DER OPERNFREUND - 50.Jahrgang
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Leonard Bernstein

MASS

Besuchte Premiere am 17.03.17

Lübeck ist immer eine Messe wert

Immer beliebter zwischen den Opernpremieren finden sich Aufführungen von Oratorien oder Zwischenwerken wie Berlioz "Romeo et Juliette" und ähnlichem. Ein ganz besonderes Werk dieser Art ist Leonard Bernsteins "Mass", das jetzt am Theater Lübeck zur Premiere kam. Die Uraufführung fand 1971 zur Eröffnung des John F. Kennedy Centers in Washington statt, im deutschsprachigen Raum gab es wohl das letzte Mal in den Siebziger oder Achtziger Jahren an der Wiener Staatsoper einen szenischen Versuch. Wir haben es also mit einer echten Rarität zu tun, die von Bernsteinfans als besonders persönliches Werk des Komponisten eingeschätzt wird. Der Aufwand ist gewaltig, denn zu dem groß besetzten Orchester kommen noch elektronische Gitarren und Bässe dazu, großer Choraufwand mit Kinderchören, bei den Solosängern werden zu den klassischen auch Rock-und Bluessänger gefordert.

Eine wirkliche "Handlung" existiert auch nicht, denn Bernstein hat zusammen mit Stephen Schwartz ein Libretto noch der römisch-katholischen Messliturgie erstellt, die immer wieder von Einwürfen unterbrochen wird, bis der Priester durch die geäußerten Zweifel zu einem Zusammenbruch kommt, trotzdem endet das Werk innerhalb seiner Kritik zu einem positiven Gotteslob, lediglich die starren Riten einer Konfession brechen auseinander, es könnte auch eine andere Glaubenskonfession sein. Ein Werk, das gerade in unserer heutigen Zeit, recht berührende Denkansätze bietet, ohne den Zeigefinger allzu penetrant zu heben. Bernsteins Musik bietet, außer den kirchlichen Anklängen, eigentlich nichts Neues, was sich nicht auch in seinen Musical-Meisterwerken findet, nämlich eine Polystilistik, für manchen vielleicht verstörender zu hören, weil vieles in diesen Zusammenhängen noch schroffer im Übergang wirkt , als in einer geschlossenen Handlung wie in "West Side Story zum Beispiel. Das Geniale an Bernsteins Musik ist, daß selbst die anschmiegsamen Stellen, denen man einen Kitschfaktor vorwerfen könnte, aufgrund ihrer starken Emotionalität nie banal wirken.

Stefan Rieckhoff stellt in seiner Ausstattung einen klerikalen Raum auf die Bühne des Lübecker Hauses, der mit den Kirchenfenstern und den "Skelettkostümen" Bezug auf den Lübecker Totentanz nimmt, ein bißchen der Stadt geschuldet, ohne wirklich einen wichtigen Bezug darzustellen, doch der Bühnenraum macht in seinen Veränderungen und Falk Hampels Licht einen großen Eindruck. Tom Ryser hatte in der letzten Spielzeit schon mit Purcells "Fairy Queen" einen großen Erfolg mit einem genreübergreifenden Stück in der Hansestadt landen können, bei "Mass" gelingt ihm zwar der große Bogen, aber über einzelne Ideen ließe sich durchaus streiten, es ist halt ein wirklich schwieriger Fall mit diesem Werk. Der Priester versucht also in diesem Raum eine Messe zu feiern, immer wieder tauchen dabei vier Tänzer auf, die sich schwer beschreiben lassen, vielleicht am ehesten als Gottesidee beschreiben lassen; Lillian Stillwell hat eine Choreographie entwickelt, die sich dem klassischen Ballett mit modernen zuschreiben lassen und guten Effekt machen. Gerard Quinn, der Lübecker Hausbariton, beginnt die Liturgie zunächst mit salbungsvollem, runden Ton als Menschenfreund, je mehr er durch die Unterbrechungen verunsichert wird, um so facettenreicher wird sein Gesang, bei jedem "Lasset uns Beten", mit dem er zur Abfolge des Ritus zurückkehrt verpuppt er sich mehr in einen Kokon von klerikaler Messgewänderpracht, aus dem er sich bei seinem Zusammenbruch schier heraussprengt. Mit starker emotionaler Beteiligung berührt er die Zuschauer ungemein, ein echter Ausnahmekünstler.

Ihm gegenüber stehen das Street-Chorus genannte Ensemble von Rock-und Blues-Sängern, die teilweise auch dem klassischen Schöngesangs-Ton verpflichtet sind, zunächst noch etwas einem etwas pauschalen Musical-Ton hingegeben, brechen vor allen die extraordnären Gänsehautstimmen vor allem der "farbigen" Sängerinnen, das "Gelernte" auf, um zu einem wahrhaftigen Gesang zu finden. Nach dem etwas flachen Beginn, gelingt es sämtlichen Solisten einen jeweils sehr persönlichen Ton zu finden. Auch hier die starke physische Beteiligung durch die vielfältigen Tanzszenen, diesmal von mehr musicalhaftem Gestus. Es ist vielleicht gemein, jetzt keine einzelne Namensnennung zu machen, doch jeder Zuschauer hat da seine eigenen Favoriten, gut waren sie alle auf ihre jeweils sehr persönliche Art, was auch den begeisternden Eindruck, der sich beim Applaus, aufzeigt.. Grandios auch die vielen Chöre unter ihren jeweiligen Leitern, nicht immer ganz auf Punkt, aber voller vokaler Emphase: Der Chor und Extrachor des Theaters Lübeck, die Kinder-und Jugendchöre "Vocalino" des Theaters Lübeck und der Musik-und Kunstschule Lübeck, der Phemios Kammerchor Lübeck und die Mitglieder des Nordelbischen Knabenchors, die Bühne war vokal wie räumlich richtig gut gefüllt. Als besondere Erwähnung der Solo-Knabensopran von Ian Jans, der nicht nur schön sang, sondern auch deutlich als Kinderstimme erkennbar war.

Andreas Wolf wurde der Polystilistik Bernsteins mehr als gerecht, sicherlich keine einfache Aufgabe, dazu war stets eine gute Klangbalance gewahrt, zwischen Sängern, , dem fabelhaften Philharmonischen Orchester der Hansestadt Lübeck und den elektronischen Instrumenten. Insgesamt ein sehr mutiger, teilweise verblüffender Abend, der auch sehr zur Nachdenklichkeit anregt. Für jeden Musikfreund wieder einmal ein guter Grund an die Trave zu fahren. Das Premierenpublikum im ausverkauften Lübecker Haus konnte sich vor lauter Jubel gar nicht einkriegen und das sehr , sehr lange nicht.

Martin Freitag 20.3.2017

Fotos von Olaf Malzahn


HÄNSEL UND GRETEL              

Aufführung am 17.12.16

(Premiere am 12.11.10)

Echte Märchenstimmung

In dem eindrucksvollen Jugendstilsaal des Lübecker Hauses gab es eine zauberhafte Produktion aus 2010 von Engelbert Humperdincks berühmter Märchenoper zu sehen. Im ersten Bild die ärmliche Stube des Elternhauses der Kinder, dann ein Wald, in dem man froh nach Beeren suchen, aber auch Angst haben konnte, ein einladendes Knusperhäuschen und – wichtig! – keine Angst vor Kitsch beim Abendsegen, wenn sich die mit großen Flügeln ausgestatteten Engel langsam rund um die schlafenden Kinder gruppierten (Ausstattung: Thomas Döll).

Herbert Adler (als Schauspieler in so fordernden Rollen wie Mephisto oder Othello tätig, als Regisseur vom Publikum u.a. für seine Inszenierungen beim Wagner-Festival Wels geschätzt) nahm die Geschichte ernst und hatte offensichtlich sehr gut mit den Sängern gearbeitet, denn die Vertreterinnen der Titelrolle waren von größter Natürlichkeit und machten nicht diesen unglücklichen Eindruck, den Erwachsene oft vermitteln, wenn sie Kinder spielen. Die Spielfreude war aber auch bei den anderen groß, und selten hat man ein so überzeugendes Zusammenwirken des Besenbinders und seines Weibes gesehen, vom Zorn über bis zur Sorge um die Kinder. Die Charakterisierung der Knusperhexe fiel im richtigen Ausmaß „erschröcklich“ aus (und auch Abendspielleiterin Jennifer Toelstede sei als Double für den Hexenritt vor den Vorhang gerufen).

