6. Januar: Ein Tag voller (auch musikalischer) Traditionen und Bräuche
Die Heiligen drei Könige (Caspar, Melchior, Balthasar) sind häufig Thema in der Oper, besonders zur Weihnachtszeit, am bekanntesten ist Gian Carlo Menottis Fernseh-Oper Amahl und die Nachtbesucher (Amahl and the Night Visitors) (UA 24. Dezember 1951 unter Leitung von Samuel Barber), wo sie einen gelähmten Hirtenjungen heilen und ihm Wunder bringen; Amahl und die Nachtbesucher ist inzwischen ein fester Bestandteil der Weihnachtsprogramme vieler Opernhäuser, insbesondere im englischsprachigen Raum. So wie bei uns Humperdincks Hänsel und Gretel in den Wochen um Weihnachten landauf, landab gespielt wird, was eigentlich in Missverständnis ist, denn im Gegensatz zu Amahl handelt es ich nicht um eine Weihnachts- sondern eine Mittsommeroper. Aber auch in Kantaten wie „Sie kamen durch die Wüste“ von Erich Funk wird die Reise und die Begegnungen der Hl. Drei Könige in der Wüste vertont, oft mit Kinderchören, die die Geschichte neu beleuchten. Es gibt überdies zahlreiche geistliche Werke, die die Ankunft der Heiligen Drei Könige musikalisch darstellen, oft mit Kinderchören und Erzählungen.
Selbst in Strauss‘ Oper Salome spielte zumindest der Stern von Bethlehem, der den Hl Drei Königen den Weg zum Jesuskind zeigte, eine Rolle. Um die Uraufführung des Skandalstücks zu ermöglichen, war – um des Kaisers Zustimmung (er hatte das Stück ursprünglich abgelehnt) zu erlangen – wegen der expliziten Darstellung von Lust, Gier und der Hinrichtung von Johannes dem Täufer in der Inszenierung das Ende mit dem Stern von Bethlehem versehen, was die Geschichte in einen religiösen Rahmen rückte. Der „Stern von Bethlehem“ war also eine politische und theatralische Maßnahme, um die Uraufführung von Strauss‘ revolutionärer, aber kontrovers aufgenommener Oper Salome zu ermöglichen, die bis heute fasziniert und polarisiert.
Zum geschichtlichen Hintergrund: Seit dem Jahre 336, als Christi Geburt auf den 25. Dezember festgelegt wurde und man an diesem Termin die Menschwerdung Gottes feierte, wurde die Offenbarung seiner Göttlichkeit am 6. Januar von der Kirche gefeiert. An jenem Tag kamen – laut Bibel – die Weisen aus dem Morgenland nach Betlehem, um das neugeborene Kind, den kommenden König der Juden, anzubeten. Sie hatten als erste von der Geburt Christi erfahren.
Die Kirche begeht am 6. Januar das Epiphanias-Fest. Das griechische Wort Epihaneia meint so viel wie Erscheinung. Gemeint ist die Erscheinung des Herrn, also Gottes. Seinen Ursprung hat das Erscheinungsfest allerdings im ägyptischen Alexandria, wo in der Nacht vom 5. auf den 6. Januar die Geburt des Gottes Aion, Gott des Lebens in Zeit und Ewigkeit, auch Horus genannt, gefeiert wurde. Die Kirche übernahm dieses Fest und deutete es in ihrem Sinne um. Zum Dreikönigsfest.

Wer waren nun diese heiligen drei Könige? Im Matthäusevangelium des Neuen Testamentes werden sie als Sterndeuter und Weise bezeichnet, die, einem Stern folgend, aus dem Osten gekommen seien, um das Jesuskind zu finden. Sie brachten Myrrhe, Gold und Weihrauch mit. Woraus Papst Leo der Erste im 5. Jahrhundert folgerte, es seien drei Männer gewesen. Eine unbewiesene Behauptung. Auch die seit dem 6. Jahrhundert aufgrund der Geschenke vermutete Annahme, es handele sich um drei Könige, ist reine Spekulation. Die Namen der drei, Caspar, Melchior und Balthasar, sind ebenfalls bloße Erfindung eines Theologen namens Beda Venerabilis. Und wirklich heiliggesprochen wurden die Weisen aus dem Morgenland nie.
Ob sie nun orientalische Magier oder Könige gewesen sind, ob sie sich bei ihrer Suche nach dem Christuskind in der Krippe vom hell leuchtenden Halley’schen Kometen (der als Stern von Bethlehem in die biblische Geschichte einging) leiten ließen, oder ob alles nur eine hübsche literarische Erfindung ist: Die heiligen drei Könige gehören seit dem Mittelalter, spätestens seit ihre angeblichen Gebeine im Jahre 1164 nach Köln überführt wurden, zum christlichen Festkalender. (Die Vielgereisten, deren Gebeine von Konstantinopel über Mailand nach Köln kamen, wo sie bis heute als Reliquien in einem prächtigen Schrein verehrt werden, wurden zu Patronen der Reisenden und der Gasthäuser, die eben deshalb früher oft den Namen „Stern“, „Krone“ oder „Zum Mohren“ erhielten.)
Mit vielen Bräuchen und Riten gedachte man in alter Zeit der „Heiligen drei Könige“. Dreikönigsspiele und Sternsingen waren bis zur Reformation üblich. Übrig blieb nur das Sternsingen: Auch heute noch ziehen in katholischen Gegenden drei als Könige verkleidete Kinder von Haus zu Haus, singen Lieder und schreiben mit Kreide die Formel C+M+B auf die Türen. Im Lateinischen bedeutet das „Christus mansionem benedicat“, was so viel heißt wie: Christus schütze dieses Haus.
Kreide gehörte früher zur Abwehr von Unheil und Krankheit in jeden frommen, abergläubischen Haushalt. Mit Kreide malte man auch den Drudenfuß, jenes Zauber abwehrende Pentagramm auf die Haus-Schwelle, um die Trude, eine Alpträume verursachende und Kinder raubende Hexe, zu bannen. Immerhin gehen nach alter Legende am Dreikönigstag die „Zwölfte“, die „Raunächte“ zu Ende, eine Reihe von gefährlichen Tagen und Nächten, an den das „Wilde Heer“ sein Unwesen treibt.
Mit Weihrauch, mit Orakelsprüchen, Dreikönigszetteln, geweihtem Wasser und inszenierten Geisterzügen, in den Alpenländern nennt man diese Geister „Perchten“, rückte man schon in der Nacht vor dem 6. Januar dem „Wilden Heer“, ursprünglich germanische Dämonen und Totengeister, zu Leibe, damit der Feier des Dreikönigsfestes kein Unheil im Wege steht.
Einer der beliebtesten Bräuche, besonders im östlichen Franken, ist das „Stärkeantrinken“ am Dreikönigstag. Der Erlanger Arzt und Autor Johannes Wilkes beschreibt es in seinem „Kleinen Franken-Buch“: „Zu Beginn des neuen Jahres müssen sich die Männer, die Stärk antrinken, denn das neue Jahr ist lang und voller Herausforderungen. Da muss man gut gewappnet sein, und so zieht man bereits in der Früh los, um sich im Wirtshaus zu stärken.“
Der Dreikönigstag ist auch der Tag, an dem klassischerweise der Weihnachtsbaum entsorgt wird, jedenfalls bei den nicht Hartgesottenen unter den Brauchtums-Traditionalisten, die ihn bis Mariä Lichtmess (2. Februar) stehen lassen.
Dieter David Scholz