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PREMIERE IM NEUEN HAUS DER STAATSOPERETTE

 

Leonard Bernsteins

WONDERFUL TOWN

Premiere am 22.12.2016 im Kraftwerk Mitte (Theater für Operette und Musical)

TRAILER

 

 Bis 1945 hatte Dresden ein sehr beliebtes Operettentheater in der Innenstadt, das „Central-Theater“. Es ging unter im Bombenhagel am 13.2.1945, aber nicht die Operette. Sie zog in einen ehemaligen Gasthof am Rande der Stadt, nach Dresden-Leuben. Zahlreiche Teile der Bühnentechnik, Eisenträger, Rohre, Kabel und auch Ziegelsteine wurden per Hand aus den Trümmern gegraben und mit Handwagen über 10 km nach Leuben gekarrt, um dort wieder mit verbaut zu werden.

In Leuben blieb die Operette, an der das Herzblut mancher Dresdner hing, und erfreute sich Abend für Abend großer Beliebtheit, so dass das Foyer in den Pausen aus allen Nähten platzte. Nun wurde das Haus „baufällig“, was man ihm aber nicht ansah (und es hielt doch noch), aber das Operettenteam zog samt Musical, das bisher auch gespielt wurde, in ein neues Domizil, das umgebaute Kraftwerk Mitte, das es sich von nun an mit dem „tjg“ (Theater der Jungen Generation), bisher in einem anderen ehemaligen Gasthof am anderen Ende der Stadt untergebracht, teilt, und nennt sich jetzt „Theater für Operette und Musical“ (bisher: Staatsoperette).

Die Gegend, einst eine sehr belebte, zentrale Geschäftsgegend und einer der Mittelpunkte der Stadt, verkam in den vergangenen Jahrzehnten zu einer „toten Ecke“ mit flutendem Durchgansverkehr, aber (fast) „Gleisanschluss“ (S-Bahn, Straßenbahn mit einigen Wegen) und fast vis-à-vis der Hochschule für Musik. Vielleicht zieht durch die Theater wieder neues Leben in dieser Gegend ein.

Das Kraftwerk ist kein schöner Bau, ein reiner (liebloser) Zweckbau, nicht vergleichbar mit den Kraftwerken im maurischen Stil, wie z. B. in Schwerin und Potsdam. Der Eingangsbereich ist sehr gewöhnungsbedürftig, fernab von Glanz und Glamour. Rohe Ziegelwände, ein gegenwärtig bei Architekten beliebtes „Gestaltungselement“, das einst einer ihrer Kollegen sinnvoll einbezogen hat und jetzt alle nachmachen, ob passend oder nicht, „zieren“ den Weg zum sehr modern und funktional gestalteten Foyer ganz in (kühlem) Weiß und den Zuschauerraum in Rot und Schwarz und mit ausgezeichneten Sichtverhältnissen.

Sorgfältig gefügtes Mauerwerk kann als rohe Ziegelwand seinen Reiz haben. Dieses hier gehört nicht dazu wegen seiner besonders schlechten Qualität mit Löchern und Rest-Fetzen von Putz. Es stammt aus einer Zeit, wo Pfusch und Akkord angesagt waren, was schon damals durch den Putz verdeckt werden musste. So erweckt es höchstens den Eindruck des Unfertigen. In diesem Falle kann man bekanntlich über Geschmack streiten, oder besser auf einen baldigen Geschmackswechsel hoffen.

Nach dem heiß umstrittenen „Orpheus in der Unterwelt“ von J. Offenbach hatte nun das vergessene Musical „Wonderful town“ von Leonard Bernstein Premiere in Koproduktion mit der Volksoper Wien, die es in 2 Jahren übernehmen wird. Für Bernstein war es seine Hommage an seine Stadt New York, für das Operettenteam ist es seine Hommage an Dresden.

Darüber, ob uns das Stück nach einem Buch von Joseph Fields und Jerome Chodorov und ihrer Komödie „My Sister Eileen“ sowie den Kurzgeschichten von Ruth McKenney und mit Liedtexten von Betty Comden und Adolph Green (Deutsch von Roman Hinze) auch heute noch viel sagt, kann man geteilter Meinung. Die älteren Besucher erinnern sich vielleicht noch an ihre Jugendzeit, die jüngeren finden es vielleicht als Blick in die Vergangenheit interessant. Nicht umsonst ist es gelegentlich allgemein „in“, sich der 1950er bis 70er Jahre zu erinnern. Matthias Davids lässt die 1950er Jahre wieder erstehen, spiegelt das New York dieser Zeit wieder, kein Way Of Life, sondern einfach das veristische Leben seiner Bürger, bunt wie die Charaktere, Persönlichkeiten und Nationaltäten, die sich in der Musik und vielfältigen Tänzen wiederspiegeln, die anklingen und gut getanzt werden, hektisches Treiben auf den Straßen, bunt und vielfältig, gegenseitiges Austricksen und Übervorteilung, aber auch echte Freundschaften und – natürlich Liebe.

Unterstrichen werden diese typischen New Yorker Verhältnisse durch Bühnenbilder und Video-Animation von Matthias Fischer-Dieskau und die gut geschnittenen Kostüme im Stil der 50er Jahre von Judith Peter in ihrer abwechslungsreichen, farbenfrohen Vielfalt, Hingucker, die auch bei den zahlreichen Tanzeinlagen (Choreografie: Melissa King) gute Figur machen und die Bewegungen der Tanzenden bei Cha-Cha-Cha, Charleston, irisch und brasilianisch beeinflussten Tänzen usw. effektvoll umspielen und die perfekt einstudierten Gruppenszenen wirkungsvoll unterstreichen. Schnelle Auf- und Abbauten der Kulissen im „New Yorker Tempo“ für schnelle Bühnenverwandlungen, die für jede Situation ein typisches Bühnenbild zeigen, werden – wie in die Handlung einbezogen – durch die Personage erledigt.

Zurück zum ansprechenden Zuschauerraum. Die Bühne hat die richtige Größe. Die „Rampe“ ist wie ein „Laufsteg“ bis vor den Orchestergraben gezogen, was den Akteuren und vor allem den Regisseuren viele Möglichkeiten bietet, dem Publikum näher und entgegenzukommen – ohne unmittelbare Berührung. Dadurch sitzt das Orchester wie in einem großen „Loch“, pardon einem „Pool“, aber es „schwamm“ nicht, sondern ging unter der musikalischen Leitung von Peter Christian Feigel gleich mit der „Ouvertüre“ richtig los.

Feigel vermittelte viel Drive und hatte ein gutes Gespür für Rhythmus und Melodik der Musik Bernsteins zwischen viel Temperament, aber zuweilen auch Zartgefühl und lyrisch bewegenden Momenten, wie dem wehmütigen „Ohio“-Song, den die beiden Schwestern Ruth und Eileen, die ihr Glück in der Metropole versuchen, in ihrer wehmütigen Sehnsucht nach zu Hause im erfolglosen Getriebe der Weltstadt anstimmen. Bei manch anderem Song hätte man sich gern noch etwas mehr Temperament und durchreißende Stimmkraft gewünscht. In solchen Fällen nahm Feigel das Orchester sehr zurück und überließ den Sängerinnen und Sängern den Vorrang.

Im Allgemeinen erfüllten alle Beteiligten von den Solisten bis zum Chor ihre vielseitigen Aufgaben zwischen Sprechen, Gesang und Tanzen sehr gut. Das Orchester bildete dabei eine gute Grundlage, auch für die perfekt ausgeführten Tänze mit ihren beeindruckenden Gruppenszenen. Der Chor (Einstudierung: Thomas Runge) verfügt über gute Stimmen, die besonders beim irischem Volkstanz dem Ohr schmeichelten. In mancher Gruppenszene konnte jeder Chorsolist der Herren eine kleine Solo-Nummer präsentieren und überzeugte.

Unter den zahlreichen Mitwirkenden, die alle ihre größere oder kleinere Rolle möglichst realistisch und typisch für die amerikanischen Verhaltensweisen gestalteten, fielen vor allem die beiden Schwestern auf. Obwohl die blonde Eileen der Star des Musicals ist, dominierte mit ihren besonderen Leistungen die temperamentvolle Sarah Schütz als ihre ältere Schwester Ruth. Sie konnte einfach alles, was ihre Rolle verlangte. Sie hat echtes Musical-Talent, viel Temperament und Rhythmusgefühl, kann gut artikuliert sprechen, ohne aufdringliche Stimme singen und vor allem tanzen – alles präzise. Sie machte gute Figur und brachte als perfekte Musical-Künstlerin die Handlung voran, wobei ihre tänzerischen Leistungen, vor allem bei den Hebefiguren in den Gruppenszenen, den wohl stärksten Eindruck hinterließen.

