaus und leider auch das mehr oder weniger rhythmische Mitklatschen, welches mir überhaupt nicht, der Mehrheit des Publikums aber scheinbar sehr gefällt. Auch in diesem Jahr dauert die Aufführung wieder etwas länger als geplant, das gut ge-launte Publikum erklatscht sich eine Wiederholung nach der anderen.

Das Orchester ist bestens eingespielt, der Chor durchschlagskräftig und einsatzfreudig, das Ballett weiß zu überzeugen und die Kostüme sind stilsicher abgestimmt. Die Aufführung erwartet keine Problemlösungen, sie will unterhalten und das tut sie auf eine wunderbare Arte und Weise. Man ist beschwingt und so geht man auch die Melodien weiter summend, die Luisenburg nach der Auffüh-rung hinunter. Man hat sich amüsiert, sich blendend unterhalten, ist einfach glücklich.

Auf die Handlung gehe ich nicht ein, die kennt jeder Straussianer in- und auswendig. Aber ein paar Worte zu den Sängerdarstellern, die wesentlich zum Gelingen der Operette beitragen.

Mit angenehm weichem höhensicherem Tenor gibt der Hellbergsche „Haustenor“ Michael Kurz den Eisenstein, Alexandra Scholiks warmer, einschmeichelnder Sopran steht ihm in nichts nach, darstelle-risch halten sich beide dezent zurück, was den Rollen durchaus zu Gute kommt. Hristofor Yonov bringt als Alfred einen strahlenden Tenor mit, ebenfalls herausstechend wie die Adele der kokett-zarten Verena te Best als Adele. Ein „Urgestein“ der Operettenbühne Wien, die wie immer ausge-zeichnet singend, aber auch spielende Mezzosopranistin Susanne Fugger, führt als Prinz Orlowsky charmant durch das Geschehen. Georg Lehner als Frank, Thomas Weinhappel als Dr. Falke und vor allem Stephan Paryla-Raky als herrlicher Frosch vervollständigen das Ensemble.

Eine stimmige Aufführung, die das begeisterte Publikum zufrieden und glücklich nach Hause entlässt. Man hat nicht nur das Gefühl einer wunderschönen Aufführung beigewohnt zu haben, man hat diese heute wahrhaftig erlebt – und was sollte man eigentlich mehr erwarten.

Manfred Drescher 

 

DER OPERNFREUND  | Opernfreund.Contact@t-online.de