Osnabrück: „The Producers“, Mel Brooks

Premiere: 23. März 2019, besuchte Vorstellung: 5. April 2019

TRAILER

Zum großen Musicalerfolg haben es „The Producers“ nie gebracht, obwohl das Stück 2008 im Wiener Ronacher und 2009 im Berliner Admiralspalast zu sehen war. Umso erfreulicher ist es, dass das Theater Osnabrück jetzt eine unterhaltsame Aufführung, die mit dem hauseigenen Ensemble besetzt ist, auf die Bühne bringt.

Das Stück beruht auf dem Film „Frühling für Hitler“ von Mel Brooks aus dem Jahr 1968: Die beiden Musicalproduzenten Max Bialystock und Leo Bloom haben rausgefunden, dass sie bei einem Flopp-Musical die Gelder ihrer Förderer und Sponsoren unterschlagen können. Deshalb wollen sie mit dem Nazi-Musical „Frühling für Hitler“ einen Reinfall produzieren, der dann aber zum Kassenschlager wird.

Operntenor Mark Hamman spielt und singt den Altproduzenten Max als schmierig-gewieften Geschäftsmann. Als verklemmt-neurotische Type gibt Schauspieler Oliver Meskendahl den Leo. Dass Meskendahl in Osnabrück sonst auch Schurken wie den Gessler in „Wilhelm Tell“ spielt, spricht für seine Wandlungsfähigkeit, denn hier präsentiert er sich als großartiger Komiker. Zudem singt er seinen Part mit gut geölter Stimme.

Jan Friedrich Eggers spielt als Regisseur Roger De Bris alle Homosexuellenklischees aus, denn nicht nur bei „Frühling für Hitler“ geht es darum „alle Rassen, Religionen und sexuellen Orientierungen vor den Kopf zu stoßen“. Alt-Nazi Franz Liebeskind wird von Stefan Haschke als Psychopath mit Verfolgungswahn gespielt. Monika Vivell als Ulla bleibt zu sehr im Klischee der drallen nordischen Blondine verhaftet, was sich humoristisch recht schnell erschöpft.

Die Drehbühne von Christian Treunert bietet gute Möglichkeiten für die Umbauten, sodass schnelle Wechsel von Bialystocks Büro zum Broadway und diversen anderen Schauplätzen wie die Luxuswohnung des Regisseurs de Bris oder das Schrägdach von Nazi-Autor Franz Liebeskind, wo er sich um seine Stahlhelm-Taubenzucht kümmert, möglich sind. Die Regie von Dominique Schnizer bringt das Stück solide auf die Bühne und man hat viel Spaß an dem absurden Humor des Musicals. Gleichzeitig hat man aber auch das Gefühl, dass die Aufführung deshalb so gut ist, weil das Stück ein echter Knaller ist, und dass die Regie hier ruhig noch das eine oder Sahnehäubchen hätte draufsetzen können.

Die zehn Tänzerinnen und Tänzer der Dance Company des Theaters sorgen nur für begrenzten Schwung, was vor allem an den Choreografien Ricardo De Nigris liegt. Was hier zu sehen ist, wirkt meist nur wie das Pflichtprogramm und nicht wie die Kür. Die Tanzaktivitäten des Chores wirken auch recht müde. Da stellt sich die Frage, wieso man bei dieser Produktion nicht auch Studenten und Absolventen des Osnabrücker Musicalstudiengangs engagiert hat? In der „Addams Family“ vor zwei Jahren sorgten die Tanzeinlagen der jungen Leute für viel Schwung.

Kapellmeister An-Hoon Song hat sich in den letzten Jahren zu seinem echten Musicalspezialisten entwickelt. Auch bei diesem Stück sorgt er dafür, dass Mel Brooks Musik, die sich an den großen Klassikern des Genres orientiert, schön swingt. Da zeigt das Osnabrücker Symphonieorchester seine Vielseitigkeit und beweist, dass es neben der Kernkompetenz in Oper und Konzert auch eine starke Musical-Big-Band ist.

Rudolf Hermes 9.4.2019

Bilder (c) Theater Osnabrück