Musikalisch bewegte sich der Abend auf hohem Niveau, denn das Philharmonische Orchester der Hansestadt Lübeck erwies sich als ausgezeichneter Klangkörper, der unter seinem mit Ende der laufenden Spielzeit scheidenden japanischen GMD Ryusuke Numajiri schon ab der Ouverture in den rein instrumentalen Momenten aufhorchen ließ, weil er die Wagner nacheifernde Dichte des Klangs mit gleichzeitiger Transparenz zu verbinden wusste. Als interessanteste Stimme des Abends erwies sich der dunkle, weiche Mezzo der Polin Wioletta Hebrowska, die als Hänsel auch in ihrer burschikosen Körpersprache bewundernswert war. Aber auch die Gretel Andrea Stadel bezauberte mit ihrem klangvollen Sopran und temperamentvollen Spiel. Als Mutter Gertrud beeindruckte die Amerikanerin Rebecca Teem mit dramatischen Tönen (kein Wunder, singt sie doch in Lübeck Brünnhilde und Isolde und wird demnächst in Essen als Elektra debütieren). Solide Vater Peter in der Gestalt von Steffen Kubach. Ihnen allen, sowie der Knusperhexe des Charaktertenors Michael Gniffke, ist hohe Wortdeutlichkeit zu bescheinigen, angesichts der vielen Kinder im Haus besonders wichtig. Noch etwas zaghaft klangen das Sandmännchen der Kolumbianerin Fiorella Hincapié und das Taumännchen der Südafrikanerin Caroline Nkwe, die an der renommierten Musikhochschule Lübeck ihre Ausbildung genossen haben. Der Kinder- und Jugendchor Vocalino unter Gudrun Schröder sang ausdrucksvoll und präzise; dazu gesellte sich der Extrachor des Theaters Lübeck.

Am 18.12. konnte man sich neuerlich von der Qualität des Philharmonischen Orchesters der Hansestadt Lübeck überzeugen, das unter dem Titel Winterträume das vierte Konzert seiner symphonischen Saison gab. Da die Konzerthalle mit ihren fast 2000 Plätzen im Kongresszentrum gerade saniert wird (sie wurde im September geschlossen, weil die Akustikdecke herabzustürzen drohte), müssen die Konzerte derzeit in der zu dem Komplex gehörenden Rotunde stattfinden, die immerhin auch gut 1500 Plätze besitzt und nach einigen Verbesserungen eine recht akzeptable Akustik aufweist.

Das Programm umfasste die symphonische Dichtung FESTKLÄNGE von Franz Liszt, das VIOLINKONZERT a-Moll op. 82 von Alexander Glasunow und nach der Pause Tschaikowskys Symphonie Nr. 1 g-Moll op. 13. Am Pult stand mit Matteo Beltrami ein Dirigent, der in der Lübecker Oper schon mit Verdis „Macbeth“ erfolgreich gewesen war. Er erwies sich auch als versierter Konzertdirigent, der Liszts etwas pompöser Komposition mit einer kleinen Prise Ironie beikam und dem Solisten Carlos Johnson, dem peruanischen Konzertmeister des Orchesters, ein äußerst aufmerksamer Begleiter war. Johnson zeigte sich als ausgezeichneter Techniker, der die Schwierigkeiten des mit Leopold Auer als Solist uraufgeführten Werks bestens im Griff hatte. Als Zugabe spielte er ein inniges Adagio für Streicher einer Komponistin, deren Namen ich leider nicht verstanden habe.

Aus der ihren Weg noch suchenden Arbeit Tschaikowskys, in der dennoch schon viele für den Komponisten charakteristische Stellen aufblitzen, machte Beltrami ein kleines Wunderwerk an melancholischer Stringenz. Es war auch schön, die gespannte Aufmerksamkeit des Publikums zu genießen, die durch keinen einzigen Huster gestört wurde.

Viel Jubel und zahlreiche Hervorrufe dankten dem Orchester und seinem Dirigenten.   

Eva Pleus 30.12.16

Bild (c) Staatstheater Lübeck

 

 

 

ATTILA

Besuchte Aufführung am 22.12.16

(Premiere am 21.05.16)

Denn sie wissen nicht, was sie tun

Viele Häuser arbeiten heutzutage mittels Koproduktionen zusammen, um Kosten zu sparen, warum auch nicht, denn Besucher A geht schließlich selten genug in B in die Vorstellung, die Abonnent C in D sieht. Doch es ist schon etwas Besonderes, wenn sich ein Stadttheater wie in Lübeck einfach mal das Theater an der Wien als Partner sucht, und natürlich auch umgekehrt. So kann man in Lübeck Verdis seltene gespielten "Attila" in der Regie von Peter Konwitschny erleben, der als Regisseur auch viel Hamburger Opernfreunde an die Trave locken könnte. Die Regie erinnert im Ansatz zunächst auch an seinen legendären Hamburger "Lohengrin", der ja in einer Schulklasse spielte.

Bei Verdi haben wir zunächst einen Haufen Kinder vor uns , die ihre "Räuber-und Gendarmen"-Spiele zu den schwungvollen Kantilenen spielen. Kinder ,die ihre sozialen Verhältnisse über ihr Spiel lernen; "Kindlich verspielt" nennt die Inhaltsangabe diese Zeit. Wenn der römische Bischof Leone mit seiner prophetischen Warnung auftaucht, so erhalten die Kinder Erwachsenenkleidung und treten in ein anderes Alter, was "Ausgewachsen infantil" bezeichnet wird. Aus Spiel wird Ernst aus spassigem Getümmel wird tragischer Ernst, vor allem wenn die Protagonisten im dritten Teil, "Immer noch nichts gelernt", ihr Verhalten nicht ändern lernten und das anfängliche Spiel bis ins tödliche Finale geführt wird. Alte Menschen, die sich an Krücke , Rollator und Rollstuhl bis ums Verrecken nicht beherrschen lernten. Chor und Sänger agieren die verschiedenen Altersstufen absolut gekonnt aus.Die Ausstattung von Johannes Leiacker gibt ein schlichtes, wie passendes Theaterrund als Spielort vor, der durch das Licht von Manfred Voss abwechslungsreiche Imaginationen erhält. Leiackers Kostüme grundieren mit zunächst kindlichen Kinderverkleidungen, die Jungen von Nimmerland (Peter Pan) sind da nicht weit bis in den erwachsenen Realismus. Mit einem Wort aufklärendes Theaterspiel in bester Manier, eine sehr gelungene Produktion, die der sprunghaften Dramaturgie des Verdischen Frühwerks sehr gerecht wird.

Doch auch musikalisch zeigt Lübeck seine oft beschriebenen Meriten: da die Aufführung nun schon einige Monate im Repertoire ist, klingt das Orchesterspiel des Philharmonischen Orchesters der Hansestadt, vielleicht nicht mit allen möglichen Finessen, die man auch einem frühen Verdi angedeihen lassen könnte, dazu kommt die etwas knallige Akustik, die manches Detail vergröbert, doch die Aufführung unter der Leitung von Andreas Wolf hat enormen Schwung und geizt nicht an Italianita. Die Sänger haben alle das Gespür für die gesungene Kantilene und ein wunderbar ausgeformtes Legato, so "italienische " Oper hört man nicht alle Tage. Mit Taras Konoshchenko hatte man einen echten Prachtbass in der Titelpartie, Timbre, emotionale Ausformung, Gestaltung alles perfekt, dazu mit dem Hausbariton Gerard Quinn ein adäquater Ezio an seiner Seite, der die Duettszene beider zu einem Höhepunkt werden ließ.

Daria Masiero als Gast gab die Odabella, ein richtiger "lirico-spinto"-Sopran dramatischen Kalibers mit leichtem, doch angenehmen Vibrato toller Durchschlagskraft in der Höhe und der rechten Agilita für die schwierigen Koloraturen. Als Foresto Alexander James Edwards, der zunächst ein wenig durch sein Höhentimbre irritierte, doch gesanglich ein Musterbeispiel für italienischen Operngesang ablieferte. Auf Augenhöhe die kleinen , aber wichtigen Partien des Uldino und Leone von Hyungseok Lee und Seokhoon Moon vom Haus. Dem Chor, Extrachor und Jugendchor machten ihre Aufgaben sicht- und hörbar Spass, wobei die Damen die Nase etwas vorne hatten. Wirklich "Grande Opera Italiana" an der Trave, also einen Besuch der noch wenigen Vorstellungen sei mehr als empfohlen. Dieser Abend war viel zu schnell zu Ende.

