Wuppertal: „Christian Reif“ wird neuer Generalmusikdirektor

© Jochen Quast

Nach der Ausschreibung der Stelle des Generalmusikdirektors in Wuppertal im Sommer 2023 gingen 95 Bewerbungen ein, von denen rund 15 zum Probedirigat eingeladen worden sind. Sie haben sich sowohl in der Stadthalle im Rahmen der Sinfoniekonzerte vorgestellt, aber auch Vorstellungen im Opernhaus dirigiert. Im Januar 2026 wurden drei zu intensiveren Gesprächen eingeladen. Jetzt stieg zwar kein weißer Rauch über dem Opernhaus auf, aber nach reiflichen Überlegungen wurde einstimmig gewählt: Christian Reif wird ab 2027/28 neuer Generalmusikdirektor in Wuppertal. Schon bei dem Sinfoniekonzert im September flogen bei Beethovens 4. wie Kurt Weills 2. Sinfonie die Funken seines Charismas ins Orchester wie ins Publikum. Stehende Ovationen, Bravi, einen Riesenapplaus gab es für den damals Verletzten, der mit weißer Fußbandage den riesigen Orchesterapparat auch im Sitzen exakt und inspirierend im Griff hatte. Bereits das Probedirigat von „Don Giovanni“ im Juni 2025 hatte trotz Einspringens von Solisten das Orchester davon überzeugt, dass mit diesem Dirigenten viel zu erleben sein wird, und er selbst war begeistert von der „Arbeits- und Spielfreude“ des Orchesters. Das sind beste Voraussetzungen für eine gedeihliche und erfolgreiche Zusammenarbeit.

Zur Pressekonferenz ist er morgens aus Schweden angereist, um am Tage drauf über München nach Australien zu fliegen, und in Melbourne das Australian Youth Orchestra vor 10000 Zuhören open air u.a. mit Stravinskys „Feuervogel“ zu dirigieren. Im März wird er mit Adelaide Symphony und seiner Frau, der amerikanischen Sängerin und Grammy-Preisträgerin Julia Bullock von John Adams „El Nino“ aufführen, von ihm selbst arrangiert. Die Oberbürgermeisterin Miriam Scherf zeigte sich sehr zufrieden, dass es gelungen war, einen jungen, international gefragten Dirigenten nach Wuppertal zu holen. Er hat viel in den USA dirigiert u.a. Dallas Symphony Orchestra, war residence conductor beim San Francisco Symphony, leitet das Area Music Festival in Minnesota, hat Helene Grimaud mit Houston Symphony Orchestra begleitet. Er dirigierte auch u.a. das SWR Sinfonieorchester, das BBC Scottish Symphony Orchestra, das Hallé Orchestra Er studierte am Mozarteum in Salzburg und an der Juillard School of Music. „No doubt about that, Reif is a remarkable talent“ schrieb San Francisco Chronicle über ihn, der in den USA wie in Europa musikalisch zu Hause ist.

Christian Reif wird mit Frau und Kind nach Wuppertal ziehen und sieht seinen Lebensmittelpunkt hier. „Ich freue mich auf die Menschen in Wuppertal und die Stadt“. Er verspricht „intensive, fantasievolle Aufführungen“, will „der Stadtgesellschaft dienen“, was ihm bei einem solchen Orchester, einem solch wunderbaren Konzertsaal in der Historischen Stadthalle großes Vergnügen bereiten wird. Die damit verbundene Verantwortung habe er dankbar angenommen, sagte er. Der Chefdirigent des schwedischen Gävle Symphony Orchestra wird aber für zwei Jahre noch jeweils für einige Wochen in der Spielzeit auch dort anwesend sein. In der Spielzeit 2026/27 ohne GMD wird Christian Reiff auch schon gelegentlich in Wuppertal dirigieren. Sein Repertoire sieht er gerne bei Haydn und Mozart, zwischen dem kanonischen klassischen Repertoire und neuer Musik, auch bei Filmmusik.

© Johannes Vesper

Wir wünschen dem jungen von Herzen viel Erfolg und alles nur erdenklich Gute in dieser Stadt, aus der in diesen Tagen ganz andere, kulturfeindliche Signale versandt wurden!

Für Wuppertal ist es ein besonderes Zeichen, diesen Dirigenten als Nachfolger für Patrick Hahn gewonnen zu haben.

Hier wurde gerade der verdienstvolle Kulturdezernent abgewählt, weil er ein CDU-Mann ist, oder weil alte Rechnungen in der CDU beglichen werden mussten, oder weil … ? Die Motive der Abwahl blieben unklar. Unklar bleibt auch, was aus dem Kulturdezernat in Wuppertal wird. Der Kämmerer hält eine Auflösung bzw. eine Verteilung seiner Aufgaben auf andere Dezernate für möglich, ist in der örtlichen Zeitung zu lesen. Werden die Wuppertaler Bühnen und das Sinfonieorchester zukünftig etwa dem Sozialdezernat zugeordnet? Das Ganze spielt sich in einem Stadtrat ab, in dem nicht alle die Wahrheit sagen. Denn CDU und SPD haben vor der Wahl bekannt gegeben, dass sie den Kulturdezernenten behalten wollen, und sagen nach der Wahl , dass sie ihn gewählt haben, was nicht stimmen kann, da die Zahl der Mandate beider Fraktionen völlig ausgereicht hätte, er aber nicht gewählt worden ist. In der Zeitung erscheinen Karikaturen, dass beim Betreten des Ratssaals zukünftig Lügendetektoren benutzt werden sollen. Was der Vertrauensverlust der Verantwortlichen im Rat für die Stadt bedeutet und welche Dynamik er entwickelt, ist völlig unklar. Hier hat sich der Stadtrat aus der Mitte der etablierten Parteien heraus selbst demontiert. Ist das ein Fall für die Kommunalaufsicht? Entsetzliche Verhältnisse!

Johannes Vesper, 1. Februar 2025