Verona: „Aida“, Giuseppe Verdi

Zeffirelli at his best!

Die Aida in der legendären Inszenierung von Franco Zeffirelli war nach der fragwürdigen Poda-Inszenierung des Nabucco am Abend zuvor eine regelrechte optische und auch dramaturgische Wohltat. Viele Bühnenbilder Zeffirellis gerieten einfach phantastisch. In ihrer Monumentalität bei gleichzeitiger Wandelbarkeit in der Arena vollkommen passend. Von zentraler Bedeutung und natürlich eindrucksvoll auf das antike Ägypten verweisend war die große und für verschiedene Bühnenbilder schwenkbare goldene Pyramide. Sie gibt immer wieder neue Inhalte frei. Man ist schlicht überwältigt von der Bühnenwirkung.

©EnneviFoto/Fondazione Arena di Verona

Dieser Eindruck erstreckt sich auch auf die ebenso pracht- wie geschmackvollen Kostüme von Anna Anni, mit der Zeffirelli jahrelang zusammenarbeitete. Sie verweisen stets auf das klassische Alt-Ägypten, immer ernstzunehmend und – ohne jegliches Abgleiten in den Kitsch – die ganze Tragik der Aida-Story wirkmächtig unterstützend. Das war schlicht eindrucksvoll und großartig! Hinzu kam eine exzellente Choreografie der Ballettszenen von Vladimir Vasiliev – Tänzer und Tänzerinnen ebenfalls in sehr ansprechenden Kostümen.

Und dann auch noch eine äußerst beeindruckende, ja teilweise Weltklasse-Besetzung! Jonas Kaufmann sang den Radames und machte es vor allem emotional und mimisch sehr gut. Seine gesangliche Interpretation hatte viel Filigranes, immer wieder das bei ihm so bekannte Mezzavoce, dann aber auch wieder herrliche Schwelltöne und kraftvolle tenorale Höhen. Die Stimme ist nicht mehr so voluminös wie früher. Er bot im Zusammenhang mit seinem Spiel aber eine sehr einnehmende Rolleninterpretation.

©EnneviFoto/Fondazione Arena di Verona

Maria José Siri war nach ihrer Abigaille am Vorband auch in der Hauptrolle der Aida wieder großartig, in Stimme wie in der Darstellung. Und so bekam sie auch den meisten Applaus. Am 4. September sang Siri in dieser Serie ihre 200. Aida! Ihre allererste gab die Uruguayerin 2003 im Teatro El Círculo in Rosario, Argentinien. Diese Rolle scheint ihr auf den Leib geschrieben zu sein. Sie agierte auch sehr überzeugend mit ihrem Vater Amonasro, der von Youngjun Park mit kraftvollem Bassbariton und im Spiel äußerst souverän verkörpert wurde.

Ihre Gegenspielerin war Irene Savignano als Amneris mit klangvollem Mezzo und attraktivem Äußeren. Simon Lim war ein respektgebietender König und Alexander Vinogradov ein Ramfis mit einer besonders schönen Stimme. Riccardo Rados war ein überzeugender Messaggero und Francesca Maionchi eine sehr gute Gran Sacerdotessa.

©EnneviFoto/Fondazione Arena di Verona

Francesco Ommassini dirigierte das Orchestra di Fondazione di Verona sowie den von Roberto Gabbiani bestens einstudierten Chor. Ommassini konnte die verschiedenen, so stark divergierenden Stimmungen dieses Meisterwerks von Giuseppe Verdi musikalisch aufs Beste gestalten. Musikalisch und theatralisch ein ganz großer Abend in der wieder einmal ausverkauften Arena di Verona in Bella Italia!                                               

Klaus Billand, 4. Oktober 2026


Aida
Giuseppe Verdi

Arena di Verona

Besuchte Aufführung: 10. September 2026

Inszenierung: Franco Zeffirelli
Musikalische Leitung: Francesco Ommassini
Orchestra di Fondazione Arena di Verona