Olivia Delauré stand ihr als zunächst naive, auf die Wirkung ihrer Schönheit und ihr Talent vertrauende blonde kleine Eileen „aus der Provinz“, die sich in New York schließlich zur Persönlichkeit mit fast Vamp-haften Allüren und zum „Star“ unter den Männern entfaltet, ihrer „großen Schwester“ szenisch und musikalisch nicht nach – ein gutes Rollenporträt.

Ein anderes gutes Rollenporträt lieferte auch vielseitige Bryan Rothfuss als Robert Baker, Redakteur, ab, der im Stück zum gesellschaftlichen Verlierer, aber Gewinner im Leben wird – insgesamt ein gutes Ensemble und eine gelungene Premiere, wozu man Intendant Wolfgang Schaller gratulieren kann.

Bilder (c) Staatsoperette

Ingrid Gerk 26.12.2016

Besonderer Dank an unseren Kooperationspartner MERKER-online (Wien)

 

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DIE LUSTIGE WITWE

Eine Ära geht zu Ende an der Staatsoperette Dresden

am 30. April 2016

Premiere am 29. April 2016

Tosender Beifall für eine tolle Aufführung und Wehmut wegen des Abschieds vom „alten Haus“

Die letzte Premiere im alten Haus, welches am 02.10.1947 mit „Die lustige Witwe“ eröffnet wurde, ist – wie könnte es anders sein wieder diese „Die lustige Witwe“. So schließt sich der Kreis nach fast 70 Jahren. Das Ausweichquartier in Leuben wird bald Geschichte sein und mitten in der Innenstadt Dresdens wird im Dezember dieses Jahres ein neu gebautes Operettenhaus seine Pforten öffnen. In der heutigen Zeit ein Schritt, der von Weitblick und Mut zeugt, aber auch von der Tatsache, dass Dresden die Verschuldungen anderer Städte nicht in dem Umfang hat und sich den Neubau „seiner“ Staatsoperette leisten kann und vor allem will. Das Publikum, welches auch in Leuben treu geblieben war, wird es ihm danken. Der rührige Intendant Wolfgang Schaller steht kurz vor der Erfüllung seine Lebenstraumes – Operette im neuen Haus mit Drehbühne, mit genügend Umkleiden, mit allen technischen Vorzügen der Neuzeit usw. Wenn er vom Umzug spricht, strahlen seine Augen und das kleine bisschen Nostalgie, welches am alten Haus hängt, ist schnell verflogen. Auch beim Publikum, welches den Umzug kaum erwarten kann, was ich in vielen Gesprächen in der Pause und auch nach der Aufführung hautnah erleben konnte, ist die Vorfreude auf das neue Haus hautnah zu spüren. Und ja, auch ich freue mich, dass es das noch gibt, dass in der heutigen Zeit ein modernes Musiktheater der leichten Muse entsteht – und dies gibt Hoffnung.

Ingeborg Schöpf als Hanna Glawari

Wie sagt Franz Lehár selbst über sein Meisterwerk: „In der lustigen Witwe habe ich versucht, auf die Bretter der Operettenbühne lebendige Menschen zu bringen. Der Held der Operette Danilo, will die reiche Witwe nicht heiraten, weil er sich eben nicht verkaufen möchte. Erst als er von ihr hört, dass sie angeblich arm ist (da ihr Geld ihr neuer Gemahl erhält) gibt er seiner Liebe Ausdruck. Der Triumph der Liebe über den Materialismus, das ist der ethische Sinn der Handlung trotz der Operettenausstattung“ Soweit Lehár. Gott sei Dank, dass seine Musik weitaus schmissiger ist, als seine fast philosophischen Worte zu dem Stück.

Und wir bekommen heute eine exzellente Aufführung zu hören und zu sehen. Sebastian Ritschel, der für die Inszenierung verantwortlich ist, nimmt das Stück ernst. Zusammen mit Radek Stopka, der für die Choreografie verantwortlich zeichnet und Christof Cremer, der für das Bühnenbild und die Kostüme zuständig ist, zaubern sie ein märchenhaftes Stück auf die Bühne. Gut, manches ist etwas stilisiert, so der große Tresor inmitten der Bühne, aus welcher die reiche Erbin auftritt, ebenso wie die leeren Schließfächer, wo in einem Danilo nach seiner durchzechten Nacht ausschlafen will. Jedoch es passt alles, vor allem dann im dritten Akt, wo das Ballett zu den Klängen aus „Pariser Leben“ von Jaques Offenbach einen wilden CanCan Ritt auf die Bretter, die die Welt bedeuten, zaubert. Das Ballett der Staatsoperette kann sich sehen lassen und trägt viel zum Erfolg der Aufführung bei.

Das Orchester der Staatsoperette Dresden ist an diesem Abend wieder einmal sehr gut aufgelegt. Es lässt es richtig krachen, schwungvoll, fast übermütig und toll aufgelegt, aber auch die sentimentalen Passagen problemlos meisternd, sind sie der Garant der Aufführung, der Boden auf dem sich alles andere aufbaut. Andreas Schüller lässt das Orchester galoppieren, seufzen und in schwelgerischen Tönen baden, wie es gerade gebraucht wird. Er führt es mit sicherer Hand und nimmt es behutsam. zurück, wenn die Orchesterwogen drohen die Sänger zu übertönen. Ein gut aufeinander eingespieltes Team bringt Höchstleistung und erarbeitet sich völlig zu Recht den Applaus des Publikums.

Andreas Sauerzapf und Christian Grygas als Danilo

Der nun ja, sagen wir mal der Arbeit nicht gerade zugetane Lebemann Graf Danilo Danilowitsch, ein Schwerenöter, Weiberheld und Lebenskünstler wird eindrucksvoll von Christian Grygas gesungen und gespielt. Sein gepflegter klangschöner und voller Bariton weiß in jeder Sekunde voll zu überzeugen, ob in seinen Soli oder in den gefühlvollen Duetten. Er trägt die Operette und er macht dies auf eine ganz überzeugende Art und Weise. Ihm zur Seite Ingeborg Schöpf als lebenslustige Hanna Glawari, die lustige Witwe. Ingeborg Schöpf ist seit vielen Jahren eine Stütze der Staatsoperette und es ist beeindruckend, wie sie immer noch diese Rolle voller Saft und Kraft gestaltet. Mit zartem, aber auch feurigem und strahlendem Sopran reißt sie das Publikum zu Beifallsstürmen hin. Ihr Pianissimo dringt in den letzten Winkel der alten Staatsoperette und man merkt richtig, wie das Publikum die Luft anhält um die letzten flirrenden Töne ja nicht zu verpassen. Für mich ein Traumpaar, welches bei dieser Zweitpremiere auf den Brettern steht. Eine solide Leistung bringt Gerd Wiemer in der kleinen Rolle des Baron Mirko Zeta.

Ingeborg Schöpf und Christian Grygas

Seine Frau Valencienne, die ja, wie wir alle wissen eine anständige Frau ist, wird von Maria Perlt verkörpert. Sie, die mich schon so oft begeistert hat, ist an diesem heutigen Abend etwas zu zurückhaltend, manchmal auch etwas schwer zu verstehen. Vielleicht eine kleine Indisposition, die nicht angesagt wurde. Ihr tenoraler Liebhaber wird von Richard Samek mit durchschlagendem kräftigem Tenor gegeben, er meistert die teilweise problematischen Tücken dieser Rolle ohne Fehl und Tadel. Auch in den Duetten mit Maria Perlt weiß er zu überzeugen und auch sie geht hier etwas mehr aus sich heraus. In allen weiteren, recht vielen kleinen Nebenrollen gibt es keinerlei Ausfälle, alle wissen zu überzeugen. Einer jedoch muss noch besonders hervorgehoben werden. Andreas Sauerzapf in der eigentlich kleinen und unbedeutenden Rolle als Kanzlist Njegus hat einen wesentlich bedeutenderen Part als kommentierenden und lenkenden Tanzmeister in der Operette übernommen. Er führt praktisch durch das Geschehen und er tut dies so, dass ihm prasselnder Zwischenapplaus bei seinen Auftritten völlig zurecht zukommt. Eine Art Mephisto, der alle Fäden in der Hand zu haben scheint und mit eindrucksvollen Auftritten fast zu einer Hauptfigur dieser Inszenierung wird. Ein toller Einfall, der auch völlig zu Recht beim Publikum punktet. Nicht zu vergessen auch der Chor, der mit vielen Auftritten vorzüglich von Thomas Runge eingestimmt worden ist.

