DER OPERNFREUND - 49.Jahrgang - Europas Nr. 1
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E.T.A. - Hoffmann Theater

(c) Thomas Bachmann

 

 

 

Die Sommer Oper Bamberg und „Die Zauberflöte“

Besuchte Vorstellung – Zweite Premiere am 22. Juli 2015

Ein schweres Stück erfolgreich gemeistert

Zum nunmehr sechsten Mal wird in Bamberg die Sommer Oper aufgeführt und es ist das 10jährige Jubiläum der Sommeroper. Alle zwei Jahre kommen junge, hoffnungsvolle Nachwuchskräfte nach Bamberg, diesmal waren es 427 Bewerbungen, aus denen 17 Künstler ausgewählt wurden, und erarbeiten sich in Workshops mit der Mezzosopranistin Angelika Kirchschlager in diesem Jahr „Die Zauberflöte“. Diese wird dann zum Teil in doppelter Besetzung einige Male aufgeführt. Diese Opernaufführung wird leider für lange Zeit die letzte musikalische Aufführung sein (bis hoffentlich 2017 zur nächsten Sommeroper), weil die neue Intendantin des wunderschönen E.T.A. Hoffmann Theaters rigoros alle Gastspiele, also auch Oper, Operette, Musical und Ballett gestrichen hat. Ein einmaliger Vorgang für ein Theater, welches solange ich denken kann, immer mit großer Begeisterung und noch größerer Resonanz diesen Theaterzweig in Form von Gastspielen immer angeboten hat. Hoffentlich schneidet man sich da nicht ins eigene Fleisch, denn die Abonnentenzahlen gehen seit dieser Ankündigung drastisch zurück. Nun erfreuen wir uns heute an Mozart, denn dieser steht auch in diesem Jahr auf dem Programm mit der doch recht schwierigen Einstudierung von „Die Zauberflöte“. Eine Dame im Foyer erklärte bei mir zu Beginn, dass sich da die Sommeroper wohl etwas überhoben habe und diesen Kraftakt nicht schaffen würde. Die Vorahnung dieser Dame hat sich aber so etwas von nicht erfüllt, wie es kaum mehr geht. Die Aufführung war gut durchdacht, hatte Feuer und Esprit und durch die Bank, bis auf ganz wenige Ausnahmen, junge unverbrauchte Stimmen, von denen einige mit Sicherheit eine große Karriere vor sich haben. Alle Verantwortlichen gehen davon aus – und hoffen es auch im Interesse des Publikums inständig - dass diese einmalige Möglichkeit junge Musiker und Sänger an die Bretter, die die Welt bedeuten heranzuführen (und es gibt schon eine ganze Reihe ehemaliger Teilnehmer, die an mittleren bis großen Häusern eine schöne Karriere begonnen haben) auch in der Zukunft weiter angeboten bleibt.

Die musikalische und künstlerische Leitung liegt in den Händen von Till Fabian Weser. Er ist der ruhende Pol, der Ansprechpartner, der Tröster, der Forderer, der Förderer, der Antreiber, der Beschützer und eigentlich auch ein bisschen die Vaterfigur für all die jungen Künstler. Ohne ihn hätte es diese einmalige Form der Operndarstellung nicht gegeben und er hat hier sein ganzes Herzblut hineingelegt – und das merkt man ihm auch an. Er lebt mit dem Orchester, führt es mit straffer Hand und lässt ihm gleichzeitig auch den nötigen Freiraum. Er gibt brausende Orchesterwogen, die durch den Saal schallen und er nimmt das gleiche Orchester dann zurück, wenn seine Solisten nicht zugedeckt werden sollen. Ein paar kaum ins Gewicht fallende Aussetzer und kleine Wackler sind nicht nur etwas der Nervosität geschuldet, sondern auch der Tatsache, dass die jungen Orchestermusiker extra für diese Sommeroper zusammengestellt wurden und natürlich noch nicht das blinde Vertrauen ineinander haben können. Unter diesen Umständen war die Leistung des Orchesters mehr als bewundernswert - ein extra Bravo dem Dirigenten und seinen Mannen. Als Tastenglockenspielerinm und am Hammerklavier ist Yuka Beppu eine sichere fehlerlose Begleiterin.

