Das Programm wäre sehr klug zusammengestellt gewesen: BACH & SAINT-SAËNS. Camille Saint-Saëns hatte zeitlebens eine große Bewunderung und Verehrung der für den Barockkomponisten Bach, den Giganten der Musikgeschichte, empfunden. Berühmt ist sein Zitat mit folgender Aussage über Bach: „Bach ist das Alpha und das Omega der Musik. Er ist eine Kathedrale, ein Monument, eine Welt für sich.“ Saint-Saëns war ein wichtiger Wegbereiter, um die Musik Bachs in Frankreich bekannter zu machen, viele von Saint-Saëns‘ eigenen Kompositionen zitieren bewusst den großen Meister. Als jahrzehntelanger Organist der Madeleine-Kirche in Paris spielte Saint-Saëns natürlich sehr oft Kompositionen von Johann Sebastian Bach. So setzten also der griechische Stargeiger Leonidas Kavakos, der seit einigen Jahren auch als Dirigent tätig ist, und das DR SYMFONIORKESTRET die kurze Sinfonia Bachs zu seiner Kantate Nr.29 Wir danken dir, Gott, wir danken dir an den Beginn ihres Saint-Saëns Abends. Doch begeistert war man leider von der Wiedergabe nicht. Eine kleine Besetzung mit einigen Bläsern und Streichern versammelte sich um den mobilen Spieltisch mit den Manualen und Pedalen des Organisten Per Salo. Doch der richtig feierliche Klang wollte sich nicht einstellen; es tönte schlicht etwas buchstabiert, trocken, akademisch. Einzig der Organist vermochte mit den rasanten Sechzehntel-Begleitungen zu überzeugen. Diese Sinfonia müsste eindeutig festlicher, gelöster klingen.
Der etwas fade Gesamtklang setzte sich leider auch während Saint-Saëns‘ so hochgelobtem Cellokonzert Nr. 1 fort. Zwar spielte der junge, 1999 geborene, britische Cellist Sheku Kanneh-Mason (sein Bekanntheitsgrad stieg explosionsartig, als er zur Hochzeit von Ex-Prinz Harry und Meghan Markle aufspielte) das Konzert tadellos, virtuos die immer wiederkehrenden Triolenfiguren exponierend, doch irgendwie leitete Leonidas Kavakos das Orchester auch hier zu akademisch, es wollten sich kein Drive und keine Leidenschaft einstellen. Der zyklische Gedanke erfuhr keine sinnfällige Rundung. Vieles erklang recht introvertiert und man verstand die Begeisterung, welche einst Schostakowitsch und Rachmaninow für dieses Konzert hegten, nicht so ganz. Immerhin der Mittelteil geriet dann doch sehr elegisch und wunderschön ausgehorcht musiziert. Sheku Kanneh-Mason erhielt zu Recht viel Beifall und bedankte sich mit einer Zugabe von unglaublich packender Intensität. Es handelte sich um den dritten Satz (Lament) aus der Suite for Solo Cello der britischen Komponistin und Violinistin Natalie Klouda (geboren 1984). Ein Klagelied, geprägt von bewegender emotionaler Ausdruckskraft. Sheku Kanneh-Mason spielte das technisch schwierige, mit Doppelgriffen und sanften Glissandi versehene Stück mit einem Hauch introvertierter Melancholie, liess sein Instrument mit exzeptioneller Wärme singen. Manchmal hörte man verschattete Anklänge an Bachs Cello Suiten. Die schwebenden tonalen Zentren, versetzt mit Seufzern, evozierten einen zugleich trauernden, aber auch tröstenden Klangraum. Ganz wunderbar!

So richtige Begeisterung kam erst nach der Pause bei Saint-Saëns‘ überwältigender Orgelsinfonie auf. Das strahlende Blech über den exakten Streicherfiguren, der wunderschön eingebettete Orgelklang (wieder von Per Salo verantwortet), die traumhaft schön gespielte Kantilene der Klarinette, der bewegte Scherzo-artige Mittelteil mit den Einwürfen der Pianistin und natürlich das bombastische Maestoso des Schlusses, wo die jubelnd donnernden Orgelklänge und die Becken- und Paukenschläge entfesselt das Tor zum Himmel aufstießen, versöhnten dann doch mit der etwas eintönigen Gestaltung des ersten Konzertteils vor der Pause.
Kaspar Sannemann, 12. Oktober 2026
Johann Sebastian Bach: Sinfonia aus der Kantate Nr. 29,
Camille Saint-Saëns: Cellokonzert Nr. 1
Camille Saint-Saëns: Sinfonie Nr. 3
Koncerthuset Kopenhagen
Konzert am 8. Oktober 2026
Solist: Sheku Kanneh-Mason, Cello
Dirigat: Leonidas Kavakos
DR Symfoniorkestret