Schlussapplaus mit Ensemble und Dirigent

Insgesamt macht diese letzte Premiere im alten Haus der Staatsoperette Spaß. Sie gefällt, nimmt das Publikum mit und lässt für das neue Haus hoffen. Ich bin gespannt, wie es im Dezember in der neuen Staatsoperette weitergehen wird. „Orpheus in der Unterwelt“, also Jaques Offenbach, der ja heute schon in der „Lustigen Witwe“ angeklungen ist, wird die neue Spielzeit als Operette vermutlich eröffnen. Ich bin gespannt auf die Inszenierung, aber mehr noch auf das neue Haus und werde sicher nicht das letzte Mal in Dresden gewesen sein.

Manfred Drescher 10. Mai 2016      

Bild 1 und 2 von Marlies Kross, 3 und 4 Eigenaufnahmen

 

 

Einen Strauss’schen Schatz ausgegraben

CAGLIOSTRO IN WIEN

Premiere am 02. Mai 2015

Großer Beifall

für eine gelungene Ausgrabung einer unbekannten Operette von Johann Strauss - Im Gespräch mit dem Intendanten Wolfgang Schaller wird dessen Stolz richtig spürbar, der Stolz darauf, erneut eine Ausgrabung eines unbekannten Werkes von Johann Strauss als großen Erfolg auf die Bühne gebracht zu haben. Und dieser Stolz ist vollkommen zu Recht vorhanden, denn nach „Der Carneval in Rom“, „Das Spitzentuch der Königin“ und „Prinz Methusalem“ ist dies nun die vierte Ausgrabung einer Strauss’schen Operette und macht Dresden zum Mekka der Strauss Freunde. So sitzen auch heute in der Premiere mit Dr. Eduard Strauss (dem Urgroßneffen von Johann Strauss), seiner Frau und seinem Sohn und dem Vorsitzenden der Deutschen Johann Strauss Gesellschaft Dr. Ingolf Roßberg viele weitere Mitglieder der Gesellschaft im Zuschauerraum – und eines kann man vorwegnehmen, sie alle waren begeistert von der spritzigen Darbietung des „Cagliostro in Wien“. Einige Stimmen, die ich nach der Premiere aufgefangen habe, werde ich am Schluss noch „anhängen“. Doch nun kurz zu dem Stück, welches nicht jedem Operettenfreund geläufig sein dürfte.

Nun ja, vom eigentlichen sehr verwirrenden Inhalt, in dem auch die Kaiserin eine große Rolle gespielt hat, ist in der Neubearbeitung von Ansgar Weigner nicht allzu viel übrig geblieben. Geblieben ist aber, dass man nach wie vor nicht so recht weiß, um was es denn nun eigentlich geht, die Handlungsstränge sind beinahe so verwirrend gelegt wie in der Originalfassung. Alexander, Graf Cagliostro ist in der Neuinszenierung ein charmanter Schwindler, Gauner und Scharlatan, der den Leuten mit sogenannten Wundermitteln das Geld aus der Tasche zieht. Er narrt sie mit Zaubereien, mit Tränken, denen er eine starke Verjüngungsmöglichkeit zuschreibt und mit dem Hinweis, dass er in der Lage sei Gold zu machen. Fast alle kann er um den Finger wickeln, nur Pater Fodor, der gerne mit der Witwe Adami angebandelt hätte, Zölibat hin oder her, misstraut ihm, ebenso wie der Bezirksvorsteher Lieven, welcher der heimliche Geliebte der Tochter der Frau von Adami ist. Mit Hilfe von Cagliostros Gehilfen Blasoni, der in der Inszenierung ihm so lange dienen muss, bis eine von ihm Cagliostro zugeführte Dame, dessen Liebeskünsten standhält, erst dann wäre er frei. Daneben präsentiert Cagliostro auch seine angeblich 1000jährige Tochter und Jungfrau Lorenza und drei ihm völlig treu ergebene Vasallen, die ihm bedingungslos folgen und alle Arbeiten und seinen sie noch so unsinnig für ihn erfüllen. Erst als Cagliostro versucht der Frau von Adami ihr Vermögen zu entreißen und gleichzeitig deren Tochter zu verführen, platzt die ganze Seifenblase und Cagliostro wird überführt und muss fliehen. Fällt es schon schwer, diese Geschichte einigermaßen halbwegs zu erzählen, so fällt es auch schwer, sie auf der Bühne richtig zu entwirren. Aber muss man das wirklich oder sollte man sich nicht von der wunderschönen Musik von Johann Strauss einfangen lassen und die vielen Gags und humorvollen Einlagen als das ansehen, was sie sind, ein Mittel, die Zuschauer auf das Beste zu unterhalten. Und dies gelingt an diesem Abend auf jeden Fall. Dazu ein gut aufgelegtes Orchester und überwiegend ausgezeichnete Sänger, was will das Operettenherz denn mehr. Das Bühnenbild von Jürgen Kirner weiß zu gefallen und ist farbenprächtig und abwechslungsreich wie die Kostüme von Renate Schmitzer. Andreas Schüller hat die musikalische Leitung und er hält das Orchester der Staatsoperette Dresden zusammen, schmissig und voller Feuer lässt er die Musik aufblühen und unterstützt dabei auch fürsorglich seine Sänger und überdeckt sie nicht mit Orchesterwogen. Viel Beifall für das Orchester und seinen Dirigenten ebenso wie für den Chor, der von Thomas Runge einstudiert worden ist und seine Sache ausgezeichnet macht. Die Dramaturgie liegt in den Händen von Heiko Cullmann und die technische Leitung hat Mario Radicke.

Der scheinheilige Wundertäter und Scharlatan Graf Cagliostro wird von Christian Grygas gegeben. Sein klarer, runder, hoher und voller Bariton, der an den entsprechenden Stellen auch durchschlagskräftig sein kann, weiß in jedem Punkt zu überzeugen. Er trumpft bei seinen Auftritten richtig auf, die rein erotische Aura ist sicher noch ein klein bisschen ausbaufähig. Blitzsauber, wie gestochen setzt Elena Puszta ihre Koloraturen als seine Tochter Lorenza und die 1000Jahre, die sie sein soll, sieht man ihr in keiner Sekunde an und hören sowieso nicht, eine rundum überzeugende Leistung. Ebenso rundum überzeugend der Blasoni von Hauke Möller. Der arme Gehilfe des Schwindlers, der so gerne seine Freiheit möchte, wird von ihm mit sicherem, klarem und stimmschönem Tenor dargeboten, daneben weiß er auch darstellerisch vollstens zu überzeugen. Eine ganz tolle Leistung an diesem Abend. Ebenfalls mit hohem hellem und sicherem Tenor versehen der Sänger des Pfarrer Fodors Radoslaw Rydlewski. Auch er hat ein zusätzlich großes schauspielerisches Potential und macht seine Rolle zu einem Paradestück. Ingeborg Schöpf, eine tragende Säule der Staatsoperette Dresden, setzt ihren Sopran zum ersten Mal in einer Altersrolle ein und man merkt ihr bei jeder Geste die Freunde und den Spaß an, den ihr die Rolle macht – und sie gibt ihrem Gaul, zur Freude des Publikums, auch reichlich Zucker. Maria Perlt als ihre Tochter Emilie überzeugt nicht nur mit einem lockeren frischen Spiel sondern vor allem auch mit einem warmen, leuchtenden, sehr vielseitig einsetzbaren Sopran, den man unter Anspielung auf ihren Namen auch als perlenden Sopran bezeichnen könnte. Eine große Hoffnung, die hier in Dresden heranwächst. Mit vollem runden und durchschlagskräftigen Bariton verkörpert Gerd Wiemer den Bezirksvorsteher Lieven rollendeckend, Als Severin macht der Tenor Frank Ernst eine gute Figur und das Trio Andreas Sauerzapf, Marcus Günzel und Jannik Harneit machen als die drei Cagliostrogehilfen Giovanni, Emanuele und Francesco eine mehr als gute Figur. Sie versprühen so viel Spielwitz und Freunde und kosten auch den kleinsten Witz bis zum Letzten aus. Toll gemacht. Christiane Klotzek und Michael Kuhn vervollständigen als Familie Pfannberger das Ensemble.

