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Musikverein für Steiermark

http://musikverein-graz.at/

Der Musikverein für Steiermark ist der zweitälteste Konzertveranstalter der Welt, der seit seiner Gründung Anfang des 19. Jahrhunderts ohne Unterbrechung tätig ist. In der Saison 2014/15 feiert der Musikverein sein 200-jähriges Bestehen. An dieser Stelle wird aus dem vielfältigen Konzertangebot regelmäßig über jene Veranstaltungen berichtet, die für den Opernfreund relevant sind.

 

 

RENÉ PAPE - CAMILLO RADICKE

Opernstar als Liedgestalter

Stephaniensaal Graz am 19. 12. 2019

 

René Pape und Camillo Radicke waren im April vorigen Jahres zu Gast im Grazer Lied-Zyklus und wurden damals vom Publikum begeistert aufgenommen. Es ist also gut verständlich, dass der Grazer Musikverein die Chance nutzte und das Lied-Duo einlud, unmittelbar nach seinem Liederabend an der Wiener Staatsoper erneut in Graz zu gastieren. Das Programm in Graz war ident wie drei Tage davor in Wien:

WOLFGANG AMADEUS MOZART: “Die ihr des unermesslichen Weltalls Schöpfer ehrt”
HUGO WOLF: Drei Lieder nach Gedichten von Michelangelo

FRANZ SCHUBERT: Der Einsame, An den Mond, Lachen und Weinen, Heidenröslein, Wonne der Wehmut, Der Musensohn, An die Musik, Lied eines Schiffers an die Dioskuren, Prometheus
--- Pause ---

ROGER QUILTER (1877 - 1953): Drei Lieder nach Gedichten von William Shakespeare, op. 6

JEAN SIBELIUS (1865 – 1957): An den Abend, Im Feld ein Mädchen singt, Schwarze Rosen, Der Span auf den Wellen, Mädchen kam vom Stelldichein, Der erste Kuß op. 37/1, Be still, my soul

Die Eindrücke des ersten Abends im Jahr 2018  haben sich für mich bestätigt, ja verstärkt. René Pape, unbestrittener Weltstar auf der Opernbühne, singt nur wenige Liederabende und hat dabei ein fixes, nicht allzu großes Liedrepertoire, aus dem er das jeweilige Abendprogramm zusammenstellt. Das in Graz vorgetragene Programm sang er nicht nur wenige Tage davor mit großem Erfolg an der Wiener Staatsoper (siehe dazu diese Kritik), sondern es setzt sich aus im Internet nachzuhörenden Programmbausteinen zusammen, die 2012 in Barcelona und 2017 bei der Schubertiade erklangen. Die Quilter-Lieder hatte überdies René Pape bereits im Vorjahr in Graz auf dem Programm.

René Pape war hörbar um eine liedgerechte Stimmführung seines mächtigen Prachtorgans bemüht, aber speziell im ersten Teil bei Mozart, Wolf und Schubert fiel vor allem in der Höhe immer wieder ein opernhaftes Forte deutlich aus dem Rahmen der Liedlinie. Dazu kam, dass sehr breite, ja statische Tempi gewählt wurden, und man hatte ein wenig den Eindruck, dass sich René Pape im ersten Teil des Abends nicht wohl fühlte, ja mit sich selbst nicht ganz zufrieden war. Dazu trug meiner Meinung nach die wenig flexible Begleitung des routinierten Pianisten Camillo Radicke bei, mit dem René Pape seit Jahren zusammenarbeitet. Bei Mozart klang das Klavier pathetisch und ohne plastische Frische. Bei Hugo Wolf fehlten mir die spätromantischen Rubati, die dafür bei Franz Schubert etwa in den Nachspielen erklangen, wo doch schon der große Liedbegleiter Gerald Moore geschrieben hatte, dass die Nachspiele a tempo zu spielen seien. Auch im biedermeierlich-skurrilen Einsamen war für mich die Klavierbegleitung mit ihrem stereotypen Achtel-Staccato farblos und eher die Gesangslinie bremsend.

Nach der Pause erlebte man einen wesentlich entspannteren Sänger - er hatte den Frackkragen geöffnet und einleitend bemerkt, noch nie habe er in Österreich im Winter so transpiriert…..