Martin Freitag 30.12.2016

Fotos (c) Theater Lübeck / Jochen Quast  

 

 

ARIADNE AUF NAXOS

Besuchte Aufführung am 18.09.16

Premiere am 10.09.16

Ansicht der Regisseurin

Das Lübecker Theater eröffnet seine Spielzeit mit Strauss`"Ariadne auf Naxos" in der Regie von Aurelia Eggers mit einer sehr eigenwilligen Lösung der Künstlerin: Im Vorspiel ist davon noch nichts zu merken, da werden die artifiziellen Anspielungen von Musik und Libretto auf zeitgenössische Weise bebildert. Ein Kubus aus verschiedenen Materialen (Bühne Andreas Wilkens) betont die Ebenen der Oper : Bühnenholz und weiße Wand, Theatervorhänge und glitzernder Flitter, Veronika Lindners Kostüme bieten dazu postmoderne Stilvielfalt, moderner Anzug neben hippem Second-Hand-Mix, die Opera Seria in übersteigerter Graecomanie. Das Zentrum liegt in der Auseinandersetzung zwischen Kunst und Mäzentum, den Mittelpunkt bildet Wioletta Hebrowska als Komponist, so aus dem Vollen gesungen hört man das selten, bis an die Grenzen der Extase lotet die Mezzosopranistin die Hymne an die Musik aus, allein das lohnt den Abend.

Mit Steffen Kubach hat man die Sprechrolle des Haushofmeisters besetzt, der Sänger macht das so vortrefflich in Diktion und Impertinenz, das er den Gegenpol bildet. Als vermittelnder Musiklehrer gibt Gerard Quinn auf ganz hohem Niveau, diese oft mit Utilitès besetzte Partie. Emma McNairy gibt ihre Visitenkarte als neues Ensemblemitglied gleich mit der schwierigen Partie der Zerbinetta ab, ein eher leichter Koloratursopran von soubrettenhaftem Zuschnitt, das Vorspiel gelingt mit artistischem Gesang und ebensolcher Gestik ganz vortrefflich, in der großen Arie der Oper kommt sie dann doch an ihre Höhengrenzen. Die Kleinpartien sind vortrefflich besetzt, besonders der substanzreiche Tenor von Daniel Jenz gefällt, aber auch Grzegorz Sobczak als Perückenmacher sticht mit kernigem Bariton hervor.

Schon am Ende des Vorspiel streift Gabriela Scherer als Ariadne den Griechenplunder ab und steht dann im geöffneten Kubus als moderne Frau, die wohl auf einer Insel die gescheiterte Beziehung zu Theseus verarbeitet auf einer Terasse, der Hintergrundprospekt könnte auch einen leicht kitschigen Ägäisprospekt einer Reiseagentur zieren. Die Sopranistin überzeugt mit satter Stimme und leichtem Höhentremolo, die Diktion ist manchmal etwas verwaschen.

Begleitet wird sie von ihren Reisegefährtinnen, Andrea Stadel, Annette Hörle und Evmorfia Metaxaki bilden ein sehr homogenes Nymphentrio voller Wohlklang. Nach allem Leiden tritt dann der Gott Bacchus wie aus einem Magritte-Bild in himbeerrotem Bademantel und Melone hinzu und versucht die Apotheose mit billigem Bühnenflitter herbeizuzwingen; Erik Fenton stemmt die durchaus prachtvollen Höhen leider im Dauerforte, lediglich in der Mittellage findet er zu differentiertem Gesang. Doch diese Apotheose wird von Ariadne nicht mehr mitvollzogen, denn sie hat sich zu Zerbinettas Ansprache schon aus dem Leben geschlichen. Da sie immer noch viel zu singen hat, wirkt diese Lösung etwas disparat. Der Umgang mit den Theatermitteln wird leider im Laufe des Abends immer beliebiger, so wollen die Buffoszenen so gar nicht zünden, der Bariton Johan Hyunbong Choi macht seine Sache als Harlekin zwar solide, das übrige Buffonistenterzett mit Manuel Günther, Taras Konoshchenko und Rafael Pauß schließen sich dabei an, doch gibt es vor allem in den Ensembles der Oper immer wieder Unstimmigkeiten.

Leichte Probleme hat Ryusuke Numajiri mit Straussens artifizieller Partitur, denn er leitet das Werk mit einem recht pastosem Strich, musikalisch bringt das eben die Ensembles aus dem Gleichgewicht, nicht wirklich schlimm, doch die bezaubernde Leichtigkeit, die gerade diese Szenen benötigen, bleiben auf der Strecke. Auch die trockene Diktion des Vorspiels wird nicht vollständig erreicht. Zum Schluss erliegt der GMD dann doch der virtuosen Berauschung des Finales, das Orchester müßte hier ein wenig in Zaum gehalten werden, die Extase ein wenig gezügelt, gerade das habe ich von der letzten "Ariadne" am Haus eben noch immer im Ohr. Das Orchester kann das, daran liegt es nicht.

Insgesamt jedoch ein guter Abend, wenngleich mich weder die Inszenierung, noch die musikalische Leitung wirklich überzeugt.

Martin Freitag 22.9.16

Fotos (c) Theater Kübeck / Jochen Quast

 

 

WEST SIDE STORY

24. April 2016

Das Theater Lübeck, ein Mehrspartenhaus im besten Sinne des Wortes, zeigt nicht nur erstklassige Opernproduktionen, zumal von Werken Richard Wagners und Richard Strauss‘, sondern konnte an diesem Abend mit der Produktion der „West Side Story“ von Leonhard Bernstein nach einer Idee von Jerome Robbins und dem Buch von Arthur Laurents sowie den Gesangstexten von Stephen Sondheim unter Beweis stellen, dass ihm auch die Kunstgattung Musical gut liegt. Man erlebte eine unglaublich farbige, vielseitige und dynamische Inszenierung von Wolf Widder in den Bühnenbildern und Kostümen von Katja Lebelt und einer Choreografie von Kati Heidebrecht. Sie konnte mit den Jazz-Tänzen und Straßenschlachten mit großer Phantasie und Gefühl für das Innenleben der Mitglieder beider Gangs, der „Jets“ aus New York und der „Sharks“ aus Puerto Rico, ein hohes Maß an Emotion und Authentizität in das Geschehen auf der Bühne einbringen.

Jerome Robbins und Arthur Laurents, die das Stück gemeinsam entwickelten und Leonard Bernstein für die Komposition gewinnen konnten, wollten keine Eins-zu-Eins-Umsetzung des Shakespeareschen Stoffes von „Romeo und Julia“ in Szene setzen. Es sollte ein „Romeo und Julia“ moderner Fassung werden, welcher die täglichen Probleme der oft arbeitslosen Jugendbanden zunächst in der New Yorker East Side thematisieren und den Irrsinn der Feindschaft zwischen zweien von ihnen zeigen sollte, deren Gründe weder den „Jets“ noch den „Sharks“ wirklich klar sind. Es geht hier in gewissem Sinne um eine Feindschaft um der Feindschaft Willen, wobei am Ende der Überlegungen von Robbins und Laurents das rassische Element zwischen den New Yorker „Jets“ und den Puerto Ricaner „Sharks“ zum wesentlichen  Erklärungsgrund ihres dramaturgischen Konzepts wurde, der aber eher im Unterbewusstsein beider Gangs verhaftet ist.

Man verlegte die Handlung an die West Side von Manhattan. Dort befehdeten sich gerade Banden junger Puerto Ricaner und junger US-Amerikaner. Ursprünglich ging es Robbins und Laurents um die Thematisierung eines gewissen Konfessionsstreits, also um das jüdisch und katholisch sein, wobei Maria, die noch sehr junge Schwester des Anführers der „Sharks“, Bernardo, jüdisch sein sollte und Tony, der Architekt und frühere Anführer der „Jets“ katholisch. Diese Idee wurde in einem Gespräch mit Leonard Bernstein Monate später in Hollywood „endgültig im Schwimmbecken unseres Hotels versenkt“, wie Arthur Laurents sich im Programmheft erinnert. So sollte die Grundidee Shakespeares zwar beibehalten, aber daraus eine Geschichte entwickelt werden, die für das Wesen der Menschen unserer Tage bezeichnend ist. Das ist ihnen mit diesem klassischen Musical aus der Musical-Blüte der 1950er Jahre voll gelungen. Dabei waren sie im Wesentlichen darauf aus, die künstlerische Illusion der Wirklichkeit zu schaffen. Dieser nicht gerade leichte Spagat gelang dem Theater Lübeck mit der sehenswerten Produktion auf das Beste.

