Hagen: „Flashdance“, Robbie Roth und Robert Cary

Der Musik- und Tanzfilm Flashdance aus dem Jahr 1983 zählt auch heute noch zu den großen Kultfilmen der 80er-Jahre. Der Titelsong Flashdance… What a Feeling wurde seinerzeit sogar mit dem Oscar für den besten Song ausgezeichnet und seither millionenfach verkauft. Aber auch die im Musical verwendeten 80er-Klassiker wie Maniac (der Song war ebenfalls bereits im Film vorhanden), Gloria, I Love Rock ’n‘ Roll oder Manhunt sind heute noch große Ohrwürmer und Dauerbrenner bei den verschiedensten Radiosendern. Für das im Jahr 2008 uraufgeführte Musical schufen Robbie Roth und Robert Cary zudem viele weitere eingängige Stücke, die speziell für das Musical komponiert wurden. In der sehr gelungenen deutschen Version von Anja Hauptmann wurden diese neuen Lieder durchgängig übersetzt, während die eingangs erwähnten Ohrwürmer auch in der deutschsprachigen Version im englischen Original erklingen. Insgesamt ergibt sich so ein sehr eingängiges Gesamtwerk, bei dem auch die für das Musical komponierten Stücke wieZeig, was du kannst, Eins zu einer Million, Wo ich hingehör oder Fang an großes Hitpotenzial aufweisen.

© Björn Hickmann

Eingebettet sind die Lieder in eine stellenweise sehr berührende Geschichte rund um Alex Owens. Sie arbeitet tagsüber als Auszubildende in einer Stahlfabrik und tanzt abends in Harrys Bar, um dort ihrer großen Leidenschaft nachzugehen. Ihr größter Traum ist eine Karriere als Profitänzerin. Als sich der Juniorchef des Stahlwerks, Nick Hurley, in sie verliebt, sorgen weitere große Emotionen und Wendungen im Stück für gute Unterhaltung. Doch Flashdance ist alles andere als eine reine Nostalgiereise, denn das Musical behandelt auch den harten Kampf ums Überleben. Sei es der Barbesitzer Harry, der mit zunehmend weniger Besuchern zu kämpfen hat. Auch im Stahlwerk müssen Sparmaßnahmen umgesetzt werden, um den Konkurs abzuwenden. Dies betrifft wiederum einige der hart arbeitenden Angestellten, die ihrerseits ihre Familien versorgen müssen. Und dann ist da noch die Tänzerin Gloria, die von einer großen Karriere träumt und nur knapp dem totalen Absturz entkommt, nachdem der Besitzer eines benachbarten Striplokals sie mit falschen Versprechungen und Drogen geködert hat. Trotz der Dramatik kommt in diesem Stück aber auch der Humor nicht zu kurz, was Flashdance insgesamt zu einem sehr sehenswerten Musical macht.

© Björn Hickmann

Für die Inszenierung konnte das Theater Hagen den jungen Regisseur Florian Mahlberg gewinnen, der bereits zuvor einige sehenswerte Musical-Produktionen schuf. Auch Flashdance ist eine rundum gelungene Regiearbeit, bei der gleich zu Beginn im Stahlwerk die Funken sprühen. Mit einer gelungenen Personenregie setzt Mahlberg zudem stets die richtigen Akzente. Selbstverständlich darf auch der große Wasserschwall aus dem Schnürboden unmittelbar vor der Pause nicht fehlen, der Alex Owens in der aus dem Film bekannten Pose erscheinen lässt. Norbert Bellen schuf passend zur Inszenierung eine große, dreigeteilte Drehbühne, die immer wieder für die verschiedenen Räume sorgt. Praktisch hierbei ist, dass die verdeckten Teile der Bühne immer wieder umgebaut werden können, sodass sich sehr viele verschiedene Orte abbilden lassen. Der Wechsel vom Stahlwerk zu Alex‘ Wohnung oder zu Harrys Bar gelingt schnell und flüssig. Hier gibt es sowohl die Garderobe der Tänzerinnen als auch die eigentliche Bar zu sehen. Weitere entstehende Orte sind unter anderem die Tanzschule Shipley oder die Wohnung von Alex‘ mütterlicher Freundin Hannah. Schwungvolle Choreografien von Nicole Eckenigk und passende Kostüme im Stil der 80er-Jahre von Lisa-Jasmin Tomm runden das positive Gesamtbild des Kreativteams ab.

© Björn Hickmann

Die siebenköpfige Flashdance-Band unter der musikalischen Leitung von Andreas Vogelsberger spielt sehr schwungvoll und sorgt für die passende musikalische Untermalung des Abends. Leider war die musikalische Aussteuerung in der besuchten Vorstellung jedoch zu oft nicht ganz passend, sodass einige Texte nur schwer zu verstehen waren. Hinzu kommt, dass alle Sängerinnen und Sänger zwar zweifelsfrei schön singen können, ihnen aber teilweise die nötige Durchschlagskraft fehlt. So ist es etwas schade, dass sich zwischen Gesang und Band oftmals nicht die Harmonie entwickelt, die für einen wirklich großartigen Musicalabend notwendig wäre. Am besten schlägt sich Sarah Steinemer in der Rolle der Gloria, die mit ihrer kräftigen Stimme für die musikalischen Höhepunkte des Abends sorgt. Auch Tim Stolberg als ihr Freund Jimmy weiß zu gefallen. Die aktuell kursierende Erkältungswelle macht es den beiden Hauptdarstellern Juliette Lapouthe (Alex) und Marius Bingel (Nick) auch nicht leichter. Für die Rolle des Stripclub-Besitzers C.C. musste Adriano Sanzo, der ansonsten im Ensemble der Produktion zu sehen ist, die Rolle sogar innerhalb eines Tages einstudieren. Dies gelang ihm allerdings sehr gut, was an dieser Stelle nicht unerwähnt bleiben soll.

© Björn Hickmann

Insgesamt bietet das Theater Hagen mit Flashdance ein Musical, das mit einer sehenswerten Inszenierung punkten kann und zu sehr fairen Eintrittspreisen zu sehen ist. Auf der musikalischen Seite müssen jedoch einige Abstriche beim Gesang und der Abmischung gemacht werden. Das zahlreich erschienene Publikum im ausverkauften Theater spendete am Ende dennoch langen Beifall. Da die ursprünglich bis März angesetzten Vorstellungen nahezu ausverkauft sind, hat das Theater vor wenigen Tagen zwei Zusatzvorstellungen im April in den Spielplan aufgenommen. Für diese Vorstellungen gibt es aktuell noch Karten. Interessierte Zuschauer sollten allerdings nicht allzu lange warten, da auch diese beiden Termine sich sicher relativ schnell füllen werden.

Markus Lamers, 6. Januar 2026


Flashdance
Musical von Tom Hedley (Buch), Robbie Roth (Musik / Liedtexte) und Robert Cary (Buch / Liedtexte)

Theater Hagen

Premiere: 6. Dezember 2025
besuchte Vorstellung: 4. Januar 2026

Inszenierung: Florian Mahlberg
Musikalische Leitung: Andreas Vogelsberger
Flashdance-Band

Trailer

Weitere Aufführungen: 10. Januar, 11. Januar, 28. Februar, 12. März, 4. April und 18. April