Bremen: „War Requiem“, Benjamin Britten

Was verbindet Wagners „Lohengrin“ mit dem War Requiem von Benjamin Britten? In Bremen ist es das Bühnenbild von Harald Thor, das Regisseur Frank Hilbrich von seiner „Lohengrin“-Inszenierung vor zwei Jahren jetzt mit kleinen Änderungen für das War Requiem übernommen hat. Hilbrichs Sicht auf „Lohengrin“ endete mit Tod und Zerstörung – also genau da, wo das War Requiem beginnt. Die Übertragung ist perfekt gelungen und hat zudem Kosten gespart.

© Jörg Landsberg

Brittens War Requiem wurde 1962 in der wiederaufgebauten Kathedrale von Coventry uraufgeführt. Es ist ein zutiefst pazifistisches Werk und verbindet die lateinische Liturgie mit englischen Antikriegsgedichten von Wilfred Owen. Die lateinischen Texte der Totenmesse sind dem Chor und der Sopranistin, die Owen-Gedichte dem Tenor und dem Bariton übertragen. Der Kinderchor verkörpert oft das Prinzip Hoffnung auf eine bessere Welt.

Frank Hilbrich hat in seiner Inszenierung auf plakative Kriegsbilder verzichtet. Das Ambiente eines zerstörten Gebäudes ist hier Aussage genug. Er hat vielmehr die einzelnen Abschnitte sehr subtil und eindringlich bebildert, indem er den Chor (in normaler Straßenkleidung) in immer neue Bewegungsabläufe und Gruppierungen führte. Das verstärkte die emotionale Botschaft der Musik ungemein. Die Gestik und die Körperhaltungen der Chorsänger drückten alles aus: Trauer, Schmerz, Verzweiflung, Schuld, Erinnerung, Verdrängung, Wut und auch Hoffnung.

© Jörg Landsberg

Hilbrichs Inszenierung enthielt viele Szenen, die direkt unter die Haut gingen. Etwa, wenn Abraham seinen Sohn Isaak (dargestellt durch zwei gesichtslose Puppen) gegen das Gebot der Engel doch tötet und die Szene in ein haltloses Gemetzel mündet, oder wenn sich Feind und Freund als Tote versöhnlich die Hand reichen. Ein Militarist hetzt von der Balustrade, beim jüngsten Gericht werden Tücher mit der Schrift „schuldig“ oder „Lügnerin“ ausgerollt und gegen Schluss regnet es Asche vom Himmel. Auch die (notwendige) Stille zwischen dem letzten Ton der Musik und dem Beifall des Publikums hat Hilbrich inszeniert, indem alle Beteiligten ganz langsam und einzeln die Bühne verlassen.

© Jörg Landsberg

Als Solisten wirkten die Sopranistin Sarah-Jane Brandon, der Tenor Oliver Sewell und der Bariton Michal Partyka mit. Sie alle erfüllten ihre Aufgabe mit expressivem und eindringlichem Gesang. Der Chor, der Extrachor und der Kinderchor sorgten in der Einstudierung von Karl Bernewitz über überwältigende Klangerlebnisse. Und nicht zuletzt den Bremer Philharmonikern unter der umsichtigen Leitung von Stefan Klingele ist ein Abend zu danken, der lange in Erinnerung bleiben wird.

Wolfgang Denker, 31. März 2026


War Requiem
Oratorium von Benjamin Britten
Theater Bremen

Premiere am 29. März 2026

Inszenierung: Frank Hilbrich
Musikalische Leitung: Stefan Klingele
Bremer Philharmoniker

Weitere Vorstellungen: 31. März, 11., 19., 24. April, 8., 16., 31. Mai, 4. Juni 2026