Hildesheim: „Wie man Karriere macht, ohne sich anzustrengen“, Frank Loesser

Einen grandiosen Erfolg konnte das Theater für Niedersachsen (TfN) mit der Premiere von „How succeed in business without really trying“ in der deutschen Fassung von Roman Hinze verbuchen. Das letzte Musical von Frank Loesser wird auch als sein bestes betrachtet; nach der Uraufführung am 14. Oktober 1961 wurde das Stück im Jahr darauf mit sieben Tony Awards und dem Pulitzer-Preis ausgezeichnet. Die Story nach dem Buch gleichen Titels von Shepherd Mead ist die bekannte Erfolgsgeschichte vom Tellerwäscher zum Millionär, wie es in Deutschland heißt; in Amerika ist es der Fensterputzer J.Pierrepont Finch, kurz Ponti genannt, der sich in die obersten Etagen eines Riesenunternehmens – hier die „World Wide Woppel Company“ – hocharbeitet, d.h. durch geschicktes Ausspielen von zufällig Gehörtem oder absichtlich Belauschtem zur rechten Zeit am rechten Ort ohne eigenes Zutun Anerkennung und Beförderung erhält. Dabei gibt es natürlich einen Konkurrenten um höhere Posten, Bud Frump – Neffe des Generaldirektors der Firma – und last not least eine Liebesgeschichte zwischen Ponti und der Sekretärin Rosemary. Generaldirektor J.B. Biggley stiftet zusätzliche Verwirrungen, indem er seine Geliebte Hedy Larue als neue Sekretärin in der Firma unterbringen will.

© Jochen Quast

Das alles reiht sich episodenhaft aneinander und bietet beste Möglichkeiten, den Ratschlägen des Buches (vom Regisseur aus dem Off gelesen) zu folgen. Matthias von Stegmann führte abwechslungsreich und munter Regie, mit leichter Hand, viel Liebe zum Detail und satirischem Biss gegenüber dem in den 60er Jahren möglichen Geschäftsgebaren. Das passende Ambiente schuf Simon Lima Holdsworth: Mit leicht verschiebbaren, hohen Karteikästen vor passenden Hintergrundprospekten und rollendem Mobiliar ließen sich schnelle Szenenwechsel vollziehen, vom Großraumbüro über einen Flur mit Lift, einen Raum für Meetings und das Chefbüro bis hin zum Waschraum der Vorstandstoilette. Dazu trafen die Kostüme den Stil der 60-er Jahre vorzüglich.

Die quasi das Tanzen herausfordernden Melodien wurden von Leszek Kuligowski choreographiert, der nicht nur die Musical- sondern auch die vom Musiktheater kommenden Sänger lebhaft tanzen ließ, eine hervorragende Kooperation und Ensembleleistung einschließlich des bestens von Achim Falkenhausen einstudierten Chores. Die musikalische Umsetzung lag in der Hand von Florian Ziemen, der mit dem zeitweise allzu lärmenden Orchester von den ersten Klängen der Ouvertüre an auf typisch amerikanischen Sound mit viel Schwung setzte, aber auch fast schmalzig ausgekosteten, sentimentalen Melodien genug Raum gab. Ihm und den engagiert spielenden Musikern machte das Ganze sichtlich Freude, die sich auf alle Akteure und das Publikum zündend übertrug.

(c) Jochen Quast / Kathrin Finja Meier / Louis Dietrich

Besonders hervorzuheben ist zunächst Louis Dietrich in der Rolle des rasant aufsteigenden Fensterputzers Finch, der von dem Buch beeinflusst flexibel auf alle Möglichkeiten reagierte, sich nicht nur einschmeichelte, sondern auch menschlich in Szene zu setzen wusste. Sängerisch überzeugte er vor allem mit dem im Waschraum eher zum Spiegel als zu den Anderen gerichteten „Ich glaub an Dich“ und im Duett mit Rosemary „Hör ich deinen Namen“. Diese wurde von Kathrin Finja Meier bodenständig und auf den ersten Blick verliebt dargestellt. Sie unterstützte ihn bei seiner Job-Suche und stand mit „Ich halt ihm das Essen warm“ stets treu zu ihm, zeigte aber auch, wenn sie sich von ihm übergangen fühlte. Als Biggley, Boss des Unternehmens, trumpfte Uwe Tobias Hieronimi groß auf. Besonders eindrucksvoll gelang ihm „Nichts war mir je so teuer“ gegenüber seiner Geliebten Hedy La Rue. Köstlich auch seine Szene mit Finch, die sie mit dem gemeinsam intonierten College-Marsch „Grand Old Ivy“ krönten.

(c) Jochen Quast / Samuel Jonathan Bertz / Uwe Tobias Hieronimi / Louis Dietrich

Und dann gab es da noch Finchs dümmlichen Konkurrenten Bud Frump, der von Samuel Jonathan Bertz entsprechend schwächlich und intrigant gegeben wurde; intensiv spielte er die umständliche, erfolglose Kommunikation über Mutter und Tante zum Onkel aus; denn er fand sich am Ende als Fensterputzer wieder und begann nun, das Buch zu lesen, vielleicht für einen neuen Versuch eines Aufstiegs. Als rassige, zugleich urkomische Südamerikanerin trat Lucía Bernadas Cavallini aus Costa Rica als Beggleys Geliebte Hedy La Rue auf, die außer ihren äußerlichen Reizen nichts hatte, was sie zur Sekretärin befähigte. Dafür verdrehte sie fast allen Männern gelungen den Kopf. Als forsche Smitty, Sekretärin des Personalbüros, erfreute Katharina Wollmann, die mit „Ich kann hören, was keiner zu sagen wagt“, lange vergeblich versuchte, Finch und Rosemary zusammen zu bringen. Großen Spaß machten die vielen lebendig choreographierten Ensembles,angefangen mit der witzigen Kaffeepause ohne Kaffee, das wunderbare Damenensemble mit Julian Rohde als Bratt „Mit Sekretärinnen spielt man nicht“ oder das ratlose „Wer hält diesen Kerl auf?“ des Herrenchores im Waschraum. Diese Bilder und Einiges mehr werden lange in der Erinnerung der Besucher bleiben.

Das enthusiasmierte Publikum im ausverkauften Haus dankte allen Mitwirkenden und dem Leitungsteam mit lang anhaltendem, mit Bravos durchsetztem Beifall.

Marion Eckels,  15. Januar 2023


Theater für Niedersachsen Hildesheim

Wie man Karriere macht, ohne sich anzustrengen

(How succeed in business without really trying)

Musical von Frank Loesser

Besuchte Premiere am 14. Januar 2023

Inszenierung: Matthias von Stegmann

Musikalische Leitung: Florian Ziemen

Orchester des TfN