In dem deprimierenden Hinterhofambiente der New Yorker West Side, das wie eine Abschottung von der übrigen Realität dieser Mega-City wirkt, erleben wir die Auseinandersetzungen der beiden Gangs hautnah, wobei das Regieteam mit seiner Dramaturgin Doris Fischer in der Lage ist, ein Höchstmaß an jugendlicher Emotion zu vermitteln. Geschickt werden die großen grauen Betonwände, die natürlich von Graffiti aller – auch und gerade politischer Art – übersät sind, immer wieder gegeneinander versetzt. Sie geben so immer neue Spielebenen und Sichtachsen frei, die ein ständig variierendes Bühnenbild ohne Vorhangfall ermöglichen. Somit bleibt die Spannung ständig aufrecht, und es wird der räumliche Boden für die dann jeweils folgende Gruppen- oder Individualszene bereitet. Dabei nimmt die Lichtregie von Benedikt Kreutzmann stets eine tragende Rolle ein. Natürlich darf die typische New Yorker Hinterhof-Feuerleiter nicht fehlen, die in Assoziation mit dem berühmten Shakespeareschen Balkon von „Romeo und Julia“ die Kussszene und das für einen Moment glückliche Zusammensein von Maria und Tony wirkungsvoll ermöglicht.

Evmorfia Metaxaki singt die Maria mit einem charaktervollen leuchtenden Sopran und großer Empathie - sie kann diese vielseitige Rolle im wahrsten Sinne des Wortes authentisch verkörpern. Ihr Partner Tony, Freund des Bandenführers Riff der „Jets“, wird an diesem Abend von Edward Lee als Gast gespielt. Auch er kann mit dem klangschönen Material seines bestens geführten und wortdeutlichen Tenors und ebenfalls einem hohen Maß an Emotion und Authentizität überzeugen. Herrlich gelingen den beiden die großen Solonummern und Ohrwürmer, die einen sofort in die Ästhetik der 50er Jahre zurückversetzen. In diesen Momenten ging ein großer Zauber von der Bühne aus. Femke Soetenga singt die Rolle von Bernardos Freundin mit einem voll klingenden und wortdeutlichen Mezzo. Sie spielt die Gefühlsausbrüche und emotionalen Klippen dieser Partie mit großem Engagement und ebenfalls viel Emotion. Thomas Christ als Riff und Kai Bronisch als Bernardo können ebenso in ihren Rollen, zumal mit großem körperlichem Einsatz, überzeugen wie Michael Ewig als Chino, Bernardos Freund, und die vielen anderen, die fast zwei Seiten des Abendspielzettels füllen…

Ludwig Pflanz konnte mit dem Philharmonischen Orchester der Hansestadt Lübeck die vom Geschehen auf der Bühne ausgehende Dynamik und Emotion mit einem feurigen Herangehen an die großartige Partitur von Leonard Bernstein auf musikalisch beste Art und Weise untermauern. Man merkte, dass diesem Orchester viel an der oftmals subtilen und dann wieder schwärmerischen und rhythmischen Tonmalerei des großen US-amerikanischen Meisters gelegen war. Ein beeindruckender Musical-Abend am Theater Lübeck, mit einem begeisterten Publikum!                             

Fotos: Olaf Mahlzahn

Klaus Billand  6.5.2016

 

        

 

ATTILA

Premiere: 21. 5. 2016

Als Peter Konwitschnys Inszenierung des Verdi-„Attila“ im Juli 2013 am Theater an der Wien ihre Premiere erlebte, schlugen die Wellen hoch, denn Fans und Gegner des Regisseurs beschimpften sich während der Aufführung lautstark. Bei der Übernahme dieser Produktion an das Lübecker Stadttheater gab es aber auf allen Seiten nur glückliche Gesichter: Alle Rollen sind optimal besetzt, die Produktion ist frisch einstudiert worden. Das Publikum hatte seinen Spaß und feierte alle Akteure und auch Konwitschny mit einem zehnminütigen Jubelsturm.

Weil „Attila“ ein einziges Intrigen-Gewusel ist, in dem alle Figuren dem Hunnenkönig ans Leben wollen, hat sich Konwitschny gemeinsam mit Dramaturgin Bettina Bartz ein ungewöhnliches Konzept erdacht: Gezeigt wird eine Gruppe von Personen, die sich ihr ganzes Leben lang bekämpfen und bekriegen: Im Prolog und erstem Akt erlebt man eine große Schulhof-Keilerei, bis das erzieherische Erscheinen des Papstes die Akteure reifen lässt. Im zweiten Akt befinden wir uns in einem Mafia-Krieg, bevor das Schreckens-Finale die Figuren altern lässt. Der Schlussakt mündet in einer mörderischen Altenheim-Intrige.

Alle Solisten, Chor und Statisterie setzen dieses Konzept mit so viel Spaß und darstellerischer Überzeugungskraft um, so dass das Publikum von der Aufführung geradezu mitgerissen wird: Der von Jan-Michael Krüger einstudierte Chor tobt ausgelassen und verspielt über die Bühne. Jedoch scheint die runde und durchlöcherte Rückwand, die Johannes Leiacker für die Produktion entworfen hat, einiges an Schall zu schlucken, denn der Chor klingt weniger voluminös, als man es aufgrund der großen Anzahl der Sängerinnen und Sänger vermuten würde.

Auch bei den Solisten stellen sich in den Generalpausen seltsame Echoeffekte ein, die sich wahrscheinlich dadurch erklären lassen, dass das Wiener Bühnenbild nicht optimal den Lübecker Raumbedingen angepasst wurde.

Für kleinen Wermutstropfen bei der Bewertung der Solisten sorgt, dass lediglich Bariton Gerard Quinn das einzige Ensemblemitglied ist und die anderen Partien an Gastsolisten vergeben sind. Quinn verkörpert den römischen General Ezio mit schneidigem Bariton. Ernesto Morillo singt und spielt den Attila mit raumgreifender und leicht angerauter Stimme als knorrigen Typen.  

Helen Dix ist eine glänzende Odabella: Trotz wuchtiger körperlicher Erscheinung spielt sie ihre Figur mit koketter Leichtigkeit und begeistert dazu mit ihrer hellen und kraftvollen Stimme. Ihren Liebhaber Foresto singt Alexander James Edwards mit einem mühelos strahlenden Tenor. – Ein großes Kompliment an das Lübecker Besetzungsbüro.

Für frischen Wind sorgt zudem das Philharmonische Orchester der Hansestadt Lübeck unter dem Dirigat von Ryusuke Numajiri. In den Finali hat die Musik natürlich immer etwas konventionell lärmendes, doch Numajiri zeigt auch wie feinsinnig und experimentierfreudig Verdi in dieser Oper komponiert und instrumentiert hat.

Der Konwitschny-„Attila“ wird übrigens noch weiterziehen: In der nächsten Saison wird die Produktion auch an die Oper Nürnberg übernommen. 

Rudolf Hermes 25.5.16

Bilder (c) Theater Lübeck

 

 

FIDELIO

Premiere 06.09.2015

Subversiv-amüsante Inszenierung, hörenswerte musikalische Interpretation – und provokanter Denkanstoß über das Kunstformat „Oper“

Im Zentrum steht die Lichtgestalt, auf einer Kugel – wahrscheinlich der Welt – wandelnd. Dem Wahren, Guten und Schönen verpflichtet, wie es auf dem Fries über dem Theaterportal eingemeißelt steht. Der Befreier, Retter, Drachentöter. Typ Siegfried, der in dieser Oper Florestan heißt. Oder, perfekt passend zum heutigen Vormarsch selbstbewusster Weiblichkeit, Leonore. Grundsätzlich könnte es natürlich auch Lohengrin sein, der Heilsbringer. Aber weit und breit kein Schwan. Nur zwei riesige Lindwürmer, rechts und links zu Füßen des auraumstrahlten Helden. Der herabgelassene Schmuckvorhang des Theater Lübeck ist ein Prachtstück aus der Epoche des Jugendstils, bei dessen Betrachtung man mühelos ins Meditieren kommt.

Zum Beispiel darüber, welch enorme identitäts- und einheitsstiftende Bedeutung nicht nur diese Mythen, sondern auch die Musik im 18. und 19. Jahrhundert für die in zahlreiche Kleinfürstentümer zersplitterten deutschsprachigen Lande hatten. Und dass Retter und Befreier immer dann gebraucht werden, wenn eine Bedrohung vorliegt. Zuweilen ist die vermeintliche Gefahr allerdings lediglich Drohkulisse, fast wie im Theater. Man hält die Drachen, die feuerspeiend vor der Welt oder, schlimmer noch, vor der eigenen Haustür liegen, für real. Was eigentlich, sinnt der Betrachter irgendwann, sind heutzutage die Drachen, von denen man sich bedroht fühlen könnte?

Zu einer Antwort auf diese Frage kommt er nicht, weil der Vorhang dann doch, gegen Ende der Ouvertüre, hochgezogen wird. Was irgendwie auch schade ist. Denn in Lübeck könnten sie, im Prinzip, den „Fidelio“ komplett konzertant geben, nur mit Blick auf ihren Schmuckvorhang, den sie eh nicht bei jeder Produktion zeigen. Am Schluss hätte auch der fantasieunbegabteste Besucher begriffen, welche Bedeutung in dieser Oper für uns Heutige steckt.