Eine rundum gelungene Vorstellung, wenn man die etwas verworrene Handlung nicht zu ernst nimmt, die den wundervollen Melodienreichtum von Johann Strauss wieder einmal beweist. Unter anderem war ich nach der Premiere auch mit Dr. Eduard Strauss im Gespräch. Er meinte, dass die Originalinszenierung etwas undurchsichtig war und er die Neuinszenierung sehr positiv sehe. Auch wenn es eine kleine Schwindelei mit dem „Zigeunerbaron“ gegeben habe (Cagliostro hatte seine Abschiedsarie mit der Musik von ´Ja, das alles auf Ehr´ aus dem Zigeunerbaron gesungen) sei auch dies legitim, die Hauptsache sei doch, dass die wunderschöne Strauss Musik weiterhin ihre Freunde in der ganzen Welt finden würde und er persönlich freue sich ganz besonders über die Strausspflege in Dresden. Dr. Ingolf Roßberg, der Vorsitzende der Deutschen Johann Strauss Gesellschaft hob hervor, dass das Publikum begeistert mitgegangen sei und dass man in Kürze ja ein neues Operettentheater in Dresden einweihen könne, was ein unglaublicher Kraftakt von Staatsoperette, Stadtrat und vielen weiteren Verantwortlichen gewesen ist und nicht hoch genug einzuschätzen sei. Dresden sei eine Hochburg der Strauss’schen Musik erklärte er mit einem besonderen Dank an den Intendanten Wolfgang Schaller, der noch darauf hinwies, dass das Richtfest für den Rohbau der neuen Staatsoperette am 20. August sein werde und man davon ausgehe, dass man das neue Haus im Dezember 2016 einweihen könne. Dafür auch vom „Der Opernfreund“ alles erdenklich Gute.

Manfred Drescher 11.5.15

 

DIE FLEDERMAUS

Aufführung am 03. Mai 2015                    

Premiere am 09.11.2007

Unbeschwertes Vergnügen bei der „Königin der Operette“ 

Da ich schon einmal in der wunderschönen Stadt Dresden war, ging ich am 3. Mai vormittags in die Matinee in der Staatsoperette Dresden. Unter dem Titel „Was geh´ ich mich an?! – Die zwei Gesichter des Johann Strauss (Sohn) und seiner Familie“ gaben Dr. Eduard Strauss und sein Sohn Thomas unterhaltsam und mit vielen Musikbeispielen garniert ein überraschend differenziertes und abwechslungsreiches Bild des genialen Musikers.

Und am Abend besuchte ich die Aufführung von „Die Fledermaus“. Die Premiere war bereits 2007 und wer nun glaubte, eine verstaubte und nicht mehr zeitgemäße Aufführung zu erleben, der täuschte sich gewaltig. Spritzig, witzig und unterhaltsam war diese Aufführung und man verließ beschwingt die Staatsoperette. Über den Inhalt der „Königin der Operette“, wie sie oft genannt wird, braucht es aus meiner Sicht keine nähere Erläuterung. Die Inszenierung von Peter Kube ist wohltuend „altmodisch“ und dies meine ich im besten Sinne des Wortes. Unterhaltsam, komisch und ideenreich. Dem passt sich die Ausstattung von Barbara Blaschke an, bunt und ansprechend sind die Kostüme, man hat richtig Spaß an dieser Aufführung. Das Ballett war von Winfried Schneider gut eingestellt und auch die Choreinstudierung von Thomas Runge gab keinerlei Grund zur Klage. André Meyer ist für die Dramaturgie zuständig und die technische Leitung liegt in den bewährten Händen von Mario Radicke.

Das Orchester der Staatsoperette hat unter der kompetenten Leitung des Dirigenten Christian Garbosnik keine Mühe, großen Applaus einzuheimsen. Dies beginnt schon bei der feurig und stimmungsvoll gespielten Ouvertüre und setzt sich im ganzen Stück fort. Christian Garbosnik treibt das Orchester zu rasanten Tonwogen, versteht es aber, es dann zurückzunehmen, wenn die Sänger ein klein bisschen Unterstützung brauchen um nicht vom Orchester überdeckt zu werden.

Bei den Gesangssolisten gibt es keinen Ausfall, alle verdienen sich den langanhaltenden prasselnden Applaus am Schluss der Vorstellung. Steffen Schantz als Gabriel von Eisenstein setzt seinen robusten durchschlagskräftigen Tenor ein. Er besitzt eine strahlende Höhe und bietet – trotz einiger kleiner rauhen Stellen – eine imposante Leistung. Auch im Duett mit Jessica Glatte als Rosalinde weiß er voll zu überzeugen. Über Jessica Glatte braucht man nicht viel zu sagen, sie ist eine der tragenden Säulen der Staatsoperette und wartet mit einer brillanten sängerischen aber auch darstellerischen Leistung auf. Ihr warmer, kräftiger und höhensicherer Sopran weiß zu gefallen. Ganz ausgezeichnet ist auch Hauke Möller als Gesangslehrer Alfred. Mit schmetterndem hohem, warmem und ausdrucksstarkem Tenor weiß er ebenso voll zu überzeugen wie mit einem fein abgestimmten und exzellenten Spiel. Mit dem Alfred dürfte er eine seiner Paraderollen gefunden haben, wobei er bisher schon in vielen unterschiedlichen Rollen geglänzt hat.

Als Gefängnisdirektor Frank trumpft Frank Blees mit vollmundigem Bariton auf, kultiviert im Gesang und überzeugend im Spiel setzt auch er seine Marken. Hervorragend bei Stimme auch Kathrin Göring als Prinz Alexander Orlofsky. Maria Perlt singt an diesem Abend die Adele und wie sie das tut, ist herausragend. Mit leichten brillanten und durchschlagskräftigen Koloraturen, setzt sie sich in Szene und kann nicht nur voll überzeugen sondern lässt für die Zukunft zu großen Hoffnungen Raum (dies hatte ich bereits gestern im Cagliostro angemerkt). Es macht richtig Spaß ihr zuzuhören. Frank Oberüber als Dr. Blind weiß in seiner kleinen Rolle zu überzeugen, ebenso wie Mandy Garbrecht als Ida und Noah Thomsen in der (eingefügten) Rolle von Rosalindes Kind. Zum Schluss sei noch Tom Pauls als Frosch genannt. Er macht aus seiner Rolle als Gerichtsdiener Frosch ein wahres Kabinettstückchen. Etliches dürfte von ihm improvisiert sein, wie beispielsweise der Plausch mit dem Publikum über die Ehe und viele weitere Bonmots. Zur Recht erhält er überaus starken Applaus vor dem Vorhang. Das Publikum applaudiert lange, ausdauernd und sichtlich zufrieden mit dem Abend. Und was kann eine Operette schöneres bieten, als die vollständige Unterhaltung seines Publikums.

Manfred Drescher 10. Mai 2015        

Bilder von Stephan Floß

 

 

 

Carl Millöcker

GASPARONE

Premiere 26.12.2012

Lesen Sie unseren Bericht über das Gastspiel der Statsoperette im Stadttheater Fürth vom 03.07.2014

 

MY FAIR LADY

Besuchte Vorstellung 8. Juni 2014

Premiere 22.10.2000

Auch das Musical kann in Dresden gut bestehen

Beschwingte Besucher lassen sich durch das Blumenmädchen in „My Fair Lady“ bezaubern. Gut, ich gebe es zu, das Musical ist nicht so mein Metier, ich gehe nur selten in eines und wenn, dann in eines der Anfängerjahre, weil da doch noch Operettenähnlichkeit besteht. Und gut, ich gebe es zu, dass ich es noch weniger mag, wenn man mit angeklebten Mikrofonen auftreten muss (obwohl manche der Sänger auch gut ohne ausgekommen wären). Um die Tage in Dresden gut auszunutzen, ging ich aber nach der sehr gut gelaufenen „Verkauften Braut“ zwei Tage später in „My Fair Lady“. Und ich muss zugeben, dass ich es nicht bereut habe. Einmal weil es noch ein Musical mit sehr vielen, sehr schönen unterschiedlichen Melodien ist, was man von den neueren Musicals nicht sagen kann und vor allem auch deswegen, weil der von mir in „Die verkaufte Braut“ noch so gescholtene Frank Blees hier eine Supervorstellung gab. Doch dazu später mehr.

Der Inhalt von „My Fair Lady“ ist im Schnellverfahren mit ein paar Worten erzählt. Ein selbstverliebter, recht arroganter Professor wettet mit Oberst Pickering, dass es ihm als Sprachwissenschaftler gelingt, eine Bordsteinpflanze mit praktisch keinerlei Benehmen und einer vulgären Sprache, in kürzester Zeit so auszubilden, dass sie auf einer Einladung in höchste Kreise als „Fast-Prinzessin“ bestehen kann. Und tatsächlich, das einfache Blumenmädchen Eliza wird von ihm so gedrillt, dass sie alles schafft. Statt sie danach in höchsten Tönen zu loben, lobt er nur sich und seine tolle Leistung, zusammen mit Oberst Pickering. Eliza will von ihm fort, zutiefst gekränkt, aber dass möchte er eigentlich auch nicht so sehr, denn er hat sich „so gewöhnt an ihr Gesicht“. Und Eliza kehrt zu ihm zurück. Ob sie ein Liebespaar werden, ob sie ihn wieder verlässt, dass lässt das Musical offen. Um diese Hauptstory gibt es mit dem Vater von Eliza und dem unglücklich in sie verliebten Freddy sowie der Haushälterin Mrs. Pearce und Mrs. Higgens noch weitere Figuren, die zum Erfolg dies Musicals mit beigetragen haben.

