Berlin: „20 Jahre Staatsballett: Die Jubiläumsgala“

Es gab Grund zu feiern, sind 20 Jahre doch eine stolze Zahl. Und so versammelten sich am 7. Juli 2024 in der Deutschen Oper Berlin die zahlreichen Anhänger und Freunde des Ensembles, das in den Jahren seines Bestehens mit vielen Produktionen überrascht und erfreut hat. Gezählt wurden 2000 Aufführungen, 95 Premieren und 2 Millionen Zuschauer – eine wahrhaft imposante Bilanz.

Das vierstündige Programm, das Intendant Christian Spuck selbst moderierte (assistiert von Petra Gute), enthielt Ur- und Erstaufführungen sowie Ausschnitte aus dem Repertoire der Compagnie. Gleich der festliche Auftakt – die Ballszene aus Bovary – war ein solcher. Spuck hatte das Ballett 2023 für das Staatsballett geschaffen, wo es inzwischen zum Erfolgsstück geworden ist. Ein starker Kontrast dazu war die folgende Arbeit – Aria von Douglas Lee mit Ksenia Ovsyanick, die zum Bedauern vieler ihrer Verehrer das Ensemble verlässt, und David Soares. Marionettenhafte Bewegungen verbinden sich hier mit neoklassischen Elementen. Willkommen war die Erinnerung an das 2008 uraufgeführte Tanzstück Caravaggio, aus dem Elisa Carrillo Cabrera und Giovanni Princic einen Ausschnitt in gediegener Ausführung zeigten. Die Mexikanerin verabschiedete sich nach 17jähriger Zugehörigkeit vom Staatsballett, um sich künftig verstärkt Gastauftritten und der Förderung junger Talente in ihrem Heimatland widmen zu können. Das letzte Solo des Abends galt ihr – Tué von Marco Goecke, das auf Musik von Barbara die für den Choreographen typischen flatternden Arme und zuckenden Glieder zeigt.

© Admill Kuyler

Für das erste Bravourstück des Programms – und damit den ersten Höhepunkt – sorgten Iana Salenko und Marian Walter mit dem Pas de deux „Schwarzer Schwan“ aus Tschaikowskys Schwanensee, den das Staatsballett seit 2005 zeigt, übernommen aus dem Repertoire des Balletts der Staatsoper, wo es 1997 zur Premiere kam. Glanzvoll und mit effektvollen Variationen absolvierten die beiden Ersten Solisten und Berliner Kammertänzer diese Nummer. Nicht weniger vom Publikum bejubelt wurde beider Auftritt im 2. Teil mit dem anspruchsvollen Tschaikowsky-Pas-de-deux von George Balanchine – bestechend in der Eleganz der Ausführung und der technischen Perfektion. Das Glanzstück des Abends aber war der Grand Pas Classique von Victor Gsovsky mit Musik von Auber. Kreiert von Yvette Chauviré und von Sylvie Guillem in den Rang der Legende erhoben, brillierten hier Haruka Sassa, die in der kommenden Spielzeit als Erste Solistin tanzen wird, und Martin ten Kortenaar mit Bravour und Attitüde.

Mit dem Film 20 Jahre Staatsballett Berlin von Vladislav Marinov begann der 2. Programmteil. 800 Episoden hatte der ehemalige Solotänzer in weniger als acht Minuten aneinander gereiht – eine Überfülle von Bildern, kaum erfassbar im schnellen Vorbeiflug, doch informativ und begeisternd. Von Spuck, der zuvor die sensible Uraufführung Beethoven beigesteuert hatte, gab es mit Nocturne auf Klaviermusik von Chopin eine weitere intime Arbeit – von Leroy Mokgatle und Jan Casier atmosphärisch geformt. Eine erstaunliche Talentprobe boten Vera Segova und Kalle Wigle mit der erstmaligen Interpretation des Adagio „Weißer Schwan“ aus Tschaikowskys Klassiker.

© Admill Kuyler

Ein gefeiertes Wiedersehen gab es mit dem Publikumsliebling Dinu Tamazlacaru, der zur Freude seiner Anhänger die bekannte Bravournummer Les Bourgeois auf Brels berühmtes Chanson bot – hinreißend in der Mischung aus cooler Lässigkeit und artistischer Bravour. Auch das Stück Skew-Whiff von Sol León & Paul Lightfoot auf Rossinis Ouvertüre zur Gazza ladra basiert auf Show-Effekten und ist zudem hinreißend witzig. Mit akrobatischem Körpereinsatz und rasantem Tempo fegen Matthew Knight, Fiona McGee, Théo Just und Anthony Tette über die Bühne, sorgen mit ihren Luftsprüngen und überraschenden Kapricen für helle Begeisterung im Publikum.

Lange mussten die Verehrer von Polina Semionova auf den Auftritt der Primaballerina warten. Sie hatte sich von William Forsythe ein Duett aus In the Middle, Somewhat Elevated ausgesucht, bei dem ihr Martin ten Kortenaar kompetentassistierte. 1987 für das Ballett der Pariser Opéra entstanden, ist es heute bereis ein Klassiker und man spürte im rasanten Vortag der beliebten Berliner Kammertänzerin die große Freude bei der Ausführung dieser Nummer. Mit Spucks beschwingter Choreographie Finale auf Musik von Offenbach mit allen beteiligten Tänzerinnen und Tänzern endete der Abend im Publikumsjubel, in den auch die Dirigentin Maria Seletskaja eingeschlossen wurde, die mit dem Orchester der Deutschen Oper Berlin die musikalischen Beiträge in ihren kontrastreichen musikalischen Stilen souverän formte.

Bernd Hoppe, 12. Juli 2024


Gala 20 Jahre Staatsballett Berlin

Deutsche Oper Berlin

7. Juli 2024

Diverse Choreografen
Musikalische Leitung: Maria Seletskaja
Orchester der Deutschen Oper Berlin