Man freute sich, die Shakespeare-Sonette von Roger Quilter in der Interpretation von René Pape neuerlich zu hören. Das war nach dem recht steif gelungenen ersten Konzertteil eine willkommene Auffrischung - übrigens sei allen Interessierten die ungeheuer lebensvolle Quilter-Wiedergabe auf der CD von Bryn Terfel und Malcolm Martineau empfohlen. Interessant war dann die Begegnung mit den selten aufgeführten Liedern von Jean Sibelius - ich habe sie in der Interpretation von Kim Borg und Erik Werba in Erinnerung. Deren Aufnahme ist immer noch maßstabsetzend. René Pape sang die Lieder in deutscher Übersetzung und mit vorbildlicher Textartikulation, die ihn übrigens den ganzen Abend bei allen Liedern auszeichnete.

Während des Abends gab es zwischen den Liedgruppen erstaunlich sparsamen Beifall - am Ende allerdings wurde das Liedduo mit großem Beifall und Bravo-Rufen bedankt. Dann gab es die bei René Pape üblichen beiden Zugaben und ich kann nur das wiederholen, was ich bereits im Vorjahr geschrieben hatte:

Zwei klug gewählte Zugaben gewährten die Künstler - zuerst mit breiter Opernstimme die Zueignung von Richard Strauss und dann die Miniatur von Robert Schumann Wenn fromme Kindlein schlafen gehen. Bei diesem Kinderlied registrierte man zwar wieder die stimmlichen Grenzen des großen Opernheroen René Pape im kammermusikalischen Lied, aber es war so charmant vorgetragen, dass sich die Begeisterung des Publikums geradezu noch steigerte.

Und diesmal gab es eine dritte, eine vorweihnachtliche Zugabe: drei Strophen aus dem auf Deutsch und auf Latein mit posaunengleicher Stimmpracht vorgetragenen Weihnachtslied „Nun freut euch, ihr Christen - Adeste fideles“.

Man hatte an diesem Abend das ernsthafte Bemühen eines Opernweltstars um das Lied erlebt - das ist zu würdigen und dafür ist zu danken. Ein wenig wurde man an den jüngeren Kollegen Günther Groissböck erinnert, der sich auch um das Lied bemüht - René Pape ist auf diesem Wege schon weiter, aber auch bei ihm erlebt man, wie schwer es ist, sowohl in der Oper als auch in der Liedinterpretation Weltspitze zu sein. Übrigens: der erwähnte Günther Groissböck übernimmt für René Pape die Partie des Baron Ochs bei der Neuinszenierung von DER ROSENKAVALIER, die am 9. Februar 2020 in der Regie von André Heller und unter der musikalischen Leitung von Zubin Mehta in Berlin Premiere feiern wird. Die nächsten Auftritte von René Pape findet man hier - Liederabende sind bisher nicht vorgesehen.

 

Hermann Becke, 21.12.2019

 

Nächster Abend im Lied-Zyklus in Graz: 9.2.2020 - dazu die Ankündigung des Musikvereins: „Philippe Jaroussky, der 2017 mit dem Ensemble L’Arpeggiata debütierte und auch bei den Salzburger Festspielen begeisterte, gastiert nun im Liederabendzyklus. Mit seinen Interpretationen von Schubert-Liedern präsentiert der französische Countertenor eine Hommage an das Ehrenmitglied des Musikvereins“ Es wird sehr interessant sein, die Schubert-Interpretationen

 

 

KRASSIMIRA STOYANOVA mit der Harfenistin ANNELEEN LENAERTS

Kostbar-farbenreiche Herbsttöne!

Stefaniensaal Graz am 2. 12. 2019

 

 

 

Die bulgarische Sopranistin Krassimira Stoyanova gehört unbestreitbar seit Jahren zu den besten Sopranistinnen der Opernwelt. Seit über 20 Jahren singt sie die großen Rollen ihres Fachs an der Wiener Staatsoper. Sie war und ist außerdem an führenden internationalen Bühnen tätig (Salzburger Festspiele, Met, Covent Garden, Mailänder Scala, Opéra Bastille Paris, München, Hamburg, Berlin, Dresden, Zürich, Rom, Tel Aviv, Barcelona, Amsterdam, am Teatro Colón). Seit Herbst 2019 leitet sie an der Wiener Musikuniversität eine Gesangsklasse und wohl nicht zuletzt deshalb reduziert sie ihre internationalen Opernauftritte, wie man ihrer Homepage entnehmen kann. Zusätzlich zu den Opernauftritten gestaltete sie seit Jahren regelmäßig Liederabende - auch in Graz konnten wir sie 2012 als überzeugende Liedinterpretin erleben. Diesmal hatte sie sich eine interessante Partnerin gewählt: die junge belgische Harfenistin Anneleen Lenaerts  - sie ist seit 2010 - mit damals 23(!) Jahren als Nachfolgerin von Xavier de Maistre - Soloharfenistin der Wiener Philharmoniker.