Am 22. Dezember 2000 hat man das Musical erstmalig an der Staatsoperette Dresden herausgebracht und nach längerer Pause war dann am 15. März 2011 die Wiederaufnahme und auch beim heutigen Besuch waren nur wenige Plätze unbesetzt. Ein Erfolgsgarant eben. Die Inszenierung von Georg Immelmann und das Bühnenbild von Bernd Lanzke sowie die sehr schönen Kostüme von Silke Führich waren herrlich konventionell. Keine Experimente, sich auf die Musik und die Sänger bzw. Singschauspieler zu verlassen, dies ist ein Konzept was aufgeht und was die Besucher zufrieden nach Hause gehen lässt, jedenfalls zum größten Teil. Und was auch den Rezensenten erfreut, der sich die Selbstverliebtheit mancher Regisseure nicht mehr antun will und sich deswegen die Spielstätten, die er aufsucht, genau aussucht.

Bei den Sängern muss man beim Musical natürlich Abstriche machen, vielfach sind es Schauspieler mit nicht so großen Stimmen. Die Praxis beim Musical ausgebildete Opernsänger einzusetzen ist noch nicht weit fortgeschritten. Und auch die furchtbaren aufgeklebten Mikrofone muss man in diesem Fall mehr oder weniger akzeptieren. Und im Großen und Ganzen haben die Singschauspieler auch überwiegend Spaß gemacht. Tom Pauls legt den Professor Henry Higgins mit leisen Tönen an, geht auch des Öfteren in den Sprechgesang, ist mitunter auch etwas leise (trotz des Mikrofons), bringt die Gestalt des selbstverliebten Gockels, der auch noch stark am Rockzipfel der Mama hängt, jedoch charmant, nett und mit Überzeugungskraft über die Rampe. Eine rollendeckende Gestaltung von Tom Pauls. Als Eliza Doolittle weiß Olivia Delauré zu überzeugen. Und zwar überzeugt sie sowohl in der einfachen vulgären Sprache sprich Gesang, als dann auch in dem musikalischen Ausdruck der „feinen Dame von Welt“. Sie ist auch optisch nett anzusehen und erfüllt die Rolle der kleinen Blumenfrau mit viel Leben und erntet zu Recht großen Applaus des angetanen Publikums. Frank Blees als Alfred P. Doolittle, dem Vater von Eliza, gelingt die – aus meiner Sicht – mit Abstand beste Interpretation des Abends. Sein weicher und gepflegter Bass-Bariton, den er jedoch zum Beispiel in „Hei, heute Morgen mach´ ich Hochzeit“ auch in andere Töne zu bringen in der Lage ist, überzeugt ohne Einschränkungen. Wenn sich Frank Blees auf die Rollen beschränkt, die nicht unbedingt einen schwarzen Bass a la Kurt Böhme oder auch Gottlob Frick erfordern, wird er noch viele Beifallsstürme ergattern können. Heute also uneingeschränktes Lob. Dieses Lob auch für den von Hans-Jürgen Wiese überzeugend interpretierten Oberst Pickering, der das Schlimmste von Eliza fernhält, weil er menschlicher und einfühlsamer ist als der Sprachwissenschaftler.

Jutta Richter-Merz überzeugt als resolute Mrs. Higgins, die das Herz auf dem rechten Fleck hat, ebenso wie Silke Fröde als Mrs. Pearce, dem guten Geist im Hause von Henry Higgins. Frank Oberüber verkörperte den verliebten Freddy Eynsford-Hill, sein Tenor war aber wirklich zu klein und zu schwach um wirklich zu gefallen. Ihm würde ich mein Herz auch nicht schenken, aber vielleicht kann er sich in dieser Rolle noch steigern oder er hat einen pechschwarzen Tag gehabt. Alle anderen Mitwirkenden agierten vorzüglich, es gab keinen Ausfall, und das ist ja eigentlich schon sehr viel. Auch der Chor, einstudiert von Thomas Runge hinterließ einen guten und sicheren Eindruck. Das Orchester der Staatsoperette Dresden wurde an diesem Tag von Peter Christian Feigel geleitet und er machte seine Sache ausgezeichnet. Eigentlich machte das Orchester seine Sache ausgezeichnet, er aber führte es zielsicher und punktgenau, so dass keine Probleme auftauchten. Schmissig und einfühlsam gingen die Melodien in das Ohr der äußerst angetanen Zuhörer. So ist das Musical eine (fast) ebenbürtige Freundin der Mutter Operette. Und so habe ich wieder einmal einen schönen Tag in der Staatsoperette Dresden verleben dürfen.

Manfred Drescher  8.7.14

Bilder: 1-3 von Stephan Floß, Bild 4 Eigenaufnahme Drescher

 

DIE VERKAUFTE BRAUT

besuchte Aufführung am 06. Juni 2014 – Premiere am 02. Mai 2014)

Ein gut aufgelegtes Publikum lässt sich unterhalten – und das aufs Beste

Beim Besuch der Staatsoperette Dresden und auch im Gespräch mit dem Intendanten Wolfgang Schaller wird richtig die Aufbruchsstimmung in dem Haus spürbar. Im Juli 2013 hatte der Stadtrat in Dresden grünes Licht für den Neubau der Staatsoperette gegeben, am 11. April 2014 war der erste Spatenstich und am 8. Juli ist die Grundsteinlegung geplant. Wolfgang Schaller vertraut darauf, dass die Eröffnung im Dezember 2016 stattfinden wird. Und man hat den Eindruck, als wenn dies alles das Haus und das Ensemble beflügelt und zu weiteren überdurchschnittlichen Leistungen anspornt. Die Aufbruchsstimmung und die Vorfreude auf den Herbst 2016 sind nicht nur spürbar, sondern fast mit Händen greifbar. Der „Opernfreund“ wird am Ball bleiben und im nächsten Jahr ein ausführliches Gespräch mit Intendant Wolfgang Schaller führen, bei dem man in jedem Augenblick merkt, dass er die Tätigkeit an der Staatsoperette mit Herzblut und vollstem Einsatz versieht und natürlich wird der „Opernfreund“ an dem selten gewordenen Neuanfang sprich Neubau eines Musiktheaters und noch dazu für die so oft totgesagte und Gott sei Dank nicht tot zu bekommende Operette dabei sein. Doch zurück von den Zukunftsgedanken in die Aufführungen dieser Tage.

Und heute ist Bédrich Smetana auf dem Programm, acht Opern hat er komponiert, auf den Spielplänen ist praktisch heute nur noch seine „Verkaufte Braut“ zu finden. Der Komponist selbst, starb völlig taub und geistig umnachtet im Jahr 1884 in Prag. Er hinterließ mit seiner „Verkauften Braut“ ein wunderschönes Stück aus seiner Heimat. Und die Musik ist es auch, die mitreißt, mitwippen lässt und manchmal muss man sich sehr zurücknehmen um nicht selbst mitzusingen oder zu summen. Vor allem dann, wenn die Musik so flott, so leidenschaftlich und mit einem solch rasanten Tempo dargeboten wird, dass es einem manchmal ganz angst um bange um die Sänger wird, aber keine Angst, alles gelingt. Daran ist Christopher Schmitz, der am heutigen Abend die musikalische Leitung innehat nicht ganz schuldlos. Er fordert das Orchester und dieses folgt ihm gerne. Leidenschaftlich spielt er auf, manchmal decken die Wogen des Orchesters fast alles zu, aber bei den Sängern hält sich Schmitz zurück und so sind sie zu hören, und das ist zum größten Teil sehr beeindruckend, und werden vor allem nicht von der leidenschaftlichen Musik Smetanas zugedeckt. Die Inszenierung von Arne Böge weiß zu gefallen, er baut alles auf, bis es im dritten Akt zum Durchbruch bei der Zirkusszene kommt. Vor allem weiß er alles stimmig einzurichten, er verwirklicht nicht sich sondern die Oper und die Musik. Hendrik Scheel zeichnet für die Ausstattung zuständig und er gefällt ohne Einschränkungen. Selten sah man die Oper so bunt, so aufgeräumt und selten überzeugten auch die Kostüme in ihrer Farbenpracht. Die Choreografie von Radek Stopka konnte ebenfalls gefallen. Er hatte es ja mit einer Menge von Tänzen zu tun. In kaum einer Oper wird mehr getanzt, als hier. Und man konnte sagen, dass alles passte und es keinen Leerlauf gab. Das Ballett und der Chor sind in diesem Stück besonders gefordert und haben eine große Portion Arbeit auf die Bretter, die die Welt bedeuten, zu bringen. Thomas Runge hatte die Choreinstudierung und er hatte diese Mammutaufgabe locker und leicht bewältigt.

