Las Palmas: „Acis and Galatea“, Georg Friedrich Händel

© Sabrina Ceballos

Das seit 2015 erfolgreich etablierte Internationale Bach Festival, geleitet von Tilman Kuttenkeuler, Adriana Illieva und Michael Gieler, vereint Musiker des Orquesta Filarmónica de Gran Canaria und des Royal Concertgebouw Orchestra.

Den fulminanten Abschluss bildete eine gefeierte Aufführung von Georg Friedrich Händels Acis and Galatea in der Fassung von 1732, dirigiert vom ungarischen Gastdirigenten Beni Csillag und inszeniert von Bruno Berger-Gorski. Die Produktion darf als szenische europäische Erstaufführung dieser Pasticcio-Version gelten.

Die Partitur besticht durch ihren pastoralen Charakter und die Zweisprachigkeit zwischen Englisch und Italienisch. Csillags Vorliebe für zügige Tempi entspricht Händels musikalischer Dramaturgie, doch auch die langsamen Passagen werden mit großer Sensibilität ausgekostet. Besonders überzeugend gelingt ihm die Balance zwischen Bühne und Orchestergraben sowie die stilistische Differenzierung zwischen Recitativo secco und accompagnato im Einklang mit der feinfühligen Cembalistin Katerina Orfanoudaki.

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Diese Dualität prägt den musikalischen Diskurs und verlangt eine flexible, textnahe Interpretation, eine Herausforderung, die Csillag mit Transparenz und Leichtigkeit meistert. Das Kammerorchester überzeugt durch feine Klangfarben und stilistische Präzision.

Regisseur Berger-Gorski ergänzt die barocke Vorlage mit einem spanischsprachigen Monolog für Polifemo und verlegt die Handlung in ein heutiges Setting. Gemeinsam mit Bühnenbildner Carlos Santos und Kostümbildnerin Carmen Alzate entsteht eine moderne Szenerie rund um Hochzeitsvorbereitungen, durchzogen von Projektionen mythologischer Bilder.

Sängerensemble auf hohem Niveau

Die Sopranistin Ana Marqués gestaltet ihre Galatea mit klarem Timbre, sicherer Koloratur und großer emotionaler Ausdruckskraft – eine ideale Stimme für das Mozart- und Händel-Fach. Der Bariton Román Bordón überzeugt als Polifemo mit starker Bühnenpräsenz und differenzierter Darstellung. In der Regie als tätowierter Außenseiter angelegt, entwickelt er sich glaubwürdig vom verzweifelten Liebenden zum gewalttätigen Rivalen. Sein rund geführter Bariton verbindet Klangschönheit mit rauer Ausdruckskraft.

Als Acis beeindruckt der Countertenor Christian Gil Borrelli mit Musikalität, klarer Phrasierung und emotionaler Intensität. Besonders im Finale berührt er mit der Arie „Verso già l’alma col sangue“. Julián Hernao verleiht der Figur des Silvio eindringliche Tiefe und warnt Acis bewegend vor seiner Entscheidung.

Auch in den kleineren Rollen überzeugt das Ensemble: Jennibel Hernández als ausdrucksstarke Clori sowie Carla Sampedro, die mit ihrem Potenzial aufhorchen lässt.

Mythos als modernes Beziehungsdrama

Berger-Gorski deutet den antiken Stoff als zeitgenössisches Beziehungsdrama. Ein Campingplatz dient als Schauplatz eines ausgelassenen Junggesellenabschieds, bevor die Handlung in eine eskalierende Hochzeitsfeier mündet.

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Der nicht eingeladene Polifemo sprengt die Gesellschaft und versucht, Galatea zurückzugewinnen. Als er den gemeinsamen Sohn Galapos vorführt, ist die Gesellschaft schockiert. Die Situation eskaliert, als er Acis vor den Gästen erschlägt. In der finalen Szene weinen sowohl seine Gattin wie auch der frühere Partner Silvio um Acis. Galatea verwandelt ihren Geliebten, dem Mythos folgend, in einen Fluss, in dem beide symbolisch vereint bleiben.

Das Publikum im Teatro Pérez Galdós reagierte mit großer Begeisterung. Besonders das Bach-Ensemble unter Csillag, das Sängerensemble sowie der Regisseur wurden frenetisch gefeiert.

Henri Winter, 12. April 2026 (Gastkritik)


Acis and Galatea, Fassung von 1732 / szenische europäische Erstaufführung
Georg Friedrich Händel

Internationales Bach Festival
Teatro Pérez Galdós

Regie: Bruno Berger-Gorski
Dirigat: Beni Csillag
Musiker des Orquesta Filarmónica de Gran Canaria und des Royal Concertgebouw Orchestra