Gelsenkirchen: „Krabat“ Uraufführung

Zum Ende der vergangenen Spielzeit feierte die Oper „Krabat“ nach Otfried Preußlers gleichnamigen Roman seine Uraufführung am Gelsenkirchener Musiktheater im Revier. Leider mussten seinerzeit krankheitsbedingt einige Vorstellungen ausfallen, so dass sich erst jetzt die Gelegenheit ergab, das Werk etwas genauer zu betrachten. Die Steampunk-Band Coppelius feierte mit „Klein Zaches, genannt Zinnober“ bereits große Erfolge in Gelsenkirchen.
Entsprechend groß war die Vorfreude, auf ein Wiedersehen im Musiktheater. Zusammen mit den Klangzauberern von Himmelfahrt Scores entstand über mehrere Jahre hinweg diese neue Oper, die den charakteristischen Sound der Band mit opulenten Orchesterpassagen vereint. Für das Libretto hat Ulf Schmidt die Schlüsselmomente aus Preußlers bekannter Geschichte rund um den Meister der alten Mühle und seinen Burschen, die er in der „schwarzen Kunst“
unterrichtet, herausgelöst. Dies allerdings so geschickt, dass sich die Handlung in den rund drei Stunden Aufführungsdauer gut verfolgen lässt. Herausgekommen ist hierbei eine sehenswerte Oper, die vor allem auch als bildgewaltiges Bühnenspektakel daher kommt. Immer wieder hüllt dichter atmosphärischer Nebel die Bühne von Julius Semmelmann ein, so dass man sich auch optisch in die trostlose Gegend im Koselbruch bei Schwarzkollm versetzt fühlt. Dazu flackern immer wieder Videoeinspielungen (Judith Selenko) und Lichteffekte (Patrick Fuchs) auf, die von Regisseur Manuel Schmitt geschickt zu einem passenden Gesamtwerk zusammengefügt werden.

©Bettina Stöß

Musikalisch geht es für viele Opernbesucher sicher ungewohnt laut zu bei der hier vorgenommenen Vereinigung von Rock und Oper. Die Band Coppelius tritt in Form der Gesellen Lyschko, Lobosch, Andrusch, Kito und Hanzo auf, so dass die Musiker samt Schlagzeug, Kontrabass, Cello und Klarinette Teil der Handlung werden. Sänger Sebastian Schiller, seit der Spielzeit 2016/17 festes Ensemblemitglied am MiR, tritt regelmäßig auch als Sänger Bastille bei Coppelius auf. Als Krabat liefert er eine echte Glanzleistung ab. Überzeugend vermittelt er den Werdegang Krabats vom mittellosen Dorfjungen zu einer glaubhaften Gefahr für den Meister. Dieser wird verkörpert von Joachim G. Maaß, der sowohl
gesanglich wie auch vom Schauspiel einen eindrucksvollen Meister darstellt. Angelehnt ist dieser offenbar stark an die Spielfilmumsetzung aus dem Jahr 2008, dennoch gelingt es Maaß bleibende Erinnerungen zu schaffen. Auch Martin Petschan weiß als „naiver“ Juro zu gefallen. Bele Kumberger kann in der Rolle der Kantorka vor allem mit ihrem klaren Sopran überzeugen. Als Altgeselle Tonda steht in dieser Spielzeit der Bassbariton Piotr Prochera auf der Bühne, der Krabat in seinem ersten Jahr auf der Mühle als einziger Freund zur Seite steht.

©Bettina Stöß

Da die Handlung und deren optische Umsetzung einen Großteil der Bühne einnimmt und hierbei auch der hochgefahrene Orchestergraben bespielt wird, führt Peter Kattermann die Neue Philharmonie Westfalen im hinteren Teil der Bühne zu einer harmonischen Einheit mit den auf der Bühne agierenden Musikern. Die Komposition von Himmelfahrt Scores erinnert dabei immer wieder an große Filmmusik, was in diesem Fall dem Gesamtwerk sehr zu gute kommt.

©Bettina Stöß

Insgesamt darf sich der Theaterbesucher hier auf ein gelungenes Auftragswerk des Musiktheaters im Revier freuen, welches leider nur noch für drei Aufführungen Anfang November auf dem Spielplan steht. Da aller guten Dinge bekanntlich drei sind, darf man sich hoffentlich in einigen Jahren erneut auf eine Zusammenarbeit der hier beteiligten Akteure freuen, denn wie auch „Klein Zaches, genannt Zinnober“ vor einigen Jahren so überzeugt auch „Krabat“ auf ganzer Linie.

Markus Lamers, 26.10.2022


Himmelfahrt Scores und Coppelius – Krabat / Uraufführung am 05.06.2022 Musiktheater im Revier, Gelsenkirchen

Inszenierung: Manuel Schmitt

Musikalische Leitung: Peter Kattermann

Neue Philharmonie Westfalen & Band Coppelius

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