Und auch die Sänger hatten überwiegend einen guten Tag. Ich vermeide es bewusst, den Inhalt von „Die verkaufte Braut“ ausführlich zu erläutern, der dürfte jedem Musikfreund bekannt sein. Die Geschichte der beiden Brüder Hans und Wenzel, die erst zum Schluss der Oper zusammenfinden bzw. erkennen, dass sie Brüder sind. Die Liebe von Hans zu Marie, der Tochter des Bauern Kruschina, der Verkauf seiner Braut an den schlitzohrigen Heiratsvermittler Kezal, der, da er nicht weiß, dass Hans als auch Wenzel die Söhne des Grundbesitzers Micha sind so von Hans aufs Kreuz gelegt wird, dürfte hinlänglich bekannt sein. Deshalb nun zu den Akteuren, den Sängern.

Und hier gibt es für mich – bis auf eine Ausnahme – nur lobendes zu berichten. Kommen wir gleich zu der Ausnahme. Frank Blees (der übrigens zwei Tage später einen exzellenten Alfred P. Doolittle in „My Fair Lady“ gab) ist für mich einfach kein Kezal. Blees hat eine schöne weiche Bass-Baritonstimme, aber für den bauernschlauen verschlagenen Heiratsvermittler sehe ich einen profunden „schwarzen Bass“ mit großer Durchschlagskraft. Dies war mich Frank Blees leider nicht. Er wusste sicherlich zu gefallen, konnte schauspielerisch voll überzeugen, aber er war mir zu brav, zu bieder, zu kultiviert im Gesang und zu zurückhaltend in der Stimmgewalt. Ein Heiratsvermittler mit stark gebremstem Schaum. Wie gesagt, die überwiegende Mehrheit im Publikum war sehr angetan von diesem Heiratsvermittler, ich jedoch konnte leider nicht so viel mit dieser Gestaltung anfangen.

Schlußapplaus (c) Drescher

Die Marie von Tatjana Gazdik war einfach bezaubernd. Mit schönem, klarem und durchschlagskräftigem Sopran wusste sie zu gefallen. Sie setzte die Noten perlend wie gestochen und bot insgesamt gesehen eine mehr als gute Leistung. Wieder einmal in Bestform Steffen Schantz als Hans, der sowohl in seinen Soli als auch in den Duetten mit klarem, kräftigem und durchschlagskräftigem Tenor punkten konnte. Strahlende Höhe, gute Mittellage sorgten – trotz einiger rauer Stellen – für eine insgesamt imponierende und überzeugende Leistung.

Eine weitere Hauptperson ist der arme, stotternde nach Liebe suchende Wenzel. Es ist nicht leicht diese Partie glaubhaft zu gestalten, zu groß ist die Gefahr ins Lächerliche zu rutschen. Bei Hauke Möller gab es diese Gefahr nicht. Er bot eine rundum überzeugende Gestaltung dieser nicht so leichten Rolle und gefiel in allen Punkten. Zu einem schönen, klaren, hohen Tenor kam auch eine exzellente Gestaltung der Rolle. Ja, man kann den Wenzel auch zu einer tragenden Rolle machen, hier geschah es durch Hauke Möller.

Keine Ausfälle in den kleineren Rollen, in denen Gerd Wiemer als Bauer Kruschina und Ingeborg Schöpf als seine Gattin Kathinka gefallen konnte. Ebenso wie Herbert G. Adami als Grundbesitzer Micha und Carolin Masur als seine Frau Agnes.

In der rasanten Zirkusszene im dritten Akt konnte Barry Coleman als Zirkusdirektor, wie vor allem auch Isabell Schmitt als Tänzerin Esmeralda voll überzeugen. So wie das schwungvoll ablaufende Zirkusprogramm das Publikum zu Beifallsstürmen hinriss. Die Solisten wurden rollendeckend ergänzt durch Hans-Jürgen Wiese als Muff, Radek Stopka als Smrt sowie Vladislav Vlasov als Mustermann.

Insgesamt, mit einigen kleinen Schwächen, die aber praktisch kaum ins Gewicht fielen, eine schmissige, rasante und das Publikum erfreuende Inszenierung der „Verkauften Braut“.

 

Manfred Drescher 1.7.14

Bilder 1 und 2 von Stephan Floß

 

 

 

GIUDITTA

weiß in Dresden aufzufallen und zu gefallen

Leichte Inszenierungsfragen trüben nicht den positiven Gesamteindruck

(besuchte Aufführung „Zweitpremiere“ am 22. Juni 2013)

Ja, jetzt war ich zum dritten Mal in der Staatsoperette Dresden – und muss einfach konsternieren, dass die Staatsoperette immer für Überraschungen gut ist. Nach einem tollen „Graf von Luxemburg“, einer etwas zwiespältige Inszenierung der „Nacht in Venedig“, mit einem für mich stimmlich sehr gebremsten Herzog von Urbino. Und genau dieser Steffen Schantz, um dessen Töne ich bei der „Nacht in Venedig“ noch so gebangt habe, bringt diesmal als Octavio, die – aus meiner Sicht – beste Leistung aller Akteure auf die Bretter, die die Welt bedeuten. Aber alles der Reihe nach.

Es ist bekannt, dass Franz Lehár den Drang zur Oper hatte und mit seinem Spätwerk „Giuditta“ diesem Traum von der Oper ein ganzes Stück näher kam. Viele durchkomponierte Stellen und – das ist normalerweise für eine ordentliche Operette tödlich – keinem Happy End. Ich gebe auch gerne zu, dass mich die „Regieeinfälle“ von Regisseur Robert Lehmeier nicht sonderlich berührten und Gott sei Dank auch so im Hintergrund spielten, dass man sie auch – mit etwas gutem Willen – übersehen konnte. Ein jüdisches Paar, welches durch alle Akte schlurft und sich am Ende vergiftet (mitten im wunderschön gesungenen Finale von Octavio und Guiditta), ein Lord Barrymore, der sich am Ziel seiner Träume angelangt erschießt, kranke Soldaten „bedienende“ Schwestern, das alles passte nicht so recht in den Rahmen, der sonst recht flott inszenierten Operette. Man will Unterhaltung mit Betroffenheit mischen, manche glauben, dass dies gelungen ist, ich glaube, dass dies nicht unbedingt sinnvoll ist und von der Musik und dem Geschehen auf der Bühne ablenkend, der Operette mehr schadet als nützt. Ich gebe aber gerne zu, dass für mich, auch heute noch, Operette unbeschwerte Unterhaltung ist, auch wenn es einmal kein Happy End gibt. Für Vergangenheitsbewältigung sollte man aber die herrlichen Melodien nicht hernehmen. Wenn man diesen Bereich also – wie ich es getan habe - überging, blieb eine recht gut in Szene gesetzte Operette übrig, die auch musikalisch und gesanglich einiges zu bieten hatte und das Publikum rundum überzeugte.

Wollen wir also nicht zu viele Gedanken für – aus meiner Sicht – „Nebensächlichkeiten“ verschwenden, sondern uns dem widmen, was diese Operette ausmacht und was ihr keine Inszenierung nehmen kann, der wunderschönen Musik von Franz Lehár.

Christian Garbosnik führte das Orchester mit straffer Hand, ließ es aber auch schwellen und schwelgen. Leider ließ er die orchestralen Wogen teilweise etwas zu sehr fließen, so dass sich die Sänger doch recht schwer taten, sich gegen diese Klangfluten zu behaupten und mitunter etwas zugedeckt wurden. Lehárs Musik jedoch blühte auf und verzauberte die Zuhörer. Und genau das soll Operette tun, sie soll ihre Zuhörer für einige Stunden verzaubern und in Fernen führen, in denen man schwelgen und seine Alltagswehwehchen vergessen kann. Es gibt nichts Schöneres, als wenn die Besucher einer Operette mit glücklichem Lächeln und dem Summen der „Gassenhauer“ des jeweiligen Stücks nach Hause ziehen. Wegen dieser meiner Überzeugung wehre ich mich halt auch immer ein bisschen gegen die regielichen „Verbesserungen“ der Operette, weil sie in der Regel nichts verbessern, sondern vom schwelgerischen Leichtsinn und der Leichtigkeit ablenken und das Gemeinschaftserlebnis, „heute habe ich mich rundum wohlgefühlt und die Musik hat mich für einige Stunden verzaubert“, nicht in dem Rahmen aufkommen lassen, der ihm gebührt. Doch zurück zu den Protagonisten.