Andererseits leistet das freigelegte Bühnenbild (von Ulrich Frommhold), wenn auch erschreckend öder Kontrast zur in die Höhe entschwebten Jugendstilherrlichkeit, durchaus wertvolle Hilfe, zum Wesentlichen vorzudringen. Denn die Bewacher – dazu sind salopp außer dem Pförtner Jaquino und Kerkermeister Rocco auch dessen Tochter Marzelline und die under cover hinzugesellte Leonore zu zählen – agieren sämtlich im Halbrund eines wandhohen Stahlzauns in einer Art Camp-Setting. Sie sind am Verdursten, halluzinieren womöglich, was keine schlechte Erklärung für ihr zuweilen merkwürdiges Verhalten liefert. Das dringend ersehnte Wasser wird ihnen endlich, in Plastikflaschen, von außen zugeteilt.

Dieses Schicksal der Abhängigkeit und des Ausgeliefertseins teilen sie übrigens mit den im dunklen Hintergrund, auf der anderen Seite des Zauns dahinvegetierenden Häftlingen. Es ist nicht klar, ob das Ganze in der Wüste spielt, aber die gesamte Bühnengesellschaft hängt offensichtlich saft- und kraftlos am Tropf, der absurderweise und quasi alternativlos ständig mit Sand befüllt wird. Ein Vergleich zum Subventions-Tropf, der die Einrichtung Oper am Leben hält, drängt sich flüchtig auf. Darauf jedoch scheint die Regisseurin nicht abzuzielen, jedenfalls nicht primär. Sondern vielmehr auf die durchaus interessante und geradezu philosophische Frage: Wer sind hier eigentlich die Gefangenen? Diejenigen, die hinter dem Zaun stehen, die, die sich in der vorderen Bühnenhälfte befinden – oder gar jene, die im Auditorium sitzen?

Die Alltagsgesellschaft hat mit den strikt abgezirkelten Zuständen auf der Bühne ja mehr gemein, als einem als Opernbesucher lieb sein kann. Dass alle zum Beispiel ständig, in Kleinkindmanier, an der Plastikwasserflasche nuckelnd durch die Gegend laufen. Dass leere Plastikflaschen, wie in wirtschaftlich schlechten Zeiten einst Zigaretten, zu einer Art Goldersatz mutieren. Oder dass es, außerhalb der Oper, noch andere Arten der Musik gibt, die keinesfalls als „klassisch“, bestenfalls als „Unterhaltung“ – und für empfindsame Ohren als veritable akustische Folter einstufbar sind.

Es liegt also durchaus nahe, die Qualen, die Florestan im Kerker angetan werden, in Form von verzerrten E-Gitarrenriffs zu verabreichen. Der passionierte Operngänger leidet da automatisch mit, der eine oder andere kann – süffisant – darüber lächeln. Und genau hierin liegt der vordergründig erkennbare einzige Makel dieser klugen Inszenierung: Sie übt Verrat an der Rockmusik. Die unerreichte Vehemenz und Leidenschaft des E-Gitarrenspiels, wie beispielsweise Jimi Hendrix es beherrschte, wie er den „Star-Spangled Banner“ regelrecht zerlegte oder schon den Eingangspart von „Vodoo Chile“ zur atombombenstarken Explosion brachte, verursachen dem Hörer zuweilen tatsächlich Schmerzen – aber diese Wirkung ist eine künstlerisch kalkulierte. Die wirklich guten dieser „Rock-Rebellen“ hätten einem unkonventionellen Revoluzzergeist wie Beethoven sehr gefallen – und zwar nicht erst im Stadium der Taubheit. Auch Partien des „Fidelio“, oder seine Neunte, sind stellenweise – beabsichtigter – musikalischer Sprengstoff. Leider klingt das, was in diesem „Fidelio“ an „Rockmusik“ ertönt, wie eine Parodie. Wie auch Jaquino, dem die Rolle des musikalischen Folterknechts zugewiesen ist, das Zerrbild eines Rockstars sein muss.

Rockmusik ist allerdings nicht das einzige, was Regisseurin Waltraud Lehner nicht ernst nimmt. Strenggenommen nimmt sie in ihrem „Fidelio“ so gut wie gar nichts ernst, aber sie macht das so subtil, dass es einige Zeit dauert, um es mitzubekommen. Im ersten Akt gibt es sogar eine Szene, die einen zu Tränen bewegt, wenn man sich wirklich darauf einlässt – und dies ist, wider alle Erwartung, nicht etwa der Gefangenenchor. Während Leonore unter nachtschwarzem Himmel die Hoffnung beschwört, haucht die einzig verbliebene Lichtquelle, eine aus dem Kerkerzelt herausscheinende mickrige Tranfunzel, ihr Leben aus. Ungeachtet ihrer flehentlichen Bitte verbleicht der letzte, nichtmal am Firmament, sondern auf dem Erdboden kauernde Stern dieser Müden. Es gibt nichts mehr auf der Szene, was im mindesten Zuversicht spenden könnte. Und dennoch hört sie nicht auf, sie in Worten zu beschwören. Für das stoische Ertragen dieser totalen Vergeblichkeit muss man sie, in dieser Inszenierung, vollauf bewundern, mit ihr leiden.

Nicht nur die Lichtverhältnisse auf der Bühne sind in diesem bewegenden Moment übrigens katastrophal. Um die Qualität der Luft ist es keinen Deut besser bestellt. Sie wird, durch eine unsichtbare Quelle, mehr und mehr geschwängert von schwefelschwerem Geruch, wie er bei intensiver Raketen- und Knallerzünderei entsteht. Wenn der dann auftretende Chor die wunderbare Luft besingt, die er endlich atmet, kann man im ganzen Auditorium nur den Kopf schütteln. Aber der Text, ebenso wie die Musik, legt es nahe, die ideelle Ästhetik zu genießen. Das tut man auch, lässt sich zumindest nicht anmerken, was wirklich los ist.

Das gilt auch für den Schluss, der die Gefasstheit des Zuschauers in anderer Weise fordert. Der Kerker wird zum Fest-, gar Himmelszelt, und aus der freigelegten Tiefe der Bühne tritt abermals der Chor an die Rampe. Nun gekleidet in schwarzer Robe oder schwarzem Anzug könnten dessen Damen und Herren für eine größere Zahl der im Auditorium Anwesenden (für den Prototyp des Opernbesuchers allemal) glatt als Doppelgänger durchgehen. Sie stehen da, als wären sie aus Holz und verziehen keine Miene, während sie von beglückender Freude, Freiheit und Liebe singen. Auch im Publikum sitzt alles stocksteif, obwohl musikalisch an dieser Stelle exaltierte Jubelstimmung herrscht. Wenn man öfter in die Oper geht, kennt man das Phänomen aus „Traviata“: Selbst beim Brindisi singt oder schunkelt keiner mit. Das gilt als unfein.

Aber im Finale des „Fidelio“ geht es um viel mehr als bloß gutes Benehmen. Da feiern die Menschen die humanistischen Werte ihrer Gesellschaft, die Brüderlichkeit, ihre in Erfüllung gegangene Hoffnung. Dabei müsste man mitjubeln, aufspringen und die Welt umarmen, nicht nur auf der Bühne, sondern auch im Saal, und nicht erst hinterher, sondern im Moment des empfundenen Glücks. In wirklich guten Rockkonzerten passiert das. Aber nie in der Oper. Womit wir bei der tragischen Begrenztheit dieses ansonsten großartigen Kunstformats angelangt sind. In diesem „Fidelio“ wird sie gnadenlos decouvriert.

Die bunten Gestalten jedoch, die zu den letzten Takten das Zaungitter hochklettern, haben das in Musik und Text ausgedrückte Ideal von fern vernommen. Sie glauben, es auf der anderen Seite des Zauns tatsächlich zu finden. Wie sehr sie sich geirrt haben, werden sie spätestens dann merken, wenn sie einmal eine Opernaufführung besuchen.

Wer das nicht sehen will, muss den Lübecker „Fidelio“ dennoch unbedingt hören. Beethoven war keinesfalls grober Klotz, sondern ein äußerst vielschichtiger und entsprechend diffiziler Charakter. Dem „Beethoven-typischen“ symphonischen Geist seiner einzigen Oper werden Dirigent Ryusuke Numajiri und das Philharmonische Orchester der Hansestadt Lübeck ganz und gar gerecht. Die Herausforderung, die die Gesangspartien enthalten, da der Komponist wenig Rücksicht auf die Bedürfnisse der menschlichen Stimme nahm, meistern die Solisten allesamt bewundernswert gut (in den Hauptrollen Yannick-Muriel Noah als Leonore, Taras Konoshchenko als Rocco, Andrea Stadel als Marzelline, Daniel Jenz als Jaquino, Jean-Noel Briend als Florestan, JoachimGoltz als Don Pizarro). Wunderbar ausdrucksstark auch der Chor und Extrachor des Theater Lübeck.

