Magdeburg: „Der Barbier von Sevilla“, Gioachino Rossini

Das Theater Magdeburg hat eine überaus quirlige, temporeiche Inszenierung des „Barbiere“ von der Opéra de Lille übernommen, die dort bereits 2013 Premiere hatte und häufig wiederaufgenommen wurde. Jetzt feierte die französische Sicht der beliebten Rossini-Oper mit dem Magdeburger Ensemble eine erfolgreiche, stark umjubelte Premiere. Regisseur Jean-Francois Sivadier setzteauf der leeren Bühne, die mit verstreut herumliegenden Requisiten zur späteren Andeutung der jeweiligen Spielorte versehen war (Alexandre de Dardel), auf den Spielwitz und die Beweglichkeit der Darsteller. Was wurde da in eher zeitloser Alltagskleidung (Kostüme: Virginie Gervaise) herumgetanzt, aber auch viel gealbert, dass man nur selten ein wenig zur Ruhe kommen konnte. Da das Libretto, unterstützt von der Musik, bereits von sich aus sehr hohes Tempo und enorme Agilität der Figuren verlangt, waren viele der Aktionen auf der Bühne einfach zu viel und zu sehr überdreht. Da wurden von Bühnentechnikern und später von Ambrogio (Schauspieler Marcus Kaloff) die herumliegenden Kisten auf der Bühne verteilt oder die hochgezogenen Jalousien dauernd rauf und runter bewegt. Eine weitere Kürzung der teilweise langatmigen Rezitative hätte gut getan. Erstaunlich sicher und exakt liefen die vielen Szenen in Slapstick-Manier ab, ein gutes Zeichen für sorgfältige Einstudierung und intensive Probenarbeit von Rebecca Sophie Mayr, die sich beim Schlussapplaus den hochverdienten Beifall leider nicht abholte.

© Nilz Böhme

Die musikalische Ausführung zeigte das gute Niveau des Magdeburger Musiktheaters, angefangen mit der Magdeburgischen Philharmonie, die unter der inspirierenden Leitung des Gastdirigenten Fergus Sheil die Spritzigkeit der Partitur stilsicher ausdeutete, wenn auch die Ouvertüre noch etwas behäbig daherkam. In der Titelrolle erlebte man Doğukan Kuran, der mit seinem virilen, sicher geführten Bariton und quicklebendiger Darstellung des gewitzten Barbiers für sich einnahm. Weronika Rabek war die umworbene Rosina; sie gefiel mit ihrem hellen, höhensicheren Mezzo, den sie locker durch alle Koloraturen bewegte und den sie in den wenigen lyrischen Teilen ihrer Partie schön aufblühen ließ. Trotz einer angesagten Indisposition steigerte sich im Laufe des langen Abends der argentinische Tenor Francisco Brito als lebhaft agierender Graf Almaviva mit perlenden Koloraturen und blendenden Spitzentönen zu einer ansprechenden Gesamtleistung.

© Nilz Böhme

Der irische Bassbariton David Howes, seit einem Jahr im Magdeburger Opernensemble, fiel als Dr. Bartolo durch sein witziges Spiel und vor allem in der zungenbrecherischen Bravour-Arie „A un dottor della mia sorte“ mit vielfarbiger, sehr flexibler Stimmführung positiv auf. Warum Johannes Stermann als Don Basilio im Schlafanzug herumlaufen musste (folgerichtig dann auch Graf Almaviva als köstlich lispelnder Don Alonso), hat sich nicht erschlossen. Die berühmte Verleumdungsarie des Musiklehrers gelang dem bewährten Bass geradezu fulminant. Die Haushälterin Berta war deutlich aufgewertet; die Choristin Jeanett Neumeister gefiel klarstimmig in ihrer kleinen Arie und beim Überstrahlen des ersten Finales, wenn auch die Spitzentöne etwas grell gerieten. Schönstimmig gab der Chorist Olli Rasanen den Fiorello und einen Offizier. Mit gewohnter Klangpracht hörte man den Herrenchor in der Einstudierungvon Martin Wagner.

Das Premierenpublikum feierte alle Mitwirkenden mit begeistertem Applaus.

Gerhard Eckels, 25. Januar 2026


Der Barbier von Sevilla
Oper von Gioachino Rossini

Theater Magdeburg

Premiere am 24. Januar 2026

Inszenierung: Jean-Francois Sivadier
Musikalische Leitung: Fergus Sheil
Magdeburgische Philharmonie

Weitere Vorstellungen: 7., 15., 28. Februar + 8. März + 6. April 2026