Wien: „Eine florentinische Tragödie“ / „Herzog Blaubarts Burg“, Alexander von Zemlinsky / Béla Bartók (dritte Besprechung)

Psychologisierende Einengung

Die Florentinische Tragödie von Alexander Zemlinsky und Herzog Blaubarts Burg von Béla Bartók erlebten an der Wiener Staatsoper eine Neuinszenierung von Valery Barkhatov. Der russische Regisseur legte beide Stücke als eines im selben profanen Bühnenbild (ein elegantes zweistöckiges Wohnzimmer mit Ehebett) von Christian Schmidt zusammen und reduzierte die Handlungen auf rein zwischenmenschliche Problemsituationen der Gegenwart, in entsprechenden Kostümen von Stefanie Seitz.

© Marcel Urlaub

Bedenklich ist, dass das Regiekonzept für die Florentinische Tragödie auf mehreren Paravents gleich zu Beginn dargestellt wurde, um die in keiner Weise in Zemlinskys Oper nachvollziehbare psychiatrische Behandlung des vor dem Ende ihrer Ehe stehenden Ehepaares Simone und Bianca durch den Besucher Bardi als Psychiater zu verstehen. In Herzog Blaubarts Burg geht es ähnlich weiter mit reiner Paarbeziehung, also die völlige Reduktion des Geschehens auf die tiefenpsychologische zwischenmenschliche Problematik von Blaubart und Judith. Das engt die Dramaturgie und Ästhetik der großartigen Oper und ihrer die Geschehnisse adäquat bis phantastisch schildernden Musik Bartóks sehr ein.

Dabei gab es vor fast genau 40 Jahren ganz außergewöhnliche Inszenierungen beider Werke in Wien. Im Rahmen der Wiener Festwochen 1985 gastierte die Hamburgische Staatsoper mit der Florentinischen Tragödie unter Gerd Albrecht in einem Doppelabend mit dem Geburtstag der Infantin, ebenfalls von Zemlinsky, am Theater an der Wien. Von 1985 bis 1987 lief an der Wiener Staatsoper eine denkwürdige Inszenierung von Herzog Blaubarts Burg durch Götz Friedrich. Die Neuproduktion von heute kann beiden nahezu genialen Interpretationen von damals das Wasser nicht reichen.

Schlussapplaus (Bild vom Autor)

Johann Reuter sang nun in Wien einen engagierten Simone als Einspringer für Christopher Maltmann und Dmitry Golovnin einen etwas unauffälligen Bardi in der Florentinischen Tragödie. Asmik Grigorian interpretierte die eher kleine Rolle der Bianca. Sie konnte ihre guten stimmlichen und darstellerischen Qualitäten dann weit besser als Judith in Herzogs Blaubarts Burg zeigen, in einer packenden Auseinandersetzung mit dem kultivierten Bassbariton von Florian Boesch. Obwohl Bartók für die Judith sowohl Sopran wie Mezzo zuließ, erscheint die Besetzung dieser Rolle mit einem Mezzosopran doch naheliegender.

Alain Altinoglu dirigierte das Orchester der Wiener Staatsoper äußerst engagiert und auf die vielen Zwischentöne Wert legend, nicht ohne die großen Ausbrüche, wie bei der Öffnung der fünften Tür in Blaubart, fast hymnisch musizieren zu lassen. Erstklassig!

Klaus Billand, 14. Oktober 2026


Eine florentinische Tragödie,
Alexander Zemlinsky

Herzog Blaubarts Burg
Béla Bartók

Staatsoper Wien

Besuchte Aufführung: 10. Oktober 2026
Premiere: 3. Oktober 2026

Inszenierung: Valery Barkhatov
Musikalische Leitung: Alain Altinoglu
Orchester der Wiener Staatsoper

Videokritik des Autors

Erste Besprechung
Zweite Besprechung