Christa Habicht, 7. September 2015                        

Sämtliche Fotos: Jochen Quast

 

 

A DAMNATION DE FAUST

Besuchte Aufführung am 29.04.15 (Premiere am 16.01.15)

Der unfaustische Faust

Hector Berlioz`Semi-Oper "La damnation de Faust" ist eigentlich ein recht undramatisches Werk, sehr frei nach Goethes Drama machte der Dichter-Komponist Gebrauch von den Szenen und scheute sich nicht aus einfachen, musikalischen Gründen eine Ungarnreise innerhalb des Stückes zu begehen. Vielleicht kommt diese Mischform unserer heutigen Ästhetik mit offenen Formen, so zum Beispiel Musik-Videoclips, entgegen, denn immer öfter findet die Oper den Weg auf die Bühnen, so in Lübeck.

Anthony Pilavachi hat dort schon viele tolle Produktionen, so auch den vielbeachteten und ausgezeichneten "Ring" herausgebracht, doch der Berlioz-Faust scheint noch einmal ein echter Höhepunkt zu sein. Mit Stefan Heinrichs als Bühnenbildner, dazu noch Franziska Funke bei den Videobildern und Constanze Schuster als Kostümbildnerin, schafft er eine schiere Bilderflut, die von Sinn und Assoziationsgehalt ihresgleichen sucht. Gerade die Videoeffekte sind in einer selten vorgefundenen Professionalität gestaltet und gehen weit über den , sonst oft so modischen Zuckerguss, mit dem dieses Medium in Operninszenierungen ge- und verbraucht wird hinaus.

Berlioz Faust ist eigentlich das gegenbild zu Goethes schaffendem Menschen, er ist passiver Beobachter, so wird er denn auch inszeniert. Die vielen schönen Gedanken der Menschheit, das Miteinander, die Liebe, immer wieder wird es durch gedankenlose Untätigkeit zersetzt und gleitet ins Destruktive, ja Zerstörerische. Aus der Liebe zum anfänglichen Traumbild Margaretes, sie erscheint wie in einer zarten Seifenblase, entsteht Enttäuschung und Ausgrenzung. Pilavachi scheut sich nicht Bezug auf die modernen Medien via "Facebook" zu nehmen, hier sehr passend und anschaulich. Faust selbst vermischt sich figürlich mit seinem Alter Ego, Mephistopheles, zu einer Person, ist auch als Kind, Oskar Eichenberg spielt das hervorragend, den ganzen Abend auf der Bühne anwesend, wie David Winer-Moses, der als Puppentheater-Teufel als negativer Spielleiter durch den Abend führt. Das Lübecker Theater selbst wird als Bildungs- und Unterhaltungsanstalt auf der Bühne gespiegelt und zum Thema. Die Inszenierung bietet viele Bilder, die im Kopf bleiben werden und zum Nachdenken anregen.

Doch auch musikalisch bleiben fast keine Wünsche offen: Jean-Noel Briend gestaltet mit heldisch angelegtem Tenor die Titelpartie mit ihrer heiklen Tessitur, die baritonalen Tiefen gelingen mit dediziertem Ausdruck, die leichten Verhärtungen in den Höhen sind bei dieser Partie marginal, das muß man erst einmal so singen, wie es der, auch schauspielerisch, sehr begabte Künstler macht. Taras Konoshenko setzt mit wuchtigem,aber auch flexiblem Bass seinen Mephisto dagegen. Wioletta Hebrowskas üppig strömender Mezzosopran ist einfach nur ein Traum, hier wird die Partie der Marguerite gesanglich einfach auf den Punkt gebracht, szenisch wird die Entwicklung der Martyrerin intensiv aufgebrochen. Seokhoon Moon als Brander gibt mit angenehmem Bariton seine Visitenkarte ab. Die Chöre klingen, bei diesem gewaltigen Chorstück, wie sie sollen und machen schauspielerisch mit großem Einsatz viel Freude.

Andreas Wolf am Pult des hervorragend aufspielenden Philharmonischen Orchesters der Hansestadt ist der richtige Mann für die manchmal etwas eklektische Partitur und bringt die verschiedenen Seiten von Berlioz`Klangwundern auf das Beste zum Leuchten, den romantischen Überschwang der Kantilene, die Brutaltät des Ungarischen Marsches, die klerikale Süße des Finales, alles findet den rechten Ton.

Eine außergewöhnliche Darbietung, die deutlich ein volleres Haus verdient hätte. Für mich sicherlich einer der Höhepunkte der Saison, wer es noch schafft, eine der wenigen Vorstellungen anzusehen, wird mir zustimmen.

Fotos von Jochen Quast

Martin Freitag 21.5.14

 

IL PRIGIONIERO & SOUR ANGELICA

Premiere 11.4.15 Theater Lübeck

Bravi unter Tränen

Mit Il prigioniero (Der Gefangene) von Luigi Dallapiccola und Suor Angelica (Schwester Angelica) von Giacomo Puccini stellt sich das Theater Lübeck der Herausforderung zwei Operneinakter verschiedener Epochen in einem Doppelabend miteinander zu vereinen. Das dramaturgische Wagnis, für das sich der scheidende Musiktheaterdramaturg Dr. Richard Erkens verantwortlich zeichnet, zahlte sich am Ende des hochemotionalen Abends aufgrund des sängerischen und darstellerischen Niveaus der Protagonisten, einer detailverliebten Regie sowie der gewohnt verlässlichen Leistung des Lübecker Orchesters unter der souveränen Leitung von Andreas Wolf aus.

Während Il prigioniero ein in sich abgeschlossenes Werk darstellt, steht Sour Angelica in konventioneller Aufführungspraxis in der Mitte des Triyptychons Puccinis zwischen Il tabarro und Gianni Schicchi. Das Lübecker Theater führt an diesem Abend zusammen, was thematisch zusammen gehört, so hat es den Anschein. Beide Werke behandeln die Thematik eines Mutter-Sohn-Verhältnisses und insbesondere die einzigartige Innigkeit der mütterlichen Liebe in einem Spannungsfeld privater Emotionen und politisch-gesellschaftlicher Zwänge, zwischen Hoffnung und Verzweiflung sowie Freiheit und Zuflucht.

Die Regisseurin des Abends, Pascal-Sabine Chevroton, hat gemeinsam mit ihrem Bühnenbildner Jürgen Kirner und der Kostümbildnerin Tanja Liebermann eine inszenatorische Verknüpfung beider Werke unternommen, die durch Transposition des Inhalts in die Moderne und einer Anpassung des Textes teilweise bemüht wirkt, letztendlich aber aufgrund der stringenten Umsetzung funktioniert und vor allem tief berührt.

 Im Prigioniero öffnet sich der Vorhang für eine von verrosteten Schiffscontainern verstellte Szenerie, die dem geneigten Zuschauer auch im Bühnenbild Angelicas wieder begegnen soll. Die in Zwölftonmusik gefasste und in der Hinrichtung durch den Strick mündende Erzählung stellt insbesondere im Zusammenhang mit der abstrakten Interpretation des ersten Einakters schwer verdauliche Kost für das Publikum dar. Dies drückt sich auch im betreten wirkenden Zwischenapplaus vor der Pause aus, welcher die sängerisch und darstellerisch herausragende Leistung des Hausbaritons dennoch gebührend zu würdigen weiß.

Der seit langem im Lübecker Ensemble beheimatete Schotte Gerard Quinn, spielt den ausgemergelten Gefangenen mit einer berückenden Empfindsamkeit für seelische und physische Verletzlichkeit, die direkte Betroffenheit im Publikum evoziert. Trotz der strapaziösen Darstellung strahlt Quinns vokale Kunstfertigkeit jenen Hoffnungsschimmer in den Saal, der seiner Rolle als Freiheitskämpfer innewohnt. Er vermittelt gesanglich ebenso die Naivität eines Idealisten wie auch das dumpfe Grollen der Verzweiflung.

Der Mutter des Gefangenen, gespielt und gesungen von Carla Filipcic Holm, stellt die Regie eine scharf gezeichnete Mimik und Gestik in ihrer Arie über die albtraumhafte Gestalt Philipps II. zur Seite. Dunkel raunt das bevorstehende Schicksal in ihrem stimmlichen Ausdruck, präzise gesetzt schrill ihr Entsetzen. Das Zwiegespräch beider Akteure lässt Erinnerungen an die preisgekrönte Don Carlo Inszenierung Sandra Leupolds an diesem Haus mit eben jenen Darstellern aufleben. Mit symbolischer Intensität hebt die Beleuchtung den in seitlichen Containern postierten Chor hervor. Der von Richard Roberts gesungene Großinquisitor gerät vor den Partien Quinns und Holms ins Abseits. Jedoch wird er auch szenisch nicht ausdrücklich hervorgehoben, obgleich er den skrupellosen Geschäftsmann mit der passgenauen abschätzigen Kälte spielt und mit seinem Tenor sowohl den säuselnden Verführer als auch den abgeklärten Henker zielgenau zu treffen versteht.