Der Chor war hervorragend aufgelegt und akribisch eingestimmt. Bei den Solisten gab es kaum Abstriche zu machen. Eigentlich nur ein ganz kleines bisschen bei der sonst höhensicheren und ausdrucksstarken Giuditta von Elke Kottmair. Es gab musikalisch praktisch nichts an ihr auszusetzen, aber sie war mir etwas zu brav, zu sehr Hausfrau und zu wenig männermordender Vamp. Wobei die Szene, in der Lord Barrymore sie an der eigenen Halskette über die Bühne zieht, auch die Zerrissenheit dieser Giuditta eindrucksvoll zeigt. Ihr zur Seite der Octavio von Steffen Schantz. Und ich muss gestehen, dass ich vor meinem Besuch enttäuscht war, dass er diese Partie singt, nach dem schwachen Herzog von Urbino, bei welchem er vermutlich nur einen rabenschwarzen Tag erwischt hatte. Denn ich muss anerkennen, dass ich selten einen solch stimmschönen, durchschlagskräftigen Tenor wie ihn in dieser Partie erlebt habe. Schon bei seinem Auftrittslied „Freunde, das Leben ist lebenswert“ setzte er sich mit Feuer, Leidenschaft und wunderschönen Passagen eindrucksvoll durch und auch die Höhe kam locker leicht, schmelzend und durchschlagskräftig. Und da merkt man dann auch, dass die menschliche Stimme ein lebendes Organ ist und nicht jeden Tag zu Höchstleistungen fähig. An diesem heutigen Tag war Schantz für mich jedenfalls die Idealbesetzung für den Octavio.

Nett anzuschauen, spielfreudig und auch gesanglich tadellos und voll auf der Höhe war das Buffopaar mit Hauke Möller als Pierrino und Isabell Schmitt als Anita. Sie wirbelten über die Bühne, dass es eine wahre Pracht war und konnten beide nicht nur gesanglich, sondern auch darstellerisch voll überzeugen.

Frank Blees gab in seiner etwas ungünstigen Clownmaskerade einen überzeugenden Manuele, den verlassenen Ehemann Guidittas und Christian Grygas als Lord Barrymore überzeugte ebenso wie Hans Jürgen Wiese als Herzog und Dietrich Seydlitz als Ibrahim, dem Besitzer des „Alcazar“. Die Sänger, aber auch das Orchester, ließen den Abend zu einem gelungenen Abend werden, auch wenn meine Frau wieder ein paar Tränen verdrücken musste. Aber das lag nicht daran, dass ihr der Abend nicht gefallen hatte, im Gegenteil, das lag daran, dass die Giuditta halt so furchtbar traurig endet und der arme Octavio sein Leben allein als Barpianist verbringen muss. Insgesamt ein schöner Abschluss der Operettenaufführungen in dieser Saison. Freuen wir uns auf die nächste Saison und auf hoffentlich viele schöne und entspannte Abende, in welchen wir uns von der schönsten Nebensächlichkeit der Welt, der Musik, verzaubern lassen können.

Manfred Drescher                             Bilder: Staatsoperette Dresden

 

 

 

EINE NACHT IN VENEDIG

senkt sich über Dresden

besuchte Aufführung: „Zweitpremiere“ am 20. April 2013

Nur die Musik von Johann Strauss rettet die Operettenaufführung in der Staatsoperette Dresden

Hat der Rezensent beim „Graf von Luxemburg“ noch in höchsten Tönen über die Staatsoperette Dresden geschwärmt, so wurde er bei der Aufführung der „Nacht in Venedig“ von Johann Strauss jäh auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt. Selten bin ich so, ja ich möchte fast sagen erbost, aus einer der schönsten Operetten von Johann Strauss nach Hause gegangen. Und schuld daran waren nicht die herrliche Musik und auch nicht die überwiegend sehr guten Sänger, sondern schuld war die Inszenierung von Frau Jasmin Solfaghari, wenn man hier überhaupt von einer Inszenierung sprechen konnte. Sie hat es geschafft, dass man den Handlungsstrang der „Nacht in Venedig“, der im Original schon etwas kompliziert ist, jetzt überhaupt nicht mehr versteht, indem sie die Operette in der Operette spielen lässt. Dies kann man machen, aber nur wenn man sein Handwerk versteht. Frau Solfaghari hat es geschafft die Operette in Grund und Boden zu spielen. Gut, die originale Geschichte wirft einen nicht gerade vom Hocker, der selbstgefällige Herzog von Urbino, als Weiberheld verschrien, kommt nach Venedig um dort ausgiebig Karneval zu feiern und genüsslich die Frauen, möglichst die seiner Senatoren zu verführen. Er wird an der Nase herumgeführt und nachdem sich mehrere Pärchen gefunden haben, bleibt ihm nur der Karneval. Nicht besonders originell, aber wenn es gut gemacht ist, ein immer einwandfrei funktionierendes Stück. Frau Solfaghari hat dies alles nicht gepasst, sie hat das Stück von unten nach oben gekehrt, hat aktuelle Texte verfasst, die teilweise nur peinlich sind, wenn sie sich vor allem auf die Staatsoperette Dresden selbst beziehen. Ja, wir wissen, dass man eine neue Spielstätte in der Stadt braucht, ja wir wissen, dass viele Unwegsamkeiten bis dahin überwunden werden müssen, aber die Methode mit dem Holzhammer führt hoffentlich nicht gerade zum Gegenteil dessen, was man sich erhofft. Man hat versucht die Handlung zu modernisieren, umzukrempeln und hat dabei vergessen, dass man damit sehr schnell die eigenen Linie und damit auch den so oft zitierten roten Faden verlieren kann. Und dies hat man zur Genüge getan. Man stellt eine venezianische Operntruppe vor die Kulisse der Frauenkirche in Dresden, die zu diesem Zeitpunkt nur noch aus ein paar Trümmern bestand, aber was soll´s. Der Herzog ist der Chef der Truppe, seine Senatoren sind Generaldirektoren, die im ständigen Streit um entsprechende Gelder für die Förderung der Bühne „denen da oben“ unterliegen. Das Stück im Stück wird so weit getrieben, dass im Prinzip wahrscheinlich nicht einmal die armen Darsteller mehr wissen, in welcher Ebene des Stückes sie sich denn jetzt gerade befinden. Vieles passt nicht mehr zusammen, man fragt sich, was zum Beispiel die Gondelfahrt nach Murano soll, denn bei dieser Inszenierung kommt dies nicht mehr heraus, es wird alles nicht deutlich. Durch diese ständigen „Ich weiß eigentlich gar nicht mehr, wo ich bin“ Zustände, verliert auch der Humor stark an Einfluss, ja, er wird mehr oder weniger weggedrängt. Man glaubt, dass sich Mühe gegeben wird, man fragt sich aber warum. Wenn man unsere geliebte Staatsoperette kaputt machen will, war dies ein erster Schritt dazu. Sicherlich werden sich einige die Hände reiben, denen das Wohl dieses einzigartigen Hauses nicht so sonderlich am Herzen liegt. Und das ist genau die Gefahr. Mit solchen Inszenierungen spielt man den Gegnern der Staatsoperette in die Hände. Für mich ein Eigentor erster Güte und ich kann nur inständig hoffen, dass man sich vom (auch nur wohlwollenden) Applaus nicht blenden lässt und Operette wieder so inszeniert, dass man auch wieder Spaß daran hat und dass man den Gegnern ganz klar zeigt, dass diesen Musikgattung noch lange nicht am Ende ist – im Gegenteil.

