Cher, am 20. Mai 1946 als Cherilyn Sarkisian in Kalifornien geboren, zählt heute zweifellos zu den ganz großen Ikonen der Popkultur. Im Juni 2018 feierte ihr Musical The CHER Show Premiere in Chicago. Nach dem Transfer an den New Yorker Broadway folgten Touren durch Großbritannien und die USA. Seit Dezember 2025 tourt Die CHER Show nun erstmals in deutscher Sprache durch Österreich und Deutschland. Das Musical behandelt Chers Lebensgeschichte von ihrer Kindheit bis zu ihren großen Tourneeerfolgen vor nicht allzu langer Zeit. Einen großen Teil der Handlung nimmt hierbei ihre erste Ehe mit Sonny Bono ein, mit dem sie 1965 als Sonny and Cher auch ihren ersten großen Hit I Got You Babe hatte. Trotz des großen Erfolgs führten falsche Investitionen und hohe Lebenshaltungskosten zum finanziellen Ruin des Paares. So entstand aus der Not heraus eine Show in Las Vegas, die später zur ähnlich gestalteten Fernsehsendung The Sonny and Cher Comedy Hour führte. Diese Show war so erfolgreich, dass die beiden hierfür unter anderem auf dem Hollywood Walk of Fame verewigt wurden. Gleichzeitig beflügelte die TV-Show auch Chers Musikkarriere von neuem.

Im Jahr 1974 reichte Cher die Scheidung von Bono ein. Dabei kam ans Licht, dass dieser 95 Prozent der Anteile an Chers Firmenimperium besaß; die restlichen fünf Prozent lagen bei Bonos Anwalt. Das Musical verzichtet an dieser Stelle allerdings auf gegenseitige Klagen vor Gericht und stellt Bono auch für Chers weiteres Leben als durchaus wichtige Person auf die Bühne. Da Cher maßgeblichen Einfluss auf die Produktion hatte, werden ihre diversen Affären wohl eher am Rande erwähnt. Stattdessen wird sowohl ihre Filmkarriere als auch ihr maßgeblicher Einfluss in der Modewelt beleuchtet. Aber auch Themen wie ihre Legasthenie und ihr zwischenzeitlich erlittenes chronisches Erschöpfungssyndrom werden durchaus ernsthaft behandelt. Auch wenn reine Biografie-Musicals oftmals kleinere Schwächen in der Handlung aufweisen, ist Die CHER Show dennoch sehr unterhaltsam. Als gelungener Kniff erweist sich, dass die Handlung von drei Chers erzählt wird, die immer wieder miteinander kommunizieren und interagieren. So ist neben der bekannten Star Cher noch eine sehr junge Version ihrer selbst zu sehen, die meist sehr schüchtern agiert und hin und wieder etwas naiv erscheint. Genau zwischen diesen beiden Extremen befindet sich Lady Cher, die auch mal vermittelnd eingreift. Diese Erzählweise wirkt frisch und sorgt immer wieder für humorvolle Momente.

Dass es in den rund 160 Minuten des Musicals vor allem um Cher geht, wird auch im Bühnenbild von Andrew Exeter deutlich, der gleichzeitig für das exzellente Lichtdesign der Show verantwortlich ist. Im oberen Bereich der Bühne ist die Liveband hinter drei großen Cher-Schriftzügen untergebracht. Die Buchstaben lassen sich hier bei Bedarf verschieben. Darüber und darunter befindet sich der Name Cher weitere vierundzwanzig Mal. Ebenso ist der Bühnenboden und die eingezogene Deckenbegrenzung mehrfach mit dem Cher-Schriftzug versehen. Im unteren Bereich der Bühne befinden sich schließlich mehrere große Videowände, die sehr effektiv eingesetzt werden. Trotz des schlichten Bühnenbilds wird mit wenigen Requisiten und wechselnden Hintergründen eine optisch sehr ansprechende Show auf die Bühne gebracht. Die Kostüme von Heike Seidler sind an die ikonischen Original-Kostüme von Emmy-Preisträger Bob Mackie angelehnt, der auch das bekannte Kleid von Cher bei der Oscar-Verleihung designte. Die Choreografien von Christopher Tölle (der sich auch für die Inszenierung verantwortlich zeichnet) und Nigel Watson runden das optische Erscheinungsbild der Produktion positiv ab.

