
Nach vierzehnjähriger Umbauzeit war das Kölner Opernhaus mit einer Produktion des „Rosenkavalier“ endlich wieder eröffnet worden. Da diese Inszenierung weder beim Publikum noch bei der Presse Anklang gefunden hatte, waren nun alle Hoffnungen auf Giuseppe Verdis Oper gerichtet, deren Interpretation in der Tat ausgezeichnet gelungen ist. Allerdings handelte es sich um die Wiederaufnahme einer bereits 2012 entstandenen und auch 2017 im Ausweichquartier gezeigten Inszenierung von Katharina Thalbach, zu der man guten Gewissens ein lautstarkes JA verkünden kann, denn sie enthielt zahlreiche überzeugende Lösungen. So zeigt schon das erste Bild keinen, wenn auch animierten, Hofball, sondern deutlich die Neigung zu Exzessen nicht nur von der Seite des Herzogs. Die Gräfin Ceprano zum Beispiel ist durchaus gewillt, dem Herzog zu einem Schäferstündchen zu folgen, weshalb es zum Streit mit ihrem Gatten kommt. Die Atmosphäre erinnert eher an einem billigen Nachtklub als an ein Fest bei Hofe.

Bestens gelöst auch Rigolettos Behausung, wo hinter dem Eingangstor eine Wendeltreppe in Gildas Zimmer führt, in dem sich der Herzog mit Hilfe Giovannas zunächst unter einem Leintuch versteckt. So verläuft auch Gildas Entführung für das Publikum gut sichtbar. Andeutungen eines Renaissancepalasts fuer das zweite Bild des zweiten Akts und schließlich Sparafuciles Spelunke mit Terrasse, auf der sich Maddalena und der Herzog (von Sparafucile auf einem Nachen vom Mincio hereingezogen) dem Liebesspiel hingeben können. Die überzeugenden Bühnenbilder und Kostüme stammen von Ezio Toffolutti (allerdings ist vor dem dritten Akt eine zweite Pause für den händischen Umbau nötig, was die mehrfach beklagte Tatsache bestätigt, dass die Eröffnung für die technischen Anlagen doch noch zu früh gekommen ist).
Ganz ausgezeichnet war die musikalische Realisierung durch das Gürzenich-Orchester unter der Leitung von Matteo Beltrami, der sich mit der Akustik des neuen Saals und der extremen Tiefe des Orchestergrabens blendend zurechtfand und Verdis genialen Melodien immer das richtige Gewicht gab, ob es sich nun um Rigolettos verzweifelte Selbstanklage „Pari siamo“ oder sein Flehen vor den Höflingen oder um „Schlager“ wie „La donna è mobile“ handelte. Mit dem Koreaner Insik Choi debütierte ein langjähriges Ensemblemitglied in der Titelrolle, und während man die Kölner Oper um einen solchen Künstler beneidet, wünscht man diesem gleichzeitig eine internationale Karriere, denn es handelt sich um einen substanzreichen, edlen, expressiven Prachtbariton ohne technische Schwierigkeiten und dazu auch um einen guten szenischen Gestalter. Seine Tochter wurde von der an der Accademia della Scala ausgebildeten Albanerin Enkeleda Kamani gesungen, die eine gar nicht puppenhafte, sondern auch aufbegehrende Gilda gab, mit einem glasklar gesungenen und rührend gestalteten „Caro nome“.

Den Herzog interpretierte der Rumäne Ioan Hotea mit überaus gewandtem Spiel, hoher technischer Sicherheit und bestens sitzenden Spitzentönen, womit er die nicht ganz erstklassige Qualität seines Timbres vergessen ließ. Der Engländer William Thomas machte als Sparafucile gute Figur und mit einem Prachtbass auf sich aufmerksam. Die Kolumbianerin Adriana Bastidas-Gamboa gefiel als sinnlich flirrende Maddalena mit angenehmem Mezzo, während Regina Richter die Rigolettos Vertrauen missbrauchende Giovanna mit viel Elan verkörperte. Erfreulich auch Tobias Lusser (Marullo) aus dem Opernstudio und der wendige Borsa des Yves Saelens. Als Einziger unbefriedigend Christoph Seidl als Rache schwörender Monterone (der in einer Zwangsjacke ins Gefängnis geführt wird). Gut die Besetzung der restlichen Minirollen, zum Teil mit Chorsolisten.
Das zum Bersten gefüllte Haus reagierte mit herzlichem Szenenbeifall, der sich am Schluss der Aufführung zu Ovationen steigerte. Meine besten Wünsche für die Zukunft des Opernhauses Köln.
Eva Pleus 12. Oktober 2026
Rigoletto
Giuseppe Verdi
Opernhaus Köln
Vorstellung am 3.10.26 (Premiere)
Regie: Katharina Thalbach
Musikalische Leitung: Matteo Beltrami
Gürzenich-Orchester Köln