Basel: „Rigoletto“, Giuseppe Verdi

Die Premiere von «Rigoletto» in Basel vom 21. Januar 2023 muss als großer Erfolg für das gesamte Team auf, hinter unter und vor der Bühne gewertet werden.

Das ist dem Regisseur Vincent Huguet und dem Bühnenbauer Pierre Yovanovitch zu verdanken. Huguets Personenführung ist makellos, seine Interpretation von Rigoletto als Oper und die Darstellung der einzelnen Rollen überzeugend. Dazu kommt der geniale Bühnenaufbau von Yovanovitch, welcher Szenenwechsel durch drei Drehbühnenteile ohne Umbau ermöglichte. Auch half die konzentrische Konstruktion den Sängerinnen und Sängern in ihrer Arbeit.

Sehr eindrücklich und für die Dramatik hilfreich war die Lichtführung, entworfen von Cornelius Hunziker.

© Matthias Baus

Der georgische Bass-Bariton Nikoloz Lagvilava als Rigoletto interpretierte diese schwierige Rolle zwingend und eindrücklich. Es wird schwer sein, sich nach Lagvilavas Rigoletto einen anderen Hofnarren vorzustellen. Seine Körpersprache, seine Mimik und Gestik unterstrichen seine Emotionen, welche er mit seinem Singen so hervorragend auf die Bühne zauberte.

Regula Mühlemann als Gilda spielte und lebte die verbotenerweise in Gualtier Maldé verliebte junge Frau mit einer Intensität, welche unter die Haut ging. Mühlemanns Bühnenpräsenz könnte alle ihre Mitspielerinnen und Mitspieler an die Wand spielen. Sie ist sich jedoch in jeder Minute ihrer Auftritte bewusst, dass eine gute Performance nur im Team entstehen kann. Ihre Körpersprache, ihre Intonation und Diktion sind perfekt. Sie singt in allen Lagen ohne krampfhaftes Wollen, ohne falsche Vibrati, mit einer Leichtigkeit, welche ihresgleichen sucht.

Der russische Tenor Pavel Valuzhin spielte und sang den Herzog von Mantua. In der ersten Szene war wohl das dirigierte Tempo etwas hoch, so dass die Diktion in der Arie ‘Questa-Quella’ etwas unterging. Ansonsten war seine Intonation hervorragend, seine Diktion recht gut. Valuzhin singt sehr viel mit starker Kopfstimme, was zwar saubere Höhen erlaubt, aber es fehlt dann doch hier und da der Körper, welcher Emotionen besser darstellt. Seine schauspielerischen Qualitäten sind sehr gut, er spielt die Rolle des Duca überzeugend und ist auch ein glaubwürdiger Gualtier Maldé.

© Matthias Baus

In weiteren Rollen: David Shipley als Sparafucile, Ronan Caillet als der Höfling Borsa, Kyu Choi als ausgezeichneter Marullo und Artyom Wasnetsov als stimmgewaltiger Monterone.

Der Herrenchor Theater Basel überzeugte als Hofschranzen beim Duca di Mantua. Einstudiert wurde der Chor, wie immer, von Michael Clark.

Das Sinfonieorchester Basel unter der Leitung von Michele Spotti spielte mit gewohnter Präzision, ohne jedoch die Emotionalität zu verlieren. Das leicht erhöhte Tempo in der ersten Szene war nötig, um das tänzerische Bild der Damen um die Hofschranzen zu ermöglichen.

Für mich persönlich wie immer störend: Der Szenenapplaus, welcher den musikalischen und dramatischen Ablauf der Komposition beeinträchtigt und unterbricht.

© Matthias Baus

Das zahlreich erschienene Premierenpublikum, das Haus war praktisch ausverkauft, belohnte die Arbeit des gesamten Teams mit rauschendem, langanhaltendem Applaus und Bravi-Rufen. Es war eine gelungene und erfreuliche Premiere.

Peter Heuberger, 23. Januar 2023


Giuseppe Verdi: „Rigoletto“

Theater Basel

Premiere: 21. Januar 2023

Regie: Vincent Huguet

Musikalische Leitung: Michele Spotti

Sinfonieorchester Basel