Suor Angelica verortet sich zwar ebenfalls inmitten jener aus dem ersten Teil bekannten Schiffscontainer, das Bühnengeschehen spielt nun jedoch auf einem Flüchtlingsschiff, wie die Meeresprojektion im Hintergrund verheißt. Realismus in der Ausstattung und detailreicher Naturalismus im Spiel prägen eine Ganzheitlichkeit im Konzept Suor Angelicas.

Das Publikum wird im Vorspiel Zeuge des Abschieds zwischen vielzähligen Müttern (der Damenchor, solide geführt von Josef Feigl) und ihren Kindern (der Kinderchor einstudiert von Gudrun Schröder). Die in der Heilkräuterkunde bewanderte Angelica erscheint nun im Flüchtlingslager als medizinische Helferin, welche einzig ihrem eigenen Leid kein geeignetes Mittel entgegensetzen kann. Ihre Antagonistin – als Spiegel des Großinquisitors im Prigioniero – taucht in Gestalt der Zia Principessa, ihrer Tante, auf. In einer Stimmgewalt, die durch beeindruckendes Volumen in Kombination mit physischer Gefasstheit angsteinflößend sowohl das Opernhaus als auch das Publikum in Mark und Bein durchdringt, verkündet die Altistin Romina Boscolo der verbannten Angelica die vernichtende Botschaft.

Mit herzbewegender Authentizität gibt Carla Filipcic Holm, die das Lübecker Publikum bereits als Tannhäusers Elisabeth und Elisabetta in Don Carlo begeisterte, die verwaiste Mutter. Die Komplexität der Partie meistert die Sopranistin mit facettenreicher Klangschönheit und weiß mithilfe ihrer sicher geführter Stimme zwischen sanftem Wohlklang und durchdringender Dramatik zu changieren ohne ins Larmoyante zu entgleiten. Ihr natürliches Spiel höchster emotionaler Intensität während Angelicas Klage um die heimatlose Liebe zu ihrem verstorbenen Sohn macht die Mater Dolorosa direkt greifbar und fesselt das Publikum in bestürzter Anteilnahme. Man darf eine Künstlerin in ihrer Blüte bewundern, die sich vollständig einer Rolle hingibt, ohne etwas ihrer gesanglichen Professionalität einzubüßen.

Getragen durch Puccinis bis in die religiöse Verklärung reichende Musik löst sich die Bedrängnis im Freitod Angelicas und der erflehten Vereinigung von Mutter und Sohn in himmlischen Gefilden auf.

Mit sichtbarer Ergriffenheit nahmen allen voran Carla Filipcic Holm und ihr Bühnenpartner Gerard Quinn den anschließenden, ausgenommen stürmischen, Premierenapplaus und verdiente stehende Ovationen entgegen. Es bleibt zu hoffen, dass am Lübecker Theater trotz den drohenden Sparmaßnahmen auch weiterhin künstlerische Glanzpunkte dieser Qualität erreicht werden können.

Antonia Alexandra Söllner 14.4.15

Dank für die aussagekräftigen Bilder an Oliver Fantitsch

 

Opernfreund-CD-Tipp

eine ganz tolle Aufnahme z. Zt nur 12 Euro

 

 

 

Anthony Pilavachi will nie mehr in Lübeck inszenieren

Pressespiegel:

Aufruhr im Theater Lübeck

Regiestar Pilavachi wirft hin

Eklat nach Premiere

Anthony Pilavachi versus Christian Schwandt

 

DER WILDSCHÜTZ

Besuchte Wiederaufnahme am 18.12.14 (Premiere am 17.01.14)

Der kritische Lortzing

Anthony Pilavachi hat dem Theater Lübeck schon viele Sternstunden der Oper geschenkt, auch mit Albert Lortzings Meisterwerk "Der Wildschütz" ist ihm ein solches gelungen. Lortzing dessen ambivalentes Potential immer noch allzu selten ausgeschöpft wird, dessen Spielopern immer noch unter einer vermufften Fünfziger Jahre Unterhaltungsdoktrin leiden, erfährt hier, neben der Bedienung der Komödie, endlich echte Wertschätzung. Gerade der Wildschütz ist ein richtig böses Stück, wirklich sympathische Persönlichkeiten tummeln sich nicht auf der Bühne, selbst die nette Baronin Freimann wird von einer aufgeklärten Schadenfreude angetrieben und gerät vor allem zur Anwältin ihrer eigenen Dinge; Evmorfia Metaxaki führt das Ensemble siegessicher mit strahlendem Sopran voll ironischer Siegesgewissheit an. Ebenso wichtig ihr Bruder, der Graf von Eberbach, in dieser Inszenierung, die passenderweise in Ostpreussen 1933 spielt ein unangenehmer Gutsbesitzer voller Herrenmentalität. Steffen Kubach führt ihn mit charaktervollem Bariton vor, das Glanzstück "Heiterkeit und Fröhlichkeit" entlarvt die resignative Leere des Schürzenjäger, wie man sie noch nicht gehört hatte, eben ein "Glanzstück" der Interpretation.

Doch noch einmal zurück zur Inszenierung, denn die ist, trotz der kritischen Haltung, einfach wunderschön anzusehen: Markus Meyer hat den ersten Teil in eine Schloßküche gesetzt, der zweite Teil ein privates Salon-Museum mit farbigen Vogelillustrationen, die wie Trophäen eines Sammlers wirken, hier haust auch die exaltierte Gräfin, traurig kinderlos dem theatralischen Griechentum verfallen, Annette Hörle spielt das menschlich nachvollziehbar mit schönem Mezzo. Tatjana Ivchinas Kostüme wissen sowohl zu gefallen, wie Zeit und Charakter herauszustellen. Mit schlankem,ansprechendem Tenor macht ihr der verkleidete Baron Kronthal den Hof, bevor ihn sich die Freimann schnappt. Daniel Jenz scheint an dem Abend stimmlich leicht angekratzt, gefällt aber trotzdem.

Ein weiteres Handlungszentrum ist der großartige Bass Taras Konoshenko, gesanglich ohne Tadel, von hervorragender Verständlichkeit, eigentlich ein Bonus der ganzen Aufführung bei allen Beteiligten, gerät sein Schulmeister Baculus zum Spagat zwischen Heinrich Manns Diederich Heßling ("Der Untertan") und dem Humor eines Louis de Funes, ihm zur zweckmäßigen Ehe an der Seite das süffisante Gretchen von Andrea Stadel, stimmlich echter Sopranluxus für diese gar nicht mal so klein empfundene Partie. Dazu die attraktive Inga Schäfer als recht erotische Nanette, wie der grandiose Charakterschauspieler Dietrich Neumann, dessen Hofmeister Pankratius gesanglich apart und spielerisch ohne Chargieren auskommt.

Auch der Wiederaufnahme merkt man die sorgfältige Einstudierung Andreas Wolfs an, oft lobt man Lortzings Nähe zu Mozart, doch bei Wolfs Dirigat entdeckt man schon in der brilliant gegebenen Ouvertüre eine Affinität zu durchaus Beethovenschen Furor, auch das hatte ich noch nie so erlebt. Das geht natürlich nur mit einem exzellenten Orchester, wie dem Philharmonischen der Hansestadt Lübeck. So pendelt die Musik zwischen moralischer Straffheit und romantisch zelebrierter Ironie. Groß besetzt mit Chor und Extrachor, sowie Kinderchor steht "das Volk" auf der Bühne, szenisch fein und dediziert, musikalisch ohne Wünsche offenzulassen.

Wünschen täte man dem Theater Lübeck nur noch ein besser besuchtes Haus, als an diesem Abend, denn einen Lortzing dieser Güte in jeglicher Hinsicht erlebt man selten, zumal "nur" bei einer Wiederaufnahme. Für mich ein ganz großer Abend, der mir erneut Augen und Ohren für den verkannten Albert Lortzing öffnet. Bitte unbedingt besuchen, diese Aufführung hat es absolut verdient.