Regie führte Doris Sophia Heinrichsen, und man kann mit Fug und Recht behaupten, dass sie ein Gewinn für die Sommeroper ist. Sie versetzt die Handlung praktisch in eine alte Bibliothek, dem Inbegriff des allumfassenden Wissens. Dahinter werden Projektionen an eine Wand geworfen, also versucht mit einfachen Mitteln einen hohen Effekt zu erreichen – und dies ist gelungen. Die Hebebühne wird stark eingesetzt, auf verschiedenen Stufen erschließt sich die Geschichte, die sicher so bekannt ist, dass ich sie hier nicht wiedergeben muss. Gut, manches ist für einen alten Opernhasen wie mich etwas gewöhnungsbedürftig, der Papageno ist nicht in buntes Gefieder gekleidet, sondern tritt in einer Art Cowboykostüm auf, die Königin der Nacht schwebt auf einer Art Schaukel auf die Bühne, hoch über den Köpfen des Publikums, fast beängstigend, aber sie meistert dies mit Bravour. Egal wie man es sieht, diese Inszenierung ist durchdacht und wie aus einem Guss – und dem Publikum gefällt sie. Was will man mehr. Leider konnte ich nur die zweite Premiere besuchen und die Künstler der ersten nicht hören. Aber was hier geboten wird, ist aller Ehren wert. Als erstes sei die Pamina von Jasmin Maria Hörner genannt. Scheu, zart und zerbrechlich ist sie nicht nur schön anzusehen, sondern sie hat auch einen wunderschönen tragfähigen Sopran, den sie schon sehr professionell einzusetzen weiß. Das Publikum hält bei manchen unendlich zart gesungenen Passagen den Atem an und überschüttet die junge Sängerin mit tosendem verdientem Beifall. Ebenso ist ihr Tamino in der Gestalt von Saya Lee zu nennen. Der junge südkoreanische Tenor besitzt einen klaren hohen metallischen Tenor, den er auch entsprechend einsetzen kann. Seine Leistung ist der von Jasmin Maria Hörner ebenbürtig und sie ergänzen sich auch stimmlich als das allen Gefahren trotzenden Liebespaar. Es ist richtig eine Freude, beiden zuzuhören und zuzusehen. Frisch, fröhlich unbekümmert mit einem soliden warmen und prächtigem Bariton ausgestattet, kostet Oliver Pürckhauer seine Rolle genüsslich aus.

Man merkt ihm richtig an, wieviel Spaß ihm diese Rolle macht und dieser Spaß überträgt sich auch auf das Publikum. In der kleinen Rolle der Papagena gelingt Florentine Schumacher eine köstliche Verwandlung von einer Art besonders hässlicher fetter Miss Piggy zur liebreizenden Gefährtin Papagenos. Auch stimmlich gibt sie in ihrem Duett alles und macht einen äußerst guten Eindruck, wobei ihr natürliches und überzeugendes Spiel noch einmal besonders hervorgehoben werden soll. Svetlana Merzlova ist die Königin der Nacht, die vor allem ihre beiden mörderischen Koloraturarien professionell abliefert. Messerscharf werden diese praktisch in den Raum hineingeschossen und beeindrucken nicht nur mich. Eine reife Leistung der jungen Russin. Der ebenfalls sehr junge polnische Bass Bartosz Szulc gibt einen profunden Sarastro. Ein vollmundiger Bass, der gepflegt eingesetzt wird, gibt die Würde dieser Partie wieder. Etwas zu schwach war für mich der Monostatos von Lluis Frigola Rodriguez, dessen Stimme zu wenig durchschlagskräftig war, zu sehr gebremster Schaum. Darstellerisch gab es nichts an ihm auszusetzen, er der äußerlich schwarz gewandet den heimtückischen Moor verkörpert, wobei hier auch einmal ein Lob an die Maske von Elke Burmeister, die Kostüme von Chrysenda Sailmann und das Bühnenbild von Jens Hübner gegeben werden soll. Man merkte ihnen allen die Mühe an, die sie sich gegeben haben, um alles perfekt werden zu lassen. Die drei Damen der Königin sind alle gut bei Stimme und verkörpern die Xena-artigen Damen (durch ihre Kostüme) vortrefflich. Der Sopran von Simone Krampe harmoniert vortrefflich mit dem Sopran von Isabel Segarra und dem Alt von Ulrike Malotta. Ihr Terzett ist wunderschön gesungen und melodisch alles aufeinander abgestimmt. Ihre Aufgabe meistern auch die beiden Priester bzw. Geharnischten gut. Hier sind Johannes Schwendinger und Ferdinand Keller aufgeboten. Auch darstellerisch geben sie den beiden Partien entsprechenden Ausdruck. Die drei Knaben werden mit zarten reinen und wohltönenden Stimmen von den Augsburger Domsingknaben Julian Romanowsky, Benedikt Hillringhaus und Raphael Häußler gegeben. Sie freuen sich über den starken Beifall auch ganz besonders.

