Veröffentlicht wurde Der Graf von Monte Christo erstmals zwischen 1844 und 1846 als Fortsetzungsroman in der Zeitschrift Journal des débats. Inzwischen zählt der Roman von Alexandre Dumas zu den berühmtesten Abenteuerromanen aller Zeiten. Aus ihm sind unter anderem unzählige Film- und Fernsehproduktionen hervorgegangen. Am 14. März 2009 fand am Theater St. Gallen die Uraufführung der Musicalversion statt, für die mit Frank Wildhorn einer der bekanntesten Musicalkomponisten der Gegenwart verpflichtet werden konnte. Gleich mit seinem ersten Musical Jekyll & Hyde gelang Wildhorn im Jahr 1990 ein sensationeller Erfolg. Nachdem das Theater St. Gallen im Jahr 2005 eine sehr erfolgreiche europäische Erstaufführung seines Musicals Dracula feiern durfte, entstand die Idee, ein ganz neues Wildhorn-Musical in der Schweiz uraufzuführen. Aufgrund der komplexen Geschichte des Seefahrers Edmond Dantès, die weit über 1.000 Seiten umfasst, orientiert sich das Musical Der Graf von Monte Christo stark verkürzt an den wichtigen Handlungssträngen des Romans und fast diese in rund zweieinhalb Stunden durchaus unterhaltsam zusammen. Zwar hetzt man hin und wieder etwas durch die Handlung und einzelne Songs wirken etwas aneinandergereiht, trotzdem macht der Besuch dieses Musicals viel Spaß.

Zurück zur Handlung: Im Jahr 1814 wird dem jungen Seemann Edmond Dantès auf der Insel Elba ein Brief von Napoleon Bonaparte zugespielt, den er in Marseille an einen gewissen Noirtier übergeben soll. In Marseille angekommen, feiert der inzwischen zum Kapitän ernannte Dantès seine Verlobung mit Mercédès, seiner großen Liebe. Dies gefällt Fernand Mondego und Baron Danglars allerdings gar nicht, denn ersterer hat ebenfalls ein Auge auf Mercédès geworfen und Danglars neidet Edmond das Kapitänsamt. Um ihren Widersacher aus dem Weg zu räumen, benutzen sie Napoleons Brief, um Dantès als Bonapartist und Verräter hinzustellen. Dabei erhalten sie Unterstützung vom Staatsanwalt Gérard de Villefort, dem Sohn von Noirtier. Dieser hat Angst um seine Karriere, wenn bekannt wird, dass der Brief für seinen Vater bestimmt war. Edmond Dantès wird ins Gefängnis Château d’If gesperrt, während Mercédès im Unklaren bleibt, warum ihr Verlobter plötzlich verschwunden ist. Im Kerker lernt Edmond den alten Abbé Faria kennen, der ihm im Sterben von einem Schatz auf der kleinen Insel Monte Christo erzählt. Nachdem Dantès in Farias Leichensack die Flucht gelungen ist, macht er sich auf den Weg zur Insel, wo tatsächlich ein Schatz liegt. Als reicher Graf von Monte Christo kehrt er nach Frankreich zurück, um sich an seinen drei Feinden zu rächen, die inzwischen allesamt Karriere gemacht haben. Zudem sind Mondego und Mercédès inzwischen recht unglücklich verheiratet und haben einen gemeinsamen Sohn. Getrieben von Rache nehmen die Dinge ihren Verlauf …

