Bremen: Tops und Flops – „Bilanz der Saison 2022/23“

Nein, ein „Opernhaus des Jahres“ können wir nicht küren. Unsere Kritiker kommen zwar viel herum. Aber den Anspruch, einen repräsentativen Überblick über die Musiktheater im deutschsprachigen Raum zu haben, wird keine Einzelperson erheben können. Die meisten unserer Kritiker haben regionale Schwerpunkte, innerhalb derer sie sich oft sämtliche Produktionen eines Opernhauses ansehen. Daher sind sie in der Lage, eine seriöse, aber natürlich höchst subjektive Saisonbilanz für eine Region oder ein bestimmtes Haus zu ziehen. Heute blicken wir nach der Staatsoper Stuttgart auf das Theater Bremen. Weitere Bilanzen sollen folgen.


Beste Produktion (Gesamtleistung):
Das Musical „Hello, Dolly“ bereitete uneingeschränkt Vergnügen. Regie, Bühnenbild und die Präsenz von Gayle Tufts in der Titelrolle waren die Garanten.

Entdeckung des Jahres:
Mit „Angels in America“ kam erstmalig ein Werk von Peter Eötvös in Bremen auf die Bühne. Es war ein gelungener, aber auch schwer verdaulicher Opernabend.

Beste Gesangsleistung (Hauptpartie):
Nadine Lehner ist außergewöhnlich vielseitig. Sie gestaltet jede Partie mit der ihr eigenen Intensität. In der letzten Saison waren es der Komponist in „Ariadne auf Naxos“ und die Lisa in „Pique Dame“ .

Beste Gesangsleistung (Nebenrolle):
Es gibt kaum eine Produktion in Bremen, in der nicht auch Christian-Andreas Engelhardt mitwirkt. Seine universelle Einsatzfähigkeit ist bemerkenswert.

Bestes Dirigat:
Marko Lentonja und die Bremer Philharmoniker musizierten „Don Carlo“ durchgängig mit energievoller Spannung, mit großem Atem und viel Sinn für Feinheiten und dynamische Abstufungen.

Beste Regie:
Frank Hilbrich inszenierte Verdis „Don Carlo“. Seine Lesart zeichnete sich insgesamt durch eine sehr intensive und klug durchdachte Personenführung aus. Die Wechselwirkung zwischen Politischem und Privatem wurde deutlich herausgearbeitet.

Bestes Bühnenbild:
Das Bühnenbild von Katrin Connan zur „Don Carlo“ zeigte riesige, grau in grau getauchte Bücherwände. Mit ihrem stufenartigen Aufbau erinnerten sie gleichzeitig an den Turmbau zu Babel.


Die Bilanz zog Wolfgang Denker.