 

Zusammenfassend kann man sagen, dass es eine überragende und nicht genug zu lobende Leistung war, von allen Beteiligten – sondern darüber hinaus auch ein äußerst außergewöhnlicher Kraftakt. In dieser kurzen Zeit mit all den jungen Künstlern eine Aufführung auf die Bretter zu bringen, die aus meiner Sicht einmalig war. Sicher wird es wieder Leute geben, die das ein oder andere auszusetzen haben und alles in Frage stellen. Die sollte man einfach stehen lassen und sich den Spaß, so etwas Einmaliges, wie hier in Bamberg zu erleben, sich nicht zerreden zu lassen. Hoffen wir, dass die Förderer in Zukunft nicht nur bei der Stange bleiben, sondern vielleicht sogar noch eine kleine Schippe drauflegen und in diesem Zusammenhang ein großes Dankeschön an den Förderverein der Sommeroper und alle die vielen Sponsoren, ohne die ein solcher Mammutakt nicht denkbar gewesen wäre.. Dieses „etwas drauflegen“ haben alle Beteiligten verdient, die mit Herzblut, Eifer, Einsatz, aber auch mit einer ganz großen Portion Können diese Sommeroper in Bamberg wieder zu einem besonderen Ereignis gemacht haben.

Manfred Drescher 23. Juli 2015  

Bilder Thomas Bachmann und Gerhard Schlötzer, Sommer Oper Bamberg

 

 

 

MY FAIR LADY

Bamberger E.T.A.-Hoffmann Theater am 5.3.15

Premiere Coburg am 18.10.14

Musical in flotter Art und Weise bringt Stimmung nach Bamberg

Heute nun der nächste Bericht aus dem wunderschönen E.T.A.-Hoffmann-Theater im herrlichen Städtchen Bamberg. Und diesmal ist das Landestheater Coburg zu Gast und zwar mit einem der bekanntesten Musicals überhaupt, der „My Fair Lady“. Das ich nicht unbedingt der größte Verehrer der Musicalszene bin, brauche ich wohl nicht extra zu betonen, ich habe schon öfter darauf hingewiesen. Und trotzdem, auch ich verlasse das Theater fröhlich und aufgekratzt und mit einem flotten Liedchen auf den Lippen. Der bekannte Schauspieler, Regisseur und Autor Holger Hauer hat sich des Stoffes angenommen und er hat eines auf jeden Fall getan. Er hat die betuliche Geschichte der Blumenverkäuferin aus der unteren Ebene nicht neu erfunden, aber er hat sie vom Staub befreit und er hat eine witzige und bunte Version der Eliza Doolittle auf die Bretter gestellt. Frisch und doch fast wie neu erfunden lässt er die Figuren um Eliza agieren und man merkt ihm die Freude daran an, was er da tut. Nicht nur als exzellenter Regisseur sondern auch als machohafter ausgezeichneter Darsteller des Professor Higgins. Er lässt das Stück in der Übersetzung von Robert Gilbert daherkommen und es gelingt ihm die bekannte Geschichte transparent, verständlich und verstehend zu gestalten. Wie aus einem Stück gebacken könnte man fast sagen. Da stören noch nicht einmal die von mir so verpönten Mikrofone der Darsteller. Das Bühnenbild von Karel Spanhak weiß in seiner schlichten Überzeichnetheit voll zu überzeugen. Der überdimensionale Sprachtrichter des Professors in leuchtenden Farben ist eines der gelungenen Einfälle.

Dem stehen die Kostüme von Sven Bindseil in nichts nach. Die Choreographie von Jochen Schmidtke als auch die hervorragende Choreinstudierung von Lorenzo da Rio formen das Ganze zu einem bunten frischen Spektakel, welcher eines tun soll, unterhalten und dies wird mit Bravour erreicht. Die musikalische Leitung liegt in den Händen von Daxi Pan, der das Orchester gekonnt im Griff hat und es teilweise aus dem Orchestergraben nur so heraussprudeln lässt. Leider lässt er es manchmal etwas zu sehr sprudeln und deckt damit leider den einen oder anderen Musicaldarsteller doch etwas zu. Gerade weil wir es hier nicht mit großen durchschlagskräftigen Opernstimmen zu tun haben, wäre ein klein bisschen mehr Rücksichtnahme auf die teilweise doch etwas schwächeren Stimmen ratsam gewesen. Gerade weil sich alle mit Leibeskräften darum bemühen, eine gute Figur sowohl darstellerisch als auch stimmlich ab zu geben. Und im Großen und Ganzen gelingt es ihnen auch überwiegend. Die Eliza Doolittle der Anna Gütter jedenfalls wird zum Publikumsliebling des ausverkauften Hauses. Sie zeichnet den Wandel von der Straßengöre bis hin zur Lady überzeugend. Mit hervorragendem Spiel und auch einer schönen warmen Sopranstimme wird sie zum Mittelpunkt der Szenerie und ihr traut man auch das Kunststück zu, den Professor zu zähmen, denn am Ende lässt sie sich von ihm die Pantoffeln bringen – und er gehorcht. Der bekannte Film- und Fernsehdarsteller Holger Hauer hat sich in der Inszenierung den liebenswerten Zyniker und Frauenverachter gekonnt auf den Leib und die recht ordentlichen Stimmbänder geschrieben.

