
Malle Olé wird als Musical angepriesen, das die großen Hits des Ballermanns mit einem großen Theatererlebnis verbinden möchte. Tatsächlich dürften an diesem Abend aber nur diejenigen Zuschauer Freude haben, die sich einmal im Jahr auf Mallorca dermaßen betrinken, dass ihnen mehr oder weniger alles egal ist. Denn genau darum dreht sich die Geschichte des Abends. In der Ankündigung zum Stück heißt es hierzu: „Der herzgebrochene Installateur Alex will mit seinen Jungs eigentlich nur die Sorgen ertränken – und gerät mitten in eine Katastrophen Liebesgeschichte rund um DAS Kultlokal an der Playa! Denn seine Ex Laura ist mit ihren Busenfreundinnen ebenfalls auf Malle – und droht ausgerechnet dem Charme von Yachtbesitzer Victor zu erliegen. Plötzlich steht für alle mehr auf dem Spiel als nur eine zweite Chance. Denn Victor – schmieriger Schönling mit fiesen Hotelplänen – will dem Lieblingslokal der Malle-Touristen die Lichter ausknipsen und den Partytempel plattmachen!” Damit ist eigentlich auch schon alles gesagt. Die Geschichte wird mit vielen platten Witzen und einer Überdosis an Obszönitäten garniert. Dass Victors Jacht, dessen Name übrigens immer wie „Fickthor“ ausgesprochen wird, ausgerechnet „Fixe“ heißt, weil sie „so unglaublich schnell ist“, ist hierbei noch gut zu ertragen. Wenn es darüber hinaus aber stets um „Saufen, Ficken und Kotzen“ geht, wollen wir an dieser Stelle nicht näher auf die Einzelheiten eingehen. Festzuhalten bleibt: Jegliches Klischee wird auf die Spitze getrieben. Leider verpasst es das Buch, die Geschehnisse auf Mallorca mit einem satirischen Augenzwinkern zu beleuchten. Stattdessen werden die merkwürdigsten Verhaltensauffälligkeiten gefeiert, als wäre es das Normalste der Welt, sich für ein paar Tage komplett daneben zu benehmen.

Dass Erik Petersen aus dieser Vorlage eine durchaus gelungene Inszenierung macht, ist sicherlich auch seiner großen Erfahrung im Bereich der Musicalregie geschuldet. Die Übergänge sind fließend und alle Personen werden gut dargestellt. Dazu gibt es einige nette Regieeinfälle, wie die Ansagen zu Beginn am Flughafen von Palma de Mallorca, die in der Tat sehr witzig sind. Dass der Abend kein totales Desaster wird, ist vor allem den wunderbaren Choreografien von Sabine Arthold und dem hervorragenden Ensemble zu verdanken. Die Darstellerinnen und Darsteller sind mit vollem Einsatz dabei und führen die großen Choreografien absolut synchron aus. Auch das Bühnenbild von Isabella Reicheneder weiß zu gefallen. Die hochauflösenden LED-Projektionen auf einer großen und vier kleineren Wänden ergeben zusammen mit einigen verschiebbaren Requisiten einen optisch sehr stimmigen Gesamteindruck. Die Kostüme von Mara Lena Schönborn sind ebenfalls gut auf die jeweiligen Rollen abgestimmt.

Aus dem insgesamt sehr spielfreudigen Ensemble stechen Jessica Kessler als Michelle und Stefan Reil als Viktor besonders hervor. Dass letzterer die Zuschauer nach gut einer Stunde mit den Worten „Verpisst euch in die Pause, ihr Kackbratzen.“ in die Pause schickt nimmt man ihm da auch nicht übel. Doch damit sind wir wieder bei den bereits erwähnten Schwächen des Librettos. Hinzu kommt die permanente Partystimmung im Publikum, die in dieser Form nur schwer zu ertragen ist. Zugegeben: Lieder wie Mama Laudaa, Inselfieber oder Schatzi, schenk mir ein Foto sind so komponiert, dass sie tagelang im Ohr hängen bleiben. Letzteres erklingt in einer neuen Version dann sogar ganz anders als erwartet. Dennoch ist die permanente Aufforderung ans Publikum zum Mitsingen und Mittanzen ganz sicher nicht jedermanns Sache. Schlussendlich bestätigen sich bei Malle Olé all die Dinge, die man sich im Vorfeld schon gedacht hat. Musical und Ballermann sind zwei Welten, die sich nur schwer unter einen Hut bringen lassen. Vielleicht gelingt es den Machern des Stücks, den einen oder anderen Kegelclub oder Junggesellenabschied ins Theater zu locken. Party-Urlauber können dieses Stück sicherlich auch gut als Überbrückung bis zum nächsten Flug zum Ballermann nutzen und hierbei gleichzeitig von der im Ticket inkludierten Aftershow-Party Gebrauch machen. Musical-Liebhabern kann man einen Besuch allerdings eher nicht empfehlen, auch wenn deutlich wird, dass viel Arbeit in die Produktion investiert wurde. Auch wenn nicht alles schlecht ist, merkt man spätestens, dass man im falschen Stück ist, wenn man anfängt, mit der Rolle des Victors zu sympathisieren, der dem Spuk einfach nur ein Ende setzen will.
Markus Lamers, 10. Januar 2026
Malle Olé – Das Musical das ballert!
Partymusical mit den Hits vom Ballermann von Sven-Oliver Müller, Matthias Dinter und Martin Ritzenhoff mit Musikarrangements von Ulrich Fischer und Andreas Slavic
Theater am Marientor, Duisburg
Uraufführung: 8. Januar 2026
Inszenierung: Erik Petersen
Musikalische Leitung: Ulrich Fischer
Trailer und weitere Informationen
Weitere Aufführungen sind derzeit bis zum 21. Februar 2026 geplant.