Musikalisch bietet das Musical Der Graf von Monte Christo viele Ohrwürmer. Sei es das Duett Niemals allein zwischen Edmond und Mercédès, das Terzett Geschichte der drei Ganoven oder die beiden großen Soli Hölle auf Erden und Der Mann, der ich einst war des Grafen von Monte Christo – sie bleiben allesamt lange im Ohr und zählen zweifelsfrei zu den großen Musical-Hits der letzten 15 Jahre. Für die Titelrolle konnte das Theater Münster David Arnsperger als Gast gewinnen, der bereits in vielen Hauptrollen in den verschiedensten Musicals zu sehen war. Mit seiner kraftvollen Stimme verkörpert er den Grafen von Monte Christo auf beeindruckende Weise und überzeugt ebenso in den ruhigeren und melodischen Momenten des Stücks. An seiner Seite steht Vera Lorenz, eine gebürtige Münsteranerin, die 2021 ihr Musicalstudium an der Hochschule Osnabrück abgeschlossen hat. Nachdem sie im Jugendalter bereits mit dem TheaterJugendOrchester-Projekt auf der Kleinen Bühne des Theaters Münster zu sehen war, ist die Rolle der Mercédès ihr erster Auftritt im Großen Haus. Diesen meistert sie mit viel Spielfreude und schönem Gesang. Aus dem eigenen Ensemble des Theaters überzeugt vor allem Gregor Dalal in den beiden Rollen des Staatsanwalts Gérard de Villefort und des Abbé Faria. Die weiteren Figuren sind allesamt rollendeckend besetzt. Unter der musikalischen Leitung von Thorsten Schmidt-Kapfenburg spielt das Sinfonieorchester Münster kraftvoll und präzise, wie es sich für dieses Stück gehört und überzeugt sowohl in den rockigen wie auch den sinfonischen Momenten des Musicals.

Sehr gut gelungen ist die Bühne von Stefan Rieckhoff. Auf der Rückseite werden immer wieder hochauflösende Projektionen geworfen (Video: Martin Zwiehoff), die im Vordergrund durch diverse Requisiten geschickt ergänzt werden. Dies sorgt für viele Wow-Momente. Besonders gut gelungen ist hierbei der Hafen, bei dem diverse Schiffsteile aus dem Schnürboden herabgelassen werden. Zudem ermöglicht diese Art der Bühnengestaltung eine treffende Wiedergabe der vielen Handlungsorte des Musicals und sorgt für fließende Übergänge. Die Kostüme von Uta Meenen fügen sich historisch treffend in die Handlung ein und sind sehr detailreich gestaltet. Regisseur Michael Wallner legt viel Wert auf eine gute Personenzeichnung. Dadurch kann das Publikum nicht nur der Handlung gut folgen, sondern alle Darsteller wirken auch in ihren Rollen sehr glaubhaft. Eine interessante Regieidee ist es, den drei Verschwörern jeweils eine Tänzerin an die Seite zu stellen. Diese Idee wird später im Verlauf des Abends noch einmal thematisch aufgegriffen. Die großen Choreografien von Kati Heidebrecht wissen ebenfalls zu gefallen. Nicht ganz so gut gelungen ist der Einstieg in den zweiten Akt mit dem Song Ah, Frauen. Dies liegt aber auch daran, dass dieses sehr Wildhorn-typische Lied wohl komplett verzichtbar wäre. Schlussendlich kann man darüber bei einem ansonsten sehr gelungenen Musicalabend aber leicht hinwegsehen. Es ist schön zu sehen, wie abwechslungsreich die Sparte Musical in dieser Spielzeit an fast allen Theatern in NRW und weiten Teilen des gesamten Landes bedient wird. Besonders erfreulich ist, dass hierbei immer wieder auch selten gespielte Stücke zu finden sind, die an dieser Stelle zu empfehlen sind. Hier reiht sich das Theater Münster mit Der Graf von Monte Christo nahtlos ein. Das Publikum im nahezu ausverkauften Theater spendete am Ende allen Darstellern langen und wohlverdienten Applaus und verließ sichtlich gut gelaunt den Theatersaal.
Markus Lamers, 30. Januar 2026
Der Graf von Monte Christo
Musical von Frank Wildhorn (Musik) und Jack Murphy (Buch und Songtexte), Orchestrierung und Arrangements von Kim Scharnberg und Koen Schoots, Deutsche Version von Kevin Schroeder
Theater Münster
Premiere: 17. Januar 2026
besuchte Vorstellung: 23. Januar 2026
Inszenierung: Michael Wallner
Musikalische Leitung: Thorsten Schmid-Kapfenburg
Sinfonieorchester Münster
Weitere Aufführungen: 10. Februar / 19. Febuar / 28. Februar / 11. März / 25. März / 17. April / 26. April / 2. Mai / 7. Mai / 14. Mai / 23. Mai / 2. Juni / 19. Juni