Für einen Musikaldarsteller jedenfalls kann er stimmlich recht gut gefallen, ebenso wie sein Freund Oberst Pickering, der von Nicklaus Scheibli in überzeugender Manier auf die Bretter gestellt wird. Er, der versucht die junge Eliza von dem doch zuweilen übermachohaften Professor „zu retten“. Ihm zur Seite Kerstin Kluge als Mrs. Pearce, der Haushälterin und fast möchte man sagen mütterlicher Freundin des jungen Eliza. Deren Vater, einem unentdeckten Philosophen, gleichzeitig aber Säufer par excellence Alfred P. Doolittle wird von Michael Lion auf die Bretter gestellt. Ihn kann das Orchester nicht übertönen, er ist als Müllkutscher, der alles herausholen will, nicht für seine Tochter sondern für sich, sicherlich einer der heimlichen Geliebten des Publikums. Wer möchte mit dem alten Schwerenöter nicht mit zum Hochzeitstanz gehen, bei dem man von vorneherein schon weiß, dass es sicher nicht auf Ewigkeit halten wird. Der verliebte Schwärmer Freddy Eynsford-Hill wird mit kräftiger überzeugender Stimme von Jiri Rajnis dargeboten und er macht die Verliebtheit und seine Schwärmerei glaubhaft. Gabriele Künzler kann in der Rolle von Mrs. Higgins, der Mutter des Professors, die es mit ihm sicher nicht immer leicht hat, voll überzeugen. Das Publikum ist begeistert und zufrieden, großer langanhaltender Applaus zum Ende des Musicals und auch der Kritiker geht zufrieden nach Hause, hat er doch heute eine fröhliche unbeschwerte Aufführung erlebt, bei der sehr viel Herzblut dabei gewesen ist

Manfred Drescher 09.03.2015          

Bilder: Henning Rosenbusch, Coburg

 

 

Große Stimmen brauchen keine großen Bühnen und keine Bombenausstattung

AIDA

E.T.A.-Hoffmann Theater am 27.11.14         

Premiere in Hof am 20.09.13

Ein Stimmenfest

Ich freue mich, dass ich heute das erste Mal aus dem wunderschönen E.T.A.-Hoffmann-Theater aus meiner geliebten Heimatstadt Bamberg, der „Traumstadt der Deutschen“ berichten kann. Man möge mir mein Schwärmen verzeihen, aber es gibt keine Stadt, in der ich lieber leben möchte. Leider ist das Theater nur ein Schauspieltheater und hat auch ein solches (übrigens ausgezeichnetes) Ensemble. Bei den musikalischen Ereignissen muss man sich auf die Gastspiele, vorwiegend aus Hof und Coburg freuen – und natürlich auf die Aufführungen der Bamberger Sommeroper, über deren letzten Auftritt ich ja bereits berichtet habe. Das Bamberger Theater wurde 1803 eröffnet und in der darauffolgenden Zeit immer wieder um- und ausgebaut und besteht aus einer Vielzahl verschiedener unterschiedlicher Gebäude und Entstehungszeiten. Das Theater weist Elemente aus Barock, Biedermeier und Jugendstil auf und wurde nach einer aufwendigen Sanierung von 1993 bis 2003 (wo man auf verschiedene Spielorte ausweichen musste) wieder eröffnet. Seit dieser Zeit bilden der gläserne Foyer Riegel und die Eingangshalle mit dem Kassenbereich eine schöne und einladende Symbiose. Neben der Hauptbühne, also dem eigentlichen Theater mit knapp über 400 Plätzen gibt es noch eine sogenannten Studiobühne für etwa 100 Besucher, sowie ein Gewölbe und einen Treff für kleinere Angebote und etwa 60 Plätzen. Das E.T.A.-Hoffmann-Theater ist eine aus Bamberg nicht mehr wegzudenkende Institution und wird von den Bambergern geliebt und gerne und oft besucht. In unregelmäßigen Abständen werde ich von den musikalischen Gastspielen berichten und natürlich im nächsten Sommer von „Die Zauberflöte“, der nächsten großen Aufführung der Bamberger Sommeroper, welche zu einer festen Größe in der Theaterlandschaft in Bamberg geworden ist.

