Parma: „NABUCODONOSOR“, Giuseppe Verdi

Das heurige Angebot an Opern des Festival Verdi bestand aus den Titeln „Aida“, „Alzira“ und „Nabucco“, an welchem Werk mich die Besetzung interessierte (die Verwendung des längeren ursprünglichen Titels scheint jetzt in Mode gekommen zu sein).

© Roberto Ricci / Festival Verdi

Pier Luigi Pizzi, inzwischen beeindruckende 96 Jahre alt und fit wie ein Turnschuh, hatte als wie immer auch für Bühnenbild und Kostüme verantwortlicher Regisseur ein erfreulich minimalistisches Ambiente gestaltet, das vor allem von sehr entschiedenen Farben beherrscht wurde. Im von Orange beherrschten Hintergrund fiel nur der Einsturz des assyrischen Idols ein wenig mager aus. Beim Chor waren die Kostüme der Hebräer schwarz gehalten, die der Assyrer weiß. Nabucco zeigte bei seinen ersten Auftritten die Zeichen seiner Macht, um nach seinem Sturz ein sackartiges Gewand zu tragen, Abigaille wandelte sich von der Kriegerin mit Mantel und Schurz über die machtbesessene Königin in Rot zur Todgeweihten in Schwarz. Auch ihre Leibwache erschien in Rot und Schwarz und machte mit ihren martialischen Bewegungen viel Eindruck (szenische Bewegung Marco Berriel, wobei wegen fehlender Angaben nicht ersichtlich war, ob es sich um Mimen oder Tänzer handelte). Im Ganzen eine atmosphärisch dichte, auf die wichtigsten Gesten reduzierte Produktion, die kein Verlangen nach einer reicheren, historisierenden Ausstattung oder gar verquast modernistischen Handlung aufkommen ließ.

Das musikalische und gesangliche Niveau war, mit einer Ausnahme, ausgezeichnet. Die Ausnahme betraf den mexikanischen Tenor Andrés Moreno García (Ismaele), angesichts dessen gaumigen Klangs man wegen des geringen Umfangs der Rolle dankbar war. Nach Amartuvshin Enkhbat hat die Mongolei mit Ariunbaatar Ganbaatar einen weiteren interessanten Bariton hervorgebracht.

© Roberto Ricci / Festival Verdi

Diese Stimme ist nicht so weich wie die seines Kollegen und klingt metallischer, doch wird sie technisch sehr gut geführt, und auch die Aussprache ist ausgezeichnet; dazu kam eine szenisch lebendige Interpretation. Man darf sich auf weitere Auftritte freuen. Als seine Gegenspielerin und vermeintliche Tochter brillierte Lidia Fridman mit gesundem, klangschönem Sopran, der die vertrackte Rolle mit ihren unglaublichen Intervallsprüngen bestens bewältigte und auch szenisch Machtgier und späte Reue überzeugend verkörperte. Michele Pertusi, der Unverwüstliche, sang Zaccaria mit weiterhin völlig bruchlos geführtem Bass und unterstrich auch szenisch wirksam die Autorität des unbeugsamen Religionsführers. Berührend und mit angenehmem Mezzo Laura Verrecchia als sanfte Fenena, sehr solide Adriano Gramigni als Hohepriester des Baal und Simone Fenotti als getreuer Abdallo sowie Maria Cristina Bellantuono (Anna). Überwältigend neuerlich die Klangpracht des vom unermüdlichen Martino Faggiani einstudierten Chor des Teatro Regio di Parma. An der Spitze des Orchestra des Teatro Comunale di Bologna stand mit Francesco Lanzillotta ein Mann, der stets den Überblick bewahrte und keine Furcht hatte, Verdis Jugendwerk manchmal auch richtig knallen zu lassen.

Einhelliger Jubel beschloss den Abend.

Eva Pleus, 21.Oktober 2026


Nabucco
Giuseppe Verdi
Teatro Regio di Parma

Vorstellung vom 18.10.2026

Inszenierung: Pier Luigi Pizzi
Musikalische Leitung: Francesco Lanzillotta
Orchestra del Teatro Comunale di Bologna