Auch musikalisch kann die Produktion überzeugen. Insgesamt werden über 30 bekannte Songs in das Musical integriert, sodass das Publikum bereits vor der Vorstellung weiß, was es erwarten wird. Lieder wie zum Beispiel Turn Back Time, The Shoop Shoop Song, I Got You Babe, Dark Lady oder Believe verbleiben hierbei im Original, während die Dialoge des Stückes in einer gelungenen deutschen Übersetzung von Katharina Carl und Dominik Hafner auf die Bühne gebracht werden. Ein Highlight des Abends ist der Song Strong Enough, der sehr effektvoll eingesetzt wird, um Chers Solokarriere zu starten, nachdem diese sich von Bono getrennt hat. Die fünfköpfige Band unter der musikalischen Leitung von Patrik Pietschmann spielt die Songs kraftvoll, ohne die Darstellerinnen und Darsteller zu überlagern. Auch die musikalische Abmischung in der besuchten Vorstellung war gut, was in einer solchen Mehrzweckhalle wie der Kölner Motorworld leider nicht immer der Fall ist. Ein kleiner Kritikpunkt ist jedoch diese Halle, denn echte Theater-Atmosphäre entsteht hier nicht, vor allem, wenn 25 Reihen ohne Anstieg mit Stühlen vollgestellt werden. Interessierte Zuschauer sollten genau darauf achten, wie die Situation in den einzelnen Städten aussieht, denn zwischen einem echten Theater und einer ebenerdigen Mehrzweckhalle liegen beim Theaterbesuch Welten. Die verlangten Eintrittspreisen machen in diesem Punkt allerdings keinen Unterschied.

Positiv zu erwähnen ist das hervorragende Casting, mit dem sich ShowSlot-Produktionen bereits in der Vergangenheit mehrfach ausgezeichnet haben. Für die erkrankte Sophie Berner stand mit Clara Marie Hendel eine würdige Vertretung als Star Cher auf der Bühne, die der Erstbesetzung in nichts nachstand. Auch Hannah Leser und Pamina Lenn konnten als Lady Cher bzw. Babe Cher überzeugen. In der Rolle des Sonny Bono stand in der besuchten Vorstellung Maximilian Vogel als männlicher Hauptdarsteller auf der Bühne, der ansonsten oft auch als Bob Mackie zu sehen ist. Die starke Leistung aller Darsteller zeigt sich auch darin, dass trotz der aktuellen Grippewelle alle Cover ihre jeweilige Rolle so stark verkörperten, dass dem gesamten Ensemble hier nur großes Lob ausgesprochen werden kann. Schade ist allerdings, dass es für die Zuschauer nicht wirklich ersichtlich ist, wer auf der Bühne steht. Nach der Abschaffung der wunderbaren Programmhefte hat ShowSlot nun offenbar auch die bisherigen Aufsteller mit dem QR-Code zur aktuellen Tagesbesetzung entfernt. Hier sollte man sich bei zukünftigen Touren wieder etwas mehr auf die zuvor gezeigten Stärken in der Rahmenbegleitung der Produktionen konzentrieren. Diese Kritik ist vor allem deshalb schade, da Die CHER Show ansonsten in puncto Produktionsqualität und musikalischer Umsetzung durchaus überzeugen kann und nicht nur Cher-Fans bestens zu unterhalten vermag.
Markus Lamers, 26. Januar 2026
Die CHER Show
Das offizielle Musical von und über Cher – Original Broadway Produktion produziert von Flody Suarez, Jeffery Seller und Cher nach einem Buch von Rick Elice
Köln, Motorworld
Deutschsprachige Erstaufführung / Tourpremiere: 18. Dezember 2025 in Wien, Stadthalle
besuchte Vorstellung: 25. Januar 2026 in Köln, Motorworld
Inszenierung: Christopher Tölle
Choreografie: Christopher Tölle & Nigel Watson
Musikalische Leitung: Patrik Pietschmann
Weitere Aufführungen in Frankfurt (28.1. – 1.2., Jahrhunderthalle), Dresden (10.2. – 13.2., Messe), Hamburg (15.2. – 22.2., Inselpark Arena), München (24.2 – 8.3., Deutsches Theater), Duisburg (11.3. – 15.3., Theater am Marientor) und Berlin (20.3. – 26.4., BlueMax Theater); genaue Showzeiten und weitere Informationen unter https://showslot.com/.