Reisebilanz II: Tops und Flops der „Saison 2025/26“
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Die Kammerbesetzung sitzt nicht nur auf der Bühne und im Orchestergraben. Sie sitzt auch im Publikum; das Haus ist vielleicht zu einem Drittel gefüllt. Der Opernbesucher muss sich nicht wundern: Zwar steht mit Marilyn forever ein Titel auf dem Programm, das im 100. Geburtsjahr der Norma Jean alias Marilyn Monroe größere Zuschauermengen in den Saal locken könnte, doch da mit Gavin Bryars und . . .
Dass man ein eher ungespieltes Werk ausgräbt und damit beweist, dass es dringend an die Opern-Oberfläche gehört, ist das eine. Dass man Vorstellungen mit eigenen und fremden Einspringern – Intendant Lothar Krause gab höchst selbst szenisch den Romeo, damit eine Vorstellung stattfinden konnte – mehr als „achtbar“ bewältigt, das andere. Mit Zandonais unterschätzter Variante des . . .
Am Abend versagte nicht nur die Dose ihren Dienst, mit der man „Morte ai Montecchi – Vendetta“ auf die Wände sprühen wollte. Oder anders begonnen: Was zeichnet ein sogenanntes „Provinztheater“ aus? Dass es, obwohl das angesetzte Werk das Gegenteil von Repertoire ist, möglich ist, den Ausfall einer der beiden Haupt- und einer wichtigen Nebenrolle mit Hilfe eigener Kräfte und eines . . .
Lieber Opernfreund-Freund, – die Geschichte von Romeo und Julia wird derzeit in Hof in einer selten gezeigten Form präsentiert: die 1922 uraufgeführte Oper Giulietta e Romeo von Riccardo Zandonai stellt dabei höchste Anforderungen an Orchester und Besetzung. – Wenn ein Werk einen weltberühmten Stoff behandelt und schon bei seiner Uraufführung ein Publikumserfolg war, muss es . . .
„Wir wollen a weng kuscheln“, sagt die Frau, als sie sich durch die Sitzreihe bewegt. Der „Knabe“, der dafür sorgt, dass die Braut zu einer Geisterbraut wird, will sich auch nur an die einstige Verlobte schmiegen – nur leider ist er schon tot. – Antonín Dvořáks Geisterbraut, eine Dramatische Kantate, wie man in Hof das Stück werbewirksam betitelt, laut Textbuch eine Ballade . . .
Ich werde den Satz nie vergessen: „Kálmán war ein Genie“. Gesagt hat ihn vor rund 25 Jahren Bónis Ferenc, einer der größten Kenner der ungarischen Musikszene, Gott hab ihn selig, am Rande eines der Salzburger Symposien für (Musik-)Theater. Wir unterhielten uns über die Csárdásfürstin, die ein halbes Jahr zuvor in einer umtosten Premiere an der Semperoper das auf Amüsement gepolte . . .
Operettenverhunzung – Das Theater im bayerischen Hof (nördlich von Bayreuth) ist eines jener traditionsreichen Stadttheater, das immer wieder sowohl durch interessante Spielplanpolitik (auch erfreuliche Ausgrabungen) als auch erstaunliche künstlerische Qualität und Originalität auf sich aufmerksam macht. Die jüngste Ausgrabung, die diese Vorschusslorbeeren allerdings Lügen straft, . . .
Die Blätter beginnen im 2. Akt zu fallen. Tatjana hat ihren Brief geschrieben und abgeben lassen, nun kommt der Angebetete und teilt ihr unmissverständlich mit, dass er kein Interesse an ihr habe. Da fallen die ersten feuilles – es ist wie in einer frühen Tannhäuser-Inszenierung, wenn die Pilger heimkehren. Wir hören tatsächlich auch im russischen Stück – es ist ein Zufall, der auf die . . .
Die letzte Reisebilanz kommt im Norden nicht weiter als bis nach Kassel, im Süden dafür nach Venedig, im Osten sogar nach Tschechien, und berücksichtigt obendrein eine Fülle von kleinen Theatern, die in der zurückliegenden Saison Beachtliches geleistet haben. – . . .
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Georges Bizet gilt, man kann es nicht oft genug sagen, trotz seiner anderen wunderbaren Opern als One-Work-Composer. Seltsam, da doch jede gute Aufführung, zumal der Perlenfischer den Opernfreund davon überzeugen müsste, dass es neben der unvergleichlichen Carmen noch andere unvergleichliche Meisterwerke des Jung-Genies zu geben scheint. – Nein, es liegt sicher nicht am Textbuch, dass . . .
Lieber Opernfreund-Freund, – im Orientalismus in der Oper, der sich in Mozarts Entführung aus dem Serail ebenso findet wie in Lakmé von Léo Delibes oder Puccinis Turandot, wollten Komponisten dem mitteleuropäischen Publikum ferne Länder zeigen, andere, fremdartige Klänge präsentieren, oft ohne je selbst in den betreffenden Regionen gewesen zu sein. Auch Georges Bizet hat Ceylon, wie . . .
Als das Werk im Jahre 1902 in Frankfurt am Main herauskam, bezeichnete ein Kritiker den Text als „süßliche Töchteralbumverse“. In der Neuen Zeitschrift für Musik konnte man eine kritische Zusammenfassung lesen: „Sternenballett, Versuchungen, aber im zweiten Akt doch etwas matter, in dem Maße, als sich die Dichtung vom Märchen auf das Gebiet des Ausstattungsstücks begibt.“ Hier habe . . .
Wenn man das Glück hat, innerhalb von nur sieben Monaten drei Neuinszenierungen des „Falstaff“ zu besuchen, lichtet sich das Bild. Dass ein Werk erst in dem Moment wirklich wird, in dem es realisiert wird, ist ja eine Binsenweisheit, und dass große Stücke – und Verdis letzte Oper ist eins – einiges an Interpretation aushalten, ist bekannt. Spannend also, was mir zwischen Mitte November . . .