Der Tenor Julian Prégardien, bekannt für stets überraschende Ideen, hat mit seinem neuesten Projekt „Clara“ im Rahmen der Veranstaltungen LiedBasel ein ganz eindrückliches Konzert gegeben. Mit der Konzertreihe „Clara!“ will Julian Prégardien eine stärkere Präsenz von Pianistinnen fördern. Der Pioniergeist der Ausnahmekünstlerin und für die damalige Zeit auch aktiven Unternehmerin Clara Schumann gab ihm den Impuls, spezielle Programme zusammenzustellen und damit auf Tournee zu gehen.
Die „Winterreise“ ist das zweite Projekt. Im Stile einer Soirée, wie sie im 19. Jahrhundert üblich waren, erklang dieses Meisterwerk Schuberts. Unterteilt in mehrere Liedergruppen und Klavierzwischenspielen, konnte man das Werk auf ganz besondere Weise erleben. Man kann sich vorstellen, wie die damaligen Zuhörer sich über den Inhalt dieses Zyklus rege unterhalten hatten. Die Wahl eines Veranstaltungsortes, weg vom klassischen Musiksaal, ist für diese Idee sehr geeignet. In einem großen Raum im Untergeschoss des Restaurants „Klara“, schon wegen des Namens passend, wohnte das erwartungsvolle Publikum nahe bei den Solisten den Darbietungen bei.
Der Liederzyklus war in vier Gruppen aufgeteilt, welche jeweils mit einem Klavierstück von drei Komponistinnen ergänzt wurden. Im Hintergrund befand sich eine große Tafel mit drehbaren Buchstaben mittels derer der Solist jeweils einige Worte aufleuchten ließ, welche zu vertieften Gedanken anregen sollen. Nach den ersten fünf Liedern wurde das Publikum aufgefordert, „Der Lindenbaum“ gemeinsam zu singen. Dieses jedermann bekannte Lied ist zu einem wahren Volkslied geworden ist. Eine köstliche Idee, welche dazu beitrug, dass das Publikum die Salon-Atmosphäre noch mehr wahrnehmen konnte.
Das erste Klavierstück stammte aus „6 Lieder, ohne Worte“ Nr. 1. in E-Dur von Delphine von Schauroth. Els Biesemans am Hammerflügel spielte mit Herzblut. Dabei lernte man ein Werk kennen, welches wohl niemand im Saal bereits kannte.
Es folgten die nächsten 7 Lieder und „Capricco“ in h-Moll, op H349“ von Fanny Hensel aus dem Jahre 1839, wunderbar feinfühlig interpretiert durch Els Biesemans. Eine weitere Gruppe von vier Liedern und die „Romanze in g-Moll op. 11 Nr. 2„von Clara Schumann aus dem Jahre 1838, leiteten über zu den letzten acht Liedern dieses Zyklus.
Julian Prégardien verfügt über eine hervorragende Tenorstimme. Mit viel Ausdruckskraft und perfekter Stimmführung, vermag er kleinste Nuancen der anspruchsvollen Texte hervorzuheben und ein ergreifendes Ambiente zu schaffen. Berührend.
Els Biesemans am Hammerflügel war dem sympathischen Sänger eine großartige Partnerin und man konnte deutlich spüren, wie harmonisch die beiden aufeinander eingespielt sind. Das konzentrierte Publikum im ausverkauften Saal zeigte sich beeindruckt und begeistert.

Da man an diesem Abend die Tradition, nach einer „Winterreise“ keine Zugabe zu geben, allein schon durch die andere Gestaltung des Programms verlassen hatte, sang Julian Prégardien noch ein weiteres Lied. „Die Bank des Alten“ nach einem Gedicht von Conrad Ferdinand Meyer, vertont von Walter Lang. Erfüllt von vielen Eindrücken verließ man das in jeder Hinsicht außerordentliche Konzert. Man kann zu dieser speziellen Aufführung der „Winterreise“ nur gratulieren.
Das internationale Festival LiedBasel findet unter dem Motto „Alles nur geklaut“ vom 27.-31. Mai 2026 statt und vereint wieder eine große Anzahl an Veranstaltungen, welche man nicht verpassen sollte.
Marco Stücklin 18. Januar 2025
Dank an unsere Freunde und Kooperationspartner vom OPERNMAGAZIN
Die Winterreise
Franz Schuberth
Festival LiedBasel
11. Januar 2026
Julian Prégardien
Els Biesemans am Hammerflügel