Doch bevor der Abend beginnen konnte, trat der künstlerische Leiter des Musikvereins Michael Nemeth auf das Podium und gedachte des Todes von Mariss Jansons. Der große Dirigent war nicht nur mit Graz verbunden, wo er die Jubiläumssaison 2014/15 mit dem Royal Concertgebouw Orchestra eröffnet hatte, sondern es gibt auch wichtige Bezüge zu den beiden Solistinnen des Abends: Krassimira Stoyanova hat wiederholt mit Jansonss gearbeitet - es sei als Beispiel auf die CD_Aufnahmen von Beethovens 9.Sinfonie und Verdis Requiem hingewiesen. Und für die junge Harfenistin war es 2012 ein besonderes Erlebnis, unter Mariss Jansons ihr erstes Neujahrskonzert mit den Wiener Philharmonikern zu spielen - und da gleich mit einem Solo bei Tschaikowskys Dornröschen.

Im Gedenken an Mariss Jansons wurde das Programm umgestellt. Man begann mit den Rachmaninow-Liedern und beendete den ersten Konzert-Teil mit den Vier letzten Liedern von Richard Strauss - auch das ein ganz besonderer Bezug zu Jansons, hatte er doch 2014 in Graz Tod und Verklärung von Richard Strauss dirigiert, und zu den Eichendorff-Worten Ist dies etwa der Tod? zitiert der greise Richard Strauss im Lied Im Abendrot das Auferstehungsthema aus seinem Jugendwerk Tod und Verklärung. Es war wahrhaft ein würdiges Gedenken an eine der bedeutendsten Musikerpersönlichkeit unserer Zeit.

Die Harfenbegleitung hat bei der Liedbegleitung einen speziellen Reiz - allein durch das geringere Klangvolumen hört man genauer hin als beim üppigen Klavierklang. Wenn allerdings die Harfe einen vollen Orchestersatz ersetzen soll, dann fehlt einfach die reiche Klangpalette - und es sei nicht verschwiegen, dass man gerade bei den Vier letzten Liedern den Orchesterklang vermisste. Stoyanova und Lenaerts sind nicht die ersten, die sich an dieses Meisterwerk gewagt hatten. Das Duo Diana Damrau/Xavier de Maistre trat bei den Salzburger Festspielen mehrfach mit Straussliedern auf, darunter auch mit einzelnen der Vier letzten Lieder. Natürlich: Stoyanova gestaltet die Lieder mit ihren großen Melodiebögen souverän - wenn auch manchmal mit ein wenig ungewohnten Atemstellen - und Lenaerts spielt ihren Part mit ruhig-konzentrierter Versenkung. Das beeindruckt - aber wie gesagt: der üppige Klang des Instrumentationsmeisters Richard Strauss fehlte mir doch ein wenig.

Die virtuosen Rachmaninow-Lieder zu Beginn wurden von beiden Damen effektvoll präsentiert - das war in dieser Version durchaus gleichwertig zur Originalfassung mit Klavier, die ich noch von Stoyanova  aus dem Jahre 2012 in Erinnerung hatte - damals mit dem Pianisten Jendrik Springer.