Martin Freitag 30.12.14              

Bilder: Thorsten Wulff mit frdl. Genehmigung des Theater Lübeck

 

 

 

Alexander von Zemlinsky

DER ZWERG
EINE FLORENTINISCHE TRAGÖDIE

Besuchte Aufführung am 01.06.14                               (Premiere am 18.04.14)

Meisterliche Einakter - einfach geniale Werke

Das Theater Lübeck setzt sich seit mehreren Spielzeiten immer wieder für die vernachlässigte Form der Operneinakter jenseits von "Cavalleria/ Pagliacci" ein, dieses Jahr sind die zwei Opern von Alexander von Zemlinsky nach literarischen Vorlagen von Oscar Wilde an der Reihe, beides ausgewiesene Meisterwerke, die aufgrund der Thematik bestens zueinander passen. Zemlinsky hatte das Thema Schönheit/Realität immer wieder in seinen Opern thematisiert, deswegen nimmt Bernd Reiner Krieger auch ein autobiographisches Erlebnis des Komponisten zur szenischen Klammer für seine Inszenierung. Zemlinsky, der wirklich kein Adonis war, verliebte sich nämlich in seine Schülerin Alma Schindler, jene welche später Gustav Mahler und Franz Werfel heiratete, eine gefeierte Schönheit ihrer Zeit, die durchaus mit ihrem Lehrer kokettierte, ihn später jedoch abwies.

So wird der Zwerg des Wildeschen Märchens ebenso zum Doppelgänger Zemlinskys, wie die verwöhnte Infantin, der er zum Geburtstag geschenkt wird zum Spiegelbild Almas; das Bühnenbild des Künstlerheims des Ausstatters Roy Spahn übergangslos zum prunkvollen Palast, die opulente Düsternis läßt sich im zweiten Werk ebenso für den florentinischen Palazzo gebrauchen. In der ersten Oper erliegt Krieger etwas zu sehr der ausgiebigen Feier der Infantin, die bunten Insektenroben sollen wohl an einen Kindergeburtstag mit Verkleiden denken lassen, was optisch zwar etwas hermacht, doch auch recht "operettig" wirkt. Weniger von allem ,auch was die Statisten betrifft, wäre da mehr gewesen. Doch das Stück liegt vorwiegend in der Hand der durchweg trefflichen Darsteller. Noa Danon spielt lebhaft die Infantin Donna Clara, da sie indisponiert ist, gestaltet von der Seite ein Sopran, deren Namen ich mir leider nicht im Eifer des Gefechts aufgeschrieben habe, dafür Asche auf mein Haupt. (Anmerkung Redaktion: Sarah Hershkowitz).

Evmorfia Metaxaki bildet dazu mit hohem Mezzosopran die warmherzige Zofe Ghita als weiblich liebenswerten Gegenentwurf. Taras Konoshchenko mit verspieltem Bariton den schrulligen Haushofmeister Don Estoban. Ebenso erfreulich die Solozofen und Mädchen, wie der toll geführte Damenchor. Doch das Hauptaugenmerk liegt eben auf der Titelpartie des Zwerges, einer heldisch-lyrischen Rolle von sehr schwierig hoher Tessitur mit einem enormen Radius an empathischer Teilnahme bis in zutiefst schmerzliche Bereiche. Für diesen Zemlinsky Zwerg ist Erik Fenton mit einem Wort eine Erfüllung, danke für diese berührende Interpretation.

Die florentinische Tragödie ist ein eigentlich sehr schlichtes Eifersuchtsdrama mit drei Personen: dem Kaufmann Simone und seiner unglücklichen gattin Bianca und dem leichtlebigen Prinzen Guido Bardi, erst nachdem Mord erkennen die Eheleute ihre Qualitäten und Stärken aneinander. Hier gelingt Krieger mit wenig unaufgeregten Mitteln, einem Umschleichen der Protagonisten von einander, ein echter Psychothriller.

Wolfgang Schwaninger ist der tenoral heldische Prinz mit unangenehmen Manieren und betörendem Höhenstrahl, Wioletta Hebrowska mit sehr sinnlich-süffigem Mezzotimbre die Ursache des Dramas und Gerard Quinn mit kernigem Bariton lotet alle Tiefen und Untiefen des unterschätzten Ehemannes aus. Drei ganz tolle Sängerdarsteller, die mit den schwierigen vokalen Aufgaben scheinbar spielend fertig werden. Auch hier grandioses Musiktheater.

Ryusuke Numajiri ist seit dieser Saison der neue GMD in Lübeck und musiziert mit dem Philharmonischen Orchester den üppigen Jugendstilklang der Partituren, atmet mit den Sängern, läßt keine Nuance aus, auch hier eine große Leistung; freilich hat er genau wie sein Vorgänger Brogli-Sacher die Schwierigkeiten mit der sehr trockenen Akustik des Hauses, da gilt es noch am Zurücknehmen der Orchesterwucht zu arbeiten. Insgesamt ein sehr beflügelnder Musiktheaterabend mit zwei viel zu selten aufgeführten Opern, das nicht ganz so zahlreiche Publikum reagierte hingerissen und geizte nicht mit Applaus.

Martin Freitag 9.6.14                                                    Bilder Jochen Quast

 

 

 

ARMIDE

(Gluck)

Premiere 28.02 2014

Die Sopranistin Sabina Martin begeistert als „Armide"

Der Komponist Christoph Willibald Gluck (1714 -1787) gilt in der Musikgeschichte als Reformator. Für diesen Ruf hat er mit „Orfeo ed Euridice“ den Grund gelegt- ein Werk, das bis heute gelegentlich auf den Spielplänen auftaucht. Weit erfolgreicher war er freilich zu seinen Lebzeiten - und darüber hinaus -  mit der französischen Oper „Armide“, die er 1777 auf einen Text herausgebracht hatte, den zuvor bereits der Hofkomponist Lully bearbeitet hatte. Und die deutsche Erstaufführung hat 1823 niemand anders als Richard Wagner in Dresden dirigiert.

Die Märchengeschichte von der sarazenischen Zauberin, die sich wider ihren Willen in einen christlichen Kreuzritter verliebt, geht auf ein Vers-Epos von Torquato Tasso „Das befreite Jerusalem“ aus dem Jahre 1574 zurück. Der Stoff hat offenbar die Musiker sehr bewegt. Wie Lübecks Operndirektorin Katharina Kost-Tolmein im Programmheft berichtet, sind mindestens dreiunddreißig Musikwerke überliefert – das letzte 1903 von Antonin Dvorak.

In Lübeck hat der hier wohl bekannte Regisseur Michael Wallner diese Märchengeschichte in Szene gesetzt. Zwar stehen ihm nicht jene Effekte zur Verfügung, mit denen die Barockoper die Zeitgenossen beeindruckt hat. Sieht man davon ab, dass er die Sängerin Wioletta Hebrowska in der Rolle des „Hass“ in den Bühnenhimmel entschweben lässt. Und er hat ein geheimnisvolles Kind (Martha von Götz) „erfunden“, das letztlich von Armide umgebracht wird, bevor sie sich selbst entleibt.

Die feenhafte Handlung vollzieht sich außer mit vielen Lichteffekten und einigen Videos vor allem auf einem fast schwebenden Rundsteg, der sich über die Bühne zieht. In der Rolle der „Armide“ wird die freischaffende Sängerin Sabina Martin zum besonderen  Erlebnis dieses Abends. Mit großer volltönender Stimme, die auch in den hohen Lagen nie forciert klingt, kämpft sie gegen ihre Liebe zum Ritter Renaud. Den bietet der neu zum Ensemble gehörende Daniel Jenz nicht minder eindrucksvoll und elegant. Steffen Kubach und Jonghoon You als die „Kollegen“ Ubalde und Dänischer Ritter sind mit ihren Rundschilden mehr oder minder Spottbilder des Rittertums. Eindrucksvoll auch Gerard Quinn als König Hidraot, Marc McConnell als Ritter Artemidore und die Damen Steinunn Soffia Skjenstad, Evmorfia Metaxaki und Leonor Amaral in ihren Rollen als Phénice, Sidonie und Dämon, Sehr geheimnisvoll der von Joseph Feigl einstudierte Choi in den Kostümen vonTanja Liebermann.

Am Pult steht mit Christoph Spering ein Fachmann für historische Aufführungen. Der lässt das Philharmonische Orchester sehr klar- mitunter auch sehr laut! - aufspielen. Den Musikern gilt fast ganz seine Aufmerksamkeit – gut, dass Sänger und Chor recht einsatzsicher sind.

Das Premierenpublikum ist sicht- und hörbar beeindruckt und feiert alle Mitwirkenden begeistert. Ein einzelner Buh-Ruf gegen die Regie war wohl mehr ein Scherz.

Horst Schinzel 01.03.2014                                         Fotos: Jochen Quast

 

 

 

Besprechungen früherer Aufführungen befinden sich ohne Bilder weiter unten auf der Seite Lübeck des Archivs.

 

 

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