Opernfreunden sind die Stimmfächer des Heldentenors und Heldenbaritons geläufig – viele zentrale Partien wurden für Vertreter dieser Gattungen komponiert. Vor allem in den Werken Richard Wagners sind sie häufig anzutreffen – man denke nur an Siegfried, Tannhäuser und Tristan oder Holländer, Telramund und Amfortas. Was aber ist ein Heldenalt? Ein Besuch der Bar jeder Vernunft am 15. März 2026 gab darüber Auskunft, denn auf dem Programm stand ein Abend mit der Sängerin Popette Betancor, die sich selbst als Heldenalt bezeichnet. Ihre liebsten Lieder hat sie ausgewählt und zu einer Programmfolge unter dem Titel Gründeln zusammengestellt. Das reichte von Schubert („Die Forelle“/„An den Mond“) über Brecht/Weill („Seeräuber-Jenny“) bis zu eigenen Kreationen. Am Flügel wurde sie von Christian von der Goltz kompetent begleitet und inspiriert.
Schon bei ihren ersten Beiträgen stellte sich beim Hörer die Überzeugung ein, dass die Stimme keineswegs in das Alt-Fach einzuordnen ist. Eher ist sie ein dunkler Sopran, denn in vielen Liedern bewegte sich die Stimme durchaus in oberen Regionen. Und der Zusatz „Helden-“ dürfte auch nicht zutreffen, denn im Vortrag waren keinerlei heroische Momente spürbar. Befremdlich war auch die Präsentation der einzelnen Beiträge in einem lachsfarbenen Hosenanzug in Übergröße und einer beinahe ridikülen Körpersprache.
Schuberts „Die Forelle“ bezeichnete die Sängerin selbst als „flotten Einstieg“ – das populäre Lied erklang im neuen Gewand, wie viele folgende Titel auch. Brecht/Weills „Seeräuber-Jenny“ aus der Dreigroschenoper markierte einen kontrastreichen Wechsel, aber wieder hörte man eine eigene, zweifelhafte Version. Weitaus überzeugender gerieten die instrumentalen Beiträge des Pianisten mit einem stimmungsvollen Weill-Medley, in welchem man natürlich die „Seeräuber-Jenny“ und den „Surabaya Johnny“ heraushörte, und einem mit Schubert-Themen nach der Pause. Im zweiten Teil wirkten einige Titel mehr gelallt denn gesungen, manche, wie der „Taxi-Song“, in ihren Texten auch banal, und zuweilen, wie bei Weills „Song von Mandelay“ gab es auch Textsalat. Eher gefielen ein, zwei Canciones in spanischer Sprache, welche die Herkunft der Sängerin von den Kanarischen Inseln bezeugten. So hinterließ dieser Abend, der vom Publikum dennoch wohlwollend aufgenommen wurde, mehr Zweifel als Bewunderung.
Bernd Hoppe 17. März 2026
Gründeln
Liederabend
Diverse Komponisten
Berlin / Bar jeder Vernunft
Premiere: 12. März 2026
Solistin: Popette Betancor
Am Flügel: Christian von der Goltz