Der zweite Teil begann mit einem Solostück für Harfe, einer Fantasie über Themen aus Tschaikowskys Eugen Onegin - eine stimmungsvolle Überleitung zum Opernteil. Und in den vier Opernszenen war Großartiges zu erleben! Krassimira Stoyanova gelang es wunderbar, die jugendlichen Frauengestalten mit ihrer technisch perfekt geführten Prachtstimme lebendig werden zu lassen. Es ist wahrlich ein besonderer Reiz, wenn die reife Sängerin alle Facetten der Szenen vom silbrigen Pianoklang über das warm-üppige Forte bis zur dramatischen Attacke völlig bruchlos und ohne jegliche Schärfe zum Erklingen bringt. Man weiß nicht, welch der vier Figuren überzeugender war. Die Tatjana in ihrer Briefszene aus Eugen Onegin war nicht das impulsive junge Mädchen, sondern eine lebenserfahrene Frau - ebenso die Rusalka in ihrer Mondarie, eine reife Göttin und nicht eine mädchenhafte Nixe. Virtuos gelengen die Piani in Cileas Adriana, der strahlenden Bühnenkünstlerin. Und zum Schluss die Pace-Szene der Leonora aus Verdis La forza del destino. Hier konnte die Stoyanova all ihre Stärken zeigen: schwebende piani, großartige Legato-Phrasen und packende dramatische Ausbrüche - und das alles immer technisch perfekt, in vollendeter Intonation mit reichen Klanfarben und ohne hörbare Registerübergänge.

Man erlebte an diesem Abend einen sympathisch-uneitlen Weltstar auf dem Höhepunkt der immensen Erfahrung eines Sängerlebens - ja, es waren kostbar-farbenreiche Herbsttöne einer prachtvollen Stimme! Das Schweizer Publikum kann sich freuen - das Duo wiederholt dort am 5. Dezember im Opernhaus Zürich diesen Abend.

 

 

Am Ende gab es warmen Applaus mit vielen Bravo-Rufen für beide Künstlerinnen. Der Musikvereinschef eilte mit Blumensträußen auf die Bühne. Leider gab es trotz des großen Beifalls nur eine einzige  Zugabe - die allerdings war außerordentlich und berührend: Marias Wiegenlied aus Tschaikowskys Mazeppa. Der Musikverein hat diese Zugabe auf seiner Facebook-Seite auf Video festgehalten. In der originalen Orchesterversion kann das Stück auf dieser CD (Slawische Opernarien) von Krassimira Stoyanova nachgehört werden

 

3. 12. 2019, Hermann Becke

 

 

 

Maria Mudryak - Piotr Beczała

Francesco Ciampa - Grazer Philharmoniker

Festkonzert als Saisonabschluss

Stephaniensaal Graz

25. 6. 2019

 

Gerade erst wurde der polnische Tenor Piotr Beczała, wohl derzeit einer der bedeutendsten Vertreter in seinem Fach, an der Wiener Staatsoper nach einer Tosca-Vorstellung auf offener Bühne mit dem Titel Kammersänger geehrt - und zwei Tage später war er der Stargast eines Festkonzertes des Grazer Musikvereins, wohl sein erstes Auftreten als österreichischer Kammersänger. Eigentlich war ja für dieses Festkonzert ursprünglich der große Bariton Leo Nucci vorgesehen - wie übrigens auch heute noch auf der Homepage der 25-jährigen kasachisch-italienischen Sopranistin Maria Mundryak zu lesen ist. Aber Leo Nucci musste absagen, und es gelang Generalsekretär Dr. Michael Nemeth, wahrhaft einen großartigen „Ersatz" zu finden. Michael Nemeth wurde an diesem Abend öffentlich gefeiert - er ist seit 10 Jahren sehr erfolgreich Generalsekretär und künstlerischer Leiter des Musikvereins für Steiermark. Musikvereinspräsident Franz Harnoncourt-Unverzagt pries in seiner kurzen Laudatio unter anderem die besondere internationale Vernetzung von Michael Nemeth - die hat Nemeth auch diesmal bewiesen und Graz wieder zu einem großartigen Opernabend im Konzertsaal verholfen.

Piotr Beczała war an diesem Abend in absoluter Prachtform und es war sehr interessant neben einander den ungemein erfahrenen, absolut stilsicheren, glänzend phrasierenden Belcantisten und die halb so alte, ehrgeizig-aufstrebende Sopranistin zu erleben.

Dazu ein markantes Beispiel: Die erste Solonummer war die Ariette der Juliette aus Gounods Roméo et Juliette Ah! Je veux vivre. Da lernte man mit Maria Mundryak eine blendend aussehende junge Dame kennen, die ihre Partie auf technisch hohem Niveau beherrscht und die der Resonanzbildung ihres Organs deutlich den Vorzug vor klarer Textartikulation gibt. Es ist eine zarte Stimme, die für mich unnötig versucht, das Volumen zu vergrößern und die auch noch an der sprachlichen Präzision und Authenzität arbeiten wird müssen.

