Regensburg: „I am what I am“, Opern-, Operetten- und Musical-Gala

Viele Theater bieten pro Spielzeit eine Operngala an, hin und wieder ist auch ein Operetten- oder Musicalabend im Spielplan zu finden. Dass diese allerdings über einen längeren Zeitraum im Spielplan bleiben, kommt nicht so häufig vor. Noch seltener ist die Konzeption eines Abends als Opern-, Operetten- und Musicalgala, bei der alle drei Bereiche des Musiktheaters gleichberechtigt nebeneinander stehen. Wie gut dies funktionieren kann, zeigt das Theater Regensburg seit einiger Zeit mit I am what I am. Aufgrund des großen Erfolgs in der vergangenen Spielzeit wurde der Abend im Oktober 2025 wieder aufgenommen. Auch in dieser Spielzeit scheint die Nachfrage ungebrochen, denn der Theatersaal war bei der besuchten Vorstellung bis auf den letzten Platz ausverkauft.

© Sylvain Guillot

Dem Publikum wurde hierbei ein „Blick in die Innenwelten berühmter Bühnenfiguren“ geboten, wie die Programmankündigung verrät. Nicht zu kurz kam an diesem Abend aber auch der für Operetten häufig übliche „musikalische Alkoholkonsum”. Dieser war auch gleich Teil der musikalischen Eröffnung durch Perlender Champagner aus Ernst Fischers Orchestersuite In vino veritas. Ein schwungvoller Einstieg in den Abend, bei dem das Philharmonische Orchester Regensburg unter der Leitung von Lucia Birzer gleich mal aus dem Vollen schöpfen konnte. Es folgten einige große Opern-Klassiker, darunter Auszüge aus Carmen (Chanson Bohème und die Torero-Arie Votre toast, je peux vous le rendre) und Tosca (Vissi d’arte, hervorragend dargeboten durch Theodora Varga), bevor die Mezzosopranistin Svitlana Slyvia in Jacques Offenbachs Schwipslied Je suis grise aus der Operette La Périchole ihr komödiantisches Talent zeigen durfte.

© Sylvain Guillot

Aufgrund einer kurzfristigen Erkrankung im Ensemble sprang der seit Beginn dieser Spielzeit engagierte Bariton Jakob Hoffmann spontan für seinen Kollegen ein und sang zusammen mit Seymur Karimov ein wunderbares Cheti, cheti, immantinente aus Donizettis Don Pasquale. Sehr schön anzusehen war hierbei, wie beide das Buch mit dem Text wie selbstverständlich in ihr Schauspiel einbezogen. Im zweiten Akt durfte Hoffmann zudem mit The Impossible Dream aus dem Musical Der Mann von La Mancha glänzen. Vor der Pause folgten aber zunächst noch Auszüge aus Candide von Leonard Bernstein (u. a. Sophie Bareis mit Glitter and Be Gay), The Enchantress von Victor Herbert (dargeboten durch Scarlett Pulwey und den Herren des Opernchores), Die lustige Witwe von Franz Lehár sowie den beiden Operetten Der Prinz von Schiras (wunderbar hier: Carlos Moreno Pelizari mit Du warst der selige Traum) und Polnische Hochzeit von Joseph Beer. Letzteres Stück wird ab dem 7. Februar 2026 als vollständige Inszenierung erstmals in Regensburg zu sehen sein.

© Sylvain Guillot

Den zweiten Teil eröffneten Felix Rabas, Alejandro Nicolás Firlei Fernández und Fabiana Locke mit der Eröffnungsnummer Willkommen aus dem Musicalklassiker Cabaret. Später sollte auch noch das Titellied folgen. Mit Auszügen aus der Oper Maria de Buenos Aires von Astor Piazzolla, der Operette Clivia von Nico Dostal und dem Musical Hochzeit mit Hindernissen von Lisa Lambert und Greg Morrison setzte man auch hier auf eher selten gespielte Stücke – ein sehr lobenswerter Ansatz des Theaters Regensburg in der gesamten Programmgestaltung. Dafür wurde es von den Kollegen der Zeitschrift Oper! zu Recht mit dem Oper! Award für das Opernhaus des Jahres 2025 ausgezeichnet. Mit Es ist so schön am Abend bummeln zu geh’n aus Paul Abrahams Ball im Savoy und dem Time Warp aus Richard O’Brians The Rocky Horror Show waren große Ohrwürmer im weiteren Verlauf des Abends ebenso vertreten wie die nachdenklichen Songs Mascara und I am what I am aus Jerry Hermans La Cage aux Folles. Ein Gastauftritt der beiden Niederländer Gerald Drent und Martijn Mulders als Künstlerduo Ludique! rundete den Abend passend ab.

© Sylvain Guillot

Mit I am what I am präsentiert das Theater Regensburg eine wahre Leistungsschau seines hauseigenen Musiktheaterensembles samt Opernchor und des ebenfalls stark besetzten Philharmonischen Orchesters Regensburg. Gabriel Pitoni (Szenische Einrichtung und Choreografie) und Kristopher Krempf (Ausstattung) sorgten hierbei mit einer drehbaren Bühne für eine gelungene optische Umsetzung des Abends. So bot die große Showtreppe auf der Rückseite Platz für kleinere, intimere Darbietungen. Ein passendes Bild für den gesamten Abend: Die richtige Mischung macht den Unterschied – und diese ist bei dieser Opern-, Operetten- und Musical-Gala zweifelsfrei gelungen.

Markus Lamers, 18. Januar 2026


I am what I am
Opern-, Operetten- und Musical-Gala

Theater Regensburg

Wiederaufnahme: 17. Oktober 2025
besuchte Vorstellung: 17. Januar 2026

Szenische Einrichtung & Choreografie: Gabriel Pitoni
Musikalische Leitung: Lucia Birzer
Philharmonisches Orchester Regensburg

Trailer

Weitere Aufführung: 7. April 2026