Verona: „Turandot“, Giacomo Puccini

Prunkvoller Zeffirelli

Das war eine Turandot -Aufführung, die schlicht begeistern musste und es auch tat. Wieder eine dieser wunderbaren Franco Zeffirelli-Inszenierungen mit einem unglaublich attraktiven und vielseitigen Bühnenbild, ebenfalls von ihm, und den perfekt dazu passenden Kostümen von Emi Wada im Stile des alten China, als der Kaiser dort noch sehr viel galt. Man sieht einen gewaltigen Kaiserpalast mit Carlo Bosi als Altoum mittendrin, umrandet von seinem zahlreichen Hofstaat. Dazu eine exzellente Choreografie von Maria Grazia Garofoli.

© EnneviFoto/Fondazione Arena di Verona

Es ist ein Taumel von Attraktion, Schönheit und imperialer Pracht. Trotz aller Vorbehalte einiger Kritiker wegen der vermeintlich zu konservativen Produktion, ja von Zeffirelli überhaupt, scheint das die Ästhetik zu sein, die perfekt in die Arena passt und mit der sie im Übrigen in den letzten Jahrzehnten so viel Erfolg hatte. Selten war auch das große Duell, es ist ja viel mehr als ein Duett, zwischen Calaf und Turandot im 2. Akt so intensiv und detailliert zu erleben. Nicht nur das direkte Duell, auch wie sich die Minister Ping, Pong und Pang verhalten, ebenso wie die vielen Statisten und der Chor in dieser zentralen Szene.

Francesco Ivan Ciampa dirigierte das Orchestra di Fondazione di Arena die Verona. Er ist offenbar mit der Partitur bestens vertraut und stachelte die Musiker zu außerordentlicher Motivation an. Sie zollten ihm zu Beginn des 3. Akts einen längeren Sonderapplaus. Musikalisch war also alles in bester und motivierter sowie motivierender Hand.

© EnneviFoto/Fondazione Arena di Verona

Liù, und deshalb wird sie hier zuerst erwähnt, war Maria Agresta mit einer einzigartigen stimmlichen Qualität, viel Wärme, emotionaler Impetus, dass es einem bisweilen fast das Herz zerriss. Die beide Arien gerieten zu absoluten Höhepunkten des Abends. Michele Pertusi war der von ihr liebevoll betreute Timor. Yusif Eyvazov war Calaf. Er singt alles technisch nahezu perfekt, bildet kraftvolle und auch lang gehaltene Höhen. Aber das Timbre ist eben doch weiterhin etwas gewöhnungsbedürftig. Es fehlt der Stimme der tenorale Schmelz, Italianità muss ja nicht unbedingt sein. Aber etwas klangvollere tenorale Linien wären zu all seiner guten Präsenz auf der Bühne wünschenswert.

Anna Pirozzi war wie schon an der Scala in Mailand Ende April eine verlässliche Turandot mit einem stabilen hochdramatischen Sopran. Gezim Myshketa als Ping, Matteo Macchioni als Pong und Saverio Fiore als Pang waren stimmlich ausgezeichnet und bewegten sich sehr phantasiereich auf der Bühne in wechselnden und noch phantasiereicheren Kostümen. Ankhbayar Enkhbold war ein kraftvoller Mandarin. Eder Vincenzi gab den bedauernswerten Principino di Persia.

© EnneviFoto/Fondazione Arena di Verona

Der von Roberto Gabbiani einstudierte Chor spielte wie immer in der „Turandot“ eine ganz bedeutende Rolle mit einer auch sehr beeindruckenden Choreografie. Er breitete sich als einfaches Volk auf den zur Bühne ansteigenden Treppen aus und griff von dort immer wieder in das Geschehen ein. Franco Zeffirelli sollte noch lange in der Arena bleiben!

Klaus Billand, 4. Oktober 2026


Turandot
Giacomo Puccini

Arena di Verona

Besuchte Aufführung: 11. September 2026

Inszenierung: Franco Zeffirelli
Musikalische Leitung: Francesco Ivan Ciampa
Orchestra di Fondazione Arena di Verona