Und dann tritt nach ihr Piotr Beczała auf und beginnt mit der Cavatine des Roméo. Welchen Klang- und Facettenreichtum vermag er gleich in den ersten vier Tönen zu vermitteln - zweimal L’amour, zuerst als Terz-Schritt und dann als verminderte Quint! Hören Sie sich das hier an - dann werden Sie sicher verstehen, was ich meine. Die junge Maria Mundryak wird zweifellos ihren Weg machen - Piotr Beczała hat diesen Weg bereits hinter sich und steht auf dem Höhepunkt seines Könnens. Man weiß gar nicht, welche seiner an diesem Abend interpretierten Stücke man herausgreifen soll - daher seien sie einfach zunächst chronologisch aufgezählt: Gounods Roméo, Verdis Alfredo, die beiden Cavaradossi-Arien und zum Schluss Léhar und nochmals Verdis Alfredo. Ich behaupte ganz einfach: keines dieser Stücke kann man besser singen und gestalten - da stimmte einfach alles: das Timbre, die Phrasierung, die glänzenden Spitzentöne und das alles zwar mit berechtigtem Selbstbewusstsein, aber nie mit oberflächlicher Eitelkeit vorgetragen. Piotr Beczała war auch ein charmant-kollegialer Partner für die junge Sopranistin. Das erlebte man auch in dem kleinen video , das die beiden Solisten mit dem Dirigenten für das Grazer Konzert gestalteten.

 

Maria Mundryak hat sicher alle Voraussetzungen, eine große Karriere zu machen. Man wird sehen, was sie aus ihrem reichen Talent machen wird. Derzeit zählt sie zu den Zehn-Größten-in-Kasachstans-Kulturszene - man wird interessiert verfolgen, wo sie sich in der Weltszene einreihen wird. In wenigen Tagen ist sie jedenfalls bei einem Open-air-Konzert in New York - da gibt es wieder Traviata-Ausschnitte, diesmal mit dem in Graz wohlbekannten jungen italienischen Tenor Antonio Poli. Und Piotr Beczała hat ein dichtes

Sommerprogramm in Barcelona, Bayreuth und Salzburg vor sich - wir in Graz freuen uns sehr auf sein Kommen im Oktober - siehe unten den genauen Hinweis.

 

Der Dirigent des Abends war Francesco Ciampa, der schon an einer Reihe von größeren Häusern dirigiert hatte und in der nächsten Saison an der Münchner Staatsoper debütieren wird. Ich gestehe, er hat mich nicht speziell beeindruckt. Am Anfang stand die Ouvertüre zu Verdis Les vêpres siciliennes - wohl noch aus dem für Leo Nucci geplanten Programm „übrig geblieben", hatte doch Nucci bei seinem Wiener Jubiläumskonzert an der Staatsoper den Montfort gesungen. Da gab es einen recht wackligen Einsatz und dann einen eher rau-polternden Verdi. Eindrucksvoll gelang allerdings mit den sehr gut disponierten Grazer Philharmonikern das Intermezzo aus Puccinis Manon Lescaut mit schönen Cello- und Viola-Solostellen. Sonst erlebte man eher Kapellmeister-Routine - aber das ist ja nicht gering zu schätzen, wenn das Orchester sehr gut ist und die Solisten im Mittelpunkt stehen.

Das Publikum war nach dem 70-Minuten-Programm (ohne Pause) begeistert und erklatschte noch drei Zugaben: Meine Lippen, die küssen so heiß aus Lehars Giuditta und Dein ist mein ganzes Herz aus Lehars Land des Lächelns - und ganz zum Schluss - natürlich - Verdis Libiamo aus der Traviata.

  

Hermann Becke, 26.6. 2019

 

 

  

Hinweis:

 

Am 13. Oktober kann man Piotr Beczała wieder in Graz erleben - dann in einem Liederabend mit Helmut Deutsch am Flügel und mit Liedern von Stanisław Moniuszko | Mieczysław Karłowicz | Pjotr I. Tschaikowsky | Richard Strauss - dringende Empfehlung!

 

 

 

DER OPERNFREUND  | opera@e.mail.de