Ich weiß nicht genau, die wievielte „Aida“ dies in meinem Leben war, die 26 oder 27te und immer wieder gehe ich gerne in diese, eine meiner Lieblingsopern. Von vornherein war klar, dass es keine Elefanten und Pferde auf der Bühne geben wird, wie zum Beispiel teilweise in Verona oder St. Margarethen, aber ein bisschen hatte ich schon auf eine konventionelle Inszenierung gehofft. Dies war vergebens, ob leider oder Gott sei Dank ist wie vieles im Leben Geschmackssache. Diese Hofer Aida war in erster Linie ein Fest der Stimmen und des Orchesters – und da geriet die Inszenierung schon ein bisschen in den Hintergrund. Klaus Kusenberg, der für die Inszenierung verantwortlich zeichnet, nimmt „Aida“ sehr ernst, seine Personen treten klar gezeichnet auf, teilweise distanziert voneinander, teilweise dunkel und düster. Radames kann nicht die Tochter des größten Feindes lieben, dies ist von vornherein zum Scheitern verurteilt. Das Bühnenbild von Günter Hellweg passt sich der dunklen Inszenierung an. Auf schwarzem Grund markierte weiße Kreuze erinnern doch schon sehr stark an einen Soldatenfriedhof, alles ist dunkel und mit wenig Aufwand gezeichnet. Zwei Wände, die sich gegeneinander bewegen und dazu zwei Vorhänge, die entsprechend drapiert werden, dies ist alles, mehr kann man aber wohl auch auf eine kleine Bühne nicht zaubern. Videos von Boris Brinkmann werden auf die Vorhänge geworfen, sollen auf den kriegerischen Hintergrund hinweisen und auf die Abscheulichkeit des Krieges. Die Kostüme von Annette Mahlendorf entsprechen dieser Haltung und sind zweckdienlich, aber durchaus vertretbar. Der Chor wird in verschiedene Phantasieuniformen östlicher Diktatoren gesteckt, die Abzeichen der Revolution fehlen teilweise nicht. Radames in unterschiedlichen Bekleidungen bis hin zur tollen Sonntagsausgehuniform, Amneris die sich kostümmäßig häufig verändert und Aida in das rote Einheitskleid getaucht, welches sie nicht wechselt. Man kann mit dieser Inszenierung recht gut leben, vor allem, wenn wie hier stimmlich und vom Orchestergraben her alles passt und mehr als das. Lediglich der Triumphmarsch ist mir zu abstrakt, zu wenig „pompös“, denn er soll ja den gewaltigen Triumph und den vernichtenden Sieg über den Feind darstellen und demonstrieren. Gut, aber alles ist im Rahmen dessen, was man erwarten und auch verarbeiten kann.

Erwähnt seien noch die exzellente Choreinstudierung von Cornelius Volke und die Choreographie von Barbara Buser. Der Chor von Hof ist eine Extraklasse für sich, vor allem wenn er so klar, so machtvoll und durchschlagskräftig auftritt wie hier in Bamberg und auch zusätzlich für diese Inszenierung noch verstärkt wurde, dazu passt auch die perfekte Choreographie.

Die Hofer Symphoniker haben in Bamberg einen exzellenten Tag erwischt, und GMD Arn Goerke tut das seine zum musikalischen Gelingen dazu. Kraftvoll hat er das Orchester im Griff. Er lässt es zart erblühen und in den dramatischen Passagen aufwühlend die ganze Macht und Wucht demonstrieren. Gleichzeitig aber nimmt er es mit einfühlsamer Hand zurück, wenn es den Sängern gefährlich werden könnte, dann umschmeichelt das Orchester den Gesangspart und lässt ihm die notwendige Freiheit und dem Zuhörer ein einmaliges Erlebnis.

Und dann kommen die Sänger und hier muss man sagen, dass man in Hof mit der Besetzung einen Glücksgriff gemacht hat. Der Hofer Radames ist der kanadische Tenor Mario Zhang, der mich vor einigen Jahren bereits in dieser Rolle in Gut Immling begeistert hatte. Und auch heute ist er wieder der alles überstrahlende Feldherr. Er verbindet sich mit der Rolle und lebt sie. Seine Spitzentöne kommen glasklar, knallhart und dennoch schweben sie zart über der Bühne. Einen Radames, der sich so in die Rolle stürzt ist nicht so oft zu sehen und vor allem zu hören. Dass er in der Darstellung manchmal etwas steif agiert, wäre beckmesserisch ihm anzulasten. Eine Spitzenleistung, die er an diesem Abend wieder einmal abliefert.