Ich hoffe inständig, die Verantwortlichen verstehen diese Kritik an der Inszenierung der Operette so, wie sie gemeint ist. Als ernstgemeinten Rat, wieder zur leichten, leichtlebigen, spritzigen und verständlichen Form der Operette zurückzukehren und die wunderschöne Musik auch in die entsprechende Inszenierung zu stecken. Und da sind wir dann auch gleich beim positiven Teil der Kritik. Es ist schön, dass man die wunderschöne Musik von Johann Strauss (fast) nicht kaputtspielen kann, sie überstrahlt eben alles, man muss halt nur ein bisschen die Augen schließen und sieht dann den Canale Grande und das Volksfest des Karnevals vor sich. Andreas Schüller führte das Orchester straff, ließ aber auch den notwendigen Freiraum, er ließ das Orchester aufblühen und so fesselnd, furios, packend und spannungsreich hätte man sich die Inszenierung gewünscht. Der Chor passte sich der hervorragenden Laune und der Stilsicherheit im Orchestergraben an und versprühte einfach nur gute Laune. Auch bei den Solisten war davon einiges zu spüren. Weniger beim Herzog von Steffen Schantz. Zu unausgeglichen war seine Leistung an diesem Abend. Wunderschön gesungenen Passagen, kraftvoll und voller Schmelz in der Höhe folgten Momente, bei denen man dachte, er würde nur mit gebremstem Schaum agieren. Schade, aber vielleicht lag auch eine nicht angesagte Indisposition vor. Mirka Wagner brachte als Annina eine ausgezeichnete Leistung. Ihr warmer Sopran erblühte und flirrte, fürwahr eine vorzügliche Leistung, wie auch der Pappacoda von Bryan Rothfuss, dem es nicht nur gelang gesangliche Glanzlichter zu setzen, sondern darüber hinaus auch schauspielerisch voll überzeugen konnte. Ihm zur Seite stand Jeannette Oswald als reizende Ciboletta, die es vortrefflich verstand ein Schmunzeln auf die Gesichter zu zaubern. Und Gott sei Dank verbreiteten das Orchester und die Sänger wenigstens gute Laune, sonst wäre es – trotz der wunderbaren Strauss’schen Weisen – schwer geworden, durchzuhalten. So gelang auch Ralf Simon als Caramello eine ansprechende Leistung. Sein Tenor liegt mir nicht so sehr, insgesamt konnte er jedoch überzeugen. Silke Fröde als Barbara, Bettina Weichert als Agricola sowie Hans-Jürgen Wiese, Herbert G. Adami und Herbert Graedtke als „Generaldirektoren“ vervollständigten das gut aufgelegt Ensemble. Durch die gesanglichen Leistungen und durch Orchester und Chor fand der Abend ein versöhnliches Ende. Man sollte aber bei der Staatsoperette Dresden ganz genau überlegen, ob man mit solchen Inszenierungen nicht das Gegenteil von dem erreicht, was man eigentlich will. Operette soll leichte Unterhaltung sein, natürlich mit gesanglichen Glanzlichtern, die das Publikum dazu bringen soll, für ein paar Stunden die Alltagssorgen zu vergessen und in eine, ja sagen wir ruhig, Märchenwelt einzutauchen. Es wäre zu wünschen, dass man in Dresden in Bälde wieder mehr glanzvolle Märchen und weniger unverständliche Bearbeitungen erwarten kann. Gespannt bin ich, wie der Weg weitergeht, denn in Kürze freue ich mich auf die wunderschöne „Giuditta“ und ich hoffe, dass diese nicht nur musikalisch ein Erlebnis in Dresden wird.

Manfred Drescher                                  Bilder: Staatsoperette

 

DER GRAF VON LUXEMBURG

Franz Lehár in der Staatsoperette Dresden

Aufführung 13.10.12 (Nachtrag)

Die Staatsoperette Dresden hat (zusammen mit ihren Vorgängern) eine Tradition als musikalisches Volkstheater in Dresden von über 235 Jahren. Die Geburtsstunde der heutigen Staatsoperette Dresden war am 2. Oktober 1947, eröffnet wurde mit Franz Lehár „Die lustige Witwe“

In Deutschland dürfte die Staatsoperette Dresden das einzige Haus sein, welches nur Operette, Spieloper und Musical aufführt. Auch die „Musikalische Komödie“ in Leipzig, die ich ebenfalls sehr schätze, hat das gleiche Repertoire, ist aber nicht eigenständig, sondern gehört zur Oper Leipzig.

Besonders hervorgetan hat sich das Haus auch mit der Aufführung von Strauss-Raritäten wie „Der Carneval in Rom“ oder auch „Das Spitzentuch der Königin“. Ein großer Teil der Aufführungen sind der Nachwelt auf CD erhalten, ein ganz großes Dankeschön nach Dresden, für die Pflege und den Erhalt der Musikgattung Operette, welche in der heutigen Zeit leider total unterschätzt wird.

Ich war im Oktober das erste Mal in der Staatsoperette und habe einen ganz tollen „Graf von Luxemburg“ gesehen. Ich kann jedem das Haus nur wärmstens empfehlen, werde demnächst selbst „Eine Nacht in Venedig“ und „Giuditta“ aufsuchen, über die ich natürlich auch berichten werde. Doch nun zum leichtlebigen Grafen.

Die Geschichte des verarmten Grafen, der, um sich aus seiner finanziellen Misere zu retten, gegen gutes Geld eine Scheinehe eingeht. Der sich dann in die eigene (natürliche unbekannte) Gattin verliebt und schließlich obwohl er dem alten Fürsten, der alles eingefädelt hatte um die Sängerin Angele Didier für ihn standesgemäß zu machen, versprochen hat, nie nach der heimlichen Gattin zu fragen, diese doch bekommt, dürfte hinreichend bekannt sein. Ich hoffe deshalb mit meiner Miniaturkurzform nicht noch mehr verwirrt zu haben und will mich auf die Musik und die Sänger beschränken.

Richard Samek als René, Graf von Luxemburg, weiß voll zu überzeugen. Mit metallischer, durchschlagender Stimme, die mit einer mühelosen Höhe aufwartet, versteht man, dass sich Angéle Didier in ihn verliebt. Sie selbst wird dargestellt von Jessica Glatte, und auch hier gibt es in der Interpretation keine Abstriche zu machen. Mit klarem, leuchtendem Sopran kann sie aufwarten und auch im darstellerischen kommen beide problemlos zurecht. Man nimmt ihnen die Rollen darstellerisch, noch mehr jedoch musikalisch ab. Operette – um zu gefallen, muss nicht nur hervorragend gespielt werden (und dies ist hier heute der Fall) sondern muss auch gesanglich überdurchschnittlich dargeboten werden – und auch dies gelingt am heutigen Abend.

Eine sehr gute Leistung der beiden Hauptprotagisten an diesem Abend. So macht Operette Spaß. Und so wird die Operette auch nicht vom Spielplan verschwinden, auch wenn die öffentlich rechtlichen Sender wie ARD, ZDF und deren  Regionalableger alles  tun, um die  Operette vergessen zu lassen. Es gibt die Operette im Programmangebot schlichtweg nicht mehr und ich wundere mich schon, warum die vielem Musikfreunde in ganz Deutschland hier nicht schon längst einmal Sturm gelaufen sind. Die schweigende Mehrheit sollte vielleicht auch einmal demonstrieren. Und gibt es eine schönere Demonstration als die, die versucht eine wunderschöne Musikgattung wieder etwas in den Fokus des Publikumsinteresses zu rücken.

Ja, ich schrieb gerade, dass Operette so Spaß macht. Spaß macht auch das zweite Paar, das sogenannte Buffopaar. Frank Ernst als Maler Armand Brissard und Olivia Delauré als Juilette Vermont singen und tanzen über die Bühne, dass es eine wahre Freude ist. Jürgen Mutze als Fürst Basil Basilowitsch überzeugt auch in allen Bereichen. Sei es in den, sicherlich etwas schwermütiger angelegten Liedern, als auch in der Darstellung des etwas überreifen, aber immer noch vom Feuer der Leidenschaft durchdrungenen ehemaligen Bohemies. Er bringt seine Rolle mit leisen Zwischentönen beeindruckend auf die Bretter, die die Welt bedeuten und kann auch gesanglich in seinen Partien voll überzeugen. Eine sehr gute Leistung, wenn auch vielleicht etwas zu sehr überzogen, aber dies ist sicherlich Geschmacksache, die Gräfin Stasa Kokozwa, die mit Feuer und Leidenschaft die – von diesem vergessenen – Versprechungen zur Ehe einfordert und damit eigentlich erst den Weg für das Liebesglück von René und Angéle freimacht.

Es gibt praktisch keinen Ausfall im Ensemble und Dietrich Seydlitz als Notar, Jens-Uwe Mürner als Botschaftsrat, André Eckert als Standesbeamter, Mirko Poick als Hotelportier und Martin Gebhardt als Polizeikommissar vervollständigen das gut aufgelegte Ensemble. Man merkt, dass alle Spaß daran haben zu singen und zu spielen und das kommt auch über die Rampe und das macht den Zauber der Operette aus. Ballett und Chor der Staatsoperette Dresden fügen sich nahtlos in die gute Leistung ein. Die musikalische Leitung hat Christian Garbosnik an diesem Abend und er führt das Orchester der Staatsoperette Dresden mit harter Hand, lässt aber trotzdem die Zügel, da wo es dem Fortgang der Handlung und der Musik dient etwas lockerer. Es wird sauber detailgenau und fein differenziert musiziert und es werden die Sänger auch nicht von den Klangwogen des Orchesters überdeckt. Klanglich fein ausgewogen, zugleich aber wunderbar flexibel lässt Garbosnik musizieren.

Manfred Drescher                             Alle Bilder: Staatsoperette Dresden

DER OPERNFREUND  | Opernfreund.Contact@t-online.de