Tamara Haskin ist ihm eine mehr als ebenbürtige Partnerin. Ihr Sopran schwingt sich leicht zu den entsprechenden Höhen auf, spricht jederzeit sofort an, ist warm und blüht auf, dort, wo es erforderlich ist. Intensiv auch ihr Spiel, gut gezeichnet ihre Stellung gegenüber der Königstochter Amneris, die von Roswitha Christina Müller in beeindruckender Weise dargeboten wird. Sie gestaltet den Part der königlichen Gegenspielerin mit leidenschaftlichen Ausbrüchen, die Stimme sitzt, vor allem in den dramatischen Momenten kann sie sie voll ausspielen. Beiden Sängerinnen gelingt eine überzeugende Rolleninterpretation, sowohl vom rein stimmlichen als aber auch vom gestalterisch- darstellerischen her. Beeindruckt hat mich an diesem Abend vor allem auch der kraftvoll, durchschlagskräftige Bassbariton Sangmin Lee als Amonasro, dem Vater Aidas und König von Äthiopien. Seine warme, ausdrucksvolle und den Raum sonor füllende Stimme konnte das Publikum begeistern und man freut sich jetzt schon, ihn in weiteren Rollen zu erleben. Der König und Vater Amneris wird überzeugend von Hyung Wook Lee dargeboten, auch er hat keinerlei Aussetzer und ist, noch recht neu im Hofer Ensemble, mit Sicherheit eine Bereicherung. Jens Waldig kann ebenfalls als Oberpriester Ramphis beeindrucken, seine schöne Baritonstimme weiß zu überzeugen, gerne würde man ihn auch in einer größeren Rolle bewundern. Kein Ausfall, sondern eine solide Ergänzung des Ensembles Matthias Frey als Bote. Leider nur zu hören, dies aber mit ansprechender warm und wohlklingender Stimme Inga Lisa Lehr als Tempelsängerin. Das Publikum war von der musikalischen Umsetzung des (aus meiner Sicht) schönsten Werkes Verdis beeindruckt und spendete reichlich und langanhaltenden Applaus. Leid getan hat mir nur wieder einmal meine Frau, die nach der Sterbeszene wieder sämtliche Taschentücher ihrer recht ausladenden Handtasche benutzen musste. Gleichwohl freut sie sich mit mir auf die nächste „Aida“, wo immer wir sie auch wieder hören und sehen dürfen. Ein großes Lob an eine Bühne, die man gemeinhin als provinziell zu bezeichnen gedenkt. Wenn in der Provinz überall so hervorragend und exzellent Meisterwerke wie „Aida“ aufgeführt werden, ist es mir um die musikalische Seite nicht bange in Deutschland. Möge man die Operette und auch die Oper immer wieder versuchen totzureden und zu diskreditieren, mit solchen Aufführungen zeigt man, dass die Oper lebt – und wie.

Manfred Drescher 03.12.2014          

Bilder: Harald Dietz, Hof

 

 

DON GIOVANNI

Besuchte Aufführungen am 09. und am 10.10.2013 im E.T.A.-Hoffmann-Theater

Begeisterte Zuschauer ergötzen sich an Mozart und dem sängerischen Nachwuchs

Bereits zum fünften Mal wird in Bamberg die Sommeroper aufgeführt. Alle zwei Jahre kommen junge, hoffnungsvolle Nachwuchskräfte nach Bamberg und erarbeiten sich in Workshops eine Oper, die dann in doppelter Besetzung einige Male aufgeführt wird. Bamberg, einst von einer großen Illustrierten als „Traumstadt der Deutschen“ bezeichnet, und ich denke gar nicht daran, hieran zu rütteln, denn Bamberg ist ein einziger Traum, auch wenn ich zugebe, dass hier der lokalpatriotische Stolz etwas mit mir durchgeht, ist ein würdiger Austragungsort. Im Bamberger E.T.A. Hoffmann Theater, welches vor wenigen Jahren exzellent renoviert wurde, und in dem auch musikalische Gastspiele stattfinden, weil wir leider nur ein Schauspielensemble haben, finden im Zweijahresturnus weitbeachtete Opernaufführungen statt. Ein Workshop junger Nachwuchssänger, unter Anleitung und Einstudierung durch Frau Kammersängerin Angelika Kirchschlager, die in einem aufwendigen Ausleseverfahren ausgesucht wurden, und die aus ganz Europa kommen, haben gerade einmal vier Wochen Zeit, gemeinsam eine Oper zu erarbeiten und sie danach in zwei unterschiedlichen Ensembles je dreimal zur Aufführung zu bringen. Es ist dabei äußerst reizvoll, auch die Unterschiede zwischen den beiden Ensembles zu erleben und Bamberg beschert den Aufführungen jeweils ein volles Haus. Und auch in diesem Jahr steht Mozart auf dem Programm mit der nicht gerade leichten Aufführung von „Don Giovanni“. Dieser „Don Giovanni“ hat schon weit erfahrenere Sänger an die Grenzen ihrer Leistungsfähigkeit gebracht. Vor zwei Jahren war „Die Hochzeit des Figaro“ vielumjubelter Mittelpunkt der Bamberger Sommer Oper. Alle Verantwortlichen hoffen, dass diese einmalige Möglichkeit junge Sänger und Musiker an die Bühne heranzuführen (und viele der ehemaligen Sänger sind heute an großen Häusern engagiert) auch in Zukunft erhalten bleiben wird.

Die künstlerische und musikalische Leitung liegt in den bewährten Händen von Till Fabian Weser, der schon zum „Inventar“ der Bamberger Sommer Oper gehört und ein ausgezeichneter väterlicher Begleiter seiner jungen Truppe ist. In beiden von mir besuchten Aufführungen konnte er das Orchester mit straffer Hand, die aber genügend Freiraum ließ, sicher und präzise führen. Er nahm das Orchester dort zurück, wo es eventuell Probleme für die Sänger geben könnte. Dass es ein paar kleine Wackler und Aussetzer, überwiegend aus Nervosität gab, ist nicht im Geringsten ins Gewicht fallend und tat der insgesamt vorzüglichen Orchesterleistung keinerlei Abbruch. Man muss einfach bedenken, dass die jungen Instrumentalkünstler extra für die Sommer Oper zusammengestellt wurden und Ihnen natürlich zwangsläufig die blinde Vertrautheit von lange zusammenspielenden Orchestermusikern fehlt. Am Hammerklavier waren jeweils Pablo Garcia-Berlanga und Clemens Mohr sichere und fehlerlose Begleiter bei den Rezitativen.

 

Die Inszenierung erfolgte durch Rainer Lewandowski, und hiermit hatte ich ein paar Probleme. Lewandowski ist ein ausgezeichneter Regisseur, aber aus meiner Sicht nicht unbedingt ein ausgezeichneter Kenner und Freund musikalischer Aufführungen. Seine Idee, einen Statisten als E.T.A. Hoffmann in einer Loge sitzend und die ganze Aufführung mit den Händen wedelnd und Sektglas-schwenkend zu verbringen zu lassen, ist einfach nur störend. Ich persönlich fand dies unpassend und nicht besonders schlüssig, denn ich hatte den Schwenker die ganze Zeit in den Augenwinkeln, da er sich unmittelbar rechts von mir in der Loge befand. Gute Einfälle, wie etwa der Auftritt des „steinernen Gastes“ konnten jedoch nicht verbergen, dass er die Sänger manchmal etwas verloren agieren ließ. Gerade sie als Neulinge hätten aber eine stärkere, straffere Führung benötigt und auch verdient, die ihnen mehr Hilfestellung und damit mehr Sicherheit gegeben hätte. Das Bühnenbild von Jens Hübner erstreckte sich zu einem großen Teil darauf, dass er vor schwarzen Tüchern, die als Raumteiler dienten, spielen ließ, mitunter dachte man fast an eine konzertante Aufführung. Lediglich das gelungene Bühnenbild des Tanzsaals, aber auch die Szene auf dem Friedhof ragten hier heraus, so hätte man sich auch die weiteren Darstellungen auf der Bühne gewünscht.  

Doch kommen wir nun zu den sängerischen Leistungen und hier konnte man zum größten Teil nur vollstens zufrieden sein. Ich stelle nun jeweils die Sänger vom 9.10. zu denen vom 10.10. gegenüber um einen gewissen Vergleich haben zu können. Am 9.10. war Florian Bonneau der Don Giovanni und am 10.10. war es Jiri Rajnis. Beide boten eine sichere ausgewogene Leistung, beide schlank, dunkelgelockt und darstellerisch sehr gut. Und doch hatte für mich Jiri Rajnis „die Nase vorn“. Stimmlich waren beide mit einem ausdruckstarken Bariton ausgestattet, Jiri war aber der leidenschaftlichere Darsteller, der auch musikalisch durch geschicktes Agieren aufhorchen ließ und auch eine etwas voluminösere Stimme aufbieten konnte. Für mich von allen Sängern, die ich an beiden Tagen hören konnte, die weitaus beste Leistung, er wird seinen Weg an den größeren Bühnen mit Sicherheit problemlos machen. Bonneau jedoch wird sich auch durchsetzen können, wenngleich er etwas mehr Ausdauer brauchen dürfte. Giuseppe di Paola war ein vorzüglicher Leporello, mit durchschlagskräftigem, starken und angenehmen Bass ließ er aufhorchen und bot insgesamt – auch darstellerisch mit verschlagenem Spielwitz – eine ausgezeichnete Leistung. Ihm fast ebenbürtig der spielfreudige Leporello von Kwangmin Seo, er etwas zurückhaltender agierend, aber insgesamt gesehen ebenfalls voll überzeugend. Die Donna Anna von Julia Makarevich und die Donna Elvira von Jay-Hyunjin Park waren sicher und ausdruckstark, gerade auch in den Koloraturen. Beide jedoch hatten einen leichten Hang zur Schärfe, etwas, was man im Laufe der Zeit aber sicher noch ablegen kann. Die Zerlina von Viktoria Kunze hatte natürlich ein Heimspiel, da sie aus Bamberg stammt. Sie hatte, und dies hat nichts mit übersteigertem Patriotismus zu tun, die überzeugendste Darstellung bei den Damen, sowohl vom stimmlichen her, als auch vom darstellerischen. Sie sang die Zerlina sehr berührend und erntete zu Recht starken Beifall des Publikums. Auch sie kann man sich heute schon auf einer größeren Bühne gut vorstellen. Die Donna Anna von Valda Wilson, war überzeugend und bot eine ausgezeichnete runde Leistung mit schönem starkem, dennoch kräftigem Sopran. Oksana Pollani hatte Anlaufprobleme und konnte sich erst nach einem gewissen „Einsingen“ auch in ihren Koloraturen sicher und stimmschön präsentieren. Die Zerlina von Ralitsa Ralinova war eine überzeugende und mit klarer ausdrucksstarker Stimme versehene Zerlina, wenngleich ich – entgegen manchem meiner Rezensionskollegen – die Krone hier an Viktoria Kunze geben würde, da sie die abgerundetere Leistung für mich bot. Insgesamt gesehen waren aber beide Zerlinen herausragende Vertreterinnen ihres Faches. Der Don Ottavio von Hitoshi Tamada überzeugte mit klarem, höhensicherem und stimmschönem Tenor, er bot ebenfalls eine ausgezeichnete Leistung. Francisco Fernandez-Rueda war ihm fast ebenbürtig. Auch er überzeugte mit Strahlkraft und Feuer und bot ebenfalls eine überzeugende Leistung. Ein großer Pluspunkt war auch der Masetto von Jan Szurgot. Der junge polnische Bass, mit einem Material, welches zu größten Hoffnungen Anlass gibt, war ein großer Pluspunkt der Aufführung des 9.10. Wenn er auch noch darstellerisch etwas mehr zulegen kann, wird aus ihm sicher ein ausgezeichneter Sänger werden und man wird ihn bald auf einer größeren Bühne wiedersehen können. Der Masetto von Hongyu Chan dagegen war etwas gewöhnungsbedürftig. Da er kein Bass sondern ein Bariton ist, der zwar ein sehr schönes Stimmmaterial besitzt, aber noch etwas zurückhaltend agiert, konnte er aus meiner Sicht an die Leistung von Jan Szurgot nicht herankommen. Dies ist aber sicher auch der Tatsache zu verdanken, dass ich beide Sänger im Abstand von einem Tag gehört habe und dadurch erst dieser Vergleich möglich wurde und man eigentlich auch nicht Äpfel mit Birnen vergleichen kann. Daniel Mauerhofer war der einzige Sänger als Commendatore, der in beiden Versionen der Oper auftrat. Der junge Schweizer Bassist konnte in seiner kleinen Rolle überzeugen, aber durch die Kürze der Partie keinen allzu bleibenden Eindruck hinterlassen.

Zusammenfassend kann gesagt werden, dass es eine einmalige Leistung und ein außergewöhnlicher Kraftakt war, diese zweimal drei Aufführungen in dieser kurzen Zeit einzustudieren und auf die Bühne zu bringen. Das Publikum war an beiden Abenden zu Recht restlos begeistert. Bamberg leistet hier mit seinen ganzen Helfern und Mitstreitern etwas Einmaliges in der Opernszene und dies wird auch immer mehr von der internationalen Presse wahrgenommen. Leider sind die staatlichen Zuschüsse von Sommer-Oper zu Sommer-Oper immer etwas geringer und die Finanzierung dadurch immer etwas problematischer geworden, wobei ein ganz großer Dank an die Stiftungen und Förderer geht, viele Privatleute haben sich hier auch finanziell stark eingebracht. Es wäre jedoch zu wünschen, dass die Bayerische Staatsregierung dieses außergewöhnliche Ereignis, welches alle zwei Jahre stattfindet, entsprechend bewertet und damit auch ein bisschen mehr zur Finanzierung beiträgt, damit die Sommer Oper Bamberg eine solide, institutionelle Förderung erfahren kann, wie sie es mit Sicherheit verdient. Die Stadt Bamberg jedenfalls weiß, was sie an der Sommer Oper hat. Der Stadtrat von Bamberg hat am 24. Juli 2013 beschlossen, der Sommer Oper Bamberg den Kultur-Förderpreis der Stadt Bamberg 2013 zu verleihen. Der Preis wird im Rahmen einer Feierstunde im November 2013 im E.T.A.- Hoffmann-Theater verliehen werden. Hierzu ein ganz großer Glückwunsch an die Sommer Oper Bamberg.

Manfred Drescher , 22.10.2013

Bilder:  Gerhard Schlötzer